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”Nee!“ – Wie du dein Kind in der Pubertät motivieren kannst

”Nee!“ – Wie du dein Kind in der Pubertät motivieren kannst

Familie

07-2026

Machst du heute noch deine Übungen? Deine Aufgaben?” - Ein Augenrollen. Ein genervtes “gleich.” Oder direkt ein deutliches: “Nee!”

Wenn dein Kind inzwischen in der Pubertät angekommen ist, kennst du solche Situationen vielleicht: Warum wird alles, was früher gut funktioniert hat, inzwischen zum Kampf? Warum muss ich mein Kind ständig motivieren?

Ja, wir wissen alle, dass die Pubertät unsere Kinder verändert, doch muss es doch irgend einen Schlüssel dafür geben, der den Familienalltag wieder leichter werden lässt! Ob unter den besonderen Bedingungen der Pubertät oder ganz allgemein, ist und bleibt das Thema Motivation ein Dauerbrenner.

Auch wenn ich mich in diesem Artikel überwiegend auf Jugendliche beziehe, lassen sich viele Gedanken ebenso auf jüngere Kinder oder gar Erwachsene übertragen, insbesondere auf autonomiestarke jüngere Kinder.

Die Pubertät ist eine Zeit, in der sich Jugendliche Schritt für Schritt von ihren Eltern lösen. Sie möchten eigene Entscheidungen treffen, ihre Persönlichkeit entwickeln und ihren eigenen Weg finden. Genau deshalb funktionieren viele Strategien, die bei Grundschulkindern noch gut geklappt haben, plötzlich nicht mehr.

Das mag frustrierend sein. Gleichzeitig eröffnet es die Chance, deinem Kind auf eine neue Art zu begegnen und zu begleiten.

Dabei dürfen wir nicht vergessen, dass das Bedürfnis nach Nähe und Verbundenheit in der Pubertät mindestens genauso groß ist, wie in den ersten Lebensjahren, es sich nur anders zeigt. Ein pubertierender Junge möchte vielleicht nicht mehr von seiner Mama bekuschelt werden und ein Mädchen nicht mehr vom Papa. Das Bedürfnis nach Verbundenheit bleibt dennoch bestehen.

Gerade deshalb bietet das Training zur Reflexintegration eine wunderbare Möglichkeit, Zeit gemeinsam zu verbringen, ohne sich „zu nahe“ sein zu müssen. Man hat etwas gemeinsam zu tun, ist beisammen und muss dabei nicht einmal viel reden. Ist das nicht ausgesprochen pubertätsfreundlich?

Wie verändert sich Motivation in der Pubertät?

Kleine Kinder machen vieles, weil Mama oder Papa sie dazu auffordern. Sie genießen die gemeinsame Zeit oder vertrauen darauf, dass ihre Eltern wissen, was gut für sie ist.
Jugendliche haben sich weiterentwickelt. Sie möchten verstehen, ernst genommen werden und zunehmend selbst entscheiden … und das oftmals genau anders, als wir Eltern es tun würden.

Das geschieht nicht, um uns zu ärgern, sondern es ist ein wichtiger Entwicklungsschritt auf dem Weg zum Erwachsensein. Unsere Aufgabe besteht nun weniger darin, Entscheidungen abzunehmen, sondern vielmehr darin, sie zu begleiten.

Eine Szene aus unserem Familienalltag zeigt das ganz gut:
Ich frage unseren Sohn, ob er denn diese Woche eigentlich schon Gitarre geübt hat. Die Frage an sich ist schon ein Anfängerfehler, der mir nicht hätte passieren dürfen, weil ich es besser weiß! Denn erstens ist das Wort „üben“ der totale Trigger und zweitens weiß ich ganz genau, wie er tickt. 
Prompt habe ich die Antwort kassiert: „Ich wollte gerade spielen. Aber weil du mich dran erinnert hast, habe ich schon keine Lust mehr und mache es jetzt nicht.“
Verärgert über mich, ziehe ich von dannen und denke mir: Super! Großartig gemacht, Frau Krämer.

Vielleicht kennst du das auch von dir selbst: Wie motiviert bist du, etwas zu tun, wenn dir jemand ständig sagt, dass du es musst?

Wahrscheinlich nicht besonders. Ich jedenfalls finde es schon schlimm genug, so viel Zeit für bestimmte Haushaltstätigkeiten aufbringen zu müssen und die intrinsische Motivation dafür kostet mich manchmal recht viel Kraft. Aber wenn mich jemand darauf hinweist, dass alle Wäschetonnen voll sind, fühle ich mich gegängelt, empfinde es so, als würde man das viele Andere, das ich schon gemacht habe oder regelmäßig tue, total übersehen und reagiere mit Widerstand. (Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm, haha!)

Jugendlichen geht es oft genauso - es sei denn, sie gehören zu den super-über-Angepassten, was möglicherweise später oder an anderer Stelle herausfordernd werden kann.
Wie also können wir es schaffen, dass unser jugendliches Kind dennoch seine Übungen zur Reflexintegration macht (wenn man scheinbar nichts sagen darf)?

Du kannst nicht mit Zwang motivieren

Vielleicht hast du schon alles ausprobiert:
“Mach doch bitte endlich deine Übungen.”
“Du weißt doch, dass sie dir guttun.”
“Wir haben dafür schließlich viel Geld bezahlt.”
Je größer der Druck wird, desto stärker wird häufig der Widerstand.
Warum?
Weil Druck Gegendruck erzeugt und Motivation nicht von außen ‚gemacht‘ werden kann.
Wir können einen Menschen unterstützen, ermutigen, inspirieren und ihm beistehen.
Die Entscheidung, etwas wirklich tun zu wollen, entsteht jedoch immer in einem selbst.
Genau deshalb lohnt es sich, weniger Energie in das Überreden und mehr Energie in das Verstehen (und damit in die Beziehungsebene) zu investieren.

Jugendliche ernst nehmen und motivieren

Nicht jede fehlende Motivation bedeutet, dass dein Kind keine Lust auf das Training hat. Manchmal steckt etwas ganz anderes dahinter. Vielleicht sieht es noch keine Veränderungen, die Übungen sind ihm unangenehm, es fühlt sich ständig bewertet oder verbessert, es hat sich noch keine Übungs-Routine eingestellt, ein Wachstumsschub blockiert das System, es ist einfach erschöpft oder der Alltag ist gerade so voll, dass ihm alles zu viel wird.

Versuche deshalb, nicht vorschnell zu überzeugen oder zu überreden.

Frage lieber nach: „Was macht dir im Moment am meisten Schwierigkeiten?“ oder „Was würde dir helfen, das Training leichter in deinen Alltag einzubauen?“ Oft entsteht Motivation nicht dadurch, dass wir gute Argumente finden, sondern dadurch, dass sich Jugendliche verstanden und ernst genommen fühlen, indem wir die richtigen Fragen stellen.

”Nee!“ – Wie du dein Kind in der Pubertät motivieren kannst 1

Bild von Kindel Media

Sprich nicht über Reflexe – sprich über die Ziele deines Kindes

Es gibt Menschen, die möchten alles bis ins kleinste Detail verstehen. Andere brauchen lediglich den groben Überblick. Ganz gleich, zu welchem Typ dein Kind gehört, spannend wird es meist erst dann, wenn es erkennt, was sich für das eigene Leben zum Positiven verändern könnte.

Vielleicht möchte dein Kind …

  • sich in Klassenarbeiten besser konzentrieren,
  • beim Sport schneller reagieren,
  • abends schneller einschlafen,
  • souveräner mit Stress umgehen,
  • weniger schnell wütend werden,
  • sich in der Schule sicherer fühlen,
  • beim Reiten oder Fußball koordinierter sein,
  • beim Musizieren präziser spielen
  • endlich Schwimmen oder Fahrradfahren lernen …

Das sind mögliche Ziele aus der Lebenswelt deines Kindes.
Die Reflexintegrationsübungen sind dabei nicht das Ziel, sondern lediglich der Weg.

Statt zu sagen:
“Wir müssen heute den TLR üben.”
könnte es hilfreicher sein zu sagen:
“Du hast doch erzählt, dass du dich in Mathe besser konzentrieren möchtest. Wollen wir heute wieder einen kleinen Schritt in diese Richtung machen?”
Allein dieser Perspektivwechsel kann viel verändern.

Gib deinem Jugendlichen möglichst viel Mitspracherecht
Autonomie ist einer der größten Motivationsfaktoren überhaupt.
Deshalb lohnt es sich, deinem Kind dort Wahlmöglichkeiten zu geben, wo sie möglich sind.
Zum Beispiel:

  • Wann möchtest du heute trainieren?
  • Welche Reihenfolge soll es heute sein?
  • Lieber alle Übungen am Stück oder aufgeteilt?
  • Mit Rexi-Musik oder in Stille?
  • Wollen wir uns eine Kerze und eine Duftlampe anmachen?
  • Möchtest du die Übungen alleine machen oder soll ich dabei bleiben?
  • Kann ich dich beim Zählen unterstützen?

So erlebt dein Kind das Training nicht als etwas, das über seinen Kopf hinweg entschieden wird.

Deine eigene Haltung überträgt sich auf dein Kind

Ein weiterer Gedanke ist mir sehr wichtig:

Kinder und Jugendliche nehmen viel mehr wahr, als wir manchmal glauben. Dabei geht es weniger um unsere Worte, als um unsere Stimmung, unsere Körpersprache und unsere innere Haltung.

Insbesondere feinfühlige Kinder und Jugendliche, wie wir sie im Training zur Reflexintegration häufig erleben, spüren sehr genau, ob wir innerlich präsent sind oder gedanklich noch bei tausend anderen Dingen. Vielleicht kennst du solche Situationen:
Während du noch am Herd stehst und gleichzeitig die Spülmaschine ausräumst, gleichzeitig eine Nachricht am Handy beantwortest, hörst du dich schrill rufen:
"Wir müssen heute noch die Übungen machen."
"Leg dich schon mal hin, ich komme gleich."

Natürlich kenne ich solche Momente selbst. Der Familienalltag ist oft voll, und nicht immer lässt sich alles perfekt planen. Doch Kinder spüren sehr genau, ob wir das Training als lästige Pflicht empfinden, die eben noch erledigt werden muss, oder ob wir uns bewusst Zeit für sie nehmen und mit unserer Aufmerksamkeit ganz bei ihnen sind.
Deshalb lohnt es sich, vor dem Training kurz innezuhalten.
Vielleicht atmest du einmal tief durch, legst das Handy zur Seite und entscheidest dich ganz bewusst dafür:

Jetzt ist Zeit für unser Training zur Reflexintegration.

Dabei rufst du dir noch einmal in Erinnerung, warum ihr euch überhaupt für das Training zur Reflexintegration entschieden habt und welche Veränderungen sich entwickeln dürfen.
Dann geht es nicht mehr darum, möglichst schnell ein paar Übungen abzuhaken, sondern darum, gemeinsam etwas zu tun, das deinem Kind gut tut.
Du signalisierst deinem Kind: "Jetzt bist du gerade das Wichtigste“ und ich glaube, dass das eine ganz besondere Ausdrucksform von Liebe ist. Diese Haltung verändert oft mehr als jede noch so gut erklärte Motivation, denn Emotionen sind ansteckend.

Wenn du selbst überzeugt bist, dass diese gemeinsame Zeit wertvoll ist, wenn du präsent bist, aufmerksam zuhörst und dich ehrlich über kleine Fortschritte freust, wird dein Kind das spüren.

Vielleicht wird es nicht an jedem Tag begeistert aufspringen. Aber die Wahrscheinlichkeit wächst, dass Rexi für dein Kind nicht nur aus Übungen besteht, sondern aus einer wertvollen gemeinsamen Zeit mit dir.

Besonders in der Pubertät, in der Gespräche manchmal schwierig werden und körperliche Nähe oft weniger selbstverständlich ist, kann das einer der größten Motivationsfaktoren überhaupt sein.

Gemeinsam statt allein

Warum machst du die Übungen nicht einfach mit?
Dadurch überbringst du deinem Kind gleich zwei wichtige Botschaften. Erstens: Wir gehen da gemeinsam durch und zweitens: Schau, ich sorge auch für mich und investiere in mich.
Du verlangst deinem Kind also nichts ab, was du nicht selbst bereit bist zu tun.
Ganz nebenbei entsteht gemeinsame Zeit, in der es nicht um Leistung oder Perfektion geht, sondern darum, sich gegenseitig zu unterstützen.

Vielleicht werdet ihr sogar zu kleinen Sparringspartnern, motiviert euch gegenseitig und lacht auch einmal über eine Übung.

Manchmal sind es genau diese gemeinsamen Momente, die lange in Erinnerung bleiben.

Das Gehirn liebt sichtbare Erfolge

Veränderungen entstehen oft schleichend. Umso wichtiger ist es, den Blick immer wieder bewusst auf das zu richten, was sich bereits verbessert hat, denn wir neigen dazu, unsere Aufmerksamkeit vor allem auf das zu lenken, was (noch) nicht klappt. Fortschritte werden dagegen erstaunlich schnell selbstverständlich.

Nimm dir deshalb regelmäßig Zeit, gemeinsam mit deinem Kind zurückzublicken:

  • Was fällt dir inzwischen leichter?
  • Worauf bist du diese Woche stolz?
  • Ist dir oder anderen etwas Positives aufgefallen?
  • Gab es eine Situation, die früher schwieriger gewesen wäre?

Solche Gespräche lenken den Blick auf Entwicklung, statt auf Defizite.
Oft motivieren zugewandte Fragen mehr als jedes Lob.

Achte auch selbst auf kleine Veränderungen und sprich sie aus: „Als du neulich einen Wutanfall hattest, hast du dich viel schneller beruhigt, als früher“.
Positive Rückmeldungen helfen Jugendlichen, ihre eigenen Fortschritte wahrzunehmen.
Für jüngere Kinder unterstützt dabei Rexis Rucksack. Auf kleinen Zetteln können alle Erfolge und Fortschritte gesammelt werden. Ältere Kinder oder Jugendliche, die ohne Plüsch-Rexi trainieren, können stattdessen ein Glücksglas anlegen.

So wird sichtbar, was im Alltag leicht übersehen wird und genau das motiviert, dranzubleiben.

Noch ein weiterer Effekt entsteht daraus: Was glaubst du, wie stolz unsere Rexi Teilnehmer sind, wenn wir ihnen zum Abschluss des Trainings zur Reflexintegration alle Erfolgszettel präsentieren: Was für ein Erfolg!

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Bilder von Bettina Egartner

Eine Fähigkeit fürs ganze Leben

Regelmäßiges Training zur Reflexintegration entwickelt nicht nur das Nervensystem. Es fördert gleichzeitig Fähigkeiten, die heute immer wichtiger werden: dranzubleiben, sich zu fokussieren und auch dann weiterzumachen, wenn sich Erfolge nicht sofort zeigen.

In einer Zeit, in der vieles sofort verfügbar ist und ständig neue Reize um unsere Aufmerksamkeit konkurrieren, werden Ausdauer, Fokus und Willensstärke zu echten Schlüsselkompetenzen. Wer über viele Monate konsequent an einem Ziel arbeitet, erlebt: Ich kann etwas erreichen, wenn ich dranbleibe.

Deshalb lohnt es sich, diesen Gedanken immer wieder mit deinem Jugendlichen zu reflektieren. Nicht nur die Veränderungen durch das Training zur Reflexintegration sind ein Erfolg, sondern auch die Erfahrung, sich über einen längeren Zeitraum für sich selbst eingesetzt und durchgehalten zu haben. Diese Kompetenz wird deinem Kind in der Schule, im Beruf, im Sport und in vielen anderen Lebensbereichen zugutekommen.

Mindestens genauso wertvoll ist noch etwas anderes: Ein besseres Körpergefühl entwickeln.

Vielen Jugendlichen ist es besonders wichtig, wie ihr Körper aussieht. Was dabei häufig vergessen wird, ist die Bedeutung eines guten Körpergefühls.

Unser Körper begleitet uns vom ersten bis zum letzten Tag unseres Lebens. Er ist gewissermaßen unser Zuhause. Damit wir uns darin sicher und wohlfühlen können, müssen wir ihn gut kennen.

Je besser Jugendliche ihren Körper wahrnehmen, seine Signale verstehen und sich in ihm zu Hause fühlen, desto leichter fällt es ihnen, gut für sich selbst zu sorgen. Auch deshalb ist ein gutes Körpergefühl weit mehr als ein Nebeneffekt des Rexi-Trainings.

Routine schlägt Perfektion

Manchmal ist der Alltag so voll, dass ein Rexi Tag ausfällt, dann noch einer und vielleicht noch ein dritter während einer Woche und du denkst: „Jetzt ist es sowieso egal, der Zug ist abgefahren, wir haben den Anschluss verpasst.“

Doch wie sagt meine Yoga-Lehrerin so schön? A little goes a long way. Jedes bisschen Training ist besser, als keines.
Was könnt ihr also tun, wenn der Alltag zu voll ist? 
Reduziert die Übungsanzahl und bleibt dennoch in der Routine.
Nicht Perfektion bringt uns weiter, sondern Kontinuität.
Und ganz ehrlich: Wieviel Zeit verbringt man manchmal dennoch mit sinnlosen Dingen, obwohl man eigentlich überhaupt gar keine Zeit hat?!
Zeit hat man nie, man muss sie sich nehmen.

Vielleicht hilft es euch auch, das Training zur Reflexintegration an etwas zu koppeln, das ohnehin jeden Tag passiert. Zum Beispiel:

  • nach der Schule,
  • vor dem Duschen,
  • nach dem Abendessen,
  • nach dem Zähneputzen,
  • vor dem Schlafen schon bettfertig

Mit der Zeit entsteht daraus fast von selbst eine neue Gewohnheit.
Erkläre, warum Wiederholung so wichtig ist:

“Dein Gehirn verändert sich nicht durch eine einzige lange Trainingseinheit. Es lernt durch viele kleine Wiederholungen. Genau dadurch entstehen nach und nach neue Verknüpfungen im Gehirn.”

Deshalb gibt es im Rexi Heft auch 28 Felder, in die die Übungs-Sticker eingeklebt werden können. Dafür fühlt sich dein Jugendlicher vielleicht schon zu erwachsen, das Prinzip dahinter bleibt jedoch dasselbe und unterstreicht deine Erklärung. Schließlich erwartet auch niemand, nach einem einzigen Fußballtraining wie Cristiano Ronaldo zu spielen oder nach einem Bizeps-Curl auszusehen wie Popeye.

Wenn plötzlich Widerstand entsteht

Vielleicht hast du schon beobachtet, dass dein Kind ausgerechnet bei bestimmten Übungen besonders viel Widerstand zeigt. In meiner Arbeit erlebe ich immer wieder, dass dies häufig bei jenen Reflexen der Fall zu sein scheint, die besonders aktiv sind.

Natürlich muss das nicht immer so sein. Widerstand kann viele Ursachen haben.
Bleibe deshalb neugierig, statt vorschnell aufzugeben.

Und frage dich nicht zuerst: "Wie bekomme ich mein Kind wieder zum Üben?"

Sondern vielmehr: "Was beschäftigt mein Kind gerade?"
Manchmal steckt hinter dem Widerstand gar nicht das Training, sondern einfach das Leben: Vielleicht ist die Schule gerade besonders anstrengend, dein Kind befindet sich mitten in einem Wachstumsschub, es ist vom Alltag völlig erschöpft, frisch verliebt oder hat Stress mit einem Freund oder einer Freundin?

Nicht jeder Widerstand muss sofort gelöst werden.
Solange ihr im Gespräch bleibt, gemeinsam nach Lösungen sucht und darauf vertraut, dass Motivation auch wieder zurückkehren darf, ist oft schon viel gewonnen.

Ohne Humor geht nichts

An manchen Tagen steckt einfach der Wurm drin. Entweder, es will überhaupt gar nichts klappen, oder man hat schon zum Frühstück einen Clown gevespert und schafft es überhaupt nicht, ernst zu bleiben.

Aus welchen Gründen auch immer, ist Humor fast immer ein Gamechanger. Nicht alles muss immer bierernst sein nur, weil die Wörter „Training“ oder „Übungen“ darin stecken.
Kreativität und Humor sind ein besonders gutes Team. Bei manchen Übungen lasse ich z.B. die jüngeren Kindern wie Raumschiffe durch die Galaxien fliegen, bei Jugendlichen muss man sich etwas zur Situation Angemessenes einfallen lassen.

Manchmal hilft es schon, etwas „anders“ als üblich zu tun - und sich dabei den Spaß zu erlauben.

Diese Tipps gelten nicht nur für das Training zur Reflexintegration

Vielleicht ist dir beim Lesen schon aufgefallen: Eigentlich sprechen wir hier gar nicht nur über Reflexintegration, weil dieselben Prinzipien für viele Bereiche des Lebens gelten. Vielleicht soll dein Kind regelmäßig …

  • ein Instrument üben,
  • Vokabeln lernen,
  • für Klassenarbeiten lernen,
  • Hausaufgaben erledigen,
  • sein Haustier versorgen,
  • Sport machen,
  • Zähne putzen,
  • eine Zahnspange tragen,
  • Medikamente einnehmen,
  • Physiotherapie oder Ergotherapie durchführen.

In all diesen Situationen hilft Motivation meist deutlich mehr als Druck.
Wenn Kinder und Jugendliche verstehen, warum etwas wichtig ist, eigene Entscheidungen treffen dürfen und ihre Fortschritte wahrnehmen, entsteht häufig eine ganz andere Bereitschaft mitzumachen.

Deshalb wünsche ich Eltern manchmal den Mut, mehr Begleiter und weniger Kontrolleur zu sein und dabei einfach mal Fünfe gerade sein lassen zu können.

Ein Beispiel aus dem Alltag:
Dein Sohn sagt nach einem verlorenen Spiel: „Ich habe keine Lust mehr, ich höre auf!” Würdest du ihm antworten: „Du musst aber!”
Oder würdest du viel eher sagen:
„Ich kann verstehen, dass du frustriert bist. Gleichzeitig hast du doch erzählt, dass du in dieser Saison schneller werden möchtest. Was würde dir helfen, weiterhin am Ball zu bleiben und dein Ziel nicht aus den Augen zu verlieren?”

Vielleicht entscheidet er sich trotzdem dagegen. Doch dann war es möglicherweise dein Ziel und nicht seins. Diesen Unterschied zu erkennen ist wichtig.

Echte Motivation entsteht nur dann, wenn ein Ziel dem oder der Jugendlichen selbst wichtig ist.

Du musst dein Kind nicht reparieren

Auch dieser Gedanke liegt mir besonders am Herzen. Jugendliche spüren sehr genau, wenn sie den Eindruck bekommen, mit ihnen stimme etwas nicht.
Deshalb versuche ich Eltern immer wieder mitzugeben: Es geht nicht darum, dein Kind zu verändern oder zu reparieren. Es geht darum, seine Entwicklung zu unterstützen und ihm selbst Strategien an die Hand zu geben.

So, wie manche Menschen ihre Ausdauer trainieren oder ein Instrument lernen, kann auch das Nervensystem trainiert werden.

Nicht jeder Tag läuft gleich gut

Nichts erscheint an manchen Tagen mit einem Pubertierenden in der Familie bedeutsamer, als Gelassenheit.  Die wünsche ich natürlich allen Eltern.

Doch es ist normal, dass nicht jeder Tag gleich gut läuft und jede Übung begeistert angenommen werden wird. Entscheidend ist, dass ihr am Ball bleibt, indem ihr im Gespräch bleibt, schon kleine Fortschritte wahrnehmt und das Training nicht zum täglichen Machtkampf werden lasst.

Die Beziehung zu deinem Kind sollte dabei immer wichtiger sein, als das perfekte Training.
Denn genau diese Beziehung ist vermutlich die wichtigste Grundlage dafür, dass dein Kind nicht nur heute, sondern sein ganzes Leben lang dazu bereit bleibt, sich weiterzuentwickeln.

Die wichtigsten Motivationstipps auf einen Blick

  • Verstehe die Pubertät als Entwicklungsschritt, nicht als Widerstand.
  • Sprich über die Ziele deines Kindes, nicht über Reflexe.
  • Gib deinem Jugendlichen möglichst viel Mitspracherecht.
  • Sei selbst präsent und gestalte die Rexi-Zeit bewusst.
  • Macht die Übungen, wenn möglich, gemeinsam.
  • Lenke den Blick immer wieder auf bereits erreichte Fortschritte.
  • Ermutige dein Kind, dranzubleiben – nicht perfekt zu sein.
  • Nutzt feste Routinen und kleine Trainingseinheiten.
  • Begegne Widerstand mit Neugier statt mit Druck.
  • Vergiss den Humor nicht.

Denke daran: Diese Motivationstipps helfen nicht nur beim Training zur Reflexintegration, sondern überall dort, wo Kinder und Jugendliche lernen, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen.

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Ich bin Silke Krämer.

Kinder- und Jugendcoach Professional, NLP Master und Coach, EMDR Traumatherapeutin und Gymnasiallehrerin

Ich helfe Familien, wenn es Schulstress gibt und daheim die Fetzen fliegen. Außerdem unterstützte ich Mütter und Väter dabei, sich den Herausforderungen des Familienlebens selbstbewusst zu stellen.

Als Trainerin für Reflexintegration helfe ich deinem Kind, damit ihm die Schule bei Konzentrations­schwächen, Lern- und motorischen Problemen leichter fällt.

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5 Gründe für Wutanfälle am Morgen: So reagierst du gelassener!

5 Gründe für Wutanfälle am Morgen: So reagierst du gelassener!

Familie

04-2025

Es ist früher Morgen. Du willst einfach nur, dass alle pünktlich aus dem Haus kommen – und zur Abwechslung mal ohne Gezeter, Hektik und Geschrei. Stattdessen: Wutanfälle.

Was ist so schwer daran: Anziehen, Frühstücken, Zähne putzen Jacke anziehen und los?

Aber stattdessen?

Wieder Tränen. Wieder Wut. Wieder dieser Knoten im Bauch.

Der Schuh ist „doof“, der Pulli kratzt, das Brot ist falsch geschmiert – und dein Kind verliert komplett die Fassung. Oder zieht sich völlig zurück. Oder sagt: „Ich geh da nicht hin.“

Und du? Stehst da, mit Kaffee in der Hand und schlechtem Gewissen im Herzen, weil du jetzt wieder Druck machen musst und die Zeit dir im Nacken sitzt.

Du bist genervt und denkst: „Kann es denn nicht einfach mal einfach sein bei uns? So, wie bei anderen auch!?“

Was wirklich passiert, wenn dein Kind „ausrastet“

Die meisten Eltern denken in solchen Momenten: „Was hab ich falsch gemacht?“ oder „Was ist falsch mit meinem Kind?“.

Aber weißt du was? Dein Kind ist nicht falsch. Du auch nicht.
Es zeigt dir nur, dass etwas zu viel ist.

Denn wenn Kinder morgens „ausflippen“ oder Wutanfälle bekommen, hat das selten mit Trotz oder Absicht zu tun. Es hat mit ihrem Nervensystem zu tun – und mit der Tatsache, dass viele Kinder noch nicht gelernt haben, starke Gefühle selbst zu regulieren und total überfordert sind. Womit, das gilt es rauszufinden und ist total individuell.

Das können fünf mögliche Ursachen für Wutanfälle sein:

  • Übergänge liefern Potential für Unsicherheit. Der Tag beginnt – und allein das ist schon eine Veränderung: vom Bett in die Kleidung, vom Zuhause in die Welt.
  • Oft kommen Müdigkeit, ein unausgewogener Zuckerspiegel (zu wenig oder zu viel im Blut) oder Trennungsschmerz dazu.
  • Was wie Trotz scheint, kann von einer inneren Unsicherheit her rühren: Grenzen geben Sicherheit. Wenn es keine klaren Grenzen gibt, muss dein Kind sie immer wieder ausloten, um sich das Gefühl von Sicherheit zu erschaffen.
  • Vielleicht belastet dein Kind noch etwas vom Vortag?
  • Und wenn dein Kind hochsensibel ist, oder sein Nervensystem dysreguliert ist, dann ist alles intensiver: Geräusche, Licht, Gerüche, Anforderungen​. Lies hier zu diesem Thema weiter: »Hochsensibilität bei Kindern: Wegweiser statt Problem«

Im Gehirn aktiviert sich die Amygdala, sowie weitere Teile des Limbischen Systems - eine Art innerer „Feueralarm“. Das logische Denken schaltet ab – was bleibt, ist ein Gefühl von Alarm! Gefahr! Hilfe!​

Übrigens: Noch aktive frühkindliche Reflexe können genau dieses System verstärken. Erfahre hier mehr dazu: »Frühkindliche Reflexe - auf den Punkt gebracht«

Was hilft: Deine innere Haltung – und ein klarer Rahmen

Eben weil das logische Denken in überreaktiven Situationen nicht möglich ist, helfen kluge Worte im akuten Moment wenig.

Auch, wenn es am heraus­forderndsten für dich ist: Was hilft, ist deine innere Ruhe. Deine klare, liebevolle Präsenz, deine Co-Regulation.

Ich weiß, das ist viel einfacher gesagt, als getan. Doch meine Erfahrung im Coaching bei der Arbeit mit Müttern zeigt mir, welch großen Einfluss die innere Haltung der Eltern auf ihr Kind hat. Das Schöne daran ist, dass auf diese Art sozusagen „zwei Fliegen auf einen Streich“ erledigt sind. 😀

Versuche also, möglichst die Ruhe zu bewahren und der sichere Hafen für dein Kind in dieser stürmischen Situation zu sein. Atme, verurteile dich nicht, bleibe im Moment und fliehe gedanklich nicht in all die Erwartungen, die gerade von Außen auf euch einprasseln.

Das Allerwichtigste ist jedoch: Bleibe deinem Kind emotional zugetan.

Konflikte lösen Familie

Bild von Cottonbro Studio

Deine Morgen-Routine-Checkliste für mehr Frieden vor acht Uhr

Diese kleine Liste kann dir Ideen geben, den Morgen für dein Kind (und dich) vorhersehbarer, ruhiger und sicherer zu gestalten.

Früh genug starten

10–15 Minuten früher aufstehen kann den Unterschied machen. Kein Zeitdruck = weniger Eskalation. Wenn dein Kind ein langsameres Tempo morgens hat als du, braucht es mehr Zeit.

Sanfter Start

Wecken mit Licht, Musik oder Kuscheleinheit statt hektischem Aufspringen - nicht jeder schlägt die Augen auf und ist sofort da. Besonders neurodivergente Menschen können sich schwerer mit Übergängen tun und brauchen dafür mehr Zeit.

Feste Reihenfolge

Rituale helfen dem Gehirn, sich sicher zu fühlen: 1. Aufwachen - 2. Anziehen - 3. Frühstück - 4. Zähneputzen - 5. Schuhe & Jacke - 6. Losgehen.

Mein Tipp: Je nach Alter kann ein Bilderplan (gerne mit Symbolen), der sichtbar hängt, Orientierung geben.

Vorbereitung am Vorabend

Kleidung rauslegen, Brotdose vorbereiten, Schulranzen checken.
Ritualfrage: „Gibt’s was, das du morgen brauchst oder dir wünschst?“

Notfall-Kit für schwierige Tage

  • Lieblingspulli griffbereit
  • Das Frühstück mitgeben
  • Kuscheltier
  • Das Lieblingslied gemeinsam singen
  • Mutmach-Satz auf Zettel: „Ich schaff das – auch wenn es heute schwer ist.“

Du bist nicht allein

Der Familienmorgen ist für viele ein Minenfeld – du bist kein Einzelfall. Aber du hast Einfluss. Jeden Tag ein kleines bisschen.

Und wenn du spürst, dass dein Kind morgens regelmäßig überfordert ist, es vielleicht sogar mit Bauchweh zur Schule geht oder schnell „aus der Haut fährt“ – dann lohnt sich ein liebevoller, tieferer und genauerer Blick hinter die Kulissen. Was ich dir heute mitgegeben habe, ist eine akute Notfall-Hilfe.

Wenn das Nervensystem deines Kindes jedoch schon so aus der Balance geraten ist, dass sich die Überreaktion nicht nur in einzelnen Situationen zeigt, sondern zum Dauerzustand geworden ist, dann wir es sich durch eine einzelne Umarmung nicht mehr runter regulieren lassen. Du hilfst deinem Kind damit zwar im Moment, aber nicht an der Wurzel des Problems.

Dann ist es wichtig, verschiedene Aspekte abzuklopfen. Eine Möglichkeit könnten noch aktive frühkindliche Reflexe sein, denn der Moro Reflex zum Beispiel ist bei seiner Aktivierung daran beteiligt, dass Adrenalin und Cortisol freigesetzt werden.

Ob die frühkindlichen Reflexe für euch eine Rolle spielen, kannst du gleich über meinen kostenlosen Online Check herausfinden.

Ich begleite dich und euch gerne auf diesem Weg.

Wenn du Fragen hast, melde dich. Wenn du Unterstützung brauchst, ich bin da.

Kostenloser Onlinecheck Reflex­integration

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Ob frühkindliche Reflexe der Ursprung deiner Sorgen sein könnten, kannst du hier herausfinden.

Du erhältst unmittelbar eine individuelle Auswertung für dein Kind. Der Fragebogen prüft eine Vielzahl von erforschten Symptomen ab, die auf die Aktivität von frühkindlichen Reflexen hindeuten können. Der Check umfasst 105 Fragen in elf Bereichen rund um die Entwicklung deines Kindes.

Du erfährst, wie viele Indikatoren auf aktive Reflexe bei deinem Kind hindeuten und welche frühkindlichen Reflexe möglicherweise noch aktiv sind. Auf Wunsch sende ich dir die Auswertung sofort per E-Mail zu.

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Ich bin Silke Krämer.

Kinder- und Jugendcoach Professional, NLP Master und Coach, EMDR Traumatherapeutin und Gymnasiallehrerin

Ich helfe Familien, wenn es Schulstress gibt und daheim die Fetzen fliegen. Außerdem unterstützte ich Mütter und Väter dabei, sich den Herausforderungen des Familienlebens selbstbewusst zu stellen.

Als Trainerin für Reflexintegration helfe ich deinem Kind, damit ihm die Schule bei Konzentrations­schwächen, Lern- und motorischen Problemen leichter fällt.

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Schuldruck: Bin ich in meiner Familie dafür verantwortlich?

Schuldruck: Bin ich in meiner Familie dafür verantwortlich?

Familie

12-2024

Zugegebenermaßen ist es nicht leicht, sich von dem gesellschaftlichen Druck bezüglich der schulischen Laufbahn deines Kindes zu befreien, doch genau das solltest du deinem Kind zuliebe tun! Oft geht es schon in der dritten Klasse los, dass sich die Kinder gegenseitig aufstacheln und fragen „auf welches Gymnasium gehst du mal?“ So entsteht Schuldruck.

schule_lernen_mit_weniger_druck

Bitte, bitte, mach dich vom Schuldruck frei! Nur so kannst du es schaffen, dein Kind diesen Druck gar nicht erst spüren zu lassen. Wenn es für dich selbst ein Thema ist, ob dein Kind die Gymnasialempfehlung bekommt oder nicht, wirst du diese Erwartung kaum vor deinem Kind verbergen können. Bleibe gelassen!

Natürlich wollen wir, dass unsere Kinder das aus sich holen, was in ihnen steckt und sie ihr Potential optimal ausschöpfen.

Das ist ja völlig normal! Es ist aber eben eine feinfühlige Gratwanderung für uns als Eltern und manchmal eine Frage des richtigen Zeitpunkts. Dazu später mehr.

Schuldruck durch Gesellschaft und Schulsystem

Unser deutsches Schulsystem mag durchaus kritisch gesehen werden, vor allem der wirklich sehr anspruchsvolle G8 Gymnasialzug. Doch der große Vorteil unseres Schulsystems besteht in seiner Durchlässigkeit.

Der Weg, der nach der 4. Klasse eingeschlagen wird muss keinesfalls der letzte sein. Viele Kinder können mit dem großen Tempo, das die Schule früh vorgibt, nicht mithalten. Manche sind verspielter, haben vielleicht noch nicht so den organisatorischen Überblick, können noch nicht so lange still halten und haben vielleicht sogar „den Ernst“ der Schule noch gar nicht so richtig verstanden.

Warum soll man diesen Kindern denn nicht einfach mehr Zeit geben, statt ihnen durch Schuldruck schon früh die Lust an der Schule und am Lernen zu verderben? Was erreichen wir mit zu viel Druck? Meist doch nur Gegendruck. Wenn ich dich an deinem Ärmel ziehe, wirst du dagegen ziehen.

Warum müssen wir unsere Kinder alle im gleichen Tempo durch die Schule peitschen?

Und warum müssen alle Akademiker werden? Wer sagt, dass unser Kind nicht vielleicht viel glücklicher mit einer Schreinerlehre oder einer Ausbildung zur Floristin wäre? Wer weiß das schon!?

Weniger Schuldruck? Ein verspielter Junge geht seinen Weg

Als ich Klassenlehrerin einer fünften Klasse war, hatte ich einmal einen ganz lieben und goldigen Schüler. Aus Lehrersicht war er „leider“ noch sehr verspielt und verträumt. Er war jedes Mal der Letzte, weil er hingebungsvoll seine Stifte in sein Mäppchen nach Farben einsortierte, während alle anderen Kinder das Klassenzimmer längst verlassen hatten.

Ich stand in der Türe und wartete auf ihn, weil ich das Klassenzimmer abschließen musste. Vor der Sporthalle stand schon eine andere Klasse, die bereits auf mich wartete und denen ich wieder aufschließen musste.

Mit blieb nichts anderes übrig, als den Jungen etwas anzutreiben.

Diese Art spiegelte sich in anderen Bereichen wieder. Er bekam oftmals nicht mit, welches Buch aus dem Ranzen geholt werden sollte, wurde in Klassenarbeiten nicht fertig oder brauchte länger beim Abschreiben von der Tafel.

Seine Mutter suchte das Gespräch zu mir. Sie wollte von mir wissen, ob ihr Sohn von der Schule überfordert sei? Diese Frage konnte ich nicht eindeutig mit Ja beantworten. Zwar war offensichtlich, dass ihm das organisatorische Tempo zu schaffen machte, doch dass er intellektuell oder fachlich überfordert sei, konnte ich nicht bestätigen.

Ich sagte der Mutter, dass ich es ihrem Sohn durchaus zutrauen würde sein Abitur zu schaffen, doch wäre für mich auch offensichtlich, dass er nicht sehr glücklich hier auf dem Gymnasium sei.

Die Mutter war erleichtert, dass ich das sagte, weil sie über einen Schulwechsel auf die Realschule nachgedacht hatte. Als sie das sagte, war ich der Mutter wiederum dankbar, dass sie das Wohl ihres Sohnes im Blick behielt, anstatt sich dem Schuldruck zu beugen. Der Junge wechselte auf die Realschule.

Viele Jahre später stellte sich heraus, dass seine Schwester bei mir im Sportunterricht war. Natürlich erkundigte ich mich nach ihrem Bruder. Das Mädchen erzählte mir strahlend, dass er letztes Jahr sein Abitur gemacht habe.

Das freute mich wirklich sehr und es bestätigte mich in meiner Ansicht, dass es nicht schadet, in jungen Jahren den Kindern den Schuldruck zu nehmen. Dieser Junge hatte einen anderen Weg eingeschlagen, der ihn auch an sein Ziel gebracht hatte. Für ihn war es der passendere Weg gewesen. Das ist der Vorteil unseres Schulsystems!

Alle wollen doch nur das „Beste“

Natürlich ist es selbstverständlich, dass Eltern nur das Beste für ihr Kind wollen. Die Situation wird umso verfahrener, wenn für uns als Eltern offensichtlich ist, dass sich unsere Kinder „unter ihren Möglichkeiten“ bewegen. Da ist es doch nur normal, dass wir „das Beste aus ihnen rausholen“ wollen. Dabei stellt sich die Frage: Wie gehe ich dabei vor?

Das eine Kind braucht mehr Druck, um in die Puschen zu kommen, bei dem anderen Kind tritt bei Schuldruck das genaue Gegenteil ein und es verfällt in eine Verweigerungshaltung.

Beim dritten Kind ist es vielleicht sogar so, dass es sich gar nichts anmerken lässt und still vor sich hin leidet. Erst, wenn körperliche Symptome dazu kommen, lässt sich nicht mehr verbergen, dass etwas nicht stimmt. Doch was genau ist es, was dein Kind so unglücklich, lustlos, still, zurückhaltend, ängstlich oder unsicher macht?

Wie kann ich Fehler und Schuldruck vermeiden?

Viele Eltern sind durch diese Fragen verunsichert. Ein Patentrezept vermag der beste Elternratgeber nicht zu geben, weil jedes Kind einzigartig und anders ist. Dennoch gibt es feinfühlige Vorgehensweisen, mit denen wir unser Kind auf jeden Fall unterstützen können:

Glaube daran, dass dein Kind seinen Weg finden wird.

Manch einer bevorzugt den direkten und schnellsten Weg ans Ziel, ein anderer verweilt gerne links und rechts des Wegesrandes und geht sogar gerne einen kleinen Umweg, um unterwegs noch mehr erleben zu können.

Zeige deinem Kind, dass es noch viele andere tolle und wichtige Dinge im Leben gibt und nicht alleine die schulischen Leistungen entscheidend sind.

Werte wie Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit, Mitgefühl, Toleranz uvm. sollten in unserer Gesellschaft einen mindestens genauso großen Stellenwert einnehmen. Wenn sich dein Kind ausschließlich über seine Leistung in der Schule definiert ist es nicht verwunderlich, dass sein Selbstwertgefühl stark leidet, wenn es in der Schule nicht läuft.

Finde in feinfühligen und ernsthaft aufmerksamen Gesprächen mit deinem Kind heraus, was es selbst möchte.

Wenn ihr an diesem Punkt nicht weiter kommt, weil ihr merkt, dass ihr beide in euren Rollen gefangen seid und die Erwartungen des Gegenüber nicht enttäuschen möchtet, kann euch eine neutrale Person, wie ein Kinder- und Jugendcoach zum Beispiel, dabei helfen. Meistens reichen wirklich schon wenige Coaching Sitzungen dafür aus.

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Ich bin Silke Krämer.

Kinder- und Jugendcoach Professional, NLP Master und Coach, EMDR Traumatherapeutin und Gymnasiallehrerin

Ich helfe Familien, wenn es Schulstress gibt und daheim die Fetzen fliegen. Außerdem unterstützte ich Mütter und Väter dabei, sich den Herausforderungen des Familienlebens selbstbewusst zu stellen.

Als Trainerin für Reflexintegration helfe ich deinem Kind, damit ihm die Schule bei Konzentrations­schwächen, Lern- und motorischen Problemen leichter fällt.

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Autismus-Spektrum-Störung: Wie ich versuche, mein Kind zu verstehen.

Autismus-Spektrum-Störung: Wie ich versuche, mein Kind zu verstehen.

Familie

10-2024

In dieser Artikelserie stelle ich Menschen vor, die mit viel Liebe und Leidenschaft das Leben unserer Kinder verbessern. Nach den bedrückenden Ereignissen des Jahres 2020/21 ist mir umso mehr aufgefallen, wie viel Gutes es doch auf dieser Welt gibt – und dass es bei allen erschütternden Nachrichten auch immer Helden gibt, die sich direkt ins Geschehen stürzen, um gerade den kleinen Menschen in unserer Mitte zu helfen.

Diese Alltagshelden haben manchmal Arztkittel an, manchmal schreiben sie (noch) mit Kreide auf Tafeln und manchmal nennen wir sie ‚Mama‘. Doch bei allen Unterschieden haben sie eines gemeinsam: Eine unermüdliche Leidenschaft dafür, Kindern mit viel Liebe zu begegnen und die Welt und ihre Zukunft damit ein Stückchen besser zu machen.

Und noch eine Eigenschaft haben sie gemein: Alle stutzten, als ich ihnen den Titel dieser Serie nannte und entgegneten: „ Ich sehe mich eigentlich gar nicht als Held, denn ich tue doch nur meine Arbeit.“ oder die Mütter sagten „… ich bin doch kein Held, nur weil ich für mein Kind das Beste will und mir wünsche, dass es glücklich ist. Das ist doch normal!“

Natürlich ist das für einen Held für kleine Herzen „normal“, doch was wäre das kleine Herz ohne tatkräftige Unterstützung?

Unsere nächste Heldin für ein kleines Herz ist A., Mutter eines Kindes mit Autismus-Spektrum-Störung.

Mein herzlicher Dank geht im Namen aller interessierten und betroffenen Eltern an A., die ihre Erfahrungen mit uns teilt.

Sie spricht eindrücklich darüber, wie sie erstmalig mit dem Thema Autismus-Spektrum-Störung konfrontiert wurde, wie ihr Umfeld, die Schule und die Familie darauf reagierten und was der Familie und ihrem Sohn besonders geholfen hat.

Besonders eindrucksvoll appelliert A. an das Verständnis betroffener Eltern. Sie ist zur wahren Expertin geworden!

Liebe Eltern,

 

wir sind eine 4-Köpfige Familie (Papa, Mama, Sohn (9 Jahre) und Tochter (7 Jahre)) und leben irgendwo in Norddeutschland. Unser Sohn ist diagnostizierter Asperger-Autist. Ich als Mama möchte Euch unsere Geschichte erzählen, auch wie es uns damit so ergangen ist. Vielleicht ist etwas dabei, was Euch vielleicht weiter helfen kann und wenn es nur ein bisschen Mut zusprechen ist.

 

Dass mit unserem Kind etwas anders ist, war rückblickend vom ersten Moment an klar. Es gab so viele Hinweise auf einen möglichen Autismus (die hier alle aufzuzählen wäre ein ganzes Buch wert), die wir als Eltern aber nicht recht greifen konnten. Leider gibt es immer noch sehr wenige echte Experten zum Thema Autismus und unter Fachleuten ist das Thema doch noch sehr unbekannt. Deshalb konnte anfangs keiner die Puzzleteile richtig zusammenbringen und wir fühlten uns nicht ernstgenommen und manchmal auch echt hilflos.

 

Für uns war die Diagnose am Ende eine totale Erleichterung!

 

A.

Helden für kleine Herzen - Teil 4

» Was war das Problem, mit dem du konfrontiert wurdest? Wie wirkte es sich auf dich, auf dein Kind, auf eure Familie und möglicherweise die Geschwister aus?

A.: Auffällig wurde es mit Beginn des Kindergartens. Das ist ja das typische Alter, in dem erste Besonderheiten des Asperger Autismus richtig zum Tragen kommen. Das erste Kindergartenjahr verlief recht ruhig. Es gab mal den ein oder anderen Hinweis: Er spielt ja schon viel alleine/gern alleine, mag sich nicht auf Spiele anderer einlassen, hasst Veränderungen, besonders spontane. Und das deutlichste: Er verweigert manche Aufgaben.

Wir hatten zu Hause auch immer mal wieder mit heftigen „Wut“-anfällen und extremer Verweigerung zu kämpfen – es war schon früh klar, dass da nicht immer der Wunsch, damit ein Ziel zu erreichen, dahintersteckte, sondern etwas anderes. Richtig greifbar war das aber alles nicht und helfen konnte uns auch keiner. Großeltern, Familie, Erzieher, Kinderarzt sagten: „Das ist normal, ihr müsst konsequent bleiben, das wird schon.“

Das wurde es aber nie so richtig. Konsequenzen zu ziehen, hatte nie den Erfolg, dass es beim nächsten Mal besser/anders wurde oder man anderweitig darauf aufbauen konnte. Daran zu scheitern fühlte sich unangenehm an und wir haben zunehmend an unseren Elternfähigkeiten gezweifelt. Dass man von anderen komisch angeguckt wird, ist da schon fast normal. Das Schlimmste aber ist, es wird einem unterschwellig Erziehungsversagen vorgeworfen! Das tut sehr weh!

Unsere Tochter hat lange versucht, mit besonders viel Einfühlungsvermögen auf ihren Bruder einzugehen. Einiges konnten wir als Eltern uns sogar abschauen. Inzwischen ist sie oft nur noch genervt; je älter sie wird, umso mehr bekommt sie von der Besonderheit mit und hat irgendwie kein Verständnis mehr – das ist sehr schade und ein echter Balanceakt.

Erste Auffälligkeiten

» Erinnerst du dich daran, wie es war und sich für dich anfühlte, als du das erste Mal das Gefühl hattest, dass „etwas nicht stimmt“ oder „anders“ ist?

A.: Im zweiten Kita Jahr wurde etwas anderes auffällig. Unser Sohn hatte in der Kita zwei ganz enge Freunde und die Freundschaft hält bis heute. Die drei verstehen sich nach wie vor fast blind. Aber natürlich gab es den Wunsch nach mehr Freundschaften, auch seitens anderer Kinder. Es gab immer wieder diese Tage, an denen er seinen Besuch stehen gelassen hat, wenn ihm eine Idee in den Kopf kam. Und er war nicht mehr davon abzubringen, bis seine Idee umgesetzt war.

Alle Versuche, ihn zurück zum Spiel mit seinen Freunden zu bringen, endeten grundsätzlich in massivem Protest und Geschrei. Auch der Versuch, seine Freunde in sein „Spiel“ mit einzubinden scheiterte, weil andere seinen Gedanken nicht folgen konnten oder es „nicht richtig machten“! Er zeigte keinerlei „Einsicht“ oder Interesse daran, dann mit seinen Freunden zusammen zu spielen.

Der Umgang mit seinen Freunden hat mich damals sehr betroffen gemacht – ich hatte das Gefühl, er sei ein Egoist. Und habe mich manches Mal darüber geärgert. Vor allem aber habe ich mich gefragt – warum? Freundschaft ist unserem Sohn so wichtig – warum tut er nichts dafür?

Aber heute ist mir klar – er konnte gar nicht anders! Zum einen besitzt er kaum Einfühlungsvermögen für die Bedürfnisse anderer und zum anderen musste diese Idee raus aus seinen Gedanken. Denn solange diese durch seinen Kopf geisterte, war er nicht mehr in der Lage, sich auf anderes zu konzentrieren, schon gar nicht auf soziale Aspekte einer Freundschaft.

Besonderheiten an der Autismus-Spektrum-Störung

» Welcher Weg ergab sich daraus?

A.: Diese Beobachtung gab mir den Anstoß, professionelle Hilfe zu suchen. Uns Eltern war da schon der Verdacht gekommen, dass möglicherweise Autismus dahinterstecken könnte, aber es war alles so vage und nicht richtig zu erklären. Der Sohn meines früheren Chefs ist ebenfalls Asperger-Autist und etwa 10 Jahre älter als unser Sohn. Mein Chef hatte mir da mehrfach von ähnlichen Situationen berichtet. Gleichzeitig hat er mich aber auch versucht zu beruhigen: Viele Sachen seien bei uns ja ganz anders und wir haben ja auch noch andere Probleme.

Heute weiß ich: Es schließt sich nicht aus. Die Diagnose heißt zurecht Autismus-SPEKTRUM-Störung und es ist tatsächlich ein Spektrum, ein Potpourri aus verschiedensten Eigenschaften und Besonderheiten! So gibt es Sachen, die für manche Autisten eine Riesenherausforderung sind, anderen aber wenig Schwierigkeiten bereiten und umgekehrt. Je nach Veranlagung im Spektrum, dem Umfeld und der akuten Situation.

Und da soll einer durchsteigen, der zum ersten Mal mit Autismus in Berührung kommt!?! Denn eines ist klar: nichts im Autismus ist bei irgendjemandem gleich: Es gilt: Kennst Du einen Autisten, kennst Du EINEN Autisten!

Nach Beratungen mit den Kita-Erziehern haben wir als Eltern Hilfe in einer Erziehungsberatungsstelle gesucht. Dies gab uns die Möglichkeit, einmal alle Merkwürdigkeiten zu erzählen und zu sortieren. Richtig weitergeholfen hat es uns letztlich nicht: Alle klassischen Erziehungsmethoden funktionierten schlicht nicht.

Mein Hinweis auf den Autismus- Verdacht wurde zwar zunächst ernst genommen, es wurden uns viele Fragen zu bestimmten Situationen gestellt. Das Ergebnis unserer Antworten war: Nein, es liegt kein Autismus vor. Aber leider wurde nur auf die klassischen Symptome geachtet: Er kommuniziert und er hat Freunde, was bedeutet, dass er kein Autist sei. Rückblickend denke ich: Schade, dass sich auch heute noch so wenig Profis wirklich mit Autismus auskennen, bzw. überhaupt daran denken! Bei uns hat es zu diesem Zeitpunkt schon viele Anzeichen gegeben.

Es wurde wieder versucht, unsere Schwierigkeiten und die Merkwürdigkeiten kleinzureden: Andere Eltern haben auch Probleme mit ihren Kindern, Eltern sein ist nicht einfach; gut, dass wir Hilfe gesucht haben, da sind wir uns der Probleme bewusst… Es hilft nur: konsequent sein, Struktur, geregelte Abläufe….

Tja…. ohne gewisse (mitunter sehr strenge) Regeln und Abläufe lief aber bei uns sowieso schon gar nichts. Eine Konsequenz einzufordern war noch schlimmer, als die eigentliche Aufgabe durchzusetzen. Aber noch strenger sein führte zu einem starren Korsett, bei dem dann jede Abweichung (vor allem, wenn sie von außen bestimmt war) zu riesigem Geschrei und erst Recht zur Verweigerung führte – dies war also keine Option. Auch die Zügel lockerer zu lassen, erzeuge Protest und Verweigerung. Aber warum bloß? Warum? Warum? Und was tun???

Es näherte sich das Ende der Kindergartenzeit und wir beschlossen, erstmal zur Ruhe zu kommen und den Schulstart abzuwarten. Es hatte sich alles ein wenig beruhigt. Mit vielen Erklärungen im Allgemeinen und Vorbereitung auf unbekannte Situationen (sofern möglich) lief es zu Hause einigermaßen. Es kamen weniger Katastrophenmeldungen aus dem Kiga. Ich hatte zwischendrin auch das Gefühl, unser Sohn wollte anders handeln, aber er kam aus der Rolle nicht mehr heraus. Also abwarten, was die Schule so bringt.

Autismus-Spektrum-Störung

Bild von Thomas G.

Autismus-Spektrum-Störung in der Schule

» Ergaben sich daraus auch Probleme in der Schule?

A.: Mit großem Enthusiasmus auf eine neue Chance meinerseits, aber auch mit gehörig Respekt vor den Anforderungen, begann die Schulzeit. Unser Sohn hatte sich bis dato noch keine einzige Minute auf die Schule gefreut – warum sollte er lesen und schreiben lernen, er war hervorragend 6,5 Jahre ohne klargekommen und hatte sich sein teilweise beachtliches Wissen erfragt, vorlesen lassen, gern Dokumentationen im Fernsehen geschaut, Bücher angeguckt – eben seinen Weg gefunden.

Die erste Schulwoche war megaanstrengend für ihn und er hat jeden Mittag geschlafen. Bis zu den Herbstferien lief alles soweit. Wir hatten so ein bißchen Mühe mit dem Erledigen der Hausaufgaben, aber wir haben uns durchgewurstelt. Schule ist eben ein gehöriger Einschnitt und letztlich doch ganz anders als Kindergarten und da muss man sich erstmal umstellen und dem Kind (und den Eltern) Zeit geben.

Doch nach den Ferien kamen die ersten Anrufe/ Nachrichten: Unser Sohn würde immer noch verweigern, er verhält sich unsozial, kommt mit Veränderungen nicht klar, ist gleichzeitig sehr empfindlich. Im neuen Jahr gab es ein Elterngespräch mit der Klassenlehrerin. Sie hätte zudem den Eindruck, er hätte vor Vielem (Unbekanntem) Angst, brauche lange, um sich auf etwas einzustellen, sei schwer zu motivieren und gäbe schnell auf. Sie hatte aber auch erkannt, dass er teilweise ein großes Wissen hat und meinte zum Abschluss: das wird schon! So haben wir uns durch das erste Jahr gekämpft!

Im ersten Schuljahr wurden schon viele Fakten zum Autismus zusammengetragen, aber leider konnte keiner die Verbindung herstellen. Meine Recherche zu dem Thema brachte mich nur in Teilen weiter. Ich fand meinen Sohn nur zum Teil im Autismus-Spektrum wieder. Vor allem diese Austicker tauchten nirgendwo auf, bei denen er sich am Ende oft nicht mal erinnern konnte, was vorgefallen war….

Inzwischen weiß ich, dass diese im Autismus-Spektrum ‚Overload‘, ‚Meltdown‘ und ‚Shutdown‘ heißen und die Ursache fast immer eine Reizüberflutung jeglicher Art ist. Gerade lernen wir gemeinsam, die Overloads zu erkennen und Gegenmaßnahmen zu ergreifen, bevor es richtig schlimm wird.

Auch das Verweigern ist ein typisches Symptom – oft hat es damit zu tun, dass etwas von der Routine abweicht und sich das Kind auf die neue Situation einstellen muss. Lässt man unserem Sohn etwas Zeit, dann erledigt er anschließend meist die Aufgaben. Und falls nicht, kann man ihn immer noch fordern!

 

Und wir? Wir fühlten uns irgendwie hilflos. Liegt doch etwas anderes vor, aber was? Liegt es an uns, müssen wir mehr fordern oder vielleicht fördern? Aber das Kind steht so schon am Limit und nun in den Ferien mit Schule ankommen??? Vielleicht kommt er über die Ferien ein wenig zur Ruhe…?

 

Leider ging es im zweiten Schuljahr genauso weiter. Nein, nicht genauso: viel schlimmer! Hausaufgaben waren nur noch Verweigerung und in der Schule fing unser Sohn an, Zettel zu zerreißen, wenn eine Aufgabe nicht so gelöst werden konnte, wie er es gewohnt war oder er es sich vorgestellt hatte. Beim Sportunterricht setzte er sich einfach auf die Bank und tat nichts mehr, wenn es um Gruppenspiele ging. Er weigerte sich, den Klassenraum zu verlassen, als es um einen unangekündigten Raumwechsel ging. Puh, was war da los???

(Ich bin übrigens sehr froh und total dankbar, dass seine Klassenlehrerin von Anfang an gesehen hat, dass sich hinter diesen Aufständen kein Trotz verbirgt. Aber weitergeholfen, unser Problem zu lösen, hat uns das leider auch nicht!)

Auf Anraten der Klassenlehrerin, haben wir nun doch psychologische Hilfe in Anspruch nehmen wollen und sind an eine psychologische Ambulanz geraten. Die erschien uns auf den ersten Blick hoch professionell. Der Ambulanzleiter persönlich nahm sich über 2 Stunden Zeit, sich alle unsere Probleme anzuhören. Er hat uns mehrere Fragebögen ausfüllen lassen und kam am Ende zu einer ersten Verdachtsdiagnose: oppositionelles Trotzverhalten. Und machte uns gleich Mut, das ließe sich gut behandeln, er hätte da auch schon eine Therapeutin im Auge, die hätte sehr gute Erfolge erzielt.

Oppositionelles Trotzverhalten? Das hörte sich ganz nach unserem Sohn an: verweigert (unangenehme) Aufgaben, gibt anderen die Schuld, wenn etwas misslingt, hat häufig Wutausbrüche, geringe Frustrationsgrenze, … .

Ursache: Eltern oder andere Betreuungspersonen, die bei Widerstand gegen eine Aufgabe, nachgeben. Hmh, da konnte ich mich nicht dran erinnern…oder vielleicht ganz wenige Mal – und das sollte ausreichen???

Behandelt wird das Ganze mit einer Verhaltenstherapie. Es gibt klare Regeln und Tagesabläufe und die Kinder sollen für ihr fehlerhaftes Handeln die logischen Konsequenzen zu spüren bekommen.

Da kamen uns schon die ersten ernsthaften Zweifel: Klare Regeln und Tagesabläufe haben wir aber so was von! Ohne die würde unser Sohn überhaupt nicht klar kommen! Und Konsequenzen sind ja genau das, was gar nicht funktioniert. Klar haben wir es fast immer geschafft, diese durchzusetzen – aber ohne Erfolg auf Besserung/ Veränderung beim nächsten Mal. Und was uns noch viel mehr Rätsel aufgegeben hat: Er erreichte mit seiner Verweigerung doch gar nichts – letzten Endes musste er die (Haus-) Aufgaben trotzdem erledigen und hatte am Ende schlicht weniger Freizeit.

Die Lösung ging schonmal nicht auf. Es passte einfach alles überhaupt nicht zusammen und die Therapie erzielte logischerweise null Erfolge und alles wurde nur noch schlimmer. Was war dann nur mit unserem Sohn los??? Leider schafften es die Therapeuten in der Ambulanz nicht, über „ihren Tellerrand zu schauen“ und blieben beharrlich bei ihrer Diagnose. Uns wurde sogar nachgesagt, wir würden die Therapie torpedieren, da sich keine Verbesserung einstellte. Unser Autismus-Verdacht wurde vom Tisch gewischt: „Diagnosen stellen bei uns die Therapeuten und nicht die Eltern!“ So sind wir leider viel zu lange in die falsche Richtung gelaufen.

Nach einem letzten Versuch mit einem Elterngespräch eine Klärung herbei zu führen, haben wir kurzerhand den Therapeuten gewechselt. Und endlich wurde mein Verdacht erhört – es gab einige weitere Fragebögen und Gespräche und: Unser Verdacht war die ganze Zeit in die richtige Richtung gegangen! Es besteht der Verdacht einer autistischen Störung. Welch Erleichterung! Unser Gefühl hatte uns nicht getrogen! Eine Überweisung in ein Autismuszentrum brachte endlich die Gewissheit: Autismus-Spektrum-Störung, also kein oppositionelles Trotzverhalten!

 

Eine wichtige Erkenntnis:

Abgesehen davon, dass in der Ambulanz der falsche Ansatz gewählt wurde, ist mir trotzdem heute eines eindeutig klar: Wir als Eltern haben nie dasselbe als logische Konsequenzen empfunden wie unser Sohn; das, was wir als logische Konsequenz gesehen haben, war für ihn überhaupt nicht die logische Folge. Und unser Einfordern hat nur zusätzlich Verwirrung und damit noch mehr Reize erzeugt! Folge: Komplett-Verweigerung!

Heute setze ich oft keine Konsequenzen mehr ein. Die Sachen, die wirklich wichtig sind, werden natürlich ohne wenn und aber eingefordert – damit haben wir genug zu tun! Bei allen anderen Sachen überlegen wir sehr genau, ob die Sache richtig wichtig ist oder wir nicht Fünfe gerade sein lassen können. Das erfordert ein bisschen Mut, aber wir haben auch schon festgestellt: Bisher ist die Welt nicht untergegangen!

Benötige ich doch mal Konsequenzen, sind diese im Vorfeld klar und unmissverständlich (nachfragen!) mit unserem Sohn besprochen. So haben wir im Falle eines Falles null(!) Akzeptanzprobleme! Das ist das echt tolle an Autisten: Sind Regel und Bedingung akzeptiert (weil logisch!), werden sie zu 100% befolgt! Doch das muss man erst einmal verstehen und wissen, um damit richtig umgehen zu können.

Diagnose Autismus-Spektrum-Störung und was sich daraus für uns ergab

» Ergaben sich daraus auch Probleme im sozialen Umfeld? Für dich, für dein Kind, für andere Beteiligte?

A.: Die Diagnose löste insbesondere in mir ein Gefühl der Befreiung aus und gleichzeitig pure Erschöpfung. Endlich waren wir davon befreit, „schlechte“ Eltern zu sein / eine schlechte Erziehung zu leisten. Ganz im Gegenteil, wir waren die ganze Zeit goldrichtig unterwegs und haben intuitiv vieles richtig gemacht. Aber dieser Kampf war anstrengend gewesen. Und nun ging es eigentlich erst richtig los!

Wir haben die Schule informiert – in erster Linie die Klassenlehrerin, aber auch die Fachlehrer. Das war Teil 1 und relativ einfach. Hier haben wir von allen großes Verständnis erfahren und auch eine gewisse Erleichterung – damit konnte man arbeiten! Das ist Teil 2 und dieser ist viel schwieriger.

Wir stecken noch mitten drin im Prozess. Es benötigt viel Verständnis, Wissen, Geduld und Fingerspitzengefühl, zum richtigen Zeitpunkt das richtige zu fordern, aber an mancher Stelle einfach mal Weitsicht gelten zu lassen. Und das jeden Tag aufs Neue! Das, was gestern kein Problem war, ist heute eine Riesenherausforderung. Manche Sachen, um die wir lange gekämpft haben, gehen von heute auf morgen ohne weiteres Zutun!

» Wie ging dein Kind damit um? War es einsichtig und erkannte das Problem selbst, war es traurig/verzweifelt/zurückgezogen/unbedarft/ ….?

A.: Inzwischen haben wir unserem Sohn auch erzählt, was mit ihm los ist, aber noch haben wir ihm keine Diagnose genannt. Ich glaube, es ist ihm schon im Kindergarten aufgefallen, dass er anders ist, andere Interessen hat ohne, dass es ihn groß gestört hat. Auch war das lange in der Schule kein Thema.

Seit einiger Zeit (er ist jetzt 9) hinterfragt er es aber doch zunehmend, da er gemerkt hat, dass anderen Kindern manche Sachen leicht fallen und ihm gar nicht gelingen wollen. Es war uns wichtig geworden, dass er versteht, dass seine Art zu denken und zu fühlen für ihn normal ist, aber auch, dass es anderen anders geht. Es fällt ihm schwer, das zu akzeptieren. Denn schließlich denkt sein Gehirn nicht nur für uns anders, sondern auch unsere für ihn.

Auch haben wir die Eltern seiner besten Freunde informiert und die Eltern der Klasse, was es mit den Besonderheiten unseres Sohnes auf sich hat. Der ein oder andere hatte sich so seine Gedanken gemacht. Auch hier kam großes Verständnis und Dank für die offenen Worte. Es tut einfach gut, wenn man nicht auf sich alleine gestellt ist.

» Wie wirkte sich die Situation auf deine Partnerschaft/Ehe aus? War das eine besondere Herausforderung für euch als Paar?

A.: Auch meinem Mann ist die Diagnose am Anfang sehr schwer gefallen und er mochte diese bzw. vielmehr die Besonderheiten und damit einhergehenden besonderen Regeln gar nicht hinnehmen und hat weitergemacht wie bisher, mit ausbleibenden Erfolg. Dann habe ich ihm immer wieder ein Stichwort geliefert und er konnte selbst recherchieren, hat vieles inzwischen verstanden und einen guten Weg gefunden, mit unserem Sohn umzugehen.

Dennoch ist es ein dauerhafter und mitunter sehr anstrengender Weg, Autisten zu begleiten.

Autismus-Spektrum-Störung

Bild von mimzy

Autismus-Spektrum-Störung in der Gesellschaft

» Was hat dir besonders geholfen? Welche konkreten Tipps hast du für andere Eltern im Bezug auf den Umgang mit einem Kind, das eine ASS Diagnose hat? Hast du eine Lösung für dich persönlich gefunden, wie du mit der Situation besser umgehen kannst?

A.: Eben weil der Weg so herausfordernd ist, ist es wichtig, sich soviel Wissen wie möglich zu dem Thema Autismus anzueignen. Nicht nur die reinen Fakten über die Symptome, sondern vor allem auch, wie sich Autisten fühlen, wie sie denken!

Es gibt heute so viele Möglichkeiten sich zu informieren, vor allem über das Internet. Dort gibt es leider auch viel Unsinn – aber ich finde man merkt schnell, ob die dort gegebenen Informationen weiterhelfen. Im Anhang findet ihr die Bücher, Blogs, Videos und Podcasts, die uns weitergeholfen haben.

Mir hat es sehr geholfen, Bücher zu lesen, die aus Sicht der betroffenen geschrieben wurden. Diese gibt es als Kindervarianten aber auch für Erwachsene. Das hat mir die Denkweise veranschaulicht. Es hilft zudem, sich die ein oder andere autistische Denk- und Verhaltensweise anzueignen. So kann man in Krisenzeiten dann Führung übernehmen, die dringend benötigt wird.

Es gibt viele, sehr gute Videos, wo Betroffene selbst oder Eltern ihre Sichtweise erzählen, auf etwas aufmerksam machen und an vielen Stellen wertvolle Hilfe liefern – manchmal bessere als Fachleute und Therapeuten.

Es gibt tolle Foren und einen klasse Podcast – ich habe auch den ein oder anderen Ersteller der Videos angeschrieben und um Unterstützung zu verschiedenen Themen gebeten. Hier habe ich viele Informationen und positive Rückmeldungen bekommen.

Es gibt bei uns in der Stadt auch eine Selbsthilfegruppe. Bisher habe ich dorthin keinen Kontakt aufgenommen – das ist einfach nicht meine Welt, das mag aber für jeden anders sein und es hängt sicher auch von der Gruppe selbst ab.

Für manche Autisten mag es hilfreich sein, eine Schulbegleitung zu haben. Dies lehnt unser Sohn ab, es würde ihn für sein eigenes Empfinden noch besonderer machen und damit noch mehr Stress erzeugen. Eine Schulbegleitung soll eine Hilfe sein und keine Strafe. In unserem Fall haben auch die Lehrer eine solche abgelehnt, da sie eher fürchten ein weiteres "Kind" in der Klasse sitzen zu haben. Und inzwischen läuft es in der Schule erheblich besser, mit kleinen Rückschlägen, besonders kurz vor Ferien.

Und ich habe viele dieser Informationen und Erfahrungen auch den Lehrern zu Verfügung gestellt, was sehr dankbar aufgegriffen wurde – man sollte nicht davon ausgehen, dass sich die Lehrer in irgendeiner Weise damit auskennen. Autismus ist, wie bereits erwähnt, selbst unter psychologischen Fachleuten ein weitestgehend unbekanntes Thema; Warum sollten sich Lehrer und Erzieher damit auskennen? Außerdem können so alle über dasselbe sprechen! Und es gab durchaus auch Tipps von den Lehrern zurück!

Gegenwind

» Welchen Hürden bist du begegnet?

A.: Eine Sache an der Schule hat mich allerdings sehr verletzt. Die Rektorin hatte um ein Gespräch gebeten: Eltern, Klassenlehrerin und Fachlehrer. Ich war nicht so richtig glücklich über ihren Wunsch – sie hat keinen Unterricht bei unserem Kind und ich fand, dass sie das nichts angeht. Das Ganze ist ja sehr persönlich. Auf der anderen Seite wussten die Eltern der Klasse bereits Bescheid, so konnte ich der Rektorin dies nicht gut verwehren. Ich musste allerdings allein zu dem Termin, mein Mann hat auf die Kinder aufgepasst.

Die Rektorin bat mich kurz zu erzählen, was es mit der ASS so auf sich hat, sie kenne das gar nicht, das sei ihr noch nie begegnet! Das hat mich sehr verwundert, denn sie ist eine erfahrene Lehrerin. Aber sei es drum, ist vielleicht wirklich zu unbekannt. So habe ich sehr kurz die Besonderheiten aufgezählt und dass diese Kinder an manchen Stellen sehr viel mehr Unterstützung benötigen als Klassenkameraden.

Als ich erläutern wollte, wie man damit gut umgehen kann, fällt sie mir ins Wort und sagt: Na, da hätte unser Sohn aber eine niedliche Besonderheit. Wir müssten uns aber schon im Klaren sein, dass auch besondere Kinder sich bei ihr an der Schule anpassen müssten! Und wann wir denn denken, dass unser Sohn selbstständiger wird?

Wie bitte? Ich war entsetzt und fassungslos!!! Wie kann sie eine solche Aussage treffen – wo sie mir zuvor erklärt hat, dass sie die ASS nicht kennt? Ich halte unseren Sohn doch nicht künstlich klein! Im Gegenteil: Wir wünschen uns sehr, dass unser Sohn später ein selbstständiges Leben führt und ich sehe uns auf einem guten Weg dorthin. Wenn das alles so einfach wäre und schnell ginge, säße ich nicht hier! Wo war die vielgerühmte Toleranz?

Ich war jedenfalls sprachlos (was selten vorkommt) und ich habe sofort den Raum verlassen. Später hat mich die Klassenlehrerin (wohlgemerkt Klassenlehrerin) angerufen und hat sich entschuldigt! Das war eine schlimme, schlimme Erfahrung und vermutlich wird es nicht die letzte gewesen sein. Der Kampf (es ist schade, dass man so kämpfen muss) wird spätestens an der weiterführenden Schule von Neuem beginnen.

Ich habe es letztlich darauf beruhen lassen, obwohl mir zuvor übelste Gedanken gekommen waren! Aber gegen Beton in Köpfen kann ich zum momentanen Zeitpunkt nicht viel ausrichten! Ich brauche die Energie für mein Kind und für diejenigen, die Lust darauf haben, mit Autisten zu arbeiten. Für diejenigen, die trotz aller Schwierigkeiten sich die Besonderheiten zunutze machen und dies als Bereicherung sehen! Und da gibt es in unserem Umfeld Gott sei Dank genug!

Appell

» Welchen Tipp hast du für andere Mütter? Was würdest du dir für autistische Kinder der Zukunft wünschen? Was für ihre Familien?

A.: Deshalb: Schaut mit Stolz auf eure Kinder. Guckt auf ihre Fortschritte und erfreut Euch daran. Lasst euren Kindern die Zeit, die sie brauchen, um selbst Wege zu finden und wenn sie noch so unkonventionell sind. Und helft ihnen, wenn ihnen selbst etwas wichtig ist, sie aber keine Lösung finden (können). Und überlegt, was wirklich wichtig ist im Leben und an welcher Stelle das Anforderungsprofil Abspecken verdient!

Noch viel wichtiger: Nehmt Eure Kinder wie sie sind – sie sind toll! Und dann kämpft für sie – da sie es selbst (noch) nicht können. Das kostet unendlich Kraft, die eh schon knapp ist. Aber wir Mütter können das! (und die Väter können uns gut unterstützen).

Klärt Eure Leute auf, sprecht offen. Macht allen im Umfeld klar, wie es Euren Kindern ergeht, wie sie fühlen und denken, wie sie ihre Umwelt wahrnehmen. Nehmt das Umfeld mit in die autistische Welt und erklärt, dass Eure Kinder sich das nicht ausgesucht haben und dass sie oft leiden. Nur durch Aufklärung kann man die Gesellschaft zur Toleranz erziehen!

Macht Euch und allen anderen bewusst: Es steckt keine schlechte Erziehung, fehlende innere Einstellung oder mangelnde Durchsetzungskraft dahinter. Unsere Kinder sind nicht boshaft, trotzig, verwöhnt oder faul. Sie besitzen eine Eigenschaft, die Autismus heißt. Und Nicht-Autisten, die sich in keinster Weise vorstellen können, was das bedeutet, haben festgelegt, es sei eine Abweichung von der Norm und damit eine Behinderung!

Aber wer wird hier behindert? Ich bin mir ziemlich sicher, dass unser Sohn seine reiche Welt gar nicht tauschen möchte, auch wenn er oft an seine Grenzen in unserer Welt gerät! Seine Welt bietet ihm soviel, die engen Grenzen unserer Welt behindern ihn! Er sieht die Welt tatsächlich mit anderen Augen, Ohren, Geschmäckern, Farben. Er hat immer 1000 Ideen, wovon etliche unkonventionell sind, aber grundsätzlich zum nachdenken und nachahmen anregen!

Soll ich ihn darin behindern, weil es mir oder womöglich jemandem anderen unkonventionell/ nicht der Norm entsprechend erscheint?

Zum Schluss noch eine Sache, die mir persönlich sehr am Herzen liegt: Wie mehrfach beschrieben, ist das psychologische Fachpersonal noch nicht unbedingt fit im autistischen Spektrum und vor allem im Umgang mit Betroffenen. Fragt eure Therapeuten, ob und welche Erfahrungen sie im Umgang mit Autisten haben und falls keine da sind, fragt, ob sie bereit sind, mit Euch diesen Weg gemeinsam zu gehen und vielleicht auch mal unkonventionell zu denken.

 

Solltet ihr an irgend einer Stelle ein merkwürdiges Gefühl bekommen und/oder eine Therapieform widerspricht auch nur im geringsten eurem Bauchgefühl, oder es bringt Euch überhaupt nicht weiter: Bitte, bitte habt den Mut, dies anzusprechen und im Zweifel den Weg abzubrechen!

 

Lasst nichts zu, wo Euren Kindern, der „Wille“ gebrochen werden soll und sie sich „endlich“ anpassen/neurotypisch verhalten sollen. Oder wenn ein Meilenstein von ihnen gefordert wird, den neurotypische Menschen als Normalität ansehen! Autismus ist keine Lebenseinstellung und man kann Autismus nicht um- oder wegtherapieren! Autist bleibt man ein Leben lang! Und nur weil bestimmte Eigenarten später nicht mehr sichtbar sind, heißt das nicht, dass sie verschwunden sind oder etwas „geschafft“ wurde! Möglicherweise musste der Autist lernen, diese zu unterdrücken und lebt nun gegen seine Natur, was ihn ernsthaft krank machen kann.

 

Lasst die Besonderheiten bei Euren Kindern zu und sucht nach kreativen Lösungen, wenn ein Verhalten überhaupt nicht zu tolerieren ist (was durchaus vorkommt und man das nicht aushalten muss). Wir haben gute Erfahrungen damit gemacht, sich selbst und dem Kind zunächst die problematische Verhaltensweisen bewusst zu machen: Was genau ist problematisch, für wen und warum, und was geht der Situation voraus? Kann der Auslöser nicht verändert werden, kann man anschließend versuchen, Stück für Stück das problematische Verhalten durch eine neue, unproblematischere Verhaltensweise zu ersetzen. Dies erfordert allerdings sehr viel Fingerspitzengefühl und setzt unendlich Geduld voraus und man ist auf die Kooperationsbereitschaft/das Verständnis um das Problem beim Autisten angewiesen.

Habt deshalb bei allen Vorstellungen und Erwartungen im Kopf: Ermöglicht den Autisten vorrangig so zu sein, wie sie sind und behindert sie nicht!

 

Das ist Inklusion!

Tipps für betroffene Eltern

Hier sind die genannten Quellen, die A. und ihrem Umfeld geholfen haben, die autistische Welt besser zu verstehen:

Youtube-Kanal:

  • Galoxee-Asperger-TV (hier erzählt eine Mama hauptsächlich vom Umgang mit ihrem autistischen Sohn, aber auch Tochter und Vater sind betroffen)
  • InsideAut (hier erzählt ein Erwachsener aus seiner Welt – er kann die autistische im Vergleich zur neurotypischen Sichtweise sehr gut erklären)
  • GirlfromPlanetAspie (jetzt: LennsArrival, eine junge Frau, die auch aus ihrer Kinder- und Jugendzeit erzählt)

Bücher:

  • Schattenspringer*
    • Daniela Schreiter
    • Comic, für ca. 10-Jährige – hiermit haben wir unserem Sohn seine Besonderheit nahegebracht
  • Alle anderen sind komisch*
    • Martina Grünbaum
    • Autistische Innenansichten und ein toller Blick auf die neurotypische Welt und ihre Regeln
  • Kinder mit Asperger einfühlsam erziehen*
    • Cynthia LaBrie Norall, Beth Wagner Brust
    • konkrete und umsetzbare Tipps zum Umgang – die Übersetzung liest sich etwas ungewohnt: Autisten heißen dort: unsere Freunde, dennoch sind die Inhalte wirklich gut

Podcast

  • Autistische Wahrnehmungen
    • ein autistischer und eine neurotypischer Mann sprechen in lockerem Plauderton, in späteren Folgen sind andere Gäste dabei; es gibt auf der zugehörigen Homepage der einzelnen Podcast sehr viele Querverweise auf Artikel, Fachbeiträge, Videos, Bücher zu angesprochenen Themen – hier lohnt es sich in jedem Fall weiterzulesen!

Blogs

Hier müsst ihr gucken, welche Beiträge EUCH weiterhelfen.

Und hier auch noch eine Jugendbuchempfehlung von mir, Silke, die auch verfilmt wurde:

  • Wunder*
    • R.J. Palacio, dtv Verlag
    • ausgezeichnet mit dem deutschen Jugendbuchpreis.

Du möchtest noch weitere Helden für kleine Herzen kennenlernen?

Hier kannst du Teil 1, 2 & 3 nachlesen:

Mit Liebe und Geduld zu einer glücklichen Familie

Tirza hat als Mutter eines Sohnes mit neuro-psychiatrischen Problemen einen langen Weg des Lernens hinter sich. Ihre Geschichte ist dennoch aufmunternd für uns alle

>> Teil 1 lesen

Gutes Sehen: Den ganzen Menschen im Blick haben.

Augenarzt Dr. med. Thomas Katlun behandelt in seiner Praxis in
Heidelberg Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit einem ganzheitlichen Ansatz.

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Integrativer Kindergarten: Engagiert und liebevoll durch den Kindergartenalltag.

In diesem Interview erhältst du einen spannenden Einblick in den Alltag einer Erzieherin. Das Interview gibt dir Impulse für dich und deine Kinder mit, die du selbst vielleicht umsetzen kannst oder damit (deine) Kinder noch besser unterstützen kannst.

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Kennst du auch Menschen, die das Leben unserer Kinder verbessern? Wer ist für dich ein Held für kleine Herzen? Hinterlasse mir gerne einen Kommentar.

Und wenn auch du einen Beitrag zu dieser Blog Serie durch (d)eine Geschichte leisten möchtest, die vielleicht für andere Eltern die Initialzündung für einen für sie Heilung bringenden Weg sein kann, schreibe mir gerne eine Nachricht.

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Ich bin Silke Krämer.

Kinder- und Jugendcoach Professional, NLP Master und Coach, EMDR Traumatherapeutin und Gymnasiallehrerin

Ich helfe Familien, wenn es Schulstress gibt und daheim die Fetzen fliegen. Außerdem unterstützte ich Mütter und Väter dabei, sich den Herausforderungen des Familienlebens selbstbewusst zu stellen.

Als Trainerin für Reflexintegration helfe ich deinem Kind, damit ihm die Schule bei Konzentrations­schwächen, Lern- und motorischen Problemen leichter fällt.

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Kinder-Alltag: So wird’s entspannter! Sechs Tipps gegen Unruhe.

Kinder-Alltag: So wird’s entspannter! Sechs Tipps gegen Unruhe.

Familie

08-2024

Unruhe im Kinder-Alltag

Vor Kurzem bin ich Mal wieder in eine Falle getappt, die mir mittlerweile allzu bekannt ist: ich habe zu schnell geurteilt. Als mein Sohn gestresst von der Schule nach Hause kam und den ganzen Nachmittag am Küchentisch rumwackelte und seine Hausaufgaben nicht machen wollte, den Kopf voller Gedanken zu Lehrern, Hausaufgaben und Mitschülern, war mein erster Gedanke "Du bist doch noch ein Kind! So schwer ist dein Leben doch gar nicht!".

Die häufige Reaktion auf Unruhe: Reiß dich zusammen!

… und Sekunden später biss mich natürlich das schlechte Gewissen. Das kennst du sicher auch – eine genervte erste Reaktion auf einen Menschen, dem man eigentlich mit Liebe und Einfühlsamkeit begegnen möchte. Doch anstatt den Gedanken wegzuschieben, habe ich mir dieses Mal erlaubt, seinem Weg zu folgen.

Denn wer redet denn eigentlich über die Verbindung zwischen unruhigen Kindern und Alltagsstress, oder sogar Burnout? Wie oft erlauben wir uns, das Ausmaß dieses Themas anzusehen, ohne wie ich zuerst Mal zu denken ‚stell dich nicht so an‘?

Das Internet und seine Foren und auch Elternabende und andere Besprechungen sind voller Probleme – Kinder sitzen nicht still, können sich nicht konzentrieren, sind lustlos, verbringen zu viel Zeit vor den Bildschirmen und nicht genug Zeit in der Natur, können sich nicht selber beschäftigen. Die Liste geht endlos weiter. Und auf der anderen Seite sind es die unzähligen Entspannungsübungen für Grundschüler, Artikel über Achtsamkeit für Jugendliche und Kinder-Kurse, die Motivation bringen sollen.

Von Stress, Überforderung, Unruhe …

Und plötzlich denke ich mir über meinen Sohn: Du bist doch noch ein Kind! So voll, laut und schwer ist dein Leben schon! Wie viele Stimmen reden dir schon in deinen Alltag rein, sagen dir was wichtig und richtig ist, während du wächst und dich selber findest!

Dieser Beitrag ist also auch für uns Eltern, die diese Erinnerung lesen möchten, so etwas wie ein Liebesbrief an die Ruhe – nicht das graue, suppenartige Gefühl, das sich breit macht, wenn man zu lange vor einem Bildschirm hockt (das können nämlich auch wir Erwachsene gut!), sondern die sonnige Ruhe von Ferien, die so lang sind, dass man manchmal gar nicht weiß, was man mit sich anfangen soll; der Raum, der es einem erlaubt, alles andere zu verarbeiten und Kreativität beheimatet.

Und ich gebe euch auch einige Tipps, wie ihr durch Struktur im Alltag Luft hierfür schaffen könnt. Für euch selbst und eure Kinder!

… zu Struktur, Routine, Freiheit

Sehr viel dieses Raumes kann nämlich tatsächlich gewonnen werden, wenn man Routinen einführt. Das mag sich zuerst gegensätzlich anhören: ein strenger Ablauf soll Freiheit geben? Doch erfolgreiche Leute wie Steve Jobs, der stets das gleiche Outfit trägt, wissen, dass solche Routinen den Kopf für Anderes frei machen und damit Klarheit und Ruhe bringen.

Klar, gerade mit mehreren Kindern wartet das Chaos immer hinter der nächsten Ecke. Hausaufgaben, Fußballtraining, Fernsehzeit und Freunde bieten genug Ablenkung für die Jüngsten und der Haushalt, das ungenutzte Online-Yoga-Abo, Newsletter, Arzttermine und Kaffee mit Bekannten bringen das gleiche für die Erwachsenen.

Deshalb ist es umso wichtiger, dass wir unseren Kindern vorleben, wie man eine Priorität setzt und seinen Alltag danach gestaltet.

Kinder-Alltag: Yoga mit Mama

Bewusste Entscheidungen als Unterstützung

Ein Beispiel hierfür könnten Hobbies sein: Um zu vermeiden, dass dein Kind 27 Sachen gleichzeitig beginnt und am Ende überfordert und lustlos alles aufgibt, überlegt euch vorher gemeinsam, ob die Theater-AG oder das Flöten-Spielen wichtiger sind.

Auch Abwechslung ist möglich, zum Beispiel Theater-AG während der Schulzeit und Musik-Camp in den Ferien. Ruhe entsteht hier, weil eine klare Entscheidung bewusst getroffen wurde (und falls dies je nicht die richtige war, auch wieder geändert werden kann).

Und wenn das Gegenteil der Fall ist und dein Kind am Liebsten nur auf dem Sofa abhängen möchte, könntet ihr darüber reden, welche Faktoren am meisten Stress bringen. Für viele introvertierte Kinder sind die langen Schultage mit konstanten Einflüssen nämlich ganz schön anstrengend. Dann noch nach Hause kommen und lernen? Nein, danke!

Das ist wie ein anstrengender Arbeitstag und eine überschwemmte Toilette, die abends geputzt werden muss – und das 5 Tage die Woche… hier hilft es Grenzen zu setzen, durch die dein Kind sich unterstützt fühlt. Zum Beispiel: sonntags dürfen gar keine Hausaufgaben gemacht werden. Oder, nach der Schule entspannst du dich erst einmal, falls du zu müde vom Schultag bist, bevor du anfängst zu lernen.

Auch dies hört sich zuerst nach mehr Zeitdruck und mehr Regeln an, doch das Wissen, dass ein konkreter Zeitraum frei vom größten Stressfaktor ist, kann ungemein Erleichterung bringen.

Und im Hintergrund hilft es für uns Eltern, wenn wir uns mal ehrlich fragen, wann es wichtiger für ein Kind ist, dass es glücklich und außer Puste vom Spielen an der frischen Luft an den Tisch zum Abendessen sinkt, oder dass alle Hausaufgaben fein säuberlich erledigt in der Tasche stecken?

Ruhe im Kinder-Alltag: meine Tipps

Ihr merkt also: wenn es zum Thema Entspannung und Ruhe bei Kindern kommt, muss man das Pferd oft von hinten aufzäumen und experimentierfreudig sein.

Überlege du dir, welche Werte für dich wichtig sind, damit du nicht aus Versehen (unterbewusst! Das passiert uns allen!) verlangst, dass dein Kind alles gleichzeitig hinkriegt.

Manchmal können eben nur die Hausaufgaben oder der Sport Platz finden und es hilft, wenn du weißt, was deine Priorität wäre – auch wenn die Kinder natürlich ihren eigenen Kopf haben 😉 - wenn das so ist, dann solltet ihr auf jeden Fall in den Dialog gehen und darüber sprechen. Streit entsteht am häufigsten durch unausgesprochene, nicht in Erfüllung gegangene Erwartungen.

Findet gemeinsam heraus, was Stress bringt und wie dieser Stress momentan bewältigt wird (beispielsweise endloses Fernsehen oder Computerspielen). Sucht gemeinsam nach einer Lösung, die wirklich Entspannung bringt und nicht nur den Stress übertüncht.

Schaut dann, was das Ziel ist und wie ihr Routinen und Sturktur anwenden könnte, um Freiheit und Ruhe zurück in den hektischen Alltag zu bringen.

Wenn dein Kind nachmittags am liebsten nur auf dem Sofa rumgammelt, dann animiere es, gemeinsam mit dir raus zu gehen: Badminton im Park, ein Spaziergang, gemeinsam auf den Spielplatz, eine Runde Fußball, Fahrrad fahren, Inliner fahren, ...

Ich bin mir sicher, dass eure Beziehung von gemeinsamen, Entspannung bringenden Zeitfenstern im hektischen Alltag profitieren wird. Auch das könntet ihr ritualisieren. Und wenn es eben nicht jeden Tag klappt, dann vielleicht so: An den Tagen xy gehen wir gemeinsam nach dem Mittagessen spazieren.

Wählt Freizeitaktivitäten sinnvoll aus. Viel bringt nicht automatisch mehr, zumal jedes Kind anders ist. Während das eine Kind Stress beim Sport abbaut, braucht ein anderes Kind viel mehr Zeit für sich allein in Ruhe, um die Erlebnisse des Schultages zu verarbeiten.

Nimm deinem Kind Druck, indem du mit ihm gemeinsam priorisierst und dabei aufzeigst, dass nicht nur die Erfüllung der Pflichten wichtig ist, sondern dass eine bewusste und sinnvolle Erholung durch eine Mischung aus Ruhe und Bewegung genauso wichtig ist.

Lebe deinen Kindern vor, was du dir von ihnen wünscht. Du kennst bestimmt das Gefühl: Du kommst in einen Raum und ohne, dass ein Wort gesprochen wurde, weißt du sofort, dass dort „dicke Luft“ herrscht.

Die Stimmung liegt förmlich in der Luft. So ist es auch in Familien. Wenn ein Familienmitglied gestresst ist, strömt diese Energie auf alle anderen über. Kinder haben besonders feine Antennen für solche Schwingungen.

Also: tief durchatmen, neugierig Reaktionen hinterfragen und so mehr Ruhe und Entspannung in den Alltag bringen!

In diesem Sinne werde ich euch und meinen Kindern jetzt ein gutes Vorbild sein, meinen Laptop zuklappen und mein Handy in die Handy-Garage parken. Jetzt ist Familienzeit!

 

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Ich bin Silke Krämer.

Kinder- und Jugendcoach Professional, NLP Master und Coach, EMDR Traumatherapeutin und Gymnasiallehrerin

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Als Trainerin für Reflexintegration helfe ich deinem Kind, damit ihm die Schule bei Konzentrations­schwächen, Lern- und motorischen Problemen leichter fällt.

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Konflikte lösen: So gelingt’s auf friedvolle Weise

Konflikte lösen: So gelingt’s auf friedvolle Weise

Familie

04-2024

Erfahre in diesem Beitrag, wie du auf friedvolle Weise Konflikte lösen kannst. Ganz einfach in dem du lernst, was Konflikte in Familie, im Beruf oder unter Freunden mit deinen Vorstellungen zu tun haben. Dieses Verständnis ermöglicht es dir, Konflikte zukünftig friedvoll zu lösen oder gar nicht erst entstehen zu lassen. 

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Wir fühlen uns besser, wenn wir Konflikte lösen

Menschen sind soziale Wesen und alleine nicht überlebensfähig. Spätestens seit dem tragischen Fall Kaspar Hauser wissen wir, dass Babys und Kleinkinder durch Nachahmung lernen und eine lebendige Bindungsperson brauchen, die ihnen eine angemessene Reaktion auf Erfahrungen spiegelt.

So erlernen sie alle sozialen und emotionalen Fähigkeiten, um als Mitglied in einer Gemeinschaft bestehen zu können. Die Gemeinschaft bietet Sicherheit und Schutz - zumindest evolutionär betrachtet.

Darum ist es nur verständlich, dass Menschen nach Zuneigung, Bestätigung und Anerkennung streben, um ihren Platz in der Gesellschaft zu sichern. Wird dieser Platz durch Konflikte gefährdet, hat das weitreichende Auswirkungen auf das Wohlbefinden.

Wie entstehen Konflikte?

Jeder hat von seinen Eltern gewisse Vorstellungen mitbekommen, wie alles zu sein hat. In stressigen Lebenssituationen drängen sich diese Vorstellungen in den Vordergrund, weil sie ein Gefühl von Sicherheit geben; quasi etwas, an dem wir uns entlang hangeln können.

Wenn man allerdings in mehreren Lebensbereichen nach so einer festen Vorstellung lebt, dann lässt man sich irgendwann gar nicht mehr so richtig auf das Leben ein, weil man immerzu damit beschäftigt ist, seine Vorstellungen zu realisieren.

Daraus entsteht ein Konfliktpotential, weil ja jede Person - also auch die anderen - ihre eigenen Vorstellungen mitbringen. So prallt die „Vorstellung“ von Person A auf die „Vorstellung“ von Person B.

Konflikte lösen: So gelingt's auf friedvolle Weise 3

Bild von Ketut Subiyanto

Wo kommen meine Vorstellungen her?

Kinder wollen spielerisch ausprobieren und die Welt entdecken. Es ist ein tolles Gefühl und motivierend für ein Kind, durch das eigene Tun und Handeln ein Stück weit herausgefunden zu haben, wie die Welt funktioniert.

Beispielsweise, den Bauklötzchenturm so stabil zu bauen, dass er hoch wird. Wenn ein Kind das geschafft hat und das Ergebnis abends stolz seinem Papa zeigen möchte, der aber so in seiner eigenen Vorstellung gefangen ist, wie es zu sein hat, und antwortet: „Ja gut, aber schau mal, wenn du jetzt noch die Steine hier hin baust und da die Mauer verstärkst, dann kannst du den Turm noch stabiler und noch höher bauen!“.

Wie fühlt sich wohl so ein Kind?

Es fühlt sich, als genüge seine Leistung nicht, als würde der Papa es nicht anerkennen, weil er es besser weiß.

Es ist verletzt und fühlt sich nicht als die Person gesehen und wertgeschätzt, die es ist und gerne sein möchte.

Denn Papa hat gesagt, wie es noch besser geht… in seinen Augen.

Oder wenn man dem Kind das Gefühl gibt: Du kriegst meine Liebe, aber nur, wenn du dich meinen Erwartungen entsprechend verhältst, du ein guter Schüler bist, du alle Hausaufgaben direkt nach der Schule machst, dein Zimmer ordentlich hältst, keinen Wutanfall bekommst, dich beim Essen nicht so tollpatschig anstellst usw.

Wenn man als junger Mensch so behandelt wird, entsteht eine innere Unruhe, die sich immer weiter ausbreitet und auch körperlich wird. Man fühlt sich nicht mehr verbunden.

Irgendwann versucht das Kind dann das Gefühl den Eltern zurück zu geben, indem es die Situation umdreht. Es behandelt die Mama oder den Papa dann so, wie es sich selbst behandelt fühlt und unterdrückt das Bedürfnis, mit Mama oder Papa verbunden zu sein. Das findet alles auf einer unbewussten Ebene statt.

Dann entstehen so Sätze wie „Blöde Mama“ oder „Dann zieh ich halt einfach aus“ oder „Ich hab dich eh nicht lieb“.

Auf Eltern wirkt diese Reaktion meist sehr unreif und unkontrolliert. Die Schlussfolgerung ist, dass sie glauben, ihr Kind könne seine Emotionen nicht kontrollieren. Die Eltern waren sich dessen, was zur Anbahnung dieser Aussagen geführt hat, gar nicht bewusst. Der Papa aus obigem Beispiel hat es nur gut gemeint und wollte seinem Kind zeigen, wie es noch besser geht. Dass er es dabei erniedrigt haben könnte, kam ihm gar nicht in den Sinn.

Eine andere Reaktion eines Kindes könnte auch sein, dass es sich selbst zum Objekt macht, indem es sagt: „Ich kann keine Bauklötzchentürme bauen, ich kann Mathe nicht, ich bin eh der Blödeste, ich bin es gar nicht wert geliebt zu werden, am besten wäre es, mich gäbe es gar nicht mehr, dann habt ihr keine Sorgen mehr“.

Einer dieser beiden Lösungswege verankert sich im Gehirn.

Also entweder, sich dem andern gegenüber immer durchsetzen zu müssen und hart nach außen zu sein oder sich selbst als Opfer und Objekt zu sehen.

Die Verletzungen bilden die innere Haltung und stabilisieren diese Vorstellung. Andere Vorstellungen, die sich aus Verletzungen entwickeln, könnten lauten:

„Ich muss meine eigenen Bedürfnisse zurückstellen und immer allen helfen, um Anerkennung zu bekommen“.

„Ich muss super ordentlich sein, um Anerkennung zu bekommen“.

Diese Übertriebene Ordnungsliebe kann dann schon fast manisch wirken

Die Vorstellung, wie ich in der Gemeinschaft sein muss

Wie schon oben erwähnt, wollen Menschen Teil der Gemeinschaft sein, weshalb die sozialen Netzwerke hoch im Kurs stehen. Dort scheint die Jagd nach Likes und bestätigenden Kommentaren so unermüdlich wie nirgendwo anders zu sein.

Je mehr, desto besser und je mehr, umso größer wächst das Verlangen nach noch mehr. Das führt bei Jugendlichen zu großem Erfolgsdruck.

Wettstreit und Vergleiche mit anderen entstehen, was zu inneren Konflikten führen kann.

Junge Menschen fühlen sich abgelehnt, entwickeln Selbstzweifel und kultivieren daraus ein Konkurrenzdenken. Doch dass das gar nicht die ‚richtige‘ Anerkennung ist, aus der sich im Notfall Rückhalt und fürsorgliche Zuwendung schöpfen ließe, verlieren sogar Erwachsene immer mehr aus dem Blick. Dabei entfernt sich das Individuum zunehmend von sich selbst. Es verliert sich im Sog der Forderungen und gesellschaftlichen Richtlinien.

Doch selbst, wenn man sich über die trügerische Welt im Klaren ist, fällt es dennoch schwer, zwischen oberflächlicher Anerkennung und wahrer Liebe zu unterscheiden. Der Wunsch, dazu zu gehören, lässt einen oft Dinge tun, die einem gar nicht guttun.

Das alltägliche Hamsterrad hat einen fest im Griff. Man rennt schneller und schneller und fordert zunehmend mehr von sich. Daraus entwickelt sich eine allgemeine Strenge. Man wird härter zu sich und auch von anderen.

Diese eine bestimmte Vorstellung im Kopf möchte man realisiert wissen.

Was haben diese Vorstellungen mit Konflikten zu tun?

Eine dieser Vorstellungen bringt man in den Konflikt mit hinein. Die eigene Vorstellung ist möglicherweise eine ganz andere, als beispielsweise die des Gegenübers oder des eigenen Kindes (das im Idealfall noch gar keine dieser Vorstellungen hat, sondern völlig rein ist. Im menschlichen Miteinander entwickeln sie sich allerdings bei den meisten Menschen.).

Doch eigentlich mag man in solch einer Konfliktsituation nicht den anderen Menschen nicht, sondern die Vorstellung, die er hat.

Emotional lässt sich das nicht trennen. Und schränkt einen beim Konflikte lösen ein.

Vor allem ein Kind bekommt dadurch schnell das Gefühl, von den eigenen Eltern nicht geliebt zu werden. Es fühlt sich abgewiesen und unverbunden. Ein inkohärentes Gefühl entsteht.

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Bild von Gerd Altmann

Konflikte lösen durch ein kohärentes Selbstbild

Wenn man Herausforderungen als kohärent - also stimmig - einschätzt, entsteht ein Gefühl der Selbstwirksamkeit, die eine essentielle Voraussetzung für Resilienz ist. Je widerstandsfähiger ein Mensch ist, umso besser kommt er in schwierigen Situationen klar. Kohärenz ist ähnlich wie das Urvertrauen: Je ausgeprägter es ist, umso besser kommt ein Mensch mit Herausforderungen klar.

Fühlt sich ein Kind inkohärent, beginnt der ganze Kreislauf, den schon die Eltern durchlaufen haben, von vorne. Denn auch das Kind strebt nach Bindung und Zugehörigkeit. Es versucht alles dafür zu tun, damit kein Bindungsabbruch stattfindet. 

Lebt der Erwachsene jedoch mit so einer festen Vorstellung in seinem Kopf, dann liegt sein Fokus so stark auf der Umsetzung dieser Vorstellung, dass er nicht mehr feinfühlig und empathisch auf sein Kind oder Gegenüber reagieren kann. Dann passiert es leicht, dass er oder sie zum Anführer, zum Kontrolleur, zum Aufräumer oder zum Überängstlichen wird.

Darum hilft auf jemanden einzureden nicht beim Konflikte lösen

Wenn das Gehirn einmal gelernt hat, dass eine Lösungsstrategie „Erfolg“ hatte, dann verfestigen sich diese Strukturen im Gehirn. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Lösung funktioniert. Das führt dazu, dass sich die innere Unruhe abbaut, weil der inkohärente Zustand dann kohärent wirkt. Das setzt im Mittelhirn Botenstoffe frei, die diese Vorstellung fest im Gehirn verankert. Diese festen Überzeugungen können manche Menschen nicht loslassen. Auch dann nicht, wenn immer wieder jemand kommt und sie infrage stellt. So lassen sich keine Konflikte lösen.

Bestimmt hast du dir diesen Satz schon einmal selbst gesagt: „Ich weiß ja eigentlich, dass ich das nicht machen sollte, aber ich kann nicht anders“.

Auf der kognitiven Ebene verstehen die Menschen meist recht schnell, was das Problem ist. Doch ist unsere feste Vorstellung nicht in der selben Hirnregion gespeichert, die uns das Problem verstehen lässt. Folglich hilft das Verstehen nicht unmittelbar bei der Lösung. Es lässt uns lediglich erkennen, dass ein Problem vorliegt und eine Lösung dafür her muss.

Denn sonst würde man sich ja nicht immer wieder den selben Satz sagen hören, obwohl man doch weiß, dass er nicht hilfreich ist. Und es würde nie jemand Schläge weiter geben, der selbst Opfer von Schlägen war und weiß, wie schlimm Schläge sind und dass sie nicht helfen, sondern ganz viel Schaden anrichten.

Eine Vorstellung muss auf einer anderen Ebene gelöst werden als auf der, die einen die Situation erkennen lässt.

Das Auf-den-Menschen-Einreden, hilft nicht beim Konflikte lösen. Wir können einen anderen Menschen nicht durch Reden verändern. Wenn das einer versucht, macht er genau das gleiche, was damals als Kind passiert ist und das Ganze ausgelöst hat. Das, was zu dieser Vorstellung geführt hat, wiederholt sich. Beim nächsten Konflikt geht es wieder von vorne los.

Mediatoren und Konfliktmanager können durch Reden höchstens eine temporäre Verhaltensänderung bewirken. Aber der Mensch ändert sich dadurch nicht dauerhaft, da eine andere Gehirnregion durch das Gespräch angesprochen wird als die, in der die „Vorstellung“ gespeichert ist. Manchmal kann die Verhaltensänderung dann funktionieren, wenn sie durch eine Belohnung verstärkt wird, wie zum Beispiel Zuwendung. Das ist aber keine Verhaltensänderung, sondern Anpassung, beziehungsweise Konditionierung und leider meist nur temporär.

Wie kann man sein Kind dabei unterstützen, keine negativen festgefahrenen Vorstellungen zu entwickeln?

Wie kann sich also eine derartige Vorstellung, der man selbst zum Opfer geworden ist, auflösen? Mamas und Papas lieben ihre Kinder und möchten, dass sie das ebenso fühlen.

Leider verhindert die eigene festgefahrene Vorstellung das in Konfliktsituationen und behindert uns beim Konflikte lösen. Es geht nur um die Vorstellung, statt um die andere Person. Dabei sollte man doch alles dafür tun wollen, dass sich das Gegenüber nicht weiter fest fährt, sondern ihm aus dem Problem raus helfen wollen - erst recht, wenn man es liebt, so wie das eigene Kind.

Genau das kann man nur durch liebevolle Zuwendung zum Ausdruck bringen. Nicht durch Belehrung.

Man muss nach einer Möglichkeit suchen, durch die das Kind einen inneren Weg findet, anders mit der Situation umzugehen, als es das bisher getan hat.  Denn: Es kann sich jemand nur ändern, wenn er sich ändern will. Die Gratwanderung zwischen Belehrung und Erziehung ist schmal. Vielmehr ist in meinen Augen Erziehung als liebevolle Begleitung zu verstehen.

Es gibt ein schönes Sprichwort, das lautet: Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.

Es wächst nur dann schnell, wenn es die perfekten Bedingungen vorfindet. Für Gras sind das wohl ausreichend Wärme, Licht und Nährstoffe. Für unser Kind ist es eine liebevolle Umgebung. Ich kann eine andere Person (mein Kind, meinen Partner) also nur dazu bringen, sich verändern zu wollen, wenn der neue Zustand für diese Person attraktiver wirkt als der jetzige. Nicht, indem ich sie er-ziehe. 

Eltern dürfen nicht nur wollen, dass sich ihr Kind verändert, sondern auch der Erwachsene muss sich verändern, damit sich der Konflikt lösen kann. Er muss sich von seinen Vorstellungen verabschieden.

Nur weil etwas durch die eigene Brille betrachtet als das Richtige scheint, heißt es noch lange nicht, dass es richtig ist.

Nur, weil der Erwachsene erwachsen ist, bedeutet das nicht, dass er mehr im Recht ist.

Vielmehr, dass der Erwachsene die Kontrolle, seinen Ordnungswahn, seine Anführer-Rolle oder seine Ängstlichkeit loslassen muss.

Konflikte lösen: So gelingt's auf friedvolle Weise 5

Nur Mut: Vorstellungen loszulassen ist nicht einfach und doch möglich

Doch was hält einen davon ab loszulassen?

Will man sich verändern, bedeutet es, Gewohntes, Bekanntes und Sicherheit Gebendes infrage zu stellen, aufzugeben und loszulassen.

Dafür braucht man Mut.

Was macht Menschen mutig?  Redet dir jemand von unten auf dem 10 Meter Brett gut zu, wirst du dennoch nicht springen, wenn du panische Angst davor hast.  Wenn du aber dein Kind aus dem brennenden Haus retten möchtest, springst du auch aus dem dritten Stock - ohne, dass dich jemand kognitiv durch reden überzeugen muss.

Mut entsteht also von alleine, wenn man merkt, dass etwas getan werden muss, weil es sonst Schaden nimmt.

Dann überlegt man gar nicht mehr.

Man braucht keine Kognition, um das sich in Lebensgefahr befindende Kind zu retten.
Diesen Mut kann man also nur einer anderen Person gegenüber aufbringen, der man sich innerlich tief verbunden fühlt.

Genau diese tiefe Verbindung muss man vor allem in der Konfliktsituation spüren. Der Schlüssel für die große Veränderung ist Verbundenheit.

Verbundenheit ist der Schlüssel zum Konflikte lösen

Das klingt einfach, denn schließlich fühlt man sich seinem Kind doch verbunden. Zumindest meinen wir das. Dennoch können es die Kinder nicht immer fühlen, so wie in den oben beschriebenen Beispielen. Dann, wenn wir uns nämlich in unserer Vorstellung verrannt haben.

Vielleicht hattest du diese Gedanken auch schon einmal:

  • Wenn mein Kind schlechte Noten schreibt, wird es einen schlechten Schulabschluss machen und ein unglückliches Leben führen.
  • Wenn ich nicht dafür sorge, dass mein Kind immer alle Hausaufgaben richtig gemacht hat, bin ich eine schlechte Mutter.
  • Wenn mein Kind keine Ordnung in seinem Zimmer hält, wird aus ihm nie ein ordentlicher Mensch mit einem geregelten Leben werden können.

In den Momenten, in denen man nur diese eine innere Stimme hört, ist man nicht mit sich selbst verbunden und folglich auch nicht mit seinem Gegenüber.

Damit dein Kind (oder jemand anderes) sich mit dir verbinden möchte, musst du mit dir selbst verbunden sein.

Wie kannst du das schaffen?

Indem du Dinge tust, die dir guttun, wird die innere Verbindung hergestellt. Das fängt bei kleinen Dingen an, wie dem allabendlichen Fernsehprogramm. Frage dich, ob dir der Fernsehabend guttut. Ob du dich danach gut fühlst. Und wenn nicht, dann frage dich, was du stattdessen brauchst. Vielleicht ist es Musik hören, alte Fotos anschauen, einen Familienfoto-Band erstellen, spazieren gehen, ein Buch lese oder einfach nur in Stille eine Tasse Tee trinken.

Tue etwas, wobei dein Herz sich freut.

Bleibe nicht im Alltagshamsterrad gefangen nur, um den Alltag abzuarbeiten. Frage dich immer wieder: Tut mir das gut, was ich gerade tue? Wenn nein, dann lass es doch einfach! Gehe nicht mit einer Bekannten Kaffeetrinken, nur weil sie schon dreimal gefragt hat und du dich verpflichtet fühlst. Schaue nicht die Serie, nur weil dein Partner sie liebt, du dich danach aber jedes Mal gestresst fühlst. Bleibe nicht in alten Mustern hängen. Iss nicht mit Menschen, in deren Gegenwart du dich nicht wohl fühlst. Dafür braucht man auch keine großen Zeit Ressourcen.

Es kommt auf viele kleine Entscheidungen an. Einfach mal raus, einfach mal etwas anderes machen - tue es einfach trotzdem, auch wenn du denkst, du kannst nicht.

Jedes Kind schon hat ein natürliches Bedürfnis nach Autonomie, das hat nichts mit Egoismus zu tun und du solltest dich nicht schlecht fühlen, weil du Dinge tust, die dir gut tun.

Den Frieden wird man nie im Konflikt selbst finden, sondern dadurch, dass man sich wieder mit sich selbst verbinden kann. Es muss das lebendige Gefühl in einem erweckt werden, das man als Kind schon unterdrücken musste.

Du fragst dich, wann du auch dafür noch Zeit finden sollst?

Selbst unter den ungünstigsten Bedingungen kann man etwas tun, was einem gut tut. Statt zum Beispiel andere zu belehren, sollte man sich besser um sich selbst kümmern. Selbst, wenn du anderen „hilfst“, indem du sie verändern willst, hast du nicht deine Bedürfnisse gestillt, sondern folgst einer Vorstellung, dass es so gehen müsse.

Letztendlich gehst du dadurch in den Konflikt, du spürst dich selbst nicht mehr, weil du im Außen bist. Du bist nicht mehr liebevoll mit dir verbunden. Wenn du liebevoll zu dir bist, dann stillst du dadurch deine Bedürfnisse. Man ist dann kein Bedürftiger mehr und nicht von der Anerkennung anderer abhängig.

Wenn man beginnt, liebevoll zu sich selbst zu sein, verschwinden die Bedürftigkeiten. Man kann stattdessen anderen etwas schenken.

Man kann dem anderen die Liebenswürdigkeit schenken, die man in sich selbst gesät hat, gehegt und gedeihen ließ.

Dir wird es auf einmal leichtfallen, dein Kind mit seiner schlechten Note anzunehmen, dein Kind sich in seinem Chaos wohl fühlen zu lassen, dein Kind nicht durch deine Ängstlichkeit zu bremsen, sondern es selbstbewusst in die Welt ziehen zu lassen.

Der eigentliche Konflikt findet dann auf einer ganz anderen Ebene statt. Wenn du liebevoller mit dir bist, wirst du auch liebevoll mit anderen sein können. Und leichter Konflikte lösen.

Vielleicht denkst du jetzt, „aber dadurch lassen sich doch nicht die Hausaufgaben Probleme meines Kindes lösen!“. Und ich sage: Doch! Denn vielleicht hast du nur noch nicht genug Fantasie, um dir eine andere Lösung vorzustellen.

Was kannst du also tun?

Stelle deinen Rucksack ab, der voll gepackt ist mit Vorstellungen, die du dir im Laufe deines Lebens angeeignet hast (meist im Umgang mit deinen eigenen Eltern), lasse ihn stehen und ziehe weiter. Du darfst loslassen.

Wer einen liebevollen Umgang mit sich selbst gefunden hat, der muss nicht länger recht haben.

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Ich bin Silke Krämer.

Kinder- und Jugendcoach Professional, NLP Master und Coach, EMDR Traumatherapeutin und Gymnasiallehrerin

Ich helfe Familien, wenn es Schulstress gibt und daheim die Fetzen fliegen. Außerdem unterstützte ich Mütter und Väter dabei, sich den Herausforderungen des Familienlebens selbstbewusst zu stellen.

Als Trainerin für Reflexintegration helfe ich deinem Kind, damit ihm die Schule bei Konzentrations­schwächen, Lern- und motorischen Problemen leichter fällt.

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