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Pokémon Go. Eine Elterninfo. Mein Versuch in die Welt meiner Kinder einzutauchen.

Pokémon Go. Eine Elterninfo. Mein Versuch in die Welt meiner Kinder einzutauchen.

Familie

09-2022

Pokémon Go. Eine Elterninfo.

Der Tag endete sehr erfreulich und noch freudiger begann der heutige. Direkt nach dem Aufstehen konnte ich meinem fünfjährigen Sohn stolz von meinem gestrigen Fang berichten: Ein 2000er Glurak mit Partyhütchen!

Er war begeistert und wiederholte mit seiner goldigen fünfjährigen Stimme lachend: Ein Glurak mit P-a-r-t-y-h-ü-t-c-h-e-n?!

Glurak mit Partyhütchen ist ein Event-Pokémon. Es gibt auch einen shiny Pikachu mit einer Torte auf dem Kopf. Beide sind sehr süß.

Wir lachten gemeinsam.

Gemeinsam mit ihm zu Lachen ist das Schönste. Lachen verbindet.

Dafür hatte sich alles gelohnt!

Pokemon Go. Eine Elterninfo. 2 Jungen schauen gespannt auf ihr Smartphone. Sie spielen Pokémon Go. Mutter und Sohn lachend Arm in Arm.

Bild von Tammy Cuff

Mein Versuch

Meine drei Jungs sind im Pokémon-Sammelkarten Fieber. Auch der Fünfjährige hat von seinen Brüdern Pokémon Karten, die er hingebungsvoll in sein Album den Punkten nach aufsteigend einordnet. Er weiß inzwischen genau, welcher Wert niedriger und welcher höher ist. Seine künftige Lehrerin wird sich über sein Zahlenverständnis freuen.

Die größeren Jungs (zehn und zwölf) spielen digital gerne Minecraft und Pokémon Go. Leider haben sie so strenge Eltern, die ihnen nur minimale Spielzeiten gönnen.

Um nicht immer nur die motzende und reglementierende nervige Mama zu sein, wollte ich mehr Verständnis aufbringen können.

Verständnis entsteht, indem man etwas ‚versteht‘. Um meine Kinder besser verstehen zu können, musste ich in ihre Welt eintauchen. Ich wollte das Was und Warum ihrer Begeisterung verstehen.

Ich erinnere mich an meine Kindheit. Meine Eltern schienen nicht wirklich Ahnung von den Dingen zu haben, mit denen ich mir meine Zeit vertrieb und sich nicht sonderlich dafür zu interessieren. Keinesfalls teilten sie meine Begeisterung - und ich weitestgehend nicht ihre. Das ist schade, denn es schaffte Distanz. Bestünde dieser Zustand in einer Partnerschaft, würden wohl beide über ihre Beziehung sagen: „wir haben uns entfremdet“. Gegenseitiges Verständnis ist wichtig für eine wertschätzende Beziehung auf Augenhöhe.

Wir Erwachsenen dürfen nicht immer nur verlangen, dass sich die Kinder auf uns einlassen - auch wir müssen uns einlassen.
Leider sind wir häufig entweder zu kopflos oder zu bequem für einen Perspektivenwechsel, weil wir in unseren alltäglichen Aufgaben gefangen sind.

Folglich unterstellen wir, dass das, womit wir unsere Zeit verbringen, was uns fasziniert und begeistert, was wir interessant finden, das Non plus Ultra sei. Möglicherweise sind wir sogar der Auffassung, es gehöre zur Allgemeinbildung dazu.

Doch wer legt sie fest? Mit jemandem aus der eigenen Generation, der den Spruch mit der Wassermelone nicht kennt oder nie Pamela Anderson im roten Badeanzug den Strand entlang rennen gesehen hat, wird man nicht gemeinsam darüber lachen können.

Mit jemandem, den meine Kinder später auf einer Party treffen und von den Dingen, die zu ihrer Kindheit und Jugend „in“ waren, keine Ahnung hat, werden sie kein verbindendes Gespräch beginnen können, das in etwa so lauten könnte: „Hey, kennst du noch die Pokémon Karten? Hast du die auch gesammelt? Und erinnerst du dich an Pokémon Go, da konnte man Letarking eine richtig gute neue Attacke beibringen. Hattest du die auch?“

Gemeinsamkeiten verbinden.

Sie liefern Gesprächsstoff.

Das seit Kurzem auch mir und meinen Kindern - Ich kann mitreden!

Alles begann mit einem Klick.

In den letzten Ferien kam mir spontan die Idee, Pokémon Go runterzuladen.

Zum einen wollte ich mich bezüglich der Bedenkenlosigkeit dieses Spiels vergewissern und zum anderen eine Gemeinsamkeit mit meinen Kindern herstellen, die ihnen Spaß macht.

Du musst nicht glauben, ich wäre ein Computerfreak und fit in solchen Dingen oder fühlte mich gar zu Computerspielen hingezogen. Nein, mich überfordert schon die Bedienung eines einfachen Joysticks, die Musik im Hintergrund macht mich kirre und meist ist das Spiel schon verloren, bis ich kapiert habe, wie es funktioniert.

Nun saß ich da mit Pokémon Go auf meinem Handy.

Ich war die Ahnungslose - meine Jungs die Chefs.

Und du glaubst gar nicht, wie viele Fragen ich hatte, die ich alle an meine Kinder richten konnte. Sie standen mir Rede und Antwort und halfen mir, mich in die Welt dieses digitalen Spiels zurechtzufinden.

Das war irgendwie cool. Normalerweise war ich diejenige, die ihnen erklärt, wie die Welt funktioniert. Jetzt war es umgekehrt.

Es war etwas entstanden, das uns jede Menge Gesprächsstoff bot. Wir diskutierten über Spielstrategien, über besondere Features, über die Stärke einzelner Pokémon und tauschten sie miteinander aus. Sie rieten mir, ins selbe Team zu gehen wie sie, damit wir gemeinsam kämpfen konnten. So besiegten wir in Italien gemeinsam eine Arena und setzten unsere Pokémon hinein. Sie kamen erst Wochen nach unserer Rückkehr aus dem Italien Urlaub zu uns zurück.

Als ich die Chance hatte, meinen ersten Relaxo zu fangen, bibberten wir gemeinsam vor meinem Handy, ob er im Ball bleiben würde. Nach vielen Würfen blieb er - und wir jubelten gemeinsam. Mein Mann war irritiert. Klar! Er war nicht Teil der Konspiration und hatte sich bezüglich dieses Themas unfreiwillig ins Abseits begeben.

So schnell geht das.

Auch unter Kindern.

Wie ging es weiter?

Schon bald hatte ich das gleiche Level erreicht wie mein mittlerer Sohn und war knapp unter dem meines Ältesten. Ein spielerischer Ehrgeiz war in mir entfacht worden: Ich wollte mehr Sternenstaub, mehr Belohnungen, bessere Pokémon, ein höheres Level erreichen, mehr Bonbons, und Pokémon weiterentwickeln, um dann noch besser zu werden. Um das zu erreichen, musste ich mich auch außer Haus an anderen Orten auf die Suche nach Pokémon machen und natürlich immer wieder zwischendurch.

Zwischendurch „mal schnell“ das Spiel zu öffnen war sowieso eine feine Ablenkung, die mir immer eine Belohnung bereithielt.

Ich könnte kurz mal schauen, ob ich noch schnell ein Pokémon fangen kann … ach ja, und dann noch checken, ob es sich weiter entwickeln lässt und mit wie vielen Sternen es bewertet ist. Ach, und Team Rocket ist ja auch gerade da. Wenn ich noch einen kurzen Kampf mache, kann ich Sternenstaub gewinnen. Den brauche ich, um Pokémon weiterzuentwickeln. Außerdem könnte ich dann vielleicht noch eine Aufgabe erledigen, um eine weitere Belohnung zu bekommen - Konzentriert an diesem Blogartikel zu schreiben war zu einer anstrengenden Herausforderung geworden.

Denn mal ehrlich, was bekomme ich von dir, liebe Leserin, was sich gut anfühlt für das Schreiben meines Artikels? … Was bekommt ein Schüler, wenn er seine Mathe Hausaufgaben erledigt hat? Wahrscheinlich nicht mal ein Lob seines Lehrers. Auf jeden Fall keinen Sternenstaub und wenn es dumm läuft, trotzdem eine schlechte Note in der Klassenarbeit. Da muss das Gehirn nicht lange überlegen, wofür es sich entscheidet!

Ein Pokemon wird in freier Wildbahn mit dem Smartphone gefangen.

Bild von Tumisu

Pokémon Go. Eine Elterninfo.

Hat sich mein Experiment gelohnt?

Im Hinblick auf die Beziehung zu meinen Kindern hat es sich sehr gelohnt. Wir hatten jede Menge Spaß miteinander und mit Pokémon Go.

Ich habe erfahren, wie das Spiel funktioniert und bin unbesorgt, weil die Kämpfe graphisch harmlos dargestellt werden. Es fließt kein Blut. Die verfügbaren Attacken heißen Matschbombe, Nassschweif, Drachenklaue, Steinkante, Knuddler oder gar Gähner.

Die Altersfreigabe variiert von 9+ im Apple und Google Play Store über PEGI 7+ bis „für alle Altersgruppen“ im Galaxy Store, weil Fantasy Charaktere dennoch Schaden erleiden.

Ein Teil des Spieles ist es, sich mit dem Handy zu bewegen. Das kann für Kinder mit mobilen Daten gefährlich werden, weil sie dadurch vom Straßenverkehr abgelenkt sein könnten. Hat das Kind eine Prepaid Karte oder ein begrenztes Datenvolumen, könnte es schnell aufgebraucht sein oder teuer werden.

Leider bietet auch dieses Spiel die Möglichkeit zu In-App Käufen. Um das zu vermeiden, kann man die Kindersicherung für Pokémon Go aktivieren.

 

Außerdem habe ich am eigenen Leib erfahren, wie es sich anfühlt, wenn die Schokoladentorte ständig vor mir steht. Die Versuchung, ein Stückchen zu nehmen, ist riesengroß - selbst, wenn das Handy im Flugmodus während konzentrierter Arbeitsphasen neben mir liegt.

Das hat mich in meiner bisherigen Handhabung im Bezug auf die Medienzeit meiner Kinder bestärkt: Sie muss eingeschränkt bleiben!

 

Die ständige Verlockung ist schrecklich und erfordert ein hohes Maß an Selbstdisziplin. Die Belohnungen, die sich die Spieleentwickler ausgedacht haben, führen in die Sucht.

Es kam schon vor, dass ich beim Spielen „erwischt“ wurde und einer meiner Jungs sagte: „Ah, Mama, bist du am Suchten!“. Das ist natürlich oberpeinlich und ich fühlte mich so richtig ertappt. Natürlich wollte ich das vertuschen und mir lag schon eine Ausrede auf den Lippen… Schwuppdiwupps war es passiert und ich war versucht zu schwindeln. Grausam!

Was habe ich aus meinem Versuch gelernt?

Ich möchte meine Kinder davor schützen, sich in der Situation wieder zu finden, mich und meinen Mann belügen zu ‚müssen‘. Und ich möchte sie davor schützen, ständig dieser Verlockung ausgesetzt zu sein. Das geht leider nur, indem ich als Erwachsene in diesem Punkt die Verantwortung übernehme und zur Not den Groll auf mich ziehe. Ja, sie sollen spielen und ihren Spaß dabei haben, aber nicht immer und zu jeder Zeit.

Mit meinem Anspruch an mich, eine verantwortungsvolle und fürsorgliche Mama zu sein, muss ich zu meinem NEIN aus Liebe stehen. Auch, wenn sich das oft hart anfühlt und ich mich Diskussionen stellen muss.

Natürlich sollen Kinder lernen, dieser Verlockung zu widerstehen. Das ist jedoch eine Frage des Alters. Wenn das Gehirn schon im Kindergarten- oder Grundschulalter auf das einfache Belohnungsprinzip konditioniert wurde, fehlt der Gegenpol. Dem Kind, bzw. seinem Gehirn wurde nie in ausreichendem Maße die Chance gegeben das Gefühl zu erlernen, etwas aus einer realen Anstrengung heraus geleistet zu haben. Es war ja alles immer so bequem und fühlte sich so gut an. Möglicherweise bekam es auch sonst noch viele Hindernisse von Mama oder Papa aus dem Weg geräumt.

Warum sollte ein Kind mit Schuleintritt das ändern wollen? Woher soll die erforderliche Anstrengungsbereitschaft kommen und die „Freude am Lernen“, wenn sich das so richtig anstrengend anfühlt? Welchen Sinn soll es darin erkennen? Nur, weil alle Erwachsenen sagen, „du lernst doch für dich und dein späteres Leben“?

Menschliches Handeln wird überwiegend durch Emotionen motiviert. Nur die wenigsten entscheiden sich für ein Auto aus reiner Vernunft. Die meisten kaufen das Auto, weil sie es schön finden, sie sich mit der Marke identifizieren oder es einen gewissen Status symbolisiert. Oder sie kaufen das E-Auto, weil sie sich dann verantwortungsvoll, ökologisch oder fortschrittlich fühlen und ihr schlechtes Gewissen damit beruhigt haben. Das sind emotionale Gründe. Rationale Argumente helfen nur selten, wenn es um Motivation geht.

Wie handle ich verantwortungsvoll?

  • Ich möchte meinen Kindern eine Begrenzung geben und unterbinde während der Hausaufgabenzeit den freien Spielzugang. Die Verlockung ist viel zu groß. Das habe ich am eigenen Leib erfahren. 
  • Bei täglichem Spiel denken Kinder jeden Tag daran und sind täglich der Versuchung ausgesetzt. Also sehe ich mich vor der Frage, ob es besser ist, meine Kinder täglich ein bisschen spielen zu lassen oder lieber seltener und dafür ein bisschen länger?
  • Ich schränke die Spielzeit mindestens eine Stunde vor der erwünschten Schlafenszeit ein. Besser sind eineinhalb Stunden. Müde Kinder sind nicht aufnahme- und konzentrationsfähig. Da hilft dann auch kein Konzentrationstraining.
  • Ballerspiele und Egoshooter dulde ich nicht unter meinem Dach. Punkt. Egal, wer das sonst spielt. Es entspricht nicht meiner Wertevorstellung.

Wie geht es weiter mit meinem Pokémon Account?

Das ist eine gute Frage. Eigentlich sollte ich Pokémon Go nun auf meinem Handy löschen, weil mein Experiment beendet ist.

Das schaffe ich allerdings nicht, weil ich so viele tolle Pokémon in meinem Beutel habe.

Also hoffe ich einfach darauf, dass meine verantwortungsbewussten Eltern mir meine Zeit sinnvoll begrenzen, sodass ich weiterhin Spaß mit dem Spiel haben kann und dennoch meine Arbeit darunter nicht leidet 😉

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Ich bin Silke Krämer.

Kinder- und Jugendcoach Professional, NLP Master und Coach, EMDR Traumatherapeutin und Gymnasiallehrerin

Ich helfe Familien, wenn es Schulstress gibt und daheim die Fetzen fliegen. Außerdem unterstützte ich Mütter und Väter dabei, sich den Herausforderungen des Familienlebens selbstbewusst zu stellen.

Als Trainerin für Reflexintegration helfe ich deinem Kind, damit ihm die Schule bei Konzentrations­schwächen, Lern- und motorischen Problemen leichter fällt.

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Bildschirmzeit für Kinder: So findest du einen guten Umgang damit.

Bildschirmzeit für Kinder: So findest du einen guten Umgang damit.

Familie

07-2022

Wer von uns hat das Gefühl, er sollte seine Bildschirmzeit reduzieren?

Wer von uns hat das Gefühl, dass seine Kinder weniger Zeit vor elektronischen Geräten verbringen sollten?

Und wer von uns möchte gerne einen Nachschlag von der Lieblingsspeise?

Ganz genau: wir alle! Von angenehmen Dingen können wir nur schwer genug bekommen.

Das Thema ist genauso anstrengend wie alltäglich: Ein Medien-Fahrplan und Regeln führen schließlich oft zu Gemecker und Augenrollen, wenn angekündigt wird, dass der Fernseher, das Handy, oder die Computerspiele nur zu bestimmten Zeiten genutzt werden dürfen.

Ich kenne das.

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Bild von Victoria_Art

Viereckige Augen oder Spielverderber?

Und genau deshalb mache ich mir so viele Gedanken dazu. Gerade jetzt zur Sommerferien-Zeit, wenn es so viel Freiheit und scheinbar endlose Möglichkeiten gibt, ist es als Eltern oft schwer, für unsere jüngeren Kinder tolle Beschäftigung zu bieten und für unsere älteren Kinder die Balance zwischen Unabhängigkeit und ‚Aufpassen‘ zu finden.

Wenn auch du dich oft in der Situation siehst, dass du dir als ‚Spielverderber‘ vorkommst, weil du schon wieder ermahnst, dann können dir die folgenden Tipps hoffentlich helfen.

Die tolle Seite des Internets

Zuerst einmal möchte ich ganz klar sagen, dass Medien generell nichts Böses sind.

Zugang zum Internet kann etwas ganz Tolles sein: Unglaublich viel Wissen ist in Sekunden erreichbar, man kann blitzschnell mit Freunden auf der ganzen Welt kommunizieren, mit der Oma ein Bild vom letzten ausgefallenen Milchzahn teilen, Geschichten und Welten erkunden, denen man sonst nie begegnet wäre und und und… es kommt also ganz klar darauf an, wie wir mit all dem umgehen!

Es ist ein bisschen so wie der Straßenverkehr – das System ist toll und hilft uns allen, schneller irgendwo hinzukommen. Aber auch wenn Ampeln meist klasse funktionieren, so ist es ratsam, auch bei grün nicht einfach loszurennen, sondern die Augen offen zu halten.

Verstehst du was ich meine?

Mama, warum bist du schon wieder am Handy?

Als mein jüngster Sohn mich vor ein paar Tagen gefragt hat, warum ich denn schon wieder am Handy und an meinen Mails sei, ist mir dann die (zugegeben etwas unangenehme) Wahrheit aufgefallen: ich muss und möchte meinen Kindern den gesunden Umgang mit digitalen Medien vorleben. Nur dann kann ich erwarten, dass auch sie diese Welt aufmerksam und vernünftig erkunden.

Wenn ich mich jeden Abend vor den Fernseher schmeiße und unzufrieden rumschalte, nur um mich abzulenken bis es Zeit ist, ins Bett zu gehen, dann darf ich mich eigentlich auch nicht beschweren, wenn meine Söhne ihre Computerspiele zur Betäubung nach einem anstrengenden Schultag nutzen.

Tipps für den Alltag

Im Alltag heißt das für mich konkret, dass ich aufpasse, wann ich welche Geräte benutze:

  • Ich mache mir Zeiten, in denen ich E-Mails auf dem Handy außerhalb der Arbeit beantworte, anstatt auf jede blinkende Meldung zu reagieren.
  • Wenn ich etwas auf meinem Tablet oder Handy schauen oder lesen möchte, setze ich mich damit hin wie mit meinem Buch, anstatt zwischen Tür und Angel zu tippen.
  • Ich treffe die bewusste Entscheidung, jetzt einen Film zu schauen, statt mich aus Prinzip abends vor den Fernseher zu hocken.
  • Ich versuche es zu vermeiden, direkt vor dem Einschlafen das Handy zu nutzen.
  • Anfangs waren es wir, die die Regel aufgestellt haben, dass keine Handys bei gemeinsamen Mahlzeiten am Tisch sind - inzwischen sind die Kinder der höchste Wächter dieser Regel. Das gilt sowohl für Mahlzeiten zu Hause als auch außer Haus.

Klappt das immer? Manches besser, manches schlechter: Aber ganz ehrlich, wenn ich mich an diese Regeln halte, dann fühle ich mich besser und das nicht nur, weil ich meinen Jungs ein Vorbild sein kann.

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Bild von Victoria_Art

Bildschirmzeit: Verbote oder Regeln?

Ich finde ein Medien-Verbot als Strafe ziemlich unsinnig- ebenso wenig Bonus Spielzeit als Belohnung. Ich wende in meiner Erziehung bei meinen eigenen Kindern keine Bestechung an. Außerdem erschließt sich mir der direkte Zusammenhang zwischen guten Schulnoten und Computerspielzeit nur mäßig.

Ich lege großen Wert darauf, dass meine Kinder meine Entscheidungen verstehen können - auch, wenn sie sie nicht immer mögen.

Als verantwortungsvolle Mama oder Papa muss man selbstbewusst genug sein und hinter unpopulären Entscheidungen stehen. Erziehung ist nicht immer einfach. Es fordert ein großes Maß an Selbstdisziplin und wohl überlegten Entscheidungen. Ein NEIN aus Fürsorge und Verantwortungsbewusstsein bin ich meinem eigenen Anspruch als gute Mutter schuldig.

Das beinhaltet für mich eine Einschränkung der Bildschirmzeit und eine bewusste Auswahl erlaubter Spiele. Ich lasse keine Ego-Shooter Spiele zu und auch am Wochenende ist die Zeit nicht unbegrenzt. Ich vermeide es, einen Zusammenhang zwischen Schule/Leistung und Medienkonsum herzustellen.

Klar, leidet die Leistung meist unter exzessiver Nutzung, doch ist das nicht DER Grund, warum ich die Bildschirmzeit einschränke. Da spielen für mich noch ganz andere Faktoren eine Rolle, wie z.B. die perfekte Programmierung dieser Spiele im Hinblick auf das Belohnungsprinzips. Auf Belohnung springt das menschliche Gehirn sofort an.

Ist das Gehirn darauf konditioniert, ist es kaum verwunderlich, dass Anstrengungsbereitschaft und klassisches Lernen, wie es in der Schule stattfindet, unattraktiv sind. Das Gehirn ist schließlich einen anderen Umgang gewohnt.

Die konsequente Umsetzung eines Medienfahrplans in der Familie steht und fällt mit dem Selbstbewusstsein der Eltern zu einem NEIN zu stehen und der Bereitschaft, die Konsequenzen, die aus dem Nein resultieren, zu ertragen.

Diese Forderung stellt die moderne Elternschaft an uns.

Haben Eltern in ihrer eigenen Kindheit gelernt immer gefallen zu müssen oder waren sie selbst sehr angepasste Kinder, wird es ihnen als Erwachsener noch schwerer fallen, konsequent zu ihrem Nein zu stehen.

Bei aller Anstrengung: Mit Spaß geht’s leichter!

Ich möchte nicht, dass meine Kinder das Gefühl haben, dass Medien bei uns verteufelt werden. Wie wir alle wissen, ist Verbotenes gerade für junge Leute ziemlich reizvoll und es gibt ja auch wirklich tolle Sachen, Spiele, Medien da draußen! (Kleiner Spoiler: Mehr dazu im nächsten Blogbeitrag im September.)

Ich finde also, wir können uns als Eltern hier auch ein bisschen zurücklehnen und zum einen unseren Kindern vertrauen, dass sie ganz schön schlau sind und auch in der digitalen Welt zurechtkommen. Und zum anderen können wir uns daran erinnern, dass die Hauptsache ist – im Leben generell und online – Spaß zu haben.

In meiner Kindheit haben sich die Erwachsenen immer darüber beschwert, wie unmöglich es ist, dass alle Kinder Comics statt Büchern lesen. Und heute beschweren wir Alten uns eben darüber, dass die Jungen vor dem Bildschirm sitzen anstatt vor dem guten alten Comic. 😉

Wenn also mal vielleicht drei Harry Potter-Filme am Stück geschaut werden in den großen Ferien, aber das mit viel Genuss, dann ist auch das wunderbar! Am besten natürlich, ihr schaut gemeinsam mit euren Kindern (die Filmauswahl überlasse ich allerdings euch).

Ich wünsche dir und deinen Kindern einen entspannten Sommer voller neuer Entdeckungen – in der echten und der digitalen Welt!

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Verhalten und Gesundheit von Kindern – Was hat die Ernährung damit zu tun?

Verhalten und Gesundheit von Kindern – Was hat die Ernährung damit zu tun?

Familie

07-2021

„Du bist, was du isst“

Dieses Sprichwort ist sicherlich jedem von uns bekannt – und es enthält viel Wahrheit, für uns Erwachsene und auch für unsere Kinder. Essen liefert uns die Energie zum Leben und somit ist es unglaublich wichtig, dass wir diese Energiequelle auch richtig nutzen. Neben den direkten, medizinisch erwiesenen Vorteilen einer vollwertigen Ernährung, spielt wie und wann wir essen auch eine sehr wichtige Rolle im Wohlbefinden unserer Kinder.

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Bild von Jill Wellington

Damit du diese Verantwortung nicht als Belastung, sondern als Chance sehen kannst, habe ich dir in diesem Blogbeitrag in Zusammenarbeit mit der Ernährungsexpertin Sina Silberberger einige wichtige Informationen zum Zusammenspiel zwischen Essen und dem körperlichen und psychischen Zustand im menschlichen Körper, sowie konkrete Tipps zur gesunden Ernährung deiner Kinder zusammengestellt.

Verhalten und Gesundheit von Kindern - Was hat die Ernährung damit zu tun? 1

Sina Silberberger ist Ernährungswissenschaftlerin und zertifizierte Ernährungsberaterin der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE). Sie hat Ernährungswissenschaften an der Universität Jena (Bachelor) und Ernährungsmedizin in Hohenheim (Master) studiert.

Ihre Beratungsschwerpunkte sind die Ernährung in der Schwangerschaft und Stillzeit, die Ernährung von Kindern und Jugendlichen sowie die Ernährung im Kraftsport.

Der Darm: intelligenter Übersetzer zwischen Essen und Körper

Bereits die ältesten Kulturen dieser Welt wussten, was uns die moderne Medizin auch heute bestätigt: Der Darm wird mit seinem riesigen Netzwerk an Nervenzellen „das zweite Gehirn“ genannt.

Mit Verbindungen zu unserem Immunsystem, dem Stoffwechsel und dem Gehirn ist dieses Organ mit dafür verantwortlich, dass alle guten Nährstoffe aus dem Essen auch optimal verwertet werden können. Stoffe wie zum Beispiel Omega-3-Fettsäuren, die essentiell für die Gehirnfunktion sind, kommen bei richtiger Ernährung über den Darm in den Körper.

Mit einer Überzahl an guten Darmbakterien, die beispielsweise durch sogenannte pro- und präbiotische Lebensmittel wie Sauerkraut, Hülsenfrüchte oder Beeren gefördert werden, kann das Verdauungssystem gutes Essen richtig aufnehmen und an den restlichen Körper weitergeben.

Genauso wirkt sich eine gestörte Darmflora auch auf den restlichen Körper aus: Wenn der Darm nicht gesund ist, sind kurzfristige und langfristige negative Effekte, beispielsweise auf das Gehirn, möglich.

Verhalten und Gesundheit von Kindern - Was hat die Ernährung damit zu tun? 2

Ernährung und Verhalten: Ein komplexes Zusammenspiel

Deshalb lohnt es sich, bei ungewöhnlichem Verhalten eines Kindes auch dessen Ernährung nach möglichen Übeltätern zu untersuchen.

So können sich zum Beispiel ADHS-Symptome durch Gluten-Verzicht verbessern. Und Zucker, der zwar kein bewiesener ADHS-Auslöser ist, kann trotzdem einen negativen Einfluss auf das Verhalten eines Kindes mit ADHS haben.

Mit Abstand zu genießen: Zucker

Als Stoff, der aufgrund seiner Wirkung von internationalen, unabhängigen Experten wie eine Droge behandelt wird und bei Verzicht echte Entzugserscheinungen auslösen kann, lohnt es sich, den Zuckergehalt von Lebensmitteln gerade bei Kindern genauer im Blick zu behalten.

Wir alle wissen, dass beispielsweise der hohe Zuckeranteil in natürlichem Obst in den richtigen Mengen und durch die Kombination mit den anderen Komponenten im Obst, wie Ballast- und Mineralstoffen, nicht schädlich ist. Deshalb sollte dieses auch möglichst „komplett“ verzehrt werden, also nicht als Saft, denn bei diesem sind die wertvollen Bestandteile nicht enthalten.

Die wahren Übeltäter jedoch sind die versteckten Zusätze, die im Großteil der verpackten Lebensmittel enthalten sind. Besonders schädlich sind zugesetzte Fructose und zudem alle Süßstoffe, da deren Sicherheit immer noch nicht wissenschaftlich bewiesen ist. Diese Zuckerarten vermindern die Fähigkeit des Gehirns, den Energiegehalt der Nahrung wahrzunehmen und unterbrechen den Signalweg, mit dem unsere Organe dem Gehirn sagen, dass wir satt sind.

Zahlreiche Studien belegen, dass eine Umstellung auf gesunde Ernährung – so schwer diese auch sein kann – langfristig die Entzündungswerte senkt, Gehirngesundheit fördert und auch die Stimmung und eigen wahrgenommenes Wohlbefinden des jeweiligen Kindes sich verbessern.

Gerade bei Kindern, die mit ihrer psychischen und körperlichen Gesundheit Probleme haben, können Eltern hier über eine gesunde Ernährung zu deren Besserung beitragen und den Prozess positiv beeinflussen.

Ernährung: Auf dem Weg zur guten Stimmung

Sind Kinder niedergeschlagen, antriebslos oder haben Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren und zu schlafen, so hängt auch dies oft mit der Ernährung zusammen. Es kann eine Nahrungsmittelintoleranz hinter diesem Verhalten stecken oder aber auch eine falsche Ernährungsweise: oft kann das Problem durch mehr Omega-3-Fettsäuren (beispielsweise in Nüssen oder fettem Seefisch), ausreichende Zunahmen von Flüssigkeit (natürlich ohne Zucker) und einer generell guten Qualität der Ernährung behoben werden.

Unruhe hängt oft mit starken Blutzuckerschwankungen zusammen, die durch zuckerhaltige Lebensmittel – häufig natürlich Junk- / Convenience-Food – ausgelöst werden. Da gerade Frühstückzerealien für Kinder eine sehr hohe Menge an Zucker enthalten, lohnt es sich schon auf einen guten Start in den Tag zu achten.

Eine Kombination verschiedener Nährstoffe, Proteine und Ballaststoffe ist hier der richtige Ansatz: lecker sind z.B. Vollkornbrot mit Käse oder Ei und Obst oder Gemüse, auch Joghurt mit ungezuckerten Getreideflocken und Beeren sind ebenso beliebt wie gesund. Und Achtung: Viele Müslis sollten eher in der Süßwarenabteilung stehen, statt vorzugaugekeln, sie hätten irgend etwas mit gesunder Ernährung zu tun.

Sind Kinder niedergeschlagen, antriebslos oder haben Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren und zu schlafen, so hängt auch dies oft mit der Ernährung zusammen. Es kann eine Nahrungsmittelintoleranz hinter diesem Verhalten stecken oder aber auch eine falsche Ernährungsweise: oft kann das Problem durch mehr Omega-3-Fettsäuren (beispielsweise in Nüssen oder fettem Seefisch), ausreichende Zunahmen von Flüssigkeit (natürlich ohne Zucker) und einer generell guten Qualität der Ernährung behoben werden.

Unruhe hängt oft mit starken Blutzuckerschwankungen zusammen, die durch zuckerhaltige Lebensmittel – häufig natürlich Junk- / Convenience-Food – ausgelöst werden. Da gerade Frühstückzerealien für Kinder eine sehr hohe Menge an Zucker enthalten, lohnt es sich schon auf einen guten Start in den Tag zu achten.

Eine Kombination verschiedener Nährstoffe, Proteine und Ballaststoffe ist hier der richtige Ansatz: lecker sind z.B. Vollkornbrot mit Käse oder Ei und Obst oder Gemüse, auch Joghurt mit ungezuckerten Getreideflocken und Beeren sind ebenso beliebt wie gesund. Und Achtung: Viele Müslis sollten eher in der Süßwarenabteilung stehen, statt vorzugaugekeln, sie hätten irgend etwas mit gesunder Ernährung zu tun.

Verhalten und Gesundheit von Kindern - Was hat die Ernährung damit zu tun? 3

Bild von Steve Buissinne

Kinder haben eigene Köpfe: Ernährung spielerisch gestalten

Wie bei allen Themen, die ich behandle, gilt es natürlich für dich und dein Kind die beste Lösung zu finden. Ein Beispiel, das mich hier oft zum Lächeln bringt, ist eine frühere Klassenkameradin, der Süßigkeiten zuhause strengstens verboten wurden – deshalb kannte sie ihre Grenzen nicht und futterte sich auf Kindergeburtstagen oft den Bauch so voller Schokolade, dass sie mit Bauchschmerzen früher abgeholt werden musste.

So ist es äußert wichtig, jedem Kind zu erklären, weshalb Süßigkeiten oder auch zuckerhaltige Getränke (dazu zählen übrigens auch Fruchtsäfte - sogar die selbstgepressten - und Smoothies!) nicht gut sind. Das Gleiche gilt für viele Frühstückscerealien aus dem Supermarkt, die „extra“ für Kinder beworben werden. In den meisten Fällen erlaubt die Gesundheit des Kindes hier ja auch etwas Spielraum in der Umgewöhnungsphase – so wie auch wir Erwachsene uns ab und zu ein Gläschen Wein gönnen, obwohl Wasser theoretisch gesünder wäre.

Im Alltag kannst du und solltest du also dein Kind gerne darin einbeziehen, wie es sich ernährt. Halte gesunde Snacks und Mahlzeiten bereit und sprich offen über das Thema Essen als Energiequelle und Heilmittel.

Frage dein Kind zum Beispiel, wie es sich nach Zuckerkonsum fühlt und bringe ihm bei, auf den Körper zu hören. Ist der Anflug von Hunger vielleicht nicht doch nur Durst, der durch ein frisches Glas Wasser oder schön bunten, ungesüßten Tee gelöscht werden könnte?

So unterschiedlich unsere Wege als Eltern und Kinder verlaufen und bei den verschiedenen Hürden, die das Leben dem psychologischen und körperlichen Wohlbefinden unserer Kinder manchmal leider in den Weg legt, können wir uns alle darauf konzentrieren, das Potenzial einer gesunden Ernährung zu erkennen und dies als Chance für Verbesserung zu sehen. Es lohnt sich wirklich.

Mit (viel) Geduld werden Lebensmittel so zur Unterstützung eines zufriedenen (Kinder-) Lebens und den tollen Auswirkungen einer gesunden Ernährung und der Freude am Essen steht nichts mehr im Weg!

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Ich bin Silke Krämer.

Kinder- und Jugendcoach Professional, NLP Master und Coach, EMDR Traumatherapeutin und Gymnasiallehrerin

Ich helfe Familien, wenn es Schulstress gibt und daheim die Fetzen fliegen. Außerdem unterstützte ich Mütter und Väter dabei, sich den Herausforderungen des Familienlebens selbstbewusst zu stellen.

Als Trainerin für Reflexintegration helfe ich deinem Kind, damit ihm die Schule bei Konzentrations­schwächen, Lern- und motorischen Problemen leichter fällt.

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Streit mit meinem Kind: So vermeidest du die Eskalation.

Streit mit meinem Kind: So vermeidest du die Eskalation.

Familie

02-2021

In Streitsituationen geht oft alles ganz schnell: Einer macht eine unvorsichtige Bemerkung, die zweite Person greift dies als Attacke auf und plötzlich explodiert die Stimmung. Oft rutschen dann böse Kommentare heraus, die man nicht mehr zurücknehmen kann, so sehr man sich dies später mit einem klaren Kopf auch wünscht.

Du hast das bestimmt auch schon einmal erlebt. Während du vielleicht schon ein Bild von solch einer Situation in deinem Kopf hast, fragst du dich, wie du das eigentlich vermeiden kannst. Meistens fühlen wir uns doch schlecht nach solch einer Eskalation.

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Streit und Stressreflexe: Werde dir deiner Ur-Trigger bewusst

Wenn du solche Eskalationen vermeiden möchtest, ist es zuerst einmal wichtig, dass du dir darüber bewusst wirst wo die Auslöser, oder Trigger, einer extremen Reaktion bei dir selber liegen. Dann kann im nächsten Schritt daran gearbeitet werden, diesen Triggern ihre emotionale Macht zu nehmen und dadurch ungewollt starke Reaktionen besser kontrollieren zu können – schließlich sind die negativen Gefühle in Streitsituationen für keinen der Beteiligten angenehm.

Um zu erklären, wie tief solche emotionalen Reaktionen liegen, möchte ich mit einer kleinen Geschichte über sogenannte Stressreflexe beginnen: Stell dir vor, du bist als Steinzeit-Kind (denn aus dieser Zeit stammen ja die Gehirnstrukturen, die wir heute noch haben) mit deinen Eltern im Wald zum Beeren sammeln unterwegs.

Plötzlich siehst du auf der nächsten Lichtung einen großen Bären und gleichzeitig kommt deine Mutter und warnt dich, dass du sofort ganz still sein musst. Denn wenn der Bär dich sieht, wird er dich fressen – ein Ausgang, den jedes Gehirn evolutionsbedingt natürlich vermeiden möchte. In diesem Moment lernt dein Gehirn also, über die Angst deiner dich warnenden Mutter, dass Bären gefährlich sind.

Der Bär wird zu einem Trigger des Stressreflexes und wenn du das nächste Mal einen Bären siehst, wird dein sympathisches Nervensystem seine Angst-Alarmglocken läuten: vielleicht schlägt das Herz spürbar schneller, die Atemfrequenz erhöht sich, die Hände werden schwitzig.

Im Hintergrund schüttet dieses System jetzt massig die Stresshormone Adrenalin und Cortisol aus und koppelt sofort den Kortex (auch Großhirnrinde) ab, der für logisches und geplantes Denken zuständig ist. Alle Funktionen, die nicht direkt überlebensnotwendig sind (zum Beispiel die Verdauung) werden eingestellt. Schließlich geht es jetzt darum, sicher zu bleiben und nicht erst einmal darüber nachzudenken ob dieser hellere, flauschige Bär vielleicht schon zu Mittag gegessen hat und man ihn also doch mal streicheln könnte – nein, das Gehirn hat nur ein Ziel: Überleben!

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Bild von Jdaypix

Blackout: Das neue Totstellen

Im 21. Jahrhundert kommen einem solche Beispiele natürlich etwas extrem vor, denn glücklicherweise geht es in Konflikt- und Stresssituationen nicht mehr oft um das bloße Überleben selber. Der Trigger-Mechanismus des sympathischen Nervensystems funktioniert aber trotzdem auf die gleiche Art und Weise und sorgt dafür, dass deine Gefühle stärker sind als das logische Denken.

Stell dir zum Beispiel dein Kind in einer wichtigen Klassenarbeit vor: neben dem Zeitdruck und der Hektik, die wir als Erwachsene natürlich mit dieser Situation verbinden, ist es gut möglich, dass dein Kind sich auch komplett hilflos fühlt. Wie der Bär im Wald wird die Klassenarbeit zu einem Trigger und weil man in einem Klassenzimmer mit einer ‚bösen‘ Klassenarbeit weder gut kämpfen noch wegrennen kann, bleibt nur noch eines: totstellen.

Die Stresshormone, die das sympathische Nervensystem ausschüttet, sind so stark, dass es zu einem Blackout (dem „neuen Totstellen“) kommt und das Gelernte gar nicht mehr abgerufen werden kann.

Auch wenn dein Kind sich rational vielleicht sogar darüber bewusst ist, dass es nicht in Gefahr ist, so ist der Pfad dieser Gefühle so tief in die Evolution unserer Gehirne eingetrampelt, dass es viel bewusste Anstrengung kostet dem Gehirn zu zeigen, dass es nicht in Lebensgefahr schwebt.

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Hast du oder dein Kind immer die gleichen Trigger?

Wie vorhin beschrieben spielen die Trigger als Auslöser starker Reaktionen auch in Streitsituationen eine wichtige Rolle: beobachte einmal, wann ein Konflikt mit deinem Kind eskaliert. Häufig sind es ähnliche Auslöser – ein Blick, ein Satz, eine Geste – die uns immer wieder auf die Palme bringen.

Auch bei sogenannten psychologischen Spielchen kann das passieren. Ein klassisches Beispiel hierfür wäre, wenn dein Kind von der Schule nach Hause kommt und überhaupt gar nicht auf deine Fragen zu den Ereignissen des Tages oder den anstehenden Hausaufgaben einsteigt: schnell wirst du dich durch dieses Abprallen-lassen deiner Fragen frustriert fühlen und vielleicht entsteht dadurch sogar ein Streit.

Dabei geht es dann gar nicht mehr um die vordergründigen, organisatorischen Fragen, denn wenn dein Kind dir sagen würde: ‚Mama, ich bin jetzt einfach zu müde und möchte das später besprechen.‘, würdest du dich gleich anders fühlen.

Sobald der Trigger deine emotionale Reaktion ausgelöst hat geht es vielmehr darum, wie du dich fühlst, weil dein Gesprächspartner nicht auf dich einsteigt.

So unterbrichst du den Kreislauf

Wenn du also diese Trigger bei dir selber beobachtest und kennenlernst, wird das helfen den Kreislauf zu unterbrechen, der letztendlich zu der für dich und andere negativen Reaktion und zum Streit führt.

Eine gute Möglichkeit um diesen psychologischen ‚Muskel‘ zu trainieren, der den negativen Kreislauf rechtzeitig unterbrechen kann ist die Traumreise.

Hierfür möchte ich dich dazu einladen, dir einen sicheren Ort in deinem Kopf zu schaffen. Wähle einen Ort, der dir nicht verloren gehen kann: dein altes Kinderzimmer das es schon nicht mehr gibt ist also geeignet, während dein jetziges Schlafzimmer das du durch einen Umzug ‚verlieren‘ könntest nicht verwendet werden sollte.

An deinem Ort solltest du alleine sein und keine lebenden Personen oder Haustiere mitnehmen. Falls du doch unbedingt Gesellschaft möchtest, sollte diese in Form von Wesen sein, die es nicht gibt oder die nicht mehr auf dieser Welt sind. Wenn du dir deinen Ort klar vorstellen kannst, bringe die Gefühle dazu, die dir in der Konfliktsituation fehlen und dir helfen würden: möchtest du dich ruhiger fühlen? Souverän und gelassen? Oder frei statt eingeengt und gefangen?

Nimm mit, was auch immer dir nützlich erscheint. Mache diese Gefühle ganz groß und konzentriere dich darauf. Dann kannst du die Traumreise beginnen. Am besten sollte sie für drei Wochen jeden Tag ein Mal gemacht werden.

Wenn du jetzt das nächste Mal in eine Situation kommst, in der es einen Trigger für dich gibt, greife auf dieses Training aus der Traumreise zurück und rufe deinen sicheren Ort ab.

Manchmal kann eine räumliche Trennung, wie ein kurzer Ausflug zur Toilette, auch hilfreich sein, damit du dort an deinen sicheren Ort gehen kannst. Je öfter du an deinen sicheren Ort gehst, desto schneller kannst du ihn dann als Anker in schwierigen Situationen wiederfinden und ihn nutzen, um dich entspannter zu fühlen.

Das Abrufen der positiven Gefühle deines sicheren Ortes wird dein sympathisches Nervensystem wieder beruhigen, sodass es aufhört Adrenalin und Cortisol auszuschütten: du wirst ruhiger und kannst wieder klar denken.

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Worum ging es eigentlich im letzten Streit?

Vielleicht kannst du dann auch erkennen, dass Konflikte oft gar nicht das sind, wofür wir sie halten und dass die Wut über eine freche Antwort weniger mit der Antwort selber zu tun hat, als mit dem Gefühl der Machtlosigkeit, die sie in einem auslöst.

Nutze die Traumreise-Übung für dich und für dein Kind also auch, um euch über eure genauen Gefühle bewusst zu werden: es gibt viel mehr als gut und schlecht, wütend und glücklich. Sammle Gefühls-Adjektive wie missachtet, gekränkt, vernachlässigt, nicht wertgeschätzt oder ungeliebt, um ganz genau kennen zu lernen und auszudrücken, wie es dir eigentlich geht.

Jetzt bist du gewappnet

Nun kennst du deine eigenen Gefühle und hast deinen sicheren Ort. Du bist gewappnet und so lassen sich Streitsituationen, in denen dein Gehirn Alarm schlägt bewältigen und du kannst den negativen Kreislauf unterbrechen!

Während du nun möglicherweise noch einmal an die Situation, die du dir beim Lesen der Einleitung des Beitrags vorgestellt hast denkst, kannst du dir jetzt schon vorstellen, wie du die Eskalation erfolgreich vermeidest und dich somit besser fühlst. Bist du bereit?

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Ich bin Silke Krämer.

Kinder- und Jugendcoach Professional, NLP Master und Coach, EMDR Traumatherapeutin und Gymnasiallehrerin

Ich helfe Familien, wenn es Schulstress gibt und daheim die Fetzen fliegen. Außerdem unterstützte ich Mütter und Väter dabei, sich den Herausforderungen des Familienlebens selbstbewusst zu stellen.

Als Trainerin für Reflexintegration helfe ich deinem Kind, damit ihm die Schule bei Konzentrations­schwächen, Lern- und motorischen Problemen leichter fällt.

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Plane in fünf Schritten dein Jahr im Lebensbereich Familie

Plane in fünf Schritten dein Jahr im Lebensbereich Familie

Familie

01-2021

Wie ich in fünf Schritten meine Ziele für dieses Jahr im Bezug auf mein Familienleben festlege - und damit meine ich nicht den nächsten Ausflug in den Freizeitpark.

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Bevor du loslegst: Sammle deinen positiven Erfahrungen!

Bevor ich mit der Planung beginne, nehme ich mir viel Zeit und Ruhe, um über das vergangene Jahr nachzudenken.

Schon als Kind habe ich vor Silvester einen Jahresrückblick in ein hübsches Büchlein geschrieben. Ich fasste in einem Text die Geschehnisse des Jahres zusammen und bewertete danach, ob das Jahr für mich ein gutes oder eher ein nicht so gutes war. Diese Art der Verarbeitung tat mir gut und ich fühlte mich danach erleichtert, doch hinterließ es auch manchmal einen schalen Beigeschmack, wenn ich das Gefühl bekam, dass das Jahr „nicht so gut“ gewesen war.

Es war alles sehr schwammig und ungenau.

Heute kenne ich viel bessere Strategien, als einfach alles ungefiltert aufzuschreiben. Inzwischen weiß ich auch, woher das schale Gefühl kam: Ich lud belastende Erfahrungen in meinem Tagebuch ab. Dort verblieben sie für alle Ewigkeit wie in Stein gemeißelt. Das ließ keinen Raum zur Weiterentwicklung.

Entscheidend für unsere Weiterentwicklung ist es, das Positive beizubehalten oder gar zu verbessern und aus negativen Erfahrungen zu lernen.

Die Strategie, die ich heute für alle meine Lebensbereiche anwende, möchte ich im Bezug auf den Lebensbereich Familie vorstellen.

Hier sind die fünf Schritte, in denen ich das vergangene Jahr reflektiere und so das neue Jahr plane, um mir meiner Ziele bewusst zu werden.

Schritt Eins: Was hast du im letzten Jahr gelernt?

WAS HAT DIESES JAHR GUT GEKLAPPT?

Welche Erfolge kannst du feiern?

Wenn du, wie ich, häufig in der Zukunft als im Jetzt lebst (schließlich müssen wir Mütter ständig voraus planen - wer kennt das nicht!), fallen große und kleine Siege schnell mal hinten runter.

Um sich das bewusst zu machen hilft es, alles genau aufzuschreiben. Du denkst „boah, nee! - doch nicht vom ganzen Jahr und nicht von allen Kindern! - Doch, genau das ist wichtig. Ich schaue dafür einfach in meinen Kalender, denn ich wusste ja schon vor einem Jahr dass der große Rückblick im Dezember ansteht und habe mir deshalb vieles schon im Laufe der Zeit aufgeschrieben.

Ich hatte dieses Jahr viel Energie auf meine berufliche Weiterentwicklung gerichtet, sodass ich mir sehr bewusst vorgenommen habe, schöne Zeit mit meinen Kindern zu verbringen, damit ich sie nicht vernachlässige und mir die gemeinsame Zeit mit ihnen nicht verloren geht.
Das war oftmals sehr anstrengend und ich musste meine persönlichen Dinge dafür hinten anstellen, um dieses Vorhaben bewusst umzusetzen.

Für das neue Jahr habe ich mir vorgenommen, in meinem wöchentlichen „Gewohnheits-Tracker“ dafür ein Feld zu markieren. Ich darf das Feld ankreuzen, wenn ich mit einem der Kinder ein gutes Gespräch hatte oder wir gemeinsam Zeit mit etwas Schönem verbracht haben (zusammen Lernen oder Hausaufgaben machen zählt da nicht dazu.)

WAS HAT NICHT FUNKTIONIERT?

Aus dem, was nicht funktioniert hat können wir lernen, was wir in Zukunft anders oder gar nicht mehr machen wollen - deshalb hat alles seinen Sinn!

In stressigen Phasen verfalle ich leichter in die übliche Leier, die jede Eltern-Kind Beziehung betäubt: „Wann schreibt ihr die nächste Arbeit, hast du schon Gitarre geübt, warum liegen die Socken hier mitten im Weg, …“ - schrecklich! Mir fallen gefühlt 1000 dieser Sätze ein und ich hasse mich, wenn ich mich einen davon sagen höre.

Mein Fazit: Ich möchte so nicht sein und möchte einen anderen Umgang finden.

Um das besonders in stressigen, hektischen und erschöpften Lebensphasen zu schaffen, muss ich mir das noch deutlicher ins Bewusstsein holen. 

Ein zweiter Punkt ist der Umgang mit dem Thema Hausaufgaben und Lernen.

Mein Fazit: Es funktioniert bei keinem meiner beiden Schulkinder mit Druck. Auch hier bedarf es eines anderen Weges, als dem üblichen „du musst noch, hast du schon, du willst doch wohl selbst nicht …“-Gelaber.

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Schritt Zwei: Wie sieht deine Vision für dein Leben aus?

Ja, diese Frage klingt ziemlich groß!

Ist sie auch, denn deine Lebensvision beschreibt, wie dein Leben in drei, fünf oder mehr Jahren aussehen soll und umfasst alle Lebensbereiche, nicht nur den deiner Familie.

Jahresziele sind Zwischenetappen auf dem Weg zur großen Vision. Deshalb ist es so wichtig zu wissen, wo die Reise hingehen soll.

Mark Twain sagte: „Wer nicht weiß, wohin er will, der darf sich nicht wundern, wenn er ganz woanders ankommt.“

Eine große Hilfe dabei, meine Lebensvision und meine Ziele zu definieren, war mir das Buch von Ryder Caroll „Die Bullet Journal Methode“. Dieses Buch gibt viele praktische Anleitungen, um diese Themen strategisch zu bearbeiten.

Ebenso inspirierte mich das Buch von John Strelecky „The Big Five for Life“. Das Buch richtet sich zwar mehr an Unternehmen, doch lassen sich viele Gedanken daraus auf den privaten Lebensbereich übertragen.

Egal, wie du zu deiner Lebensvision kommst, das WARUM hinter deinen Zielen ist entscheidend!

Ohne ein für dich starkes Warum verpuffen deine Vorsätze so, wie das Vorhaben, endlich ab Januar mehr Sport zu machen oder für die nächste Klassenarbeit früher anzufangen zu lernen.

Schritt Drei: Welche Ziele möchtest du in den nächsten zwölf Monaten erreichen?

Deine Vision ist dein Wegweiser.

Dein jährliches Ziel bringt dich dieser Vision näher.

Die jährliche Reflexion über deine Vision hilft dir dabei, deine Vision immer wieder zu überprüfen.

Unsere Erfahrungen können dazu führen, dass wir an der Vision nachjustieren wollen und das ist gut so! Deine Vision ist nicht in Stein gemeißelt und es macht viel mehr Spaß, mit ihr spielerisch umzugehen - jedes Jahr auf ein Neues.

Ich möchte dir zwei Möglichkeiten vorstellen.

a. Du leitest deine Ziele direkt aus Schritt eins ab

Dabei schaust du, was dieses Jahr nicht geklappt hat und fragst dich, ob es dir wichtig ist, diesen Bereich zu verbessern. Frage dich: Warum ist es gut, wenn sich xy verbessert, was bedeutet das für uns, was ermöglicht uns das?

In meinem Beispiel würde ich aus „Meine Kinder mit Druck zum Lernen zu bringen klappt nicht“ ein neues positives Ziel formulieren. Das könnte sein:

  • Ich möchte keinen Streit mehr beim Thema Lernen. Warum? Weil unsere Beziehung dann liebevoller, inniger und ungestörter ist.
  • Ich möchte mich aus dem Schulbereich meiner Kinder mehr zurück ziehen. Warum? Weil wir dann weniger Streit haben und siehe oben.
  • Ich bringe meinen Kind mehr Eigenverantwortlichkeit bei. Warum? Weil es ihr Selbstbewusstsein stärkt und wir weniger Streit haben.

b. Werde dir anhand einer Wertehierarchie über deine Ziele klar

Im ersten Schritt mache ich mir Gedanken über meine Werte.
Was ist mir wichtig?

Dazu nehme ich mir ein Blatt für ein wildes Brainstorming. Alles, was spontan kommt, schreibe ich auf.

Im nächsten Schritt mache ich mir Gedanken über jeden einzelnen dieser Werte, den ich aufgeschrieben habe.

Dann priorisieren ich und beschränke mich bewusst auf eine Auswahl. Mein Ziel ist es, die mir fünf wichtigsten Werte herauszustellen.

Dieses Jahr habe ich das nicht ganz geschafft, denn es blieb eine Auswahl von sechs Werten übrig. Ich habe mir selbst gegenüber dann einfach ein Auge zugedrückt 😉 ...

Das Ergebnis: (Selbst-)Liebe, gütige Achtsamkeit, Wertschätzung, Empathie/Verständnis, Toleranz und Mut.

Diese Werte geben mir eine Richtung vor, aus denen ich klare Ziele formulieren kann.

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Bild von Free-Photos

Schritt Vier: Was musst du tun, um dein Ziel zu erreichen?

Um das Ziel formulieren zu können lasse ich mich von folgenden Fragen leiten, die sich aus meiner vorherigen Aufgabe ergeben:

  1. Warum ist mir Wert XY wichtig?
  2. Wie wirkt es sich in meinem Alltag aus, wenn ich diesen Wert mit einbeziehe, bzw. lebe?
  3. Was bedeutet das für uns?
  4. Was sollte ich nicht mehr tun, wenn ich diesen Wert in meinen Alltag integrieren möchte.
  5. Was sollte ich mehr tun?

Ich mache es am Beispiel Toleranz deutlich:

zu 1. Ich möchte meinen Liebsten die Möglichkeit geben, sich ihren Neigungen entsprechend frei entwickeln zu können.
zu 2. Kinder lernen durch Vorbilder und Nachahmung. Lebe ich Toleranz vor, werden auch sie diesen Wert in ihr Portfolio integrieren können. Irgendwann werde ich auch diese Toleranz mir gegenüber einfordern können.
zu 3. Unser Familienleben wird harmonischer werden, weil sich jeder wahrgenommen und angenommen fühlt.
zu 4. Ich sollte nicht in meiner Gedankenwelt bleiben und den anderen meine Erwartungen überstülpen.
zu 5. Ich sollte als gutes Beispiel voran gehen.

Nach all diesen Überlegungen kann ich eines meiner Ziele formulieren:

Ich möchte dieses Jahr dazu nutzen, um meinen Kindern tolerantes Verhalten vorzuleben.

Tony Robbins sagt: „Eine Familie braucht Liebe, Stärke und Wachstum - nicht Frieden!“

Ich denke, dass ich durch mein tolerantes Verhalten das Wachstum meiner Kinder positiv fördern kann.

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Bild von Alexas Fotos

Schritt Fünf: Brich deine Ziele auf kleine Happen herunter

Das klingt immer noch alles ziemlich abstrakt und sicherlich willst du jetzt wissen, wie du das schaffen kannst und fragst dich, was du konkret tun muss, um deine Ziele im Alltagstrubel nicht aus dem Blick zu verlieren.

Da gibt es zwei Dinge zu beachten:

1. Du musst dir immer wieder deiner Ziele bewusst werden.


2. Deine Ziele müssen in Aufgaben herunter gebrochen werden, die konkret sind (prozessorientiert).

Ein Beispiel: Fünf Kilogramm Abnehmen wäre das Ziel, die Aufgabe dazu könnte lauten: „Sonntags keine Chips essen.“

DER WEG ANS ZIEL IST DAS HERUNTERBRECHEN IN KLEINE AUFGABEN UND KLEINE ZWISCHENZIELE

Deshalb schreibe ich mir alles auf. Durch das Aufschreiben wird ein bewusster Prozess in Gang gebracht, der es mir abverlangt, eine möglichst präzise Formulierung zu finden. Wenn ich mein Ziel habe, dann kann ich das Wie angehen.

Dabei hilft mir die 5-4-3-2-1 Methode aus „Die Bullet Journal Methode“:

Ich teile eine Seite meines Journals in 5 Bereiche (Falls du kein Journal nutzt, kannst du das Ganze auch auf einem Blatt Papier machen).

Im obersten Feld stehen die Ziele, die ich in 5 Jahren erreicht habe, im nächsten Feld die Ziele, die ich in den nächsten 4 Monaten erreicht haben will, dann in 3 Wochen, 2 Tagen und 1 Stunde.

Dann frage ich mich nach dem Was und im zweiten Schritt nach dem Wie (das Warum hast du bereits abgehandelt).

Schauen wir uns das nochmal am Beispiel „Toleranz“ an:

5 Jahre: Ich habe die Grundlage gesetzt, die meine Kinder brauchen, um selbst eine tolerante Persönlichkeit entwickeln zu können.
Wie mache ich das? -> Wir lassen zusammen die Korken knallen!

4 Monate: Ich habe gelernt, eigene Vorgehensweisen meiner Kinder zu tolerieren.
Wie habe ich das geschafft? -> indem ich mir immer wieder meine Ziele und Zwischenziele vor Augen geführt habe und überlegt habe, in welchen Situationen es mir gelungen ist und in welchen nicht. Außerdem frage ich mich, warum es mir nicht gelungen ist und wie ich es künftig besser machen kann.

3 Wochen: Ich möchte lernen, zwischen Wichtigem und Unwichtigem zu unterscheiden. Anhand der Dinge, die mir nicht ganz so wichtig sind, kann ich mich persönlich leichter in Toleranz üben.
Wie mache ich das? Ich mache mir bewusst, in welchen Situationen ich mehr das Bedürfnis meiner Kinder sehen, wertschätzen, annehmen und akzeptieren werde. Auch das schreibe ich mir auf.

2 Tage: Ich nehme die Bedürfnisse meiner Kinder wahr, um zu wissen, worauf ich mich einzustellen habe. 
Wie mache ich das? -> Ich werde mir darüber klar, wo genau meine Toleranz besonders gefordert ist. Das schreibe ich mir auf.

1 Stunde: Ich möchte heute mit meinen Kindern über Toleranz sprechen. Wie? Dafür muss ich mir ein altersgerechtes Beispiel überlegen.

Wenn du möchtest, kannst du diese Ziele priorisieren, damit es dir leichter fällt, dich wirklich auf eine Sache zu konzentrieren und die dafür richtig gut umzusetzen. Generell ist es gut, sich nicht zu viele Ziele auf einmal vorzunehmen. Mehr als vier Ziele solltest du auf einmal nicht haben. Wenn du diese Ziele schon früher erreicht haben solltest, kannst du dir jederzeit neue Ziele überlegen - auch, bevor das Jahr rum ist.

Um diese Ziele aktiv anzugehen, brauchst du einen praktischen Plan. Das ist das Wie.
Im letzten Schritt gehst du alle Punkte noch einmal durch und überlegst dir konkrete Situationen oder Ansätze, WIE du das Was umsetzen kannst. In meiner beispielhaften Ausführung habe ich das Wie direkt mit beantwortet. In der Praxis sind das zwei Schritte.

Planst du auch dein Familienleben? Was hältst du überhaupt von dieser Idee? Hast du etwas gelernt, was du ausprobieren möchtest? Ich freue mich über deine Gedanken!

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Ich bin Silke Krämer.

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So viel Wut und Trauer bei Kindern – Teil II: Diese Strategie hilft dir.

So viel Wut und Trauer bei Kindern – Teil II: Diese Strategie hilft dir.

Familie

12-2020

Im ersten Teil dieses Blogartikels habe ich darüber geschrieben, wie wir uns selber und unseren Kindern helfen können, wenn wir unsere positiven und negativen Gefühle akzeptieren und lernen, offen damit umzugehen. Schließlich gehören all diese Gefühle zum Leben dazu und entscheidend ist, wie wir mit ihnen umgehen!

Jetzt möchte ich dir noch genauer dabei helfen, dieses Wissen im Alltag anzuwenden. Denn oft klingen solche Ideen für uns logisch nachvollziehbar, doch sobald wir sie umsetzen möchten, meldet sich eine leise (oder laute) Stimme, die sagt: „Das klingt ja alles schön und gut, aber in Wirklichkeit ist es einfach zu schwierig!“.

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Vielleicht regen dich die offen gezeigten negativen Gefühle deines Kindes so stark auf, dass du impulsiv heftiger reagierst, als du eigentlich möchtest. Oder vielleicht löst die Reaktion deines Kindes unangenehme Bilder oder Erinnerungen aus deiner eigenen Kindheit aus, mit denen du schwer umgehen kannst. Weil es dir nie beigebracht wurde, sorgfältig mit deinen Gefühlen umzugehen, hast du eigene Strategien erlernt, die dir damals geholfen haben.

Negative Gefühle als Trigger

In Wahrheit sind deine Reaktionen auf die negativen Gefühle deines Kindes also eigentlich Reaktionen auf Auslöser oder „Trigger“ für deine eigenen Gefühls-Vermeidungs-Strategien.

Weil du dies so gelernt hast, möchtest du unangenehme und negative Gefühle so schnell wie möglich abstellen und wegschieben, anstatt sie zu durchleben – und das obwohl dies (wie in Teil 1 ausführlich erklärt) nur dazu führt, dass die Probleme sich anstauen und immer größer werden. Jedes Gefühl, das in die Welt hinausgetragen wird potenziert sich dort. Höchste Zeit also, dass wir lernen richtig damit umzugehen!

Um den Teufelskreis zu durchbrechen, der sich oft einstellt, wenn die Negativität von außen nur so auf einen einprasselt, hilft es, deine Trigger zu identifizieren und sich diese Zusammenhänge ganz bewusst zu machen. Das ist gar nicht einfach und wenn es dir schwerfällt, deine Reaktion alleine rational zu betrachten, kannst du dir Hilfe holen (z.B. im Coaching).

Denn wenn wir unreflektiert aus unseren eigenen Gefühlen handeln, ohne darüber nachzudenken, lösen unsere elterlichen Reaktionen oft ganz andere Gefühle in unseren Kindern aus, als wir beabsichtigen.

Gut gemeint ist nicht gut gemacht

So auch im Beispiel einer Mutter, die nicht wusste, wie sie mit der Prüfungsangst ihrer Tochter umgehen sollte. Die Tochter fühlte sich frustriert und verzweifelt, weil sie nicht versagen wollte und die Mutter wollte sie aus ganzem Herzen unterstützen: Doch ihre aufmunternd gemeinten Zusprüche („Du hast noch nie eine schlechte Note mit nach Hause gebracht, du wirst das wieder super hinkriegen, mach dir keine Sorgen!“) sorgten nur dafür, dass die Tochter mehr Druck verspürte.

Sie sah die Worte als Erwartungen, denen sie gerecht werden musste. Da Lehrer und andere Verwandte auf ihre Sorgen ähnlich reagierten, entwickelte sie sich zur Perfektionistin. Die heute 17-Jährige hat nicht gelernt, mit Niederlagen umzugehen und hat sehr hohe Ansprüche an sich selbst.

Das Problem ist hier natürlich nicht, dass sie ambitioniert ist, sondern dass ihre Ambition aus Angst entspringt. Das Mädchen fühlt sich dazu gezwungen, Leistung zu erbringen und verspürt große innere Unruhe, Unausgeglichenheit und Stresssymptome. Weil sie (auch durch ihr Umfeld bedingt) nicht offen mit den negativen Gefühlen umgehen und diesen Platz geben kann, stauen sie sich an und das Mädchen erlebt die Schule trotz ihrer tollen Leistungen als große Belastung.

Woher kommen deine Strategien für negative Gefühle?

Jetzt stelle ich dir einige Fragen, durch die klarer wird, wie und weshalb du auf bestimmte negative Gefühle besonders empfindlich reagierst. Mache dir hier gerne Notizen, um deine Überlegungen festzuhalten.

  • Wie gingen deine Eltern mit Gefühlen um? Wie verlief zum Beispiel deine Eingewöhnung im Kindergarten oder was machten deine Eltern in gefährlichen Situationen? Schürten sie durch ihre Reaktion Angst oder Ähnliches in dir?
  • Etwas tiefer: Durftest du als Kind deine Gefühle fühlen und zeigen, bis sie sich von alleine wieder auflösen konnten? Gab es eine liebevolle Bezugsperson, die dir eine sichere, ruhige und geborgene Begleitung geboten hat, wenn du z.B. einen Wutanfall hattest oder andere starke negative Gefühle gezeigt hast? Was hast du gefühlt und welche Reaktion hättest du dir stattdessen gewünscht?

Und jetzt schreibe auf, wie du auf die letzten Wutanfälle (oder anderes negativ-emotionsgeladenes Verhalten) deines Kindes reagiert hast.

In den allermeisten Fällen wirst du hier einen Zusammenhang erkennen: Vielleicht wird durch das Verhalten deines Kindes eine Erinnerung aus deiner Vergangenheit ausgelöst und du reagierst auf das Verhalten mit genau den Strategien, die du damals erlernt hast.

Weil es keine Einheitslösung für emotional schwierige Situationen gibt, ist es so wichtig, Gefühle ganz genau kennen und beobachten zu lernen. Nur so kannst du die Gefühle „lesen“ lernen und entscheiden, was deinem Kind (und dir selber) in einer schwierigen Situation am besten hilft.

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Lösungen für den Umgang mit negativen Gefühlen

Konkret kann dies ganz unterschiedlich aussehen. Du kannst die Gefühle deines Kindes „spiegeln“ und ihm so helfen, dem Gefühl Raum zu geben und es bewusst wahrzunehmen, zum Beispiel: „Du bist enttäuscht, weil du eine schlechte Note hast. Bist du enttäuscht, weil du das Gefühl hast, dass du dich nicht genug angestrengt hast, oder enttäuscht, weil dein Freund eine bessere Note gekriegt hat?“.

Oft hilft es auch, vergleichbare Situation aufzuführen und darüber zu sprechen, wie Dinge damals ausgegangen sind – dies bringt alles in Perspektive und lässt erkennen, dass es oft weniger schlimm ist als befürchtet.

Auch könnt ihr in Ruhe besprechen, durch welche Maßnahmen eine „schlechte“ Situation nächstes Mal anders verlaufen könnte.

Lasse dein Kind wissen, dass du für es da bist und doch, dass es genauso in Ordnung für dich ist, wenn es sich lieber mit seinen Gefühlen zurückziehen möchte. Wenn sich dieses „Raum-geben“ für dich unkontrolliert und unsicher anfühlt, denke daran, dass die Freiheit zum Zurückziehen unglaublich wichtig ist und fülle diesen Raum, indem du deinem Kind einen gesunden und verständnisvollen Umgang mit Gefühlen bei dir selber vorlebst.

Übung macht den Meister

Und am wichtigsten: Sei nicht zu streng mit dir selbst. Es kostet viel kontinuierliche Übung, das Gehirn von den gewohnten Wegen weg zu leiten und so den Umgang mit Gefühlen zu steuern. Nimm deine Gefühle und die deines Kindes im ersten Schritt bewusst wahr, sodass sie im zweiten Schritt zu einer angebrachten und wohlüberlegten Reaktion führen können.

So könnt ihr das Gefühls-Gewitter gemeinsam ausharren, bis es vorüberzieht und die Sonne wieder scheint. Alle Gefühle sind OK und haben ihren Platz in dieser Welt. Denn – so kitschig sich das auch anhört – ohne Regen gibt es keine Regenbögen.

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