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”Nee!“ – Wie du dein Kind in der Pubertät motivieren kannst

”Nee!“ – Wie du dein Kind in der Pubertät motivieren kannst

Silke Krämer

07-2026

Machst du heute noch deine Übungen? Deine Aufgaben?” - Ein Augenrollen. Ein genervtes “gleich.” Oder direkt ein deutliches: “Nee!”

Wenn dein Kind inzwischen in der Pubertät angekommen ist, kennst du solche Situationen vielleicht: Warum wird alles, was früher gut funktioniert hat, inzwischen zum Kampf? Warum muss ich mein Kind ständig motivieren?

Ja, wir wissen alle, dass die Pubertät unsere Kinder verändert, doch muss es doch irgend einen Schlüssel dafür geben, der den Familienalltag wieder leichter werden lässt! Ob unter den besonderen Bedingungen der Pubertät oder ganz allgemein, ist und bleibt das Thema Motivation ein Dauerbrenner.

Auch wenn ich mich in diesem Artikel überwiegend auf Jugendliche beziehe, lassen sich viele Gedanken ebenso auf jüngere Kinder oder gar Erwachsene übertragen, insbesondere auf autonomiestarke jüngere Kinder.

Die Pubertät ist eine Zeit, in der sich Jugendliche Schritt für Schritt von ihren Eltern lösen. Sie möchten eigene Entscheidungen treffen, ihre Persönlichkeit entwickeln und ihren eigenen Weg finden. Genau deshalb funktionieren viele Strategien, die bei Grundschulkindern noch gut geklappt haben, plötzlich nicht mehr.

Das mag frustrierend sein. Gleichzeitig eröffnet es die Chance, deinem Kind auf eine neue Art zu begegnen und zu begleiten.

Dabei dürfen wir nicht vergessen, dass das Bedürfnis nach Nähe und Verbundenheit in der Pubertät mindestens genauso groß ist, wie in den ersten Lebensjahren, es sich nur anders zeigt. Ein pubertierender Junge möchte vielleicht nicht mehr von seiner Mama bekuschelt werden und ein Mädchen nicht mehr vom Papa. Das Bedürfnis nach Verbundenheit bleibt dennoch bestehen.

Gerade deshalb bietet das Training zur Reflexintegration eine wunderbare Möglichkeit, Zeit gemeinsam zu verbringen, ohne sich „zu nahe“ sein zu müssen. Man hat etwas gemeinsam zu tun, ist beisammen und muss dabei nicht einmal viel reden. Ist das nicht ausgesprochen pubertätsfreundlich?

Wie verändert sich Motivation in der Pubertät?

Kleine Kinder machen vieles, weil Mama oder Papa sie dazu auffordern. Sie genießen die gemeinsame Zeit oder vertrauen darauf, dass ihre Eltern wissen, was gut für sie ist.
Jugendliche haben sich weiterentwickelt. Sie möchten verstehen, ernst genommen werden und zunehmend selbst entscheiden … und das oftmals genau anders, als wir Eltern es tun würden.

Das geschieht nicht, um uns zu ärgern, sondern es ist ein wichtiger Entwicklungsschritt auf dem Weg zum Erwachsensein. Unsere Aufgabe besteht nun weniger darin, Entscheidungen abzunehmen, sondern vielmehr darin, sie zu begleiten.

Eine Szene aus unserem Familienalltag zeigt das ganz gut:
Ich frage unseren Sohn, ob er denn diese Woche eigentlich schon Gitarre geübt hat. Die Frage an sich ist schon ein Anfängerfehler, der mir nicht hätte passieren dürfen, weil ich es besser weiß! Denn erstens ist das Wort „üben“ der totale Trigger und zweitens weiß ich ganz genau, wie er tickt. 
Prompt habe ich die Antwort kassiert: „Ich wollte gerade spielen. Aber weil du mich dran erinnert hast, habe ich schon keine Lust mehr und mache es jetzt nicht.“
Verärgert über mich, ziehe ich von dannen und denke mir: Super! Großartig gemacht, Frau Krämer.

Vielleicht kennst du das auch von dir selbst: Wie motiviert bist du, etwas zu tun, wenn dir jemand ständig sagt, dass du es musst?

Wahrscheinlich nicht besonders. Ich jedenfalls finde es schon schlimm genug, so viel Zeit für bestimmte Haushaltstätigkeiten aufbringen zu müssen und die intrinsische Motivation dafür kostet mich manchmal recht viel Kraft. Aber wenn mich jemand darauf hinweist, dass alle Wäschetonnen voll sind, fühle ich mich gegängelt, empfinde es so, als würde man das viele Andere, das ich schon gemacht habe oder regelmäßig tue, total übersehen und reagiere mit Widerstand. (Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm, haha!)

Jugendlichen geht es oft genauso - es sei denn, sie gehören zu den super-über-Angepassten, was möglicherweise später oder an anderer Stelle herausfordernd werden kann.
Wie also können wir es schaffen, dass unser jugendliches Kind dennoch seine Übungen zur Reflexintegration macht (wenn man scheinbar nichts sagen darf)?

Du kannst nicht mit Zwang motivieren

Vielleicht hast du schon alles ausprobiert:
“Mach doch bitte endlich deine Übungen.”
“Du weißt doch, dass sie dir guttun.”
“Wir haben dafür schließlich viel Geld bezahlt.”
Je größer der Druck wird, desto stärker wird häufig der Widerstand.
Warum?
Weil Druck Gegendruck erzeugt und Motivation nicht von außen ‚gemacht‘ werden kann.
Wir können einen Menschen unterstützen, ermutigen, inspirieren und ihm beistehen.
Die Entscheidung, etwas wirklich tun zu wollen, entsteht jedoch immer in einem selbst.
Genau deshalb lohnt es sich, weniger Energie in das Überreden und mehr Energie in das Verstehen (und damit in die Beziehungsebene) zu investieren.

Jugendliche ernst nehmen und motivieren

Nicht jede fehlende Motivation bedeutet, dass dein Kind keine Lust auf das Training hat. Manchmal steckt etwas ganz anderes dahinter. Vielleicht sieht es noch keine Veränderungen, die Übungen sind ihm unangenehm, es fühlt sich ständig bewertet oder verbessert, es hat sich noch keine Übungs-Routine eingestellt, ein Wachstumsschub blockiert das System, es ist einfach erschöpft oder der Alltag ist gerade so voll, dass ihm alles zu viel wird.

Versuche deshalb, nicht vorschnell zu überzeugen oder zu überreden.

Frage lieber nach: „Was macht dir im Moment am meisten Schwierigkeiten?“ oder „Was würde dir helfen, das Training leichter in deinen Alltag einzubauen?“ Oft entsteht Motivation nicht dadurch, dass wir gute Argumente finden, sondern dadurch, dass sich Jugendliche verstanden und ernst genommen fühlen, indem wir die richtigen Fragen stellen.

”Nee!“ – Wie du dein Kind in der Pubertät motivieren kannst 1

Bild von Kindel Media

Sprich nicht über Reflexe – sprich über die Ziele deines Kindes

Es gibt Menschen, die möchten alles bis ins kleinste Detail verstehen. Andere brauchen lediglich den groben Überblick. Ganz gleich, zu welchem Typ dein Kind gehört, spannend wird es meist erst dann, wenn es erkennt, was sich für das eigene Leben zum Positiven verändern könnte.

Vielleicht möchte dein Kind …

  • sich in Klassenarbeiten besser konzentrieren,
  • beim Sport schneller reagieren,
  • abends schneller einschlafen,
  • souveräner mit Stress umgehen,
  • weniger schnell wütend werden,
  • sich in der Schule sicherer fühlen,
  • beim Reiten oder Fußball koordinierter sein,
  • beim Musizieren präziser spielen
  • endlich Schwimmen oder Fahrradfahren lernen …

Das sind mögliche Ziele aus der Lebenswelt deines Kindes.
Die Reflexintegrationsübungen sind dabei nicht das Ziel, sondern lediglich der Weg.

Statt zu sagen:
“Wir müssen heute den TLR üben.”
könnte es hilfreicher sein zu sagen:
“Du hast doch erzählt, dass du dich in Mathe besser konzentrieren möchtest. Wollen wir heute wieder einen kleinen Schritt in diese Richtung machen?”
Allein dieser Perspektivwechsel kann viel verändern.

Gib deinem Jugendlichen möglichst viel Mitspracherecht
Autonomie ist einer der größten Motivationsfaktoren überhaupt.
Deshalb lohnt es sich, deinem Kind dort Wahlmöglichkeiten zu geben, wo sie möglich sind.
Zum Beispiel:

  • Wann möchtest du heute trainieren?
  • Welche Reihenfolge soll es heute sein?
  • Lieber alle Übungen am Stück oder aufgeteilt?
  • Mit Rexi-Musik oder in Stille?
  • Wollen wir uns eine Kerze und eine Duftlampe anmachen?
  • Möchtest du die Übungen alleine machen oder soll ich dabei bleiben?
  • Kann ich dich beim Zählen unterstützen?

So erlebt dein Kind das Training nicht als etwas, das über seinen Kopf hinweg entschieden wird.

Deine eigene Haltung überträgt sich auf dein Kind

Ein weiterer Gedanke ist mir sehr wichtig:

Kinder und Jugendliche nehmen viel mehr wahr, als wir manchmal glauben. Dabei geht es weniger um unsere Worte, als um unsere Stimmung, unsere Körpersprache und unsere innere Haltung.

Insbesondere feinfühlige Kinder und Jugendliche, wie wir sie im Training zur Reflexintegration häufig erleben, spüren sehr genau, ob wir innerlich präsent sind oder gedanklich noch bei tausend anderen Dingen. Vielleicht kennst du solche Situationen:
Während du noch am Herd stehst und gleichzeitig die Spülmaschine ausräumst, gleichzeitig eine Nachricht am Handy beantwortest, hörst du dich schrill rufen:
"Wir müssen heute noch die Übungen machen."
"Leg dich schon mal hin, ich komme gleich."

Natürlich kenne ich solche Momente selbst. Der Familienalltag ist oft voll, und nicht immer lässt sich alles perfekt planen. Doch Kinder spüren sehr genau, ob wir das Training als lästige Pflicht empfinden, die eben noch erledigt werden muss, oder ob wir uns bewusst Zeit für sie nehmen und mit unserer Aufmerksamkeit ganz bei ihnen sind.
Deshalb lohnt es sich, vor dem Training kurz innezuhalten.
Vielleicht atmest du einmal tief durch, legst das Handy zur Seite und entscheidest dich ganz bewusst dafür:

Jetzt ist Zeit für unser Training zur Reflexintegration.

Dabei rufst du dir noch einmal in Erinnerung, warum ihr euch überhaupt für das Training zur Reflexintegration entschieden habt und welche Veränderungen sich entwickeln dürfen.
Dann geht es nicht mehr darum, möglichst schnell ein paar Übungen abzuhaken, sondern darum, gemeinsam etwas zu tun, das deinem Kind gut tut.
Du signalisierst deinem Kind: "Jetzt bist du gerade das Wichtigste“ und ich glaube, dass das eine ganz besondere Ausdrucksform von Liebe ist. Diese Haltung verändert oft mehr als jede noch so gut erklärte Motivation, denn Emotionen sind ansteckend.

Wenn du selbst überzeugt bist, dass diese gemeinsame Zeit wertvoll ist, wenn du präsent bist, aufmerksam zuhörst und dich ehrlich über kleine Fortschritte freust, wird dein Kind das spüren.

Vielleicht wird es nicht an jedem Tag begeistert aufspringen. Aber die Wahrscheinlichkeit wächst, dass Rexi für dein Kind nicht nur aus Übungen besteht, sondern aus einer wertvollen gemeinsamen Zeit mit dir.

Besonders in der Pubertät, in der Gespräche manchmal schwierig werden und körperliche Nähe oft weniger selbstverständlich ist, kann das einer der größten Motivationsfaktoren überhaupt sein.

Gemeinsam statt allein

Warum machst du die Übungen nicht einfach mit?
Dadurch überbringst du deinem Kind gleich zwei wichtige Botschaften. Erstens: Wir gehen da gemeinsam durch und zweitens: Schau, ich sorge auch für mich und investiere in mich.
Du verlangst deinem Kind also nichts ab, was du nicht selbst bereit bist zu tun.
Ganz nebenbei entsteht gemeinsame Zeit, in der es nicht um Leistung oder Perfektion geht, sondern darum, sich gegenseitig zu unterstützen.

Vielleicht werdet ihr sogar zu kleinen Sparringspartnern, motiviert euch gegenseitig und lacht auch einmal über eine Übung.

Manchmal sind es genau diese gemeinsamen Momente, die lange in Erinnerung bleiben.

Das Gehirn liebt sichtbare Erfolge

Veränderungen entstehen oft schleichend. Umso wichtiger ist es, den Blick immer wieder bewusst auf das zu richten, was sich bereits verbessert hat, denn wir neigen dazu, unsere Aufmerksamkeit vor allem auf das zu lenken, was (noch) nicht klappt. Fortschritte werden dagegen erstaunlich schnell selbstverständlich.

Nimm dir deshalb regelmäßig Zeit, gemeinsam mit deinem Kind zurückzublicken:

  • Was fällt dir inzwischen leichter?
  • Worauf bist du diese Woche stolz?
  • Ist dir oder anderen etwas Positives aufgefallen?
  • Gab es eine Situation, die früher schwieriger gewesen wäre?

Solche Gespräche lenken den Blick auf Entwicklung, statt auf Defizite.
Oft motivieren zugewandte Fragen mehr als jedes Lob.

Achte auch selbst auf kleine Veränderungen und sprich sie aus: „Als du neulich einen Wutanfall hattest, hast du dich viel schneller beruhigt, als früher“.
Positive Rückmeldungen helfen Jugendlichen, ihre eigenen Fortschritte wahrzunehmen.
Für jüngere Kinder unterstützt dabei Rexis Rucksack. Auf kleinen Zetteln können alle Erfolge und Fortschritte gesammelt werden. Ältere Kinder oder Jugendliche, die ohne Plüsch-Rexi trainieren, können stattdessen ein Glücksglas anlegen.

So wird sichtbar, was im Alltag leicht übersehen wird und genau das motiviert, dranzubleiben.

Noch ein weiterer Effekt entsteht daraus: Was glaubst du, wie stolz unsere Rexi Teilnehmer sind, wenn wir ihnen zum Abschluss des Trainings zur Reflexintegration alle Erfolgszettel präsentieren: Was für ein Erfolg!

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Bilder von Bettina Egartner

Eine Fähigkeit fürs ganze Leben

Regelmäßiges Training zur Reflexintegration entwickelt nicht nur das Nervensystem. Es fördert gleichzeitig Fähigkeiten, die heute immer wichtiger werden: dranzubleiben, sich zu fokussieren und auch dann weiterzumachen, wenn sich Erfolge nicht sofort zeigen.

In einer Zeit, in der vieles sofort verfügbar ist und ständig neue Reize um unsere Aufmerksamkeit konkurrieren, werden Ausdauer, Fokus und Willensstärke zu echten Schlüsselkompetenzen. Wer über viele Monate konsequent an einem Ziel arbeitet, erlebt: Ich kann etwas erreichen, wenn ich dranbleibe.

Deshalb lohnt es sich, diesen Gedanken immer wieder mit deinem Jugendlichen zu reflektieren. Nicht nur die Veränderungen durch das Training zur Reflexintegration sind ein Erfolg, sondern auch die Erfahrung, sich über einen längeren Zeitraum für sich selbst eingesetzt und durchgehalten zu haben. Diese Kompetenz wird deinem Kind in der Schule, im Beruf, im Sport und in vielen anderen Lebensbereichen zugutekommen.

Mindestens genauso wertvoll ist noch etwas anderes: Ein besseres Körpergefühl entwickeln.

Vielen Jugendlichen ist es besonders wichtig, wie ihr Körper aussieht. Was dabei häufig vergessen wird, ist die Bedeutung eines guten Körpergefühls.

Unser Körper begleitet uns vom ersten bis zum letzten Tag unseres Lebens. Er ist gewissermaßen unser Zuhause. Damit wir uns darin sicher und wohlfühlen können, müssen wir ihn gut kennen.

Je besser Jugendliche ihren Körper wahrnehmen, seine Signale verstehen und sich in ihm zu Hause fühlen, desto leichter fällt es ihnen, gut für sich selbst zu sorgen. Auch deshalb ist ein gutes Körpergefühl weit mehr als ein Nebeneffekt des Rexi-Trainings.

Routine schlägt Perfektion

Manchmal ist der Alltag so voll, dass ein Rexi Tag ausfällt, dann noch einer und vielleicht noch ein dritter während einer Woche und du denkst: „Jetzt ist es sowieso egal, der Zug ist abgefahren, wir haben den Anschluss verpasst.“

Doch wie sagt meine Yoga-Lehrerin so schön? A little goes a long way. Jedes bisschen Training ist besser, als keines.
Was könnt ihr also tun, wenn der Alltag zu voll ist? 
Reduziert die Übungsanzahl und bleibt dennoch in der Routine.
Nicht Perfektion bringt uns weiter, sondern Kontinuität.
Und ganz ehrlich: Wieviel Zeit verbringt man manchmal dennoch mit sinnlosen Dingen, obwohl man eigentlich überhaupt gar keine Zeit hat?!
Zeit hat man nie, man muss sie sich nehmen.

Vielleicht hilft es euch auch, das Training zur Reflexintegration an etwas zu koppeln, das ohnehin jeden Tag passiert. Zum Beispiel:

  • nach der Schule,
  • vor dem Duschen,
  • nach dem Abendessen,
  • nach dem Zähneputzen,
  • vor dem Schlafen schon bettfertig

Mit der Zeit entsteht daraus fast von selbst eine neue Gewohnheit.
Erkläre, warum Wiederholung so wichtig ist:

“Dein Gehirn verändert sich nicht durch eine einzige lange Trainingseinheit. Es lernt durch viele kleine Wiederholungen. Genau dadurch entstehen nach und nach neue Verknüpfungen im Gehirn.”

Deshalb gibt es im Rexi Heft auch 28 Felder, in die die Übungs-Sticker eingeklebt werden können. Dafür fühlt sich dein Jugendlicher vielleicht schon zu erwachsen, das Prinzip dahinter bleibt jedoch dasselbe und unterstreicht deine Erklärung. Schließlich erwartet auch niemand, nach einem einzigen Fußballtraining wie Cristiano Ronaldo zu spielen oder nach einem Bizeps-Curl auszusehen wie Popeye.

Wenn plötzlich Widerstand entsteht

Vielleicht hast du schon beobachtet, dass dein Kind ausgerechnet bei bestimmten Übungen besonders viel Widerstand zeigt. In meiner Arbeit erlebe ich immer wieder, dass dies häufig bei jenen Reflexen der Fall zu sein scheint, die besonders aktiv sind.

Natürlich muss das nicht immer so sein. Widerstand kann viele Ursachen haben.
Bleibe deshalb neugierig, statt vorschnell aufzugeben.

Und frage dich nicht zuerst: "Wie bekomme ich mein Kind wieder zum Üben?"

Sondern vielmehr: "Was beschäftigt mein Kind gerade?"
Manchmal steckt hinter dem Widerstand gar nicht das Training, sondern einfach das Leben: Vielleicht ist die Schule gerade besonders anstrengend, dein Kind befindet sich mitten in einem Wachstumsschub, es ist vom Alltag völlig erschöpft, frisch verliebt oder hat Stress mit einem Freund oder einer Freundin?

Nicht jeder Widerstand muss sofort gelöst werden.
Solange ihr im Gespräch bleibt, gemeinsam nach Lösungen sucht und darauf vertraut, dass Motivation auch wieder zurückkehren darf, ist oft schon viel gewonnen.

Ohne Humor geht nichts

An manchen Tagen steckt einfach der Wurm drin. Entweder, es will überhaupt gar nichts klappen, oder man hat schon zum Frühstück einen Clown gevespert und schafft es überhaupt nicht, ernst zu bleiben.

Aus welchen Gründen auch immer, ist Humor fast immer ein Gamechanger. Nicht alles muss immer bierernst sein nur, weil die Wörter „Training“ oder „Übungen“ darin stecken.
Kreativität und Humor sind ein besonders gutes Team. Bei manchen Übungen lasse ich z.B. die jüngeren Kindern wie Raumschiffe durch die Galaxien fliegen, bei Jugendlichen muss man sich etwas zur Situation Angemessenes einfallen lassen.

Manchmal hilft es schon, etwas „anders“ als üblich zu tun - und sich dabei den Spaß zu erlauben.

Diese Tipps gelten nicht nur für das Training zur Reflexintegration

Vielleicht ist dir beim Lesen schon aufgefallen: Eigentlich sprechen wir hier gar nicht nur über Reflexintegration, weil dieselben Prinzipien für viele Bereiche des Lebens gelten. Vielleicht soll dein Kind regelmäßig …

  • ein Instrument üben,
  • Vokabeln lernen,
  • für Klassenarbeiten lernen,
  • Hausaufgaben erledigen,
  • sein Haustier versorgen,
  • Sport machen,
  • Zähne putzen,
  • eine Zahnspange tragen,
  • Medikamente einnehmen,
  • Physiotherapie oder Ergotherapie durchführen.

In all diesen Situationen hilft Motivation meist deutlich mehr als Druck.
Wenn Kinder und Jugendliche verstehen, warum etwas wichtig ist, eigene Entscheidungen treffen dürfen und ihre Fortschritte wahrnehmen, entsteht häufig eine ganz andere Bereitschaft mitzumachen.

Deshalb wünsche ich Eltern manchmal den Mut, mehr Begleiter und weniger Kontrolleur zu sein und dabei einfach mal Fünfe gerade sein lassen zu können.

Ein Beispiel aus dem Alltag:
Dein Sohn sagt nach einem verlorenen Spiel: „Ich habe keine Lust mehr, ich höre auf!” Würdest du ihm antworten: „Du musst aber!”
Oder würdest du viel eher sagen:
„Ich kann verstehen, dass du frustriert bist. Gleichzeitig hast du doch erzählt, dass du in dieser Saison schneller werden möchtest. Was würde dir helfen, weiterhin am Ball zu bleiben und dein Ziel nicht aus den Augen zu verlieren?”

Vielleicht entscheidet er sich trotzdem dagegen. Doch dann war es möglicherweise dein Ziel und nicht seins. Diesen Unterschied zu erkennen ist wichtig.

Echte Motivation entsteht nur dann, wenn ein Ziel dem oder der Jugendlichen selbst wichtig ist.

Du musst dein Kind nicht reparieren

Auch dieser Gedanke liegt mir besonders am Herzen. Jugendliche spüren sehr genau, wenn sie den Eindruck bekommen, mit ihnen stimme etwas nicht.
Deshalb versuche ich Eltern immer wieder mitzugeben: Es geht nicht darum, dein Kind zu verändern oder zu reparieren. Es geht darum, seine Entwicklung zu unterstützen und ihm selbst Strategien an die Hand zu geben.

So, wie manche Menschen ihre Ausdauer trainieren oder ein Instrument lernen, kann auch das Nervensystem trainiert werden.

Nicht jeder Tag läuft gleich gut

Nichts erscheint an manchen Tagen mit einem Pubertierenden in der Familie bedeutsamer, als Gelassenheit.  Die wünsche ich natürlich allen Eltern.

Doch es ist normal, dass nicht jeder Tag gleich gut läuft und jede Übung begeistert angenommen werden wird. Entscheidend ist, dass ihr am Ball bleibt, indem ihr im Gespräch bleibt, schon kleine Fortschritte wahrnehmt und das Training nicht zum täglichen Machtkampf werden lasst.

Die Beziehung zu deinem Kind sollte dabei immer wichtiger sein, als das perfekte Training.
Denn genau diese Beziehung ist vermutlich die wichtigste Grundlage dafür, dass dein Kind nicht nur heute, sondern sein ganzes Leben lang dazu bereit bleibt, sich weiterzuentwickeln.

Die wichtigsten Motivationstipps auf einen Blick

  • Verstehe die Pubertät als Entwicklungsschritt, nicht als Widerstand.
  • Sprich über die Ziele deines Kindes, nicht über Reflexe.
  • Gib deinem Jugendlichen möglichst viel Mitspracherecht.
  • Sei selbst präsent und gestalte die Rexi-Zeit bewusst.
  • Macht die Übungen, wenn möglich, gemeinsam.
  • Lenke den Blick immer wieder auf bereits erreichte Fortschritte.
  • Ermutige dein Kind, dranzubleiben – nicht perfekt zu sein.
  • Nutzt feste Routinen und kleine Trainingseinheiten.
  • Begegne Widerstand mit Neugier statt mit Druck.
  • Vergiss den Humor nicht.

Denke daran: Diese Motivationstipps helfen nicht nur beim Training zur Reflexintegration, sondern überall dort, wo Kinder und Jugendliche lernen, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen.

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Ich bin Silke Krämer.

Kinder- und Jugendcoach Professional, NLP Master und Coach, EMDR Traumatherapeutin und Gymnasiallehrerin

Ich helfe Familien, wenn es Schulstress gibt und daheim die Fetzen fliegen. Außerdem unterstützte ich Mütter und Väter dabei, sich den Herausforderungen des Familienlebens selbstbewusst zu stellen.

Als Trainerin für Reflexintegration helfe ich deinem Kind, damit ihm die Schule bei Konzentrations­schwächen, Lern- und motorischen Problemen leichter fällt.

Hol dir meine Familienpost!

Erhalte kostenlos etwa alle zwei Wochen nützliches Wissen, Tipps und Denkanstöße für dich und deine Familie aus meiner Coachingpraxis. Für weniger Stress mit der Schule, ein gutes Miteinander und eine starke Persönlichkeit.

5 Gründe für Wutanfälle am Morgen: So reagierst du gelassener!

5 Gründe für Wutanfälle am Morgen: So reagierst du gelassener!

Silke Krämer

04-2025

Es ist früher Morgen. Du willst einfach nur, dass alle pünktlich aus dem Haus kommen – und zur Abwechslung mal ohne Gezeter, Hektik und Geschrei. Stattdessen: Wutanfälle.

Was ist so schwer daran: Anziehen, Frühstücken, Zähne putzen Jacke anziehen und los?

Aber stattdessen?

Wieder Tränen. Wieder Wut. Wieder dieser Knoten im Bauch.

Der Schuh ist „doof“, der Pulli kratzt, das Brot ist falsch geschmiert – und dein Kind verliert komplett die Fassung. Oder zieht sich völlig zurück. Oder sagt: „Ich geh da nicht hin.“

Und du? Stehst da, mit Kaffee in der Hand und schlechtem Gewissen im Herzen, weil du jetzt wieder Druck machen musst und die Zeit dir im Nacken sitzt.

Du bist genervt und denkst: „Kann es denn nicht einfach mal einfach sein bei uns? So, wie bei anderen auch!?“

Was wirklich passiert, wenn dein Kind „ausrastet“

Die meisten Eltern denken in solchen Momenten: „Was hab ich falsch gemacht?“ oder „Was ist falsch mit meinem Kind?“.

Aber weißt du was? Dein Kind ist nicht falsch. Du auch nicht.
Es zeigt dir nur, dass etwas zu viel ist.

Denn wenn Kinder morgens „ausflippen“ oder Wutanfälle bekommen, hat das selten mit Trotz oder Absicht zu tun. Es hat mit ihrem Nervensystem zu tun – und mit der Tatsache, dass viele Kinder noch nicht gelernt haben, starke Gefühle selbst zu regulieren und total überfordert sind. Womit, das gilt es rauszufinden und ist total individuell.

Das können fünf mögliche Ursachen für Wutanfälle sein:

  • Übergänge liefern Potential für Unsicherheit. Der Tag beginnt – und allein das ist schon eine Veränderung: vom Bett in die Kleidung, vom Zuhause in die Welt.
  • Oft kommen Müdigkeit, ein unausgewogener Zuckerspiegel (zu wenig oder zu viel im Blut) oder Trennungsschmerz dazu.
  • Was wie Trotz scheint, kann von einer inneren Unsicherheit her rühren: Grenzen geben Sicherheit. Wenn es keine klaren Grenzen gibt, muss dein Kind sie immer wieder ausloten, um sich das Gefühl von Sicherheit zu erschaffen.
  • Vielleicht belastet dein Kind noch etwas vom Vortag?
  • Und wenn dein Kind hochsensibel ist, oder sein Nervensystem dysreguliert ist, dann ist alles intensiver: Geräusche, Licht, Gerüche, Anforderungen​. Lies hier zu diesem Thema weiter: »Hochsensibilität bei Kindern: Wegweiser statt Problem«

Im Gehirn aktiviert sich die Amygdala, sowie weitere Teile des Limbischen Systems - eine Art innerer „Feueralarm“. Das logische Denken schaltet ab – was bleibt, ist ein Gefühl von Alarm! Gefahr! Hilfe!​

Übrigens: Noch aktive frühkindliche Reflexe können genau dieses System verstärken. Erfahre hier mehr dazu: »Frühkindliche Reflexe - auf den Punkt gebracht«

Was hilft: Deine innere Haltung – und ein klarer Rahmen

Eben weil das logische Denken in überreaktiven Situationen nicht möglich ist, helfen kluge Worte im akuten Moment wenig.

Auch, wenn es am heraus­forderndsten für dich ist: Was hilft, ist deine innere Ruhe. Deine klare, liebevolle Präsenz, deine Co-Regulation.

Ich weiß, das ist viel einfacher gesagt, als getan. Doch meine Erfahrung im Coaching bei der Arbeit mit Müttern zeigt mir, welch großen Einfluss die innere Haltung der Eltern auf ihr Kind hat. Das Schöne daran ist, dass auf diese Art sozusagen „zwei Fliegen auf einen Streich“ erledigt sind. 😀

Versuche also, möglichst die Ruhe zu bewahren und der sichere Hafen für dein Kind in dieser stürmischen Situation zu sein. Atme, verurteile dich nicht, bleibe im Moment und fliehe gedanklich nicht in all die Erwartungen, die gerade von Außen auf euch einprasseln.

Das Allerwichtigste ist jedoch: Bleibe deinem Kind emotional zugetan.

Konflikte lösen Familie

Bild von Cottonbro Studio

Deine Morgen-Routine-Checkliste für mehr Frieden vor acht Uhr

Diese kleine Liste kann dir Ideen geben, den Morgen für dein Kind (und dich) vorhersehbarer, ruhiger und sicherer zu gestalten.

Früh genug starten

10–15 Minuten früher aufstehen kann den Unterschied machen. Kein Zeitdruck = weniger Eskalation. Wenn dein Kind ein langsameres Tempo morgens hat als du, braucht es mehr Zeit.

Sanfter Start

Wecken mit Licht, Musik oder Kuscheleinheit statt hektischem Aufspringen - nicht jeder schlägt die Augen auf und ist sofort da. Besonders neurodivergente Menschen können sich schwerer mit Übergängen tun und brauchen dafür mehr Zeit.

Feste Reihenfolge

Rituale helfen dem Gehirn, sich sicher zu fühlen: 1. Aufwachen - 2. Anziehen - 3. Frühstück - 4. Zähneputzen - 5. Schuhe & Jacke - 6. Losgehen.

Mein Tipp: Je nach Alter kann ein Bilderplan (gerne mit Symbolen), der sichtbar hängt, Orientierung geben.

Vorbereitung am Vorabend

Kleidung rauslegen, Brotdose vorbereiten, Schulranzen checken.
Ritualfrage: „Gibt’s was, das du morgen brauchst oder dir wünschst?“

Notfall-Kit für schwierige Tage

  • Lieblingspulli griffbereit
  • Das Frühstück mitgeben
  • Kuscheltier
  • Das Lieblingslied gemeinsam singen
  • Mutmach-Satz auf Zettel: „Ich schaff das – auch wenn es heute schwer ist.“

Du bist nicht allein

Der Familienmorgen ist für viele ein Minenfeld – du bist kein Einzelfall. Aber du hast Einfluss. Jeden Tag ein kleines bisschen.

Und wenn du spürst, dass dein Kind morgens regelmäßig überfordert ist, es vielleicht sogar mit Bauchweh zur Schule geht oder schnell „aus der Haut fährt“ – dann lohnt sich ein liebevoller, tieferer und genauerer Blick hinter die Kulissen. Was ich dir heute mitgegeben habe, ist eine akute Notfall-Hilfe.

Wenn das Nervensystem deines Kindes jedoch schon so aus der Balance geraten ist, dass sich die Überreaktion nicht nur in einzelnen Situationen zeigt, sondern zum Dauerzustand geworden ist, dann wir es sich durch eine einzelne Umarmung nicht mehr runter regulieren lassen. Du hilfst deinem Kind damit zwar im Moment, aber nicht an der Wurzel des Problems.

Dann ist es wichtig, verschiedene Aspekte abzuklopfen. Eine Möglichkeit könnten noch aktive frühkindliche Reflexe sein, denn der Moro Reflex zum Beispiel ist bei seiner Aktivierung daran beteiligt, dass Adrenalin und Cortisol freigesetzt werden.

Ob die frühkindlichen Reflexe für euch eine Rolle spielen, kannst du gleich über meinen kostenlosen Online Check herausfinden.

Ich begleite dich und euch gerne auf diesem Weg.

Wenn du Fragen hast, melde dich. Wenn du Unterstützung brauchst, ich bin da.

Kostenloser Onlinecheck Reflex­integration

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Ob frühkindliche Reflexe der Ursprung deiner Sorgen sein könnten, kannst du hier herausfinden.

Du erhältst unmittelbar eine individuelle Auswertung für dein Kind. Der Fragebogen prüft eine Vielzahl von erforschten Symptomen ab, die auf die Aktivität von frühkindlichen Reflexen hindeuten können. Der Check umfasst 105 Fragen in elf Bereichen rund um die Entwicklung deines Kindes.

Du erfährst, wie viele Indikatoren auf aktive Reflexe bei deinem Kind hindeuten und welche frühkindlichen Reflexe möglicherweise noch aktiv sind. Auf Wunsch sende ich dir die Auswertung sofort per E-Mail zu.

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Ich bin Silke Krämer.

Kinder- und Jugendcoach Professional, NLP Master und Coach, EMDR Traumatherapeutin und Gymnasiallehrerin

Ich helfe Familien, wenn es Schulstress gibt und daheim die Fetzen fliegen. Außerdem unterstützte ich Mütter und Väter dabei, sich den Herausforderungen des Familienlebens selbstbewusst zu stellen.

Als Trainerin für Reflexintegration helfe ich deinem Kind, damit ihm die Schule bei Konzentrations­schwächen, Lern- und motorischen Problemen leichter fällt.

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Frühkindliche Reflexe – auf den Punkt gebracht

Frühkindliche Reflexe – auf den Punkt gebracht

Silke Krämer

04-2025

Frühkindliche Reflexe - was ist das? Vor allem: Was haben frühkindliche Reflexe mit Lernen, Schule und Impulskontrolle zu tun? In diesem Artikel erfährst du mehr über frühkindliche Reflexe und deren Zusammenhang mit diesen Bereichen.

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Frühkindliche Reflexe - darum geht's

Ziel dieses Artikels soll es nicht nur sein, dich mit der Thematik der frühkindlichen Reflexe vertraut zu machen, sondern dir auch zu erklären, wie sich noch aktive frühkindliche Reflexe auf dein Kind und sein Verhalten auswirken können. Denn das ist für mich einer der wichtigsten Aspekte beim Familiencoaching: Dir zu helfen, dein Kind besser zu verstehen und die Ursachen seiner Reaktionen dadurch einordnen zu können.

So ist es beispielsweise für ein Kind mit sogenannter Rest-Muskelreaktion (also einem noch ‚übrig gebliebenen‘ und nicht vollständig abgebauten frühkindlichen Reflex) viel anstrengender, bestimmten Anforderungen wie stilles oder gerades, ordentliches Sitzen zu befolgen.

Ohne Verständnis wird das Kind immer wieder von außen ermahnt werden und muss unglaublich viel Konzentration für diese vermeintlich einfache Anweisung aufbringen – das ist dann ungefähr so, wie wenn man jemandem, der nicht gut auf einem Bein stehen kann sagt: „Mensch, jetzt fall doch nicht dauernd um! Wenn du auf einem Bein stehen möchtest, darfst du das andere nicht auf den Boden bringen, sondern musst es oben halten!“ Das ist für beide Beteiligten sehr frustrierend.

Wenn du nun aber weißt, dass das Verhalten deines Kindes mit seinen frühkindlichen Reflexen zusammenhängt, können wir ihm gemeinsam mit der Reflexintegration zu einem Nachreifen verhelfen. Das nimmt Druck aus eurer Beziehung und bietet deinem Kind eine zweite Entwicklungschance. All diese Zusammenhänge zu frühkindlichen Reflexen werde ich dir im Nachfolgenden genauer erklären.

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Du erhältst unmittelbar eine individuelle Auswertung für dein Kind. Der Fragebogen prüft eine Vielzahl von erforschten Symptomen ab, die auf die Aktivität von frühkindlichen Reflexen hindeuten können. Der Check umfasst 105 Fragen in elf Bereichen rund um die Entwicklung deines Kindes.

Du erfährst, wie viele Indikatoren auf aktive Reflexe bei deinem Kind hindeuten und welche frühkindlichen Reflexe möglicherweise noch aktiv sind. Auf Wunsch sende ich dir die Auswertung sofort per E-Mail zu.

Was sind frühkindliche Reflexe?

Beginnen wir einmal ganz am Anfang und sehen uns an, was genau frühkindliche Reflexe sind: Hierbei handelt es sich um einen Kunstgriff der Natur, der dafür sorgt, dass Säuglinge trotz ihres noch völlig unterentwickelten Gehirns überlebensfähig sind. Genau genommen kommen Menschenkinder nämlich viel zu früh auf die Welt und können fast nichts ‚bewusst‘ machen. Die frühkindlichen Reflexe sind also ‚automatische‘ Reaktionen, die mit lebenswichtigen Aufgaben wie Nahrungssuche, Nahrungsaufnahme und Selbstschutz zusammenhängen und das Überleben des Säuglings sichern.

Beispiele für diese frühkindlichen Reflexe sind überall zu finden: Ohne, dass wir es unserem Säugling beigebracht haben, schluckt er automatisch die Nahrung, die seinen Mund im Inneren berührt. Genauso selbständig umklammert er feste unseren Finger mit der Faust, wenn wir die Innenfläche seiner Hand berühren. Streichen wir sanft über seine Wange, dreht er sofort den Kopf in diese Richtung. Das sind alles Reflexe und der Säugling denkt über diese Bewegungsreaktionen nicht nach.

Wie der Name schon erahnen lässt, bauen sich frühkindliche Reflexe im Normalfall nach und nach ab, wenn die frühen Entwicklungsstufen der Kindheit durchlaufen sind. Sie verschwinden, weil unser Gehirn dann bewusst Entscheidungen treffen kann und wir frühkindliche Reflexe nicht mehr brauchen. Im längeren Entwicklungsverlauf sind frühkindliche Reflexe ein wichtiger Schritt, denn aus ihnen entwickelt sich das Gehör mit dem Gleichgewichtssinn, die visuelle Wahrnehmung, Sprache, Koordination und feinere Motorik.

Falls diese Schritte in der selbstständigen Entwicklung des Kindes nicht komplett durchlaufen wurden kann es (wie vorhin erwähnt) passieren, dass die übrig gebliebene Rest-Muskelreaktion des frühkindlichen Reflexes das Kind heute noch beeinflusst. Das hört sich schlimmer an als es ist und hängt mit unterschiedlichsten Ursachen (beispielsweise die Art der Geburt) zusammen, die man oft nicht beeinflussen kann und die bei vielen Menschen in verschiedenen Formen auftreten.

Die Zusammenhänge der frühkindlichen Reflexe und unseren Körpersystemen sind wirklich sehr komplex. Wichtig ist also nicht, eine schuldige Ursache zu finden, sondern mithilfe von tollen Methoden wie der Reflexintegration die Rest-Muskelreaktion des frühkindlichen Reflexes abzubauen!

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Die Wissenschaft und die frühkindlichen Reflexe

Vieles in dieser Forschung hat seinen Ursprung in den 1970er Jahren, als Sally Goddart-Blythe und ihr Mann Peter Blythe in England mit der Forschung zu frühkindlichen Reflexen im Zusammenhang mit Lern- und Entwicklungsproblemen bei Kindern begannen. Seitdem haben viele weitere Wissenschaftler wie Vojta, Bobath, die Russinnen Akhmatova und Masgutova, Campbell, Pfeiffer-Meisel sowie Sacher und Michaelis neue Erkenntnisse zu frühkindlichen Reflexen gewonnen.

Alle haben eines gemeinsam: Sie halten eine zeitgerechte motorische Entwicklung für die Voraussetzung der gesunden Gesamtentwicklung des Kindes. Der vollständige Abbau von frühkindlichen Reflexen, entweder durch selbstständige Entwicklung oder durch Nachreifung mit der Reflexintegration ist also ganz wichtig dafür, dass ein Kind sein volles Potenzial ausschöpfen kann!

Übrigens kommt von diesem Zusammenhang der frühkindlichen Reflexe mit der motorischen Entwicklung auch der Name meines Online Kurses ‚Rexi Rockstars‘: Das Reflexintegrationstraining basiert auf sich gleichförmig wiederholenden Bewegungsübungen.

Die Übungen sollen rhythmisch schaukelnd durchgeführt werden. „Schaukeln“ bedeutet auf Englisch „to rock“ (und Rexi ist der Name der Katze, die den Kindern im Übungsheftchen die Übungen vormacht. Durch diese sich wiederholenden Übungen kann das Nachreifen der frühkindlichen Reflexe stattfinden.

Das Rexi Rockstars Training zur Reflexintegration führt wissenschaftliche Erkenntnisse aus den Bereichen Neurowissenschaft, Physiologie und Bewegungswissenschaft zusammen.

Wie gehe ich mit ‚übrig gebliebenen‘ frühkindlichen Reflexen bei meinem Kind um?

Du weißt mittlerweile, dass frühkindliche Reflexe zur richtigen Zeit ein wichtiger Schritt in der Entwicklung deines Kindes sind und deren gründlicher Abbau eine große Rolle im Verhalten eines Kindes spielen.

Wenn dieser Prozess nicht selbstständig stattfindet, kann es sein, dass ein sonst reifes Kind ungewöhnlich sensibel auf Probleme reagiert, zu depressiven oder ängstlichen Verhaltensmustern neigt, dass es zum Beispiel Schwierigkeiten beim Erlernen grammatikalischer Strukturen und anderen Lese- und Schreibfähigkeiten hat oder dass ihm (wie vorhin erwähnt) eine ‚ordentliche‘ Körperhaltung schwerfällt.

Falls dir eine oder mehrere dieser Dinge bekannt vorkommen, kannst du meinen Online-Check zu den frühkindlichen Reflexen mit 105 Fragen aus 11 Themenfeldern zu frühkindlichen Reflexen und der Entwicklung deines Kindes nutzen. Er wird dir auf Basis der beobachteten Symptome eine realistische Einschätzung geben, ob bei deinem Kind noch frühkindliche Reflexe aktiv sind.

Mach dir keine Sorgen, falls der Test als Ergebnis mehrere frühkindliche Reflexe zum Vorschein bringt. Denn die wirklich gute Nachricht ist, dass wir der Entwicklung deines Kindes mit der Reflexintegration gemeinsam auf die Sprünge helfen können! Von den knapp 20 frühkindlichen Reflexen, die es insgesamt gibt, sind für uns besonders jene frühkindlichen Reflexe von Bedeutung, die Auswirkungen auf das Lernen und die Motorik haben.

Denn hier ist der positive Effekt auf Lernprobleme, Schulprobleme und ADHS-Symptome bei Kindern am größten. Mehr zu diesen speziellen frühkindlichen Reflexe findest du in meinem Blogartikel: 22 Antworten zur Reflexintegration und frühkindlichen Reflexen. Falls du mehr über alle frühkindlichen Reflexe wissen möchtest, findest du eine gute Übersicht einfach bei Wikipedia.

Wenn du im nächsten Schritt mit deinem Kind zusammen an diesem Problem arbeiten möchtest, führe ich euch in meiner Praxis in Heidelberg oder im Rexi Rockstars Online Kurs über einen Zeitraum von mindestens acht Monaten schrittweise durch Übungen, durch welche diese frühkindlichen Reflexe nachreifen.

Das ist die Zeit, die das Gehirn in der Regel für die Nachreifung benötigt. Dieser sehr individuelle und selbstständige Lösungsansatz ist gezielt auf frühkindliche Reflexe ausgelegt. Gemeinsam können wir so an den Rest-Muskelreaktionen von aktiven frühkindlichen Reflexen arbeiten, die im Verborgenen ablaufen und dein Kind bei den Dingen stören, die es gerade willentlich tun muss oder möchte.

So steht der Entwicklung deines Kindes und eurer guten Beziehung nichts mehr im Wege!

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Ob frühkindliche Reflexe der Ursprung deiner Sorgen sein könnten, kannst du hier herausfinden.

Du erhältst unmittelbar eine individuelle Auswertung für dein Kind. Der Fragebogen prüft eine Vielzahl von erforschten Symptomen ab, die auf die Aktivität von frühkindlichen Reflexen hindeuten können. Der Check umfasst 105 Fragen in elf Bereichen rund um die Entwicklung deines Kindes.

Du erfährst, wie viele Indikatoren auf aktive Reflexe bei deinem Kind hindeuten und welche frühkindlichen Reflexe möglicherweise noch aktiv sind. Auf Wunsch sende ich dir die Auswertung sofort per E-Mail zu.

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Ich bin Silke Krämer.

Kinder- und Jugendcoach Professional, NLP Master und Coach, EMDR Traumatherapeutin und Gymnasiallehrerin

Ich helfe Familien, wenn es Schulstress gibt und daheim die Fetzen fliegen. Außerdem unterstützte ich Mütter und Väter dabei, sich den Herausforderungen des Familienlebens selbstbewusst zu stellen.

Als Trainerin für Reflexintegration helfe ich deinem Kind, damit ihm die Schule bei Konzentrations­schwächen, Lern- und motorischen Problemen leichter fällt.

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Leichter lernen und weniger Stress! Die Ernährungstipps für Schüler.

Leichter lernen und weniger Stress! Die Ernährungstipps für Schüler.

Silke Krämer

02-2025

Viele der Grundschüler, die zu mir in die Praxis kommen, machen einen richtig gestressten Eindruck. Die Stresssymptome äußern sich von Angespanntheit bis hin zu Aggressivität ihren Mitschülern, Geschwistern, Eltern oder gar sich selbst gegenüber. Das kann vielfältige Ursachen haben. Und weil es eben so viele verschiedene Stressoren gibt, macht es durchaus Sinn, an verschiedenen Punkten anzusetzen. Auch die richtige Ernährung kann einen Beitrag leisten, um beim Stressabbau unterstützend zu wirken oder ihn zu behindern.

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Die ganzheitliche Betrachtung der Situation von Kindern und Jugendlichen liegt mir am Herzen. Wie kann die Ernährung Kinder bei Stress und Problemen in der Schule, Lernschwierigkeiten, Konzentrationsproblemen oder ADHS positiv unterstützen? Im Interview erläutert die Ernährungsexpertin Sina Silberberger jede Menge Fragen rund um dieses Thema.

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Sina Silberberger ist Ernährungswissenschaftlerin und zertifizierte Ernährungsberaterin der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE). Sie hat Ernährungswissenschaften an der Universität Jena (Bachelor) und Ernährungsmedizin in Hohenheim (Master) studiert.

Ihre Beratungsschwerpunkte sind die Ernährung in der Schwangerschaft und Stillzeit, die Ernährung von Kindern und Jugendlichen sowie die Ernährung im Kraftsport.

Welche körperlichen Auswirkungen hat Stress auf mein Kind?

Silke: Ich beobachte, dass der Alltag von Kindern und Jugendlichen heute irgendwie viel stressiger ist, als das wohl zu meiner Kinder- und Jugendzeit noch der Fall war.

Die Kinder sind oft viel länger in Betreuungseinrichtungen, wo sie vielen Menschen und Lärm ausgesetzt sind. Auch sind nicht immer Rückzugsmöglichkeiten vorhanden oder die Kinder nehmen sich nicht die Zeit, diese zu nutzen aus Angst, dann möglicherweise etwas zu verpassen. Es ist ja auch schwierig runter zu fahren, wenn alle um einen herum spielen oder toben.

Auch die Schule scheint viel höhere Anforderungen zu stellen. Die Nachmittage der Kinder sind reich mit verschiedenen Terminen gefüllt, sodass wir manchmal tatsächlich Schwierigkeiten haben, einen Termin für das Coaching zu finden. Irgendwie versuchen alle, den Kindern so viel Input wie möglich zu bieten, weil auch die Gesellschaft immer mehr Anforderungen an das Individuum zu stellen scheint.

Das führt dazu, dass Kinder teilweise einen genauso verplanten und durchgetakteten Wochenplan haben, wie ein Manager. Manager klagen häufig über „Stress“, warum sollte es also bei Kindern anders sein? Welche Auswirkungen hat denn Stress überhaupt auf unseren Körper?

Sina: Chronischer Stress, auf den sich deine Frage bezieht, führt zur vermehrten Ausschüttung der Stresshormone Cortisol, Adrenalin und Noradrenalin.

Diese Hormone wirken sich unterdrückend auf das Immunsystem aus und sorgen gleichzeitig für eine Bereitstellung an Energie im Körper. Die Folgen sind ein erhöhter Blutzuckerspiegel, Bluthochdruck, ein Anstieg der Blutfettwerte sowie gleichzeitiger Abbau von Muskelprotein.

Langzeitfolgen können die Entstehung eines Diabetes mellitus, Übergewicht, Gefäßschäden, eine erhöhte Infektanfälligkeit und Wachstumshemmung sein. Ein weiteres Problem ist, dass Cortisol die Blut-Hirn-Schranke überwindet und somit negativen Einfluss auf Lern- und Gedächtnisleistung nimmt und depressive Verstimmungen sowie Ängste fördern kann.

Es kommt zur Störung kognitiver und emotionaler Prozesse.

Silke: Wow, das ist eine lange Liste. Wenn ich höre „Bereitstellung an Energie“, muss ich sofort an hibbelige Kinder denken. Was genau hat es damit auf sich? Wenn mehr Energie im Körper bereit gestellt wird, muss diese doch auch irgendwie wieder abgebaut werden, ist das richtig?

Wie macht unser Körper das, wenn er sich doch nicht bewegen darf, weil er den ganzen Vormittag mehr oder weniger still sitzen soll? Und spielt dabei auch der Einfluss von chronischem Stress auf das Gehirn eine Rolle?

Sina: Da hast du das Problem schon gut erkannt. Zucker, die Hauptenergiequelle unseres Körpers, wird über das Blut zu den Muskeln transportiert, um dort verbraucht zu werden.

Wenn der Körper sich aber nicht oder nur unzureichend bewegt, wird auch keine Energie durch Muskelarbeit abgebaut. Der Zucker zirkuliert also unablässig in unseren Gefäßen durch den Körper. Der Körper will diese Energie verbrauchen. Wenn die Kinder zum Stillsitzen gezwungen sind, werden sie automatisch hibbelig.

Hinzu kommt, dass die Kinder sich aufgrund der stressbedingten negativen Auswirkungen auf das Gehirn schlechter konzentrieren können.

Wie kann ich über die Ernährung meinem Kind helfen?

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Silke: Puh, auch die anderen Krankheiten, die du im Bezug auf eine erhöhte Hormonkonzentration im Blut genannt hast, sind ja ziemlich heftig. Wie kann nun die Ernährung diese Erkrankungen beeinflussen? Gibt es da einen Zusammenhang?

Wie macht unser Körper das, wenn er sich doch nicht bewegen darf, weil er den ganzen Vormittag mehr oder weniger still sitzen soll? Und spielt dabei auch der Einfluss von chronischem Stress auf das Gehirn eine Rolle?

Sina: Ja, genau den gibt es. Auf die durch Stress verursachten Erkrankungen bzw. Symptome kann über die Ernährung Einfluss genommen werden.

Silke: Das ist ja super, dann können wir tatsächlich selbst etwas tun, auch wenn wir die äußeren Umstände nicht ändern können. Was sollten wir beachten?

Sina: Eigentlich ist es ganz einfach und es sind leicht umsetzbare Möglichkeiten: Mahlzeiten, die reichlich frisches Gemüse und so wenig Fertigprodukte wie möglich enthalten, sind besonders wichtig. Vollkornprodukte enthalten wertvolle Ballaststoffe und sind deshalb viel besser als weiße, raffinierte Lebensmittel.

Hülsenfrüchte als Eiweißquelle sowie regelmäßig fetter Seefisch und mageres Biofleisch in Maßen runden den Speiseplan ab. Als süßer Snack bietet sich frisches Obst an, Süßigkeiten stellen die Ausnahme dar.

Silke: Warum soll der Fisch fett, das Fleisch aber mager sein und was genau meinst du mit Fertigprodukten?

Sina: Fetter Fisch enthält Omega-3-Fettsäuren, die besonders wichtige Funktionen für das Gehirn haben. So lässt sich den stressbedingten Veränderungen im Gehirn etwas entgegenwirken. Auch pflanzliche Lebensmittel wie zum Beispiel Walnüsse enthalten Omega-3-Fettsäuren, diese müssen aber erst aufwendig im Körper umgewandelt werden.

Die Fettsäuren im Fettgewebe des Fleisches hingegen haben entzündungsfördernden Eigenschaften und unterstützen die negativen Auswirkungen chronischen Stresses. Daher sollte Fisch fett, Fleisch aber mager sein.

Mit Fertigprodukten meine ich die Produkte, bei denen man nicht mehr viel machen muss. Nur noch aufwärmen (Pizza, Mikrowellenprodukte, Dosensuppen , Tütensaucen, …) oder am besten gleich direkt essen. Man muss sich immer vor Augen führen: solche Produkte sind dazu konzipiert, wochenlang im Supermarkt auf den Käufer zu warten. Um das zu erreichen, enthalten solche Produkte eine Vielzahl an Stoffen, die sie haltbar machen und gleichzeitig dafür sorgen, dass der Geschmack über die Zeit nicht nachlässt. Niemand möchte eine fade Mahlzeit essen. Konservierungsstoffe, Geschmacksverstärker und vieles mehr werden den Produkten zugesetzt. Zucker und Salz spielen dabei eine wichtige Rolle. Auch Glutamat ist häufig enthalten (oftmals versteckt als Hefeextrakt). Die Liste ist endlos lang. Solche Produkte sollten nur in Ausnahmefällen konsumiert werden.

Welche Getränke soll ich meinem Kind anbieten?

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Silke: Welche Getränke empfiehlst du? Heute gibt es ja auch tolle „Wassergetränke mit Geschmack“, was hältst du davon?

Sina: Wasser ohne Geschmack ist immer die beste Wahl. Gerade erobern die von dir genannten Wassergetränke mit Geschmack den Markt. Aber hier verhält es sich wie bei den eben angesprochenen Fertigprodukten. Der Geschmack gelangt mit Sicherheit nicht durch echte Früchte ins Wasser. Da steht niemand und quetscht Kirschen in einen Bottich voller Wasser, um dann Wasser mit Kirschgeschmack zu erhalten. Es ist dasselbe Prinzip wie beim fertigen Fruchtjoghurt. Der Geschmack gelangt durch Aromen hinein, für die angenehme Süße sind entweder Zucker oder Süßstoffe verantwortlich.

Die sogenannten E-Stoffe sind mittlerweile sicherlich jedem ein Begriff. Die Langzeitfolgen auf den menschlichen Körper bei andauerndem Konsum sind noch nicht hinreichend erforscht und es handelt sich hierbei zweifelsohne um ein sehr strittiges Thema. Somit ist es sicher nicht verkehrt, solche Produkte mit Bedacht zu konsumieren. Ganz besonders, wenn es um Kinder geht, die noch in der Entwicklung stecken.

Daher rate ich dazu, wenn Getränke mit Geschmack gewünscht sind, hin und wieder eine Schorle mit ca. 1/3 Saftanteil zu reichen. Reiner Fruchtsaft enthält zu viel Zucker.

Silke: Auch, wenn auf dem Saft „ohne zusätzlichen Zucker“ steht?

Sina: Ja, auch dann. Früchte enthalten von Natur aus Fruchtzucker sowie eine Vielzahl anderer wichtiger Nährstoffe. Bei der Entstehung von Saft werden die Früchte ausgepresst. Zucker ist ein wasserlöslicher Nährstoff und gelangt daher mit in den Saft, wo er aber durch das Auspressen in hoher Konzentration vorliegt. Andere Nährstoffe werden bei der Saftherstellung leider herausgefiltert.

Somit ist Fruchtsaft ein sehr zuckerhaltiges Lebensmittel, auch wenn dieser Zucker natürlichen Ursprungs ist. 

Wie sollte sich mein Kind bei einer Konzentrationsschwäche oder ADHS ernähren?

Silke: Ich betreue immer wieder Kinder und Jugendliche, die unter einer Konzentrationsschwäche leiden (ADS oder ADHS). Ist hier über die Ernährung ebenfalls ein positiver Einfluss möglich?

Sina: Ja, wie auch bei dauerhaftem Stress ist eine ausgewogene Ernährung von herausragender Bedeutung.

Das Problem der westlichen Ernährung ist, dass viel zu viel Zucker konsumiert wird. Nicht nur in Form von Süßigkeiten, sondern auch als sogenannte Weißmehlprodukte wie z. B. süße Stückchen vom Bäcker und helles Brot. Zucker ist der Grundbaustein im Getreide und je verarbeiteter ein Produkt ist, desto schneller geht der Zucker ins Blut über.

Das Resultat ist ein rascher Anstieg des Blutzuckerspiegels, der ebenso schnell wieder absinkt. Folglich reagiert der Körper mit Heißhunger und dem Gehirn fehlt Energie. Das Kind wird unkonzentriert und beginnt zu zappeln.

Auch die als Kinderlebensmittel vermarkteten Produkte fallen in diese Kategorie. Sie enthalten viel Zucker und Fett und sind somit alles andere als kindergerecht.

Mit 5 Tipps für ein gesundes Frühstück und Pausenbrot in den Schultag starten

Leichter lernen und weniger Stress! Die Ernährungstipps für Schüler. 5

Bild von Steve Buissinne

Silke: Das klingt alles sehr einleuchtend, doch ich glaube, dass uns manchmal konkrete Ideen fehlen, unsere Ernährung zu verbessern.

Welche Vorschläge hast du denn beispielsweise für das Frühstück? Wie sieht ein gelungener Start in den Tag für Kinder aus, die besonders viel Stress und/oder Probleme mit der Konzentration haben?

Sina: Ein selbstgemischtes Müsli mit verschiedenen Flocken, Nüssen und Beeren bietet beispielsweise tolle Möglichkeiten. Hier kann das Kind wunderbar selber kreativ werden, indem es sich sein Müsli selbst zusammenstellt.

Je nach Saison kann das Müsli mit verschiedenem Obst aufgepeppt werden. Wird eine breiige Konsistenz bevorzugt, kann das Müsli abends schon vorbereitet und über Nacht im Kühlschrank gelagert werden. So spart man auch die morgens eh schon knapp bemessene Zeit. Auch ein Vollkornbrot mit süßem oder salzigem Aufstrich bietet einen gesunden Start in den Tag.

Von den gängigen „Kinder-Cerealien“ und der täglichen Tasse Kaba sollte Abstand genommen werden. Denn hier tritt wieder die Zuckerproblematik mit der folglich verschlechterten Konzentration und dem Heißhunger auf.

Silke: Dann wäre also auch ein Salami- oder Käsebelag in Ordnung, so lange er auf Vollkornbrot liegt?

Sina: Zumindest kann man sagen, dass das Brot/Brötchen schon mal die halbe Miete ist.

Natürlich gibt es auch beim Belag geeignetere und ungeeignetere Alternativen. Da passt die von dir angesprochene Salami als hervorragendes Beispiel. Wie auch beim Fleisch gilt bei der Wurst, auf die fettärmeren Sorten zurückzugreifen. Salami ist eine sehr fettreiche Wurstsorte und enthält somit wieder mehr von den entzündungsfördernden Fettsäuren.

Wenn die Salami aber hin und wieder auf dem Brot landet, ist dies mit Sicherheit kein Weltuntergang. Ein Beispiel zum süßen Aufstrich wäre der weltbekannte Schokoaufstrich. Hier kann man den Verzehr zu einem Wochenend-Highlight machen, während unter der Woche eher zuckerärmere Marmeladensorten aufs Brot kommen. 

Silke: Also ist es nicht so schlimm, wenn das Kind auch mal fettige Wurst oder weißes Toastbrot isst?

Sina: Es geht, wie bei allen Empfehlungen zur Ernährung, nicht darum Lebensmittel zu verbieten und zu verbannen, sondern manche Lebensmittel einfach zu bevorzugen, während andere seltener konsumiert werden. Wichtig ist, dass man nicht päpstlicher ist als der Papst.

Das Kind sollte immer noch Spaß am Essen haben. Stress kann nämlich schnell auf den Magen schlagen und während die einen mit einem Anstieg der Nahrungszufuhr reagieren, essen die anderen plötzlich deutlich weniger. Man muss immer den Einzelfall betrachten, um konkrete Empfehlungen geben zu können. 

Silke: Meine Ärztin hat mir gesagt, dass sie ihr Müsli immer mit Saft oder Wasser isst. Was meinst du dazu? Bei uns ist es doch eher üblich, das Müsli mit normaler Kuhmilch zu essen. Ist das OK?

Sina: Generell ist gegen Kuhmilch nichts einzuwenden, allerdings sollte aus ethischen und auch gesundheitlichen Gründen Milch der bekannten Biosiegel wie Demeter, Naturland oder Bioland bevorzugt werden. Kinder, die Probleme mit ihren Eisenwerten haben oder vermehrt darauf achten müssen, weil sie sich vegetarisch ernähren, sollten auf andere Quellen zurückgreifen.

Der Hintergrund ist, dass Milchprodukte aufgrund des darin enthaltenen Calciums die Eisenaufnahme in den Körper hemmen können und ein zu geringer Eisenwert letztendlich zu einer verminderten Leistungsfähigkeit führt.

Viele Eltern solcher Kinder, die das Eisen etwas im Blick behalten müssen, entscheiden sich für Müsli auf Basis von Haferflocken, weil diese zu den eisenreichen pflanzlichen Lebensmitteln zählen. Hier wäre es wünschenswert auf pflanzliche „Milch“ umzusteigen. Besonders geeignet ist zum Beispiel ein Haferdrink, der bei vegetarisch ernährten Kindern gerne auch mit Vitamin D und B12 angereichert sein darf. Wenn das Kind aber unbedingt Kuhmilch zum Müsli möchte, kann Vitamin C reiches Obst (Beeren, Kiwis, Zitrusfrüchte) dazu gereicht werden, das die Eisenaufnahme aus pflanzlichen Quellen fördert. 

Silke: Und wie kann die Konzentrationsfähigkeit in der Schule unterstützt werden?

Sina: Ein geeigneter Pausensnack wäre ein belegtes Vollkornbrot mit Salat, Gurkenscheiben, Paprikasteifen, etc. Der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt, alles in Abhängigkeit des Alters und Geschmacks des Kindes. Alternativ kann die Rohkost auch neben dem Brot gereicht werden.

Im Vollkorn liegt der Zucker in langen verschlungenen Ketten vor, für deren Verdauung der Körper Zeit braucht. Somit steigt der Blutzuckerspiegel nur moderat und bleibt länger stabil. Das Gehirn hat länger etwas von der Energie und der Heißhunger bleibt aus. Das Gemüse versorgt das Kind mit wichtigen Nährstoffen.

Auch eine Handvoll gemischter Nüsse (ungesalzen und ungeröstet) oder ohne Fett im Ofen gebackene Kichererbsen sind als Snack gut geeignet. Wichtig ist auch, dass viel getrunken wird. Flüssigkeitsmangel führt ebenfalls zu einer verschlechterten Konzentration.

Mogeln oder nicht? Wie sieht ein gesundes Mittagessen aus?

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Bild von congerdesign

Silke: Viele Kinder essen in einer Betreuungseinrichtung zu Mittag, wo die Eltern keinen Einfluss auf die Auswahl des Essens ausüben können. Siehst du eine Möglichkeit, dies dennoch auszugleichen? Wie sähe denn ein gutes Mittagessen überhaupt aus?

Für die Kinder enden die Anforderungen an die Konzentrationsfähigkeit ja nicht mit dem Schulende, sondern zu Hause müssen sie Hausaufgaben machen und lernen. Also müssen sie auch noch nachmittags leistungsfähig bleiben.

Sina: Mittags sind leichte Mahlzeiten mit viel Gemüse zu bevorzugen. Dazu eine Eiweißkomponente (mageres Fleisch, Fisch, Hülsenfrüchte) und eine gesunde Kohlenhydratquelle (Vollkornnudeln, Vollkornreis, Kartoffeln).

Die beliebten Mittagsmahlzeiten unter Schülern wie Pizza, Brötchen mit Fleischkäse oder typisches Fastfood belasten den Stoffwechsel unnötig stark und sorgen dafür, dass die Kinder träge und unkonzentriert werden.

Silke: Oh jeh! Da werden viele Mütter bestimmt denken „das ist ja hoffnungslos, in mein Kind kriege ich eh kein Gemüse rein!“. Hast du für diese Eltern einen Tipp, wie man Gemüse vielleicht sogar doch unter das Essen „mogeln“ kann?

Sina: Zuallererst: gemogelt wird nicht. Hier ist ganz viel Ernährungspsychologie im Spiel. Wenn das Kind herausfindet, dass es beim Essen „betrogen“ wurde, kann es das Vertrauen in das Essen verlieren und sehr wählerisch werden.

Da wir über Kinder mit einem großen Stressfaktor sprechen, ist diese Reaktion nicht so weit hergeholt. Im Stress ist man einfach empfindlicher, das kann sicherlich auch jeder Erwachsene bestätigen.

Gut wäre es zumindest, dass es abends nicht wieder nur eine Brotzeit gibt. Wenn das Kind bereits morgens mit Brot in den Tag gestartet ist, in der Schule eine gesunde Brotmahlzeit dabei hatte und mittags „nur“ auf das Kantinenessen zurückgreifen konnte, sollte der Tag nicht auch noch mit Brot beendet werden.

Während der kälteren Jahreszeit sind Suppen eine schöne Alternative. Gerne auch auf Basis von Hülsenfrüchten wie Linsen- oder Erbsensuppe.
Wichtig ist auch immer im Hinterkopf zu behalten, dass Kinder nicht mit dem Argument „das ist aber gesund!“ überzeugt werden können.

Bei Gemüsemuffeln ist auch eine bewährte Strategie, Gemüse als Rohkost anzubieten (jeder aus der Familie bekommt dabei ein kleines Tellerchen mit Rohkost) und wenn das Kind tatsächlich zugreift, bloß kein großes Aufheben darum machen. Und Gemüse immer wieder unermüdlich anbieten, gerne auch in unterschiedlichen Konsistenzen.

Was roh gar nicht schmeckt, ist als Püree vielleicht ganz lecker. Wenn das Kind partout kein Gemüse essen mag, dann ist das einfach so. Geschmäcker ändern sich auch wieder.

Hauptsache man fängt keine Deals an nach dem Motto: „Du bekommst erst den Nachtisch, wenn du dein Gemüse gegessen hast.“ Denn dann bekommt der Nachtisch eine Belohnungsfunktion, die wir nicht haben wollen. Vor allem wenn es um gestresste Kinder geht, die dann vielleicht anfangen sich mit Süßem regelmäßig zu belohnen.

Silke: Liebe Sina, ich danke dir vielmals für deine Zeit, könnte mir jedoch vorstellen, dass der ein oder andere noch mehr Fragen hat. So ist es ja oft: Je tiefer man in die Materie eintaucht, umso mehr Fragen ergeben sich.

Deshalb lade ich euch, liebe Leser dazu ein, mir eure Fragen zu schicken oder auf meiner Facebookseite zu posten. Vielleicht ergibt sich daraus noch mehr Stoff für ein Anschlussinterview, wer weiß.

Sina: Sehr gerne, liebe Silke! Und natürlich, ich freue mich immer, wenn ich Fragen beantworten und zu mehr Klarheit beitragen kann. Das Thema ist zu komplex, um es in einem einzigen Interview abhandeln zu können.

Infos zum Weiterlesen

Hier findest du noch einige interessante Infos zum Thema Ernährung für Kinder und Zuckerkonsum. Hast du noch weitere Lesetipps? Ich freue mich über deinen Tipp auf Facebook.

Foodwatch e.V.: Die zehn zuckrigsten Kindergetränke

Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Infosammlung Ernährung Kinder und Jugendliche

Verbraucherzentrale: Ratgeber Bärenstarke Kinderkost

Ärztezeitung: So viel Zucker pro Tag darf's sein

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Ich bin Silke Krämer.

Kinder- und Jugendcoach Professional, NLP Master und Coach, EMDR Traumatherapeutin und Gymnasiallehrerin

Ich helfe Familien, wenn es Schulstress gibt und daheim die Fetzen fliegen. Außerdem unterstützte ich Mütter und Väter dabei, sich den Herausforderungen des Familienlebens selbstbewusst zu stellen.

Als Trainerin für Reflexintegration helfe ich deinem Kind, damit ihm die Schule bei Konzentrations­schwächen, Lern- und motorischen Problemen leichter fällt.

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Kinder und Konzentrationsprobleme

Kinder und Konzentrationsprobleme

Silke Krämer

01-2025

Als Eltern sehen wir das Thema Konzentration bei unseren Kindern häufig als Problem, das eine Lösung braucht: Es dauert ewig, bis Hausaufgaben gemacht sind (wenn sie denn überhaupt gemacht werden…), alltägliche Aufgaben wie Ranzen packen bereiten größte Schwierigkeiten, oder es kommt sogar Feedback von Außenstehenden, wie beispielsweise Lehrer/-innen, dass das Kind im Unterricht immer wieder abdriftet oder nicht mitarbeitet.  All das kann verständlicherweise sogar die entspanntesten Eltern unruhig werden lassen.

Kommt dir das bekannt vor? Dann kann dir der folgende Blogbeitrag helfen: Nicht etwa mit einem Therapie-Ratgeber, der alle auf dem Markt existierenden Ansätze beleuchtet, sondern dadurch, erst einmal in Ruhe alle Hintergründe zu beleuchten. Denn vielleicht ist es ja sogar so, dass ein Kind nicht nicht kann, sondern aus guten Gründen gar nicht können will…

Ich möchte alle, die jetzt hellhörig geworden sind, dazu ermutigen die Situation neugierig und ohne Angst zu beobachten!

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Bild von Dmitriy Gutarev

Wie zeigt sich das Problem mit der Konzentration

Wenn ein Kind Schwierigkeiten hat sich zu konzentrieren, sehen Eltern oder Lehrer sich oft in der Pflicht, sehr viel Geduld und Aufmerksamkeit in die alltägliche Begleitung zu investieren. Es muss jemand bei den Hausaufgaben nebendran sitzen, immer wieder muss an Kleinigkeiten erinnert werden und alles wird zur Ablenkung – zur Not auch das Zwirbeln der eigenen Haarspitzen.

Die Erwachsenen im Umfeld eines solchen Kindes kommen eindeutig zu der Schlussfolgerung:

Mein Kind KANN sich nicht konzentrieren! Und dann: ICH muss meinem Kind helfen und eine Lösung für dieses Problem finden.

Der gängige Weg zu mehr Konzentration

Oft folgt auf diese Erkenntnis dann die Suche nach einer geeigneten Maßnahme und damit ein endloses Abklappern vieler Stationen. Von Logopädie, Ergotherapie, Psychotherapie, bis hin zu Neurofeedback, Lateralisationstraining, Körpertherapie, Medikinet oder Ritalin Behandlungen, Braingym, Kinflex, Reflexintegration, Visualtraining, LRS-Training, Motopädik, Sensomotorik, und AD(H)S Testung ist da oft alles dabei.

So überwältigend wie diese Liste klingt, ist auch die Erfahrung. Die Eltern wünschen sich nichts sehnlicher, als Entlastung – dass sich ihr Kind besser konzentrieren kann und die Schule endlich kein ständiges, negatives Thema im Familienalltag mehr ist.

Für ein Kind bringt dies viele intensive Testverfahren mit sich. Ohne dass die Eltern dies möchten, beinhaltet all das auch ein konstantes in-Frage-stellen des Selbstwertgefühls des Kindes: häufig kommen dann solche Sätze auf wie »ich bin dumm, immer werde ich nur angemeckert, es wäre besser, mich gäbe es nicht, ich kann das nicht, …«

In diesem emotionalen Dschungel ist es wirklich schwer, das zu finden was dem Kind hilft. In vielen Fällen kann es also sinnvoll sein, zuerst außerhalb der empfundenen ‚Konzentrationsschwäche‘ nach Ursachen zu suchen und der grundlegenden Frage nachzugehen, ob sich ein Kind nicht konzentrieren KANN, weil es körperlich dazu nicht in der Lage ist, oder ob es noch andere Gründe geben könnte.

Die Detektivarbeit vor der Therapie: Welche Fragen sollten bei Problemen mit der Konzentration vorab geklärt werden?

Bevor also Zeit, Geld und – vielleicht am wichtigsten – Energie in Therapien und Trainings investiert wird, sollten folgende Fragen geklärt sein:

Verhalten des Kindes

  • Wie zeigt es sich, dass sich das Kind nicht konzentrieren kann?
    Ist es unruhig, muss es aufstehen, ist es wütend, was genau frustriert es? Wie äußert sich diese Konzentrationsschwierigkeit?
  • Kann sich das Kind in anderen Bereichen konzentrieren und dabei beispielsweise relativ ruhig sitzen? Ist also vielleicht beim Lego Bauen, Computerspielen, Lesen, Hörspiel hören alles in Ordnung, nur beim Thema Schule geht es nicht?
  • Macht das Kind alleine (Haus-) Aufgaben? Wenn nein, warum nicht und seit wann ist das so?

Umgebung des Kindes

Hier können alle Personen wichtige Informationen geben, die das Kind in der Anforderungssituation erleben.

  • Wann und wo werden Hausaufgaben gemacht? Ist die Umgebung dem Kind angepasst? Denn manche lernen lieber mit Hintergrundrauschen, andere brauchen es still und können sich nur konzentrieren, wenn sie alleine in einem Raum sind.
  • Was machen Eltern für „schöne“ Dinge mit dem Kind? Liegt der Fokus im Alltag immer auf der Schule und wird auch während der Mahlzeiten überwiegend über nicht erledigte Aufgaben, anstehende Arbeiten und Schule im Allgemeinen gesprochen?
  • Wie sieht der sonstige Alltag aus (Ernährung, Schlaf, Stress wie z.B. (unbewusster) hoher Leistungsdruck, mangelnde körperliche Fitness, Medienkonsum)? Bestehen die Probleme immer oder nur an manchen Tagen?
  • Kann es sein, dass es sich um Vermeidungsstrategien handelt? Dass das Kind also z.B. lange Hausaufgaben macht, um nicht mit anderen Kindern spielen zu müssen, die es ärgern?

Außerhalb

  • Wie war die Schulkarriere der Eltern, wie haben sie Schule erlebt? Es ist wichtig, sich ins eigene Kind hinein zu versetzen und einen anderen Blickwinkel einzunehmen.
  • Könnte die häusliche Situation das Kind belasten? Wird oft gestritten? Oft ist Sensibilität (auch bei taktilen Reizen) auf Stress und Negativität im sozialen Umfeld zurückzuführen.
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Bild von Francais

Andere Aspekte und Indikatoren zur Unterstützung der Konzentration

Altersabhängig kann man von einer Konzentrationsschwäche ausgehen, wenn ein Kind sich in KEINEM Bereich länger als 15 Minuten konzentrieren kann.

Als Faustregel gilt: »Zwei Mal das Alter« mit einer Pause dazwischen.

Das ist die mögliche Spanne der Konzentration eines Kindes – ein Zehnjähriger sollte sich also zwanzig Minuten konzentrieren, mit einer kleinen Pause dazwischen.

In vielen Fällen jedoch kann das Kind sich auf andere Dinge gut konzentrieren. Hier ist es unglaublich wichtig, dem Kind keine Bockigkeit und Unwillen zu unterstellen, sondern sanft herauszufinden, woher diese ‚Schul-Blockade‘ kommt. Es könnte sein, dass das Kind genau den Anforderungen nicht gewachsen ist, die das Lernumfeld an es stellt: Die Fähigkeiten, die man zum Lego bauen braucht sind eben andere, als diejenigen, die in der Schule gefordert sind. Die vielen Reize eines Schultages, das Schreiben, Lesen, stillsitzen, sich auf einem Arbeitsblatt zurechtfinden, mündliches Wissen auf Papier bringen, von der Tafel abschreiben, Gehörtes verarbeiten… das liegt nicht jedem und das ist auch in Ordnung so.

Wenn das Kind sich z.B. in anderen Bereichen konzentrieren kann, jedoch beim Abschreiben oder Schreiben schnell ermüdet und leicht ablenkbar ist, könnten körperliche Ursachen sein, wie zum Beispiel noch nicht vollständig integrierte frühkindliche Reflexe. Hierbei spielen sich im Hintergrund Prozesse ab, die Energie verbrauchen und das Kind schneller ermüden lassen. Dies führt dann schlussendlich zur Konzentrationsschwäche. Bei Schwierigkeiten wie einem schwachen Muskeltonus, verkrampfter Stifthaltung, oder visuellen, vestibulären und auditiven Schwierigkeiten, kann ein Reflexintegrationstraining, wie Rexi Rockstars, das Kind positiv unterstützen.

Hier stehe ich gerne immer zu weiterer Beratung zur Verfügung!

Prinzipiell gilt, dass eine gute Unterstützung des Kindes immer individuell und nie schwarz und weiß ist. Selten ist ein klar definierter, einzelner Grund für eine bestimmte Erscheinung verantwortlich. Die gute Nachricht: Kinder können sich generell auf das konzentrieren, was sie mögen. Es gilt also, gemeinsam mit Lehrerinnen und Lehrern, einen Weg zu finden, um dem Kind die Freude an etwas näher zu bringen!

Konzentrationsprobleme? Kostenloser Onlinecheck

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Ob frühkindliche Reflexe der Ursprung deiner Sorgen sein könnten, kannst du hier herausfinden.

Du erhältst unmittelbar eine individuelle Auswertung für dein Kind. Der Fragebogen prüft eine Vielzahl von erforschten Symptomen ab, die auf die Aktivität von frühkindlichen Reflexen hindeuten können. Der Check umfasst 105 Fragen in elf Bereichen rund um die Entwicklung deines Kindes.

Du erfährst, wie viele Indikatoren auf aktive Reflexe bei deinem Kind hindeuten und welche frühkindlichen Reflexe möglicherweise noch aktiv sind. Auf Wunsch sende ich dir die Auswertung sofort per E-Mail zu.

Mehr konkrete Hilfsmöglichkeiten bei Problemen mit der Konzentration

Neben den soeben beschriebenen Möglichkeiten kann es sehr hilfreich sein, am Umfeld des Kindes anzusetzen und mit Lehrpersonal, Eltern und dem Kind gemeinsam Beziehungsarbeit und Erziehungsberatung durchzuführen. Manchmal hilft es auch sehr, dem Kind Hilfe durch eine externe Bezugsperson wie einem Coach oder Lerntrainer anzubieten. Hier können detaillierte Konzepte ausgearbeitet werden, die es dem Kind zum Beispiel ermöglichen, Hausaufgaben in Absprache mit Lehrer/-innen in der Schule zu bearbeiten.

Außerhalb dieser spezifischen Lösungsansätze hilft es oft ungemein, Zeit und Raum zur Entspannung anzubieten, auch dies kann die Fähigkeit zur Konzentration verbessern: Techniken wie mit der flachen Hand Stirn und Nacken zu berühren, die Thymusdrüse klopfen, Traumreisen oder Muskelentspannung nach Jacobsen sind empfehlenswert.

Und zu guter Letzt möchte ich dazu ermutigen, den Blick auf das Positive zu lenken. Ein Kind leistet beim Großwerden Unglaubliches, wächst immer und macht vieles toll. Mit dieser Perspektive ist es einfacher, auf das Kind zuzugehen und konkret zu fragen:

Wie siehst du das?

Was kann dir helfen?

Was brauchst du?

Welche Form der Unterstützung wünscht du dir?

Brauchst du überhaupt Unterstützung, oder ist dir alles zu viel?

Die Antwort wird vielleicht nicht so ausfallen wie gedacht, aber alle Beteiligten auf jeden Fall dem gewünschten Ziel näherbringen: entspannte, offene Eltern und neugierige, glückliche Kinder!

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Ich bin Silke Krämer.

Kinder- und Jugendcoach Professional, NLP Master und Coach, EMDR Traumatherapeutin und Gymnasiallehrerin

Ich helfe Familien, wenn es Schulstress gibt und daheim die Fetzen fliegen. Außerdem unterstützte ich Mütter und Väter dabei, sich den Herausforderungen des Familienlebens selbstbewusst zu stellen.

Als Trainerin für Reflexintegration helfe ich deinem Kind, damit ihm die Schule bei Konzentrations­schwächen, Lern- und motorischen Problemen leichter fällt.

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