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Mobbing in der Schule – ein Thema, das längst keines mehr sein sollte!

Mobbing in der Schule – ein Thema, das längst keines mehr sein sollte!

Silke Krämer

05-2024

Mobbing in der Schule ist nach wie vor ein großes Thema, im echten Leben und online in Form von Cybermobbing: Unabhängig von Schulform und Geschlecht wird in Deutschland laut einer PISA-Studie der OECD aus dem Jahr 2017 jede*r sechste 15-Jährige regelmäßig Opfer von Mobbing an seiner bzw. ihrer Schule.

In diesem Beitrag schildert Elisa ihre eigene, bewegende Erfahrung als Mobbing Opfer: Ihr Fall liegt bereits ungefähr 30 Jahre zurück, doch grundsätzlich hat sich nichts geändert. Viele sagen einfach immer noch „lass dich nicht ärgern“ oder „schlag einfach zurück“. Dass es so einfach nicht ist, berichtet uns Elisa.

Außerdem findest du im Anschluss an das Gespräch mit Elisa konkrete Tipps, wie du Anzeichen von Mobbing bei deinem Kind erkennen kannst, was du tun solltest und wo du Hilfe findest.

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Bild von Anemone123 

Mobbing - Eine wahre Begebenheit

Silke: Liebe Elisa, ich danke dir ganz herzlich, dass du dich für dieses Interview bereit erklärt hast, denn über Mobbing zu sprechen ist nicht leicht und schon gar nicht, wenn man selbst davon betroffen ist, so wie du.

Du bist inzwischen erwachsen, Mutter eines Sohnes und Geschäftsführerin eines Verlags. Dennoch schreibe ich bewusst „betroffen bist“, denn obwohl die Ereignisse schon viele Jahre zurück liegen glaube ich, dass sie immer noch Einfluss auf dein heutiges Leben haben.

 Liebe Elisa, keiner kennt dich so gut wie du dich selbst. Wer ist Elisa?

Elisa: Ich bin Elisa, 37 Jahre alt, ich liebe Musik, Kunst, Fremdsprachen, Bücher und Pferde über alles. Ich bin ein totaler Japanfan, spiele Gitarre, singe für mein Leben gern und habe gefühlt tausend Hobbies, u.a. Handarbeiten.

Ich bin seit 10 Jahren verheiratet, seit 20 Jahren mit meinem Mann zusammen, wir haben einen 9-jährigen Sohn und einen 16-jährigen Hund sowie ein Häuschen mit Garten im Grünen.

Ich bin zwar gelernte Fremdsprachenkorrespondentin für Englisch aber seit 8 Jahren leite ich meinen eigenen Verlag. Die Arbeit im Verlag beinhaltet so ziemlich alles außer Bücher schreiben aber ist mein absoluter Traumjob. Ich helfe sozusagen Büchern auf die Welt.

Ich wünschte mir so sehr jemanden, der mich verstand!

Silke: Das klingt sehr interessant und vielseitig, doch dein Leben war nicht immer so bunt. Als Schülerin warst du ein Mobbing Opfer. Wie fing das bei dir an und was glaubst du, waren die Gründe dafür? 

Elisa: Ich bin in Bulgarien geboren und aufgewachsen. Als ich acht Jahre alt war, kam ich am 21.12.1991 nach Deutschland.  Meine Eltern ließen mich bei meinen Großeltern in Berlin alleine, um sich um den endgültigen Umzug und alles Organisatorische zu kümmern.  Ich konnte kein Wort Deutsch und musste es von meinen Großeltern lernen.

Aus meiner gewohnten Umgebung herausgerissen zu werden und in ein Land zu kommen, das so anders war als das, was ich bisher kannte, war ein Schock für mich: Sprache, Schrift, Mentalität und Klima – alles war anders.

Es machte mich traurig, meine mir bekannte Familie zurück zu lassen. Die deutsche Hälfte der Familie würde ich erst kennen lernen.

Meine Oma brachte mir das lateinische Alphabet bei, denn in Bulgarien schreibt man kyrillische Buchstaben und mein Opa lehrte mich das Rechnen auf Deutsch.
Als Bücherwurm, der ich schon immer war, füllte sich mein Wortschatz zum Glück so schnell, dass ich bereits im August 1992 in die Grundschule gehen sollte.

Dennoch traute man mir nicht zu, direkt in die dritte Klasse einzusteigen und so musste ich „zurück“ in die zweite Klasse, die ich in Bulgarien schon ein halbes Jahr lang besucht hatte. Jetzt war ich die Älteste in der zweiten Klasse.

Mein Papa und ich zogen in den grünen Südosten von Berlin. Ein Stadtteil mit der allerniedrigsten Ausländerquote überhaupt.

Sie machten sich über alles an mir lustig

Silke: Du hast dir unglaublich viel angeeignet während deiner ersten Monate in Deutschland. Eigentlich Grund genug, um stolz auf dich zu sein. Warum war das nicht möglich?

Elisa: Es war nicht möglich, weil es niemanden in meinem Umfeld gab, der das Positive anerkannte. Im Gegenteil – alles an mir wurde „rausgestellt“.

Das Mobbing begann, weil man sich über mich lustig machte, dass ich sitzengeblieben sei. Sie dachten, ich gehörte zu den Kindern, die fachlich nicht gut genug waren – sie wussten nicht, was der eigentliche Grund dafür war, dass ich als Zweitklässlerin schon so alt war.
Die anderen Kinder machten sich darüber lustig, dass ich nicht alles verstand, dass meine Grammatik nicht gut war und dass ich einen fremdländischen Akzent hatte.

Auch, dass ich fast nichts von dem kannte, was die anderen Kinder als Alltag kannten, war Grund genug, mich vorzuführen.

Als neugieriges und wissbegieriges Kind hatte ich Spaß in der Schule. Ich war fleißig und sehr ehrgeizig – auch das fand keinen Anklang bei meinen Mitschülern.

Nach einem Jahr konnte ich zwar nicht alles verstehen, was ich las, doch als Leseratte wurde ich tatsächlich Klassenbeste im Lesen. Ich konnte besser lesen als meine deutschen Mitschüler. Ich war darüber eigentlich nur verwundert aber offenbar fühlten sich die Anderen so vorgeführt, dass sie mich auch aus diesem Grund hassten.

Sie begannen mich zu hänseln und aufzuziehen. „Streber“ war eine der netteren Bezeichnungen, die ich mir gefallen lassen musste.

Neben dem offensichtlichen Schielen wurde festgestellt, dass ich auch Kurzsichtig war und so bekam ich eine dicke fette Brille. Auf dem Rahmen waren rosa Buchstaben – das hatte ich mir so ausgesucht. Das Schielen verschwand zwar nach sechs Monaten, doch kurzsichtig blieb ich. So bot meine Brille eine weitere Angriffsfläche für Hänseleien wie etwa „Brillenschlange“.

Leider war ich grobmotorisch sehr ungeschickt und so wurde ich durch die daraus resultierenden Gemeinheiten doppelt gestraft.

Und dann war da noch mein deutscher Familienname Stulpe, der den anderen zur Verballhornung à la „Stulle“ zuspielte.

Vermutlich spielte es auch eine große Rolle, dass ich sozial unbeholfen war. Woher das kam, stellte sich allerdings erst 2008 heraus, als ich eine Asperger Autismus und ADS Diagnose bekam. Als Asperger Autistin war ich nicht in der Lage, intuitiv gesellschaftliche Regeln zu durchschauen und sie befolgen zu können. Emotionen aus den Gesichtern anderer abzulesen, sowie Körpersprache und Tonfall zu deuten, ist eine große Herausforderung, die mir bestimmt lange nicht gelang.

Erschwerend kam hinzu, dass wir bitterarm waren.
Zunächst lebten wir zu viert auf 64 Quadratmetern im Plattenbau, bis mein Bruder nach einem Jahr auszog.

Silke: Inwiefern hat dich die Zeit in Bulgarien geprägt, bevor du nach Deutschland kamst?

Elisa: Wir waren so arm, dass wir uns nicht einmal Milch leisten konnten.  Ich war froh, wenn ich Kakaopulver bekam, das ich mit heißem Wasser trinken konnte. Warme Mahlzeiten gab es nicht.

In den Sommerferien vor der 2. Klasse arbeitete mein Vater als Aufseher in einer kleinen Galerie in Berlin. Sehr viele Stunden saßen wir dort und ich hatte nur 2 Klappbrote für den ganzen Tag. Mir knurrte rund um die Uhr der Magen. Ich war ohnehin nach Meinung des Kinderarztes mit 10 kg Untergewicht nach Deutschland gekommen.

Im kommunistischen Bulgarien war es uns noch schlechter gegangen. Wir hatten nur wenige Stunden am Tag Wasser und Strom. Essen gab es nur mit Lebensmittelmarken und auch davon war immer zu wenig da. Meine Mundwinkel waren eingerissen, ich war ständig krank.  Kleidung bekam ich von meinen beiden Cousins, die noch in der Nähe wohnten und nur wenige Jahre älter waren.

Selbstverständlich waren auch das „wunderbare“ Anlässe für meine Mitschüler und Mitschülerinnen, um sich über mich lustig zu machen.

Weder von Lehrern noch von meinen Eltern habe ich hier Unterstützung und Hilfe bekommen.

Hilflos und nicht ernst genommen

Silke: Der Hintergedanke dieses Blogbeitrags ist es, Menschen zu sensibilisieren, dass Mobbing leider immer noch ein alltägliches Thema in unserer Gesellschaft ist. Sowohl Eltern möchte ich darin stärken, kleine Anzeichen leichter erkennen zu können und Kindern indirekt dadurch helfen, indem ihre Nöte erkannt werden!

Wie war das bei dir, Elisa, haben deine Eltern davon gewusst, wie sehr du in der Schule gelitten hast? Hast du dich getraut, mit ihnen darüber zu sprechen?

Elisa: Ich war völlig hilflos und wusste mir nicht anders zu helfen, als mit ihnen darüber zu sprechen. Aber entweder war es ihnen egal, oder sie nahmen es nicht ernst.
Gelegentlich sagten sie auch, ich solle es einfach ignorieren – was mir überhaupt nicht gelang. Sie sagten zu mir, dass es sich schon von alleine lösen würde. Für mich war es, als würden sie mich nicht ernst nehmen. Das war besonders schlimm für mich.

Ein einziges Mal sprach meine Mutter mit einer Mitschülerin und der Schule, doch das machte alles danach nur noch schlimmer für mich. Ich habe fast jeden Tag geweint.

Silke: Ich kann mir gut vorstellen, wie alleine gelassen und einsam du dich gefühlt haben musst. Bestimmt ist es so, dass viele Kinder sich nicht trauen, das Thema in der Schule anzusprechen, weil sie befürchten, dass es eh nichts bringt oder sogar noch verschlimmert.

Wie haben die Schule und die Mitschüler auf das Gespräch deiner Mutter reagiert?

Elisa: Eigentlich gar nicht – aber vielleicht lag das auch an meiner Mutter? Sie war zum Hospitieren in der Grundschule und sympathisierte mit einer meiner schlimmsten Mobberinnen!!! Das war grausam für mich. Als ob deren Autounfall, ihr Auslandsaufenthalt und der Drill, dem sie unterlag die perfekte Begründung war, andere wegen u.a. Kleidung zu schikanieren!

Meine Mutter hatte VERSTÄNDNIS. Na klar, dieses Mädchen entsprach so ziemlich ihrer Idealvorstellung einer Tochter – ich scheinbar nicht!

Mögliche Warnsignale richtig erkennen und angemessen darauf reagieren

Silke: Das ist natürlich doppelt schlimm. In meiner Praxis habe ich mit Eltern zu tun, die wollen, dass es ihrem Kind gut geht. Sie leiden selbst sehr darunter, wenn sie das Gefühl haben, dass ihr Kind nicht glücklich ist. In deinem Fall hattest du nicht einmal deine Eltern auf deiner Seite. Das ist sehr schlimm für ein Kind!

Wenn wir davon ausgehen, dass Eltern wollen, dass es ihren Kindern gut geht, was würdest du ihnen raten? Auf welche Zeichen sollten sie achten, woran könnten sie merken, dass ihr Kind möglicherweise gemobbt wird, wenn es sich nicht traut, offen darüber zu sprechen?

Elisa: Sie könnten auf Kleinigkeiten achten, wie zum Beispiel, ob alle Schulsachen heil daheim ankommen. Auch, ob zu Hause Spielsachen oder Geld fehlen. Kommen alle Kleidungsstücke vollzählig wieder heim und sind sie in einem guten Zustand oder möglicherweise kaputt?

Wenn das häufiger passiert, könnte es ein Anzeichen dafür sein, dass andere Kinder die Kleidungsstücke absichtlich kaputt machen.

Oder kommt es gar in seinen Sportsachen wieder heim oder ohne Schuhe? Wird die Brille permanent „vergessen“ oder kommt kaputt nach Hause? Ich wurde oft beklaut, erpresst, in den Dreck geworfen, meine Sachen wurden zerrissen, weggeworfen, versteckt…

Bringt das Kind Essen und/Trinken mit nach Hause? Manchmal will es nicht trinken weil es nicht auf die Toilette gehen müssen will. Oder ist alles leer aber es kommt mit einem übernatürlichen Heißhunger und Durst nach Hause? Dann wurde Essen/Trinken geklaut oder weggeworfen.

Hat das Kind 1000 Gründe warum es nicht in die Schule will? Hat es Freunde? Spielt es oft krank, wenn es ums losgehen geht, aber ist plötzlich kerngesund, wenn es gehört hat, wie die Eltern in der Schule angerufen und es krankgemeldet haben? Musste es „krank“ aus der Schule abgeholt werden, nachdem die Schule angerufen hat, ist dann aber bereits auf dem Weg nach Hause wieder quietschfidel?

Hat es Probleme am Tagesende positive Dinge zu finden, die an dem Tag passiert sind?

Hat es beim Kuscheln Schmerzen und ungewöhnlich viele blaue Flecken und Beulen? Freut es sich über Knochenbrüche und Fieber, weil es dann nicht in die Schule/nach Draußen muss, auch wenn es schlimm wehtut und nicht mehr spielen kann?

Wirkt es apathisch, weggetreten, zuckt ängstlich zusammen, wenn du schulbezogene Dinge ansprechst?

Will es nicht über die Schule reden und kann sich grundsätzlich nicht an das erinnern, was am Tag in der Schule gemacht wurde?

Es gibt so viele Anzeichen, wenn Eltern feine Antennen haben.

Silke: Und wie sieht es in deinem Fall aus? Du hattest nicht die Unterstützung und Hilfe deiner Eltern, was ich unglaublich traurig finde. Ich mag mir gart nicht ausmalen, was alles in dir vorgegangen sein muss.

Was hat das Mobbing mit dir gemacht, was ist dadurch in dir zerbrochen?

Elisa: Das Unbeschwerte. Das Vertrauen in meine Eltern. Der Respekt vor manchen Lehrern.
Die Hoffnung darauf, jemals Freunde zu haben. Der Ehrgeiz in der Schule gut zu sein, weil das selbst im Gymnasium negative Reaktionen mit sich brachte.

Es sind sehr viele Träume zerplatzt, die ich hatte.
Und ich habe sehr viel Spaß bei Hobbies verloren.

Traue dich, dir Hilfe zu holen

Silke: Wie bei anderem Missbrauch auch glaube ich, dass Vieles gar nicht wirklich wahrgenommen wird und die Kinder still vor sich hin leiden. Das macht es mit unter so gefährlich.

Wie können sich Kinder Hilfe holen, wenn ihre Eltern ihnen nicht zur Seite stehen und keinerlei Unterstützung von zu Hause bekommen?

Elisa: In der Schule gibt es Vertrauenslehrer, falls die Klassenlehrer auch mobben (ja, auch das gibt es!). Es gibt den Schulpsychiatrischen Dienst. Die AWO hat manchmal so Sprechstunden. Den Weißen Ring gibt es auch, die sind sehr nett. Auch der Kinderarzt kann einbezogen werden. Und heutzutage gibt es sogar die Nummer gegen Kummer und das Kinder- und Jugend Sorgentelefon

Carsten Stahl von CAMP STAHL, der sich öffentlich gegen Mobbing einsetzt berichtete, dass sich in Deutschland jeden zweiten Tag ein Kind wegen Mobbings das Leben nimmt. Das sind schlimmere Zahlen, als uns das Corona Virus derzeit liefert, doch darüber spricht kaum jemand!

Silke: Liebe Elisa, dein Schicksal hat mich sehr bewegt und ich danke dir unendlich für deine Offenheit. Ich wünsche mir sehr, dass wir beide durch deine Geschichte die Sensibilität für dieses Thema steigern können.

Umso bewundernswerter finde ich es, was du aus deinem Leben gemacht hast.

Im Übrigen ist in deinem Carow Verlag, der ganz im Nordosten Deutschlands angesiedelt ist, ein wunderschönes Kinderbuch von der in Heidelberg lebenden Autorin Dani Vanreusel erschienen. Es ist das Buch: „Euko und die fliegenden Füchse“.

Sechs Warnzeichen bei Mobbing auf einen Blick: Dein Kind ...

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... zieht sich zurück, wirkt niedergeschlagen und antriebslos

... klagt oft über Bauch- oder Kopfschmerzen, schläft schlecht ein und ist appetitlos

... möchte Dinge nicht mehr alleine tun, die es vorher schon konnte, wie z.B. alleine zur Schule oder zum Sport gehen

... gibt häufig an, Sachen verloren zu haben oder Dinge gehen kaputt

... bleibt nachmittags lieber alleine zu Hause und meidet seine „Freunde“ und Klassenkameraden

... wird schlechter in der Schule

Diese acht Dinge sollten Eltern bei Verdacht auf Mobbing tun

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Sprich auf jeden Fall mit den Lehrern

Sei verständnisvoll mit deinem Kind und sprich mit ihm

Biete ihm Hilfe von außen an (Psychologe, Kinder- und Jugendcoach, Sozialer Dienst)

Schreibe ein genaues Mobbing-Tagebuch, in dem du alles festhältst, was deinem Kind passiert

Mach deinem Kind klar, dass es keine Schuld an der Situation hat

Sprich nicht direkt mit den Tätern, denn das schwächt die Position deines Kindes

Stärke das Selbstbewusstsein deines Kindes durch Erfolge außerhalb der Schule

Mobbing: Hier bekommst du Hilfe für dein Kind

Nummer gegen Kummer e.V.

Rufnummer 116111. Der Verein bietet Kinder-, Jugend- und Elternberatung durch ehrenamtliche Experten. Online und über das Notfalltelefon.

Weisser Ring e.V.

Rufnummer 116006. Hilfe für Opfer von Kriminalität und Gewalt, Hilfe auch bei Cybermobbing, Online-Beratung und Hilfe vor Ort.

Forensische Ambulanz Heidelberg

Opfer von Gewalt können sich in Heidelberg an die Forensische Ambulanz der Uniklinik wenden. Wofür genau sie zuständig ist, kannst du hier nachlesen.

Jugendschutz.net

Das Kompetenzzentrum von Bund und Ländern bietet auch Hilfe bei Beschwerden an Provider und Links zu aufklärenden Webseiten.

Bündnis gegen Cybermobbing

Der Verein bietet umfangreiche Aufklärungsangebote, Informationen und Hilfen zum Cybermobbing. 

Zeichen gegen Mobbing e.V.

In Schulen klärt der Verein präventiv über Mobbing auf und bietet Hilfestellungen in akuten Fällen an. Bundesweit steht Zeichen gegen Mobbing Betroffenen, Eltern und Lehrkräften mit Empathie und Fachwissen zur Seite.

In diesem Interview ging es ausschließlich um Mobbing in der Schule. Durch die Digitalisierung hat Mobbing jedoch  eine ganz andere Dimension angenommen: Per Smartphone, über soziale Netzwerke und über E-Mail gibt es keine Grenze mehr, die das Mobbing nur auf die Schule beschränkt. Die Hemmschwelle ist deutlich gesunken, weil viele Mobber im Netz unerkannt bleiben. Die Anzahl potentieller Mobber ist dadurch gestiegen. Bei Cybermobbing hilft auch kein Schulwechsel mehr.

Und wie in jedem Bereich des Missbrauchs, trauen sich die Opfer sehr oft nicht direkt darüber zu sprechen. Mobbing kann überall dort entstehen, wo größere Menschengruppen zusammen sind. Was in der Schule beginnt, geht am Arbeitsplatz oft weiter. So sollten Lehrer eigentlich Experten sein, um gegen Mobbing vorzugehen, doch leider fallen auch sie immer wieder selbst Mobbing zum Opfer.

Ich hoffe, ich konnte dich mit diesem Beitrag für das Thema Mobbing sensibilisieren und dich ermutigen, dir gegebenenfalls Hilfe für dich und dein Kind zu holen. Schreib' mir gerne falls du noch Fragen zum Thema Mobbing oder Feedback zu diesem Beitrag hast.

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Ich bin Silke Krämer.

Kinder- und Jugendcoach Professional, NLP Master und Coach, EMDR Traumatherapeutin und Gymnasiallehrerin

Ich helfe Familien, wenn es Schulstress gibt und daheim die Fetzen fliegen. Außerdem unterstützte ich Mütter und Väter dabei, sich den Herausforderungen des Familienlebens selbstbewusst zu stellen.

Als Trainerin für Reflexintegration helfe ich deinem Kind, damit ihm die Schule bei Konzentrations­schwächen, Lern- und motorischen Problemen leichter fällt.

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Konflikte lösen: So gelingt’s auf friedvolle Weise

Konflikte lösen: So gelingt’s auf friedvolle Weise

Silke Krämer

04-2024

Erfahre in diesem Beitrag, wie du auf friedvolle Weise Konflikte lösen kannst. Ganz einfach in dem du lernst, was Konflikte in Familie, im Beruf oder unter Freunden mit deinen Vorstellungen zu tun haben. Dieses Verständnis ermöglicht es dir, Konflikte zukünftig friedvoll zu lösen oder gar nicht erst entstehen zu lassen. 

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Wir fühlen uns besser, wenn wir Konflikte lösen

Menschen sind soziale Wesen und alleine nicht überlebensfähig. Spätestens seit dem tragischen Fall Kaspar Hauser wissen wir, dass Babys und Kleinkinder durch Nachahmung lernen und eine lebendige Bindungsperson brauchen, die ihnen eine angemessene Reaktion auf Erfahrungen spiegelt.

So erlernen sie alle sozialen und emotionalen Fähigkeiten, um als Mitglied in einer Gemeinschaft bestehen zu können. Die Gemeinschaft bietet Sicherheit und Schutz - zumindest evolutionär betrachtet.

Darum ist es nur verständlich, dass Menschen nach Zuneigung, Bestätigung und Anerkennung streben, um ihren Platz in der Gesellschaft zu sichern. Wird dieser Platz durch Konflikte gefährdet, hat das weitreichende Auswirkungen auf das Wohlbefinden.

Wie entstehen Konflikte?

Jeder hat von seinen Eltern gewisse Vorstellungen mitbekommen, wie alles zu sein hat. In stressigen Lebenssituationen drängen sich diese Vorstellungen in den Vordergrund, weil sie ein Gefühl von Sicherheit geben; quasi etwas, an dem wir uns entlang hangeln können.

Wenn man allerdings in mehreren Lebensbereichen nach so einer festen Vorstellung lebt, dann lässt man sich irgendwann gar nicht mehr so richtig auf das Leben ein, weil man immerzu damit beschäftigt ist, seine Vorstellungen zu realisieren.

Daraus entsteht ein Konfliktpotential, weil ja jede Person - also auch die anderen - ihre eigenen Vorstellungen mitbringen. So prallt die „Vorstellung“ von Person A auf die „Vorstellung“ von Person B.

Konflikte lösen: So gelingt's auf friedvolle Weise 1

Bild von Ketut Subiyanto

Wo kommen meine Vorstellungen her?

Kinder wollen spielerisch ausprobieren und die Welt entdecken. Es ist ein tolles Gefühl und motivierend für ein Kind, durch das eigene Tun und Handeln ein Stück weit herausgefunden zu haben, wie die Welt funktioniert.

Beispielsweise, den Bauklötzchenturm so stabil zu bauen, dass er hoch wird. Wenn ein Kind das geschafft hat und das Ergebnis abends stolz seinem Papa zeigen möchte, der aber so in seiner eigenen Vorstellung gefangen ist, wie es zu sein hat, und antwortet: „Ja gut, aber schau mal, wenn du jetzt noch die Steine hier hin baust und da die Mauer verstärkst, dann kannst du den Turm noch stabiler und noch höher bauen!“.

Wie fühlt sich wohl so ein Kind?

Es fühlt sich, als genüge seine Leistung nicht, als würde der Papa es nicht anerkennen, weil er es besser weiß.

Es ist verletzt und fühlt sich nicht als die Person gesehen und wertgeschätzt, die es ist und gerne sein möchte.

Denn Papa hat gesagt, wie es noch besser geht… in seinen Augen.

Oder wenn man dem Kind das Gefühl gibt: Du kriegst meine Liebe, aber nur, wenn du dich meinen Erwartungen entsprechend verhältst, du ein guter Schüler bist, du alle Hausaufgaben direkt nach der Schule machst, dein Zimmer ordentlich hältst, keinen Wutanfall bekommst, dich beim Essen nicht so tollpatschig anstellst usw.

Wenn man als junger Mensch so behandelt wird, entsteht eine innere Unruhe, die sich immer weiter ausbreitet und auch körperlich wird. Man fühlt sich nicht mehr verbunden.

Irgendwann versucht das Kind dann das Gefühl den Eltern zurück zu geben, indem es die Situation umdreht. Es behandelt die Mama oder den Papa dann so, wie es sich selbst behandelt fühlt und unterdrückt das Bedürfnis, mit Mama oder Papa verbunden zu sein. Das findet alles auf einer unbewussten Ebene statt.

Dann entstehen so Sätze wie „Blöde Mama“ oder „Dann zieh ich halt einfach aus“ oder „Ich hab dich eh nicht lieb“.

Auf Eltern wirkt diese Reaktion meist sehr unreif und unkontrolliert. Die Schlussfolgerung ist, dass sie glauben, ihr Kind könne seine Emotionen nicht kontrollieren. Die Eltern waren sich dessen, was zur Anbahnung dieser Aussagen geführt hat, gar nicht bewusst. Der Papa aus obigem Beispiel hat es nur gut gemeint und wollte seinem Kind zeigen, wie es noch besser geht. Dass er es dabei erniedrigt haben könnte, kam ihm gar nicht in den Sinn.

Eine andere Reaktion eines Kindes könnte auch sein, dass es sich selbst zum Objekt macht, indem es sagt: „Ich kann keine Bauklötzchentürme bauen, ich kann Mathe nicht, ich bin eh der Blödeste, ich bin es gar nicht wert geliebt zu werden, am besten wäre es, mich gäbe es gar nicht mehr, dann habt ihr keine Sorgen mehr“.

Einer dieser beiden Lösungswege verankert sich im Gehirn.

Also entweder, sich dem andern gegenüber immer durchsetzen zu müssen und hart nach außen zu sein oder sich selbst als Opfer und Objekt zu sehen.

Die Verletzungen bilden die innere Haltung und stabilisieren diese Vorstellung. Andere Vorstellungen, die sich aus Verletzungen entwickeln, könnten lauten:

„Ich muss meine eigenen Bedürfnisse zurückstellen und immer allen helfen, um Anerkennung zu bekommen“.

„Ich muss super ordentlich sein, um Anerkennung zu bekommen“.

Diese Übertriebene Ordnungsliebe kann dann schon fast manisch wirken

Die Vorstellung, wie ich in der Gemeinschaft sein muss

Wie schon oben erwähnt, wollen Menschen Teil der Gemeinschaft sein, weshalb die sozialen Netzwerke hoch im Kurs stehen. Dort scheint die Jagd nach Likes und bestätigenden Kommentaren so unermüdlich wie nirgendwo anders zu sein.

Je mehr, desto besser und je mehr, umso größer wächst das Verlangen nach noch mehr. Das führt bei Jugendlichen zu großem Erfolgsdruck.

Wettstreit und Vergleiche mit anderen entstehen, was zu inneren Konflikten führen kann.

Junge Menschen fühlen sich abgelehnt, entwickeln Selbstzweifel und kultivieren daraus ein Konkurrenzdenken. Doch dass das gar nicht die ‚richtige‘ Anerkennung ist, aus der sich im Notfall Rückhalt und fürsorgliche Zuwendung schöpfen ließe, verlieren sogar Erwachsene immer mehr aus dem Blick. Dabei entfernt sich das Individuum zunehmend von sich selbst. Es verliert sich im Sog der Forderungen und gesellschaftlichen Richtlinien.

Doch selbst, wenn man sich über die trügerische Welt im Klaren ist, fällt es dennoch schwer, zwischen oberflächlicher Anerkennung und wahrer Liebe zu unterscheiden. Der Wunsch, dazu zu gehören, lässt einen oft Dinge tun, die einem gar nicht guttun.

Das alltägliche Hamsterrad hat einen fest im Griff. Man rennt schneller und schneller und fordert zunehmend mehr von sich. Daraus entwickelt sich eine allgemeine Strenge. Man wird härter zu sich und auch von anderen.

Diese eine bestimmte Vorstellung im Kopf möchte man realisiert wissen.

Was haben diese Vorstellungen mit Konflikten zu tun?

Eine dieser Vorstellungen bringt man in den Konflikt mit hinein. Die eigene Vorstellung ist möglicherweise eine ganz andere, als beispielsweise die des Gegenübers oder des eigenen Kindes (das im Idealfall noch gar keine dieser Vorstellungen hat, sondern völlig rein ist. Im menschlichen Miteinander entwickeln sie sich allerdings bei den meisten Menschen.).

Doch eigentlich mag man in solch einer Konfliktsituation nicht den anderen Menschen nicht, sondern die Vorstellung, die er hat.

Emotional lässt sich das nicht trennen. Und schränkt einen beim Konflikte lösen ein.

Vor allem ein Kind bekommt dadurch schnell das Gefühl, von den eigenen Eltern nicht geliebt zu werden. Es fühlt sich abgewiesen und unverbunden. Ein inkohärentes Gefühl entsteht.

Konflikte lösen: So gelingt's auf friedvolle Weise 2

Bild von Gerd Altmann

Konflikte lösen durch ein kohärentes Selbstbild

Wenn man Herausforderungen als kohärent - also stimmig - einschätzt, entsteht ein Gefühl der Selbstwirksamkeit, die eine essentielle Voraussetzung für Resilienz ist. Je widerstandsfähiger ein Mensch ist, umso besser kommt er in schwierigen Situationen klar. Kohärenz ist ähnlich wie das Urvertrauen: Je ausgeprägter es ist, umso besser kommt ein Mensch mit Herausforderungen klar.

Fühlt sich ein Kind inkohärent, beginnt der ganze Kreislauf, den schon die Eltern durchlaufen haben, von vorne. Denn auch das Kind strebt nach Bindung und Zugehörigkeit. Es versucht alles dafür zu tun, damit kein Bindungsabbruch stattfindet. 

Lebt der Erwachsene jedoch mit so einer festen Vorstellung in seinem Kopf, dann liegt sein Fokus so stark auf der Umsetzung dieser Vorstellung, dass er nicht mehr feinfühlig und empathisch auf sein Kind oder Gegenüber reagieren kann. Dann passiert es leicht, dass er oder sie zum Anführer, zum Kontrolleur, zum Aufräumer oder zum Überängstlichen wird.

Darum hilft auf jemanden einzureden nicht beim Konflikte lösen

Wenn das Gehirn einmal gelernt hat, dass eine Lösungsstrategie „Erfolg“ hatte, dann verfestigen sich diese Strukturen im Gehirn. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Lösung funktioniert. Das führt dazu, dass sich die innere Unruhe abbaut, weil der inkohärente Zustand dann kohärent wirkt. Das setzt im Mittelhirn Botenstoffe frei, die diese Vorstellung fest im Gehirn verankert. Diese festen Überzeugungen können manche Menschen nicht loslassen. Auch dann nicht, wenn immer wieder jemand kommt und sie infrage stellt. So lassen sich keine Konflikte lösen.

Bestimmt hast du dir diesen Satz schon einmal selbst gesagt: „Ich weiß ja eigentlich, dass ich das nicht machen sollte, aber ich kann nicht anders“.

Auf der kognitiven Ebene verstehen die Menschen meist recht schnell, was das Problem ist. Doch ist unsere feste Vorstellung nicht in der selben Hirnregion gespeichert, die uns das Problem verstehen lässt. Folglich hilft das Verstehen nicht unmittelbar bei der Lösung. Es lässt uns lediglich erkennen, dass ein Problem vorliegt und eine Lösung dafür her muss.

Denn sonst würde man sich ja nicht immer wieder den selben Satz sagen hören, obwohl man doch weiß, dass er nicht hilfreich ist. Und es würde nie jemand Schläge weiter geben, der selbst Opfer von Schlägen war und weiß, wie schlimm Schläge sind und dass sie nicht helfen, sondern ganz viel Schaden anrichten.

Eine Vorstellung muss auf einer anderen Ebene gelöst werden als auf der, die einen die Situation erkennen lässt.

Das Auf-den-Menschen-Einreden, hilft nicht beim Konflikte lösen. Wir können einen anderen Menschen nicht durch Reden verändern. Wenn das einer versucht, macht er genau das gleiche, was damals als Kind passiert ist und das Ganze ausgelöst hat. Das, was zu dieser Vorstellung geführt hat, wiederholt sich. Beim nächsten Konflikt geht es wieder von vorne los.

Mediatoren und Konfliktmanager können durch Reden höchstens eine temporäre Verhaltensänderung bewirken. Aber der Mensch ändert sich dadurch nicht dauerhaft, da eine andere Gehirnregion durch das Gespräch angesprochen wird als die, in der die „Vorstellung“ gespeichert ist. Manchmal kann die Verhaltensänderung dann funktionieren, wenn sie durch eine Belohnung verstärkt wird, wie zum Beispiel Zuwendung. Das ist aber keine Verhaltensänderung, sondern Anpassung, beziehungsweise Konditionierung und leider meist nur temporär.

Wie kann man sein Kind dabei unterstützen, keine negativen festgefahrenen Vorstellungen zu entwickeln?

Wie kann sich also eine derartige Vorstellung, der man selbst zum Opfer geworden ist, auflösen? Mamas und Papas lieben ihre Kinder und möchten, dass sie das ebenso fühlen.

Leider verhindert die eigene festgefahrene Vorstellung das in Konfliktsituationen und behindert uns beim Konflikte lösen. Es geht nur um die Vorstellung, statt um die andere Person. Dabei sollte man doch alles dafür tun wollen, dass sich das Gegenüber nicht weiter fest fährt, sondern ihm aus dem Problem raus helfen wollen - erst recht, wenn man es liebt, so wie das eigene Kind.

Genau das kann man nur durch liebevolle Zuwendung zum Ausdruck bringen. Nicht durch Belehrung.

Man muss nach einer Möglichkeit suchen, durch die das Kind einen inneren Weg findet, anders mit der Situation umzugehen, als es das bisher getan hat.  Denn: Es kann sich jemand nur ändern, wenn er sich ändern will. Die Gratwanderung zwischen Belehrung und Erziehung ist schmal. Vielmehr ist in meinen Augen Erziehung als liebevolle Begleitung zu verstehen.

Es gibt ein schönes Sprichwort, das lautet: Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.

Es wächst nur dann schnell, wenn es die perfekten Bedingungen vorfindet. Für Gras sind das wohl ausreichend Wärme, Licht und Nährstoffe. Für unser Kind ist es eine liebevolle Umgebung. Ich kann eine andere Person (mein Kind, meinen Partner) also nur dazu bringen, sich verändern zu wollen, wenn der neue Zustand für diese Person attraktiver wirkt als der jetzige. Nicht, indem ich sie er-ziehe. 

Eltern dürfen nicht nur wollen, dass sich ihr Kind verändert, sondern auch der Erwachsene muss sich verändern, damit sich der Konflikt lösen kann. Er muss sich von seinen Vorstellungen verabschieden.

Nur weil etwas durch die eigene Brille betrachtet als das Richtige scheint, heißt es noch lange nicht, dass es richtig ist.

Nur, weil der Erwachsene erwachsen ist, bedeutet das nicht, dass er mehr im Recht ist.

Vielmehr, dass der Erwachsene die Kontrolle, seinen Ordnungswahn, seine Anführer-Rolle oder seine Ängstlichkeit loslassen muss.

Konflikte lösen: So gelingt's auf friedvolle Weise 3

Nur Mut: Vorstellungen loszulassen ist nicht einfach und doch möglich

Doch was hält einen davon ab loszulassen?

Will man sich verändern, bedeutet es, Gewohntes, Bekanntes und Sicherheit Gebendes infrage zu stellen, aufzugeben und loszulassen.

Dafür braucht man Mut.

Was macht Menschen mutig?  Redet dir jemand von unten auf dem 10 Meter Brett gut zu, wirst du dennoch nicht springen, wenn du panische Angst davor hast.  Wenn du aber dein Kind aus dem brennenden Haus retten möchtest, springst du auch aus dem dritten Stock - ohne, dass dich jemand kognitiv durch reden überzeugen muss.

Mut entsteht also von alleine, wenn man merkt, dass etwas getan werden muss, weil es sonst Schaden nimmt.

Dann überlegt man gar nicht mehr.

Man braucht keine Kognition, um das sich in Lebensgefahr befindende Kind zu retten.
Diesen Mut kann man also nur einer anderen Person gegenüber aufbringen, der man sich innerlich tief verbunden fühlt.

Genau diese tiefe Verbindung muss man vor allem in der Konfliktsituation spüren. Der Schlüssel für die große Veränderung ist Verbundenheit.

Verbundenheit ist der Schlüssel zum Konflikte lösen

Das klingt einfach, denn schließlich fühlt man sich seinem Kind doch verbunden. Zumindest meinen wir das. Dennoch können es die Kinder nicht immer fühlen, so wie in den oben beschriebenen Beispielen. Dann, wenn wir uns nämlich in unserer Vorstellung verrannt haben.

Vielleicht hattest du diese Gedanken auch schon einmal:

  • Wenn mein Kind schlechte Noten schreibt, wird es einen schlechten Schulabschluss machen und ein unglückliches Leben führen.
  • Wenn ich nicht dafür sorge, dass mein Kind immer alle Hausaufgaben richtig gemacht hat, bin ich eine schlechte Mutter.
  • Wenn mein Kind keine Ordnung in seinem Zimmer hält, wird aus ihm nie ein ordentlicher Mensch mit einem geregelten Leben werden können.

In den Momenten, in denen man nur diese eine innere Stimme hört, ist man nicht mit sich selbst verbunden und folglich auch nicht mit seinem Gegenüber.

Damit dein Kind (oder jemand anderes) sich mit dir verbinden möchte, musst du mit dir selbst verbunden sein.

Wie kannst du das schaffen?

Indem du Dinge tust, die dir guttun, wird die innere Verbindung hergestellt. Das fängt bei kleinen Dingen an, wie dem allabendlichen Fernsehprogramm. Frage dich, ob dir der Fernsehabend guttut. Ob du dich danach gut fühlst. Und wenn nicht, dann frage dich, was du stattdessen brauchst. Vielleicht ist es Musik hören, alte Fotos anschauen, einen Familienfoto-Band erstellen, spazieren gehen, ein Buch lese oder einfach nur in Stille eine Tasse Tee trinken.

Tue etwas, wobei dein Herz sich freut.

Bleibe nicht im Alltagshamsterrad gefangen nur, um den Alltag abzuarbeiten. Frage dich immer wieder: Tut mir das gut, was ich gerade tue? Wenn nein, dann lass es doch einfach! Gehe nicht mit einer Bekannten Kaffeetrinken, nur weil sie schon dreimal gefragt hat und du dich verpflichtet fühlst. Schaue nicht die Serie, nur weil dein Partner sie liebt, du dich danach aber jedes Mal gestresst fühlst. Bleibe nicht in alten Mustern hängen. Iss nicht mit Menschen, in deren Gegenwart du dich nicht wohl fühlst. Dafür braucht man auch keine großen Zeit Ressourcen.

Es kommt auf viele kleine Entscheidungen an. Einfach mal raus, einfach mal etwas anderes machen - tue es einfach trotzdem, auch wenn du denkst, du kannst nicht.

Jedes Kind schon hat ein natürliches Bedürfnis nach Autonomie, das hat nichts mit Egoismus zu tun und du solltest dich nicht schlecht fühlen, weil du Dinge tust, die dir gut tun.

Den Frieden wird man nie im Konflikt selbst finden, sondern dadurch, dass man sich wieder mit sich selbst verbinden kann. Es muss das lebendige Gefühl in einem erweckt werden, das man als Kind schon unterdrücken musste.

Du fragst dich, wann du auch dafür noch Zeit finden sollst?

Selbst unter den ungünstigsten Bedingungen kann man etwas tun, was einem gut tut. Statt zum Beispiel andere zu belehren, sollte man sich besser um sich selbst kümmern. Selbst, wenn du anderen „hilfst“, indem du sie verändern willst, hast du nicht deine Bedürfnisse gestillt, sondern folgst einer Vorstellung, dass es so gehen müsse.

Letztendlich gehst du dadurch in den Konflikt, du spürst dich selbst nicht mehr, weil du im Außen bist. Du bist nicht mehr liebevoll mit dir verbunden. Wenn du liebevoll zu dir bist, dann stillst du dadurch deine Bedürfnisse. Man ist dann kein Bedürftiger mehr und nicht von der Anerkennung anderer abhängig.

Wenn man beginnt, liebevoll zu sich selbst zu sein, verschwinden die Bedürftigkeiten. Man kann stattdessen anderen etwas schenken.

Man kann dem anderen die Liebenswürdigkeit schenken, die man in sich selbst gesät hat, gehegt und gedeihen ließ.

Dir wird es auf einmal leichtfallen, dein Kind mit seiner schlechten Note anzunehmen, dein Kind sich in seinem Chaos wohl fühlen zu lassen, dein Kind nicht durch deine Ängstlichkeit zu bremsen, sondern es selbstbewusst in die Welt ziehen zu lassen.

Der eigentliche Konflikt findet dann auf einer ganz anderen Ebene statt. Wenn du liebevoller mit dir bist, wirst du auch liebevoll mit anderen sein können. Und leichter Konflikte lösen.

Vielleicht denkst du jetzt, „aber dadurch lassen sich doch nicht die Hausaufgaben Probleme meines Kindes lösen!“. Und ich sage: Doch! Denn vielleicht hast du nur noch nicht genug Fantasie, um dir eine andere Lösung vorzustellen.

Was kannst du also tun?

Stelle deinen Rucksack ab, der voll gepackt ist mit Vorstellungen, die du dir im Laufe deines Lebens angeeignet hast (meist im Umgang mit deinen eigenen Eltern), lasse ihn stehen und ziehe weiter. Du darfst loslassen.

Wer einen liebevollen Umgang mit sich selbst gefunden hat, der muss nicht länger recht haben.

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Ich bin Silke Krämer.

Kinder- und Jugendcoach Professional, NLP Master und Coach, EMDR Traumatherapeutin und Gymnasiallehrerin

Ich helfe Familien, wenn es Schulstress gibt und daheim die Fetzen fliegen. Außerdem unterstützte ich Mütter und Väter dabei, sich den Herausforderungen des Familienlebens selbstbewusst zu stellen.

Als Trainerin für Reflexintegration helfe ich deinem Kind, damit ihm die Schule bei Konzentrations­schwächen, Lern- und motorischen Problemen leichter fällt.

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Integrativer Kindergarten: Engagiert und liebevoll durch den Kindergartenalltag.

Integrativer Kindergarten: Engagiert und liebevoll durch den Kindergartenalltag.

Silke Krämer

09-2023

In dieser Artikelserie stelle ich Menschen vor, die mit viel Liebe und Leidenschaft das Leben unserer Kinder verbessern. Nach den bedrückenden Ereignissen des Jahres 2020/21 ist mir umso mehr aufgefallen, wie viel Gutes es doch auf dieser Welt gibt – und dass es bei allen erschütternden Nachrichten auch immer Helden gibt, die sich direkt ins Geschehen stürzen, um gerade den kleinen Menschen in unserer Mitte zu helfen.

Diese Alltagshelden haben manchmal Arztkittel an, manchmal schreiben sie (noch) mit Kreide auf Tafeln und manchmal nennen wir sie ‚Mama‘. Doch bei allen Unterschieden haben sie eines gemeinsam: Eine unermüdliche Leidenschaft dafür, Kindern mit viel Liebe zu begegnen und die Welt und ihre Zukunft damit ein Stückchen besser zu machen.

Und noch eine Eigenschaft haben sie gemein: Alle stutzten, als ich ihnen den Titel dieser Serie nannte und entgegneten: „ Ich sehe mich eigentlich gar nicht als Held, denn ich tue doch nur meine Arbeit.“ oder die Mütter sagten „… ich bin doch kein Held, nur weil ich für mein Kind das Beste will und mir wünsche, dass es glücklich ist. Das ist doch normal!“

Natürlich ist das für einen Held für kleine Herzen „normal“, doch was wäre das kleine Herz ohne tatkräftige Unterstützung?

Integrativer Kindergarten - Interview mit einer Erzieherin

Unsere nächste Heldin: Karin, Erzieherin in einem integrativen Kindergarten.

Integrativer Kindergarten: In diesem Interview erhältst du einen spannenden Einblick in den Alltag einer Erzieherin. Das Interview gibt dir Impulse für dich und deine Kinder mit, die du selbst vielleicht umsetzen kannst oder damit (deine) Kinder noch besser unterstützen kannst.

» Weshalb sind Sie eine Heldin für kleine Herzen?

Karin: Zunächst habe ich mich nicht als Held in meiner Arbeit bezeichnen wollen, aber je mehr ich darüber nachdachte, umso mehr konnte ich mich mit dem Wort Held, im Zusammenhang mit „für kleine Herzen“, identifizieren.

Jedes einzelne Kind trägt etwas Wunderbares in sich, denn, es ist ein Geschöpf ganz unterschiedlich von allen anderen menschlichen Geschöpfen die es gibt und schon gab!

Es ist für mich ein Geschenk, diese Geschöpfe, diese kleine Herzen Tag für Tag und das drei bis vier Jahre lang, zu begleiten in derer Entwicklung. So gesehen gleicht kein Tag dem anderen, denn jeden Tag gibt es für die Kinder wieder Neues; neue Freude, neue Herausforderungen.

Ich als erwachsene Frau mit einer gewissen Lebenserfahrung darf mich stets wieder neu auf Kinderhöhe befinden. Mit meinen Hintergründen, mit meinen Freuden, mit den Herausforderungen vor denen ich stehe in meinem Leben. Die Kinder haben ihre Sorgen, Ängste, Trauer und die sind ernst zu nehmen!

Es ist schnell gesagt, „das ist nicht so schlimm“, aber für ein Kind ist es schlimm, wenn zum Beispiel das Kleid nass wird oder es im Kreis nicht neben einem bestimmten Kind sitzen kann. Ich nehme das Kind ernst mit seiner Trauer, mit seinen Ängsten, mit seinem Frust und mit seinen Freuden.

» Wie sind Sie zu Ihrer Arbeit in einem integrativen Kindergarten (anstatt in einem herkömmlichen Kindergarten) gekommen?

Karin: Ich bin Erzieherin und Sozialpädagogin und habe die Ausbildung und das Studium in den Niederlanden gemacht. Ich bin aus privaten Gründen nach Deutschland gekommen und habe mich „der Einfachheit halber“ in Kindergärten beworben, was ich zuerst nie vorhatte zu tun.

Doch um die Sprache besser zu lernen, hat mir das enorm geholfen. Ich bin damals (2003) schon in Frankfurt am Main bei der Lebenshilfe gelandet. Ich konnte zwischen zwei Einrichtungen wählen und habe mich direkt für den Kindergarten bei der Lebenshilfe entschieden. Dort war damals eine Gruppe von 15 Kindern, davon 5 mit Sonderförderbedarf.

Mir hat es dort schon sehr gut gefallen und als ich nach Heidelberg umgezogen bin, stand für mich fest, entweder wieder bei der Lebenshilfe zu arbeiten oder was ganz anderes zu suchen. Dieser Wunsch bei der Lebenshilfe zu arbeiten wurde erfüllt und somit bin ich schon wieder seit 12 Jahren in der Pusteblume der Lebenshilfe Heidelberg.

» Was macht die Arbeit in einer integrativen Gruppe so besonders?

Karin: Das ist eine ganz besondere Frage und ich könnte vielleicht fast schon ein Buch darüberschreiben.

Die Arbeit in einer integrativen Gruppe ist sehr wertvoll. Ich habe schon so viele wunderbare Sachen erlebt! Ja, auch herausfordernde, aber das Schöne überwiegt!

In meiner Gruppe habe ich 16 Kinder, davon sind 4 Kinder mit erhöhtem Förderbedarf und 12 sogenannte Regelkinder. Mittlerweile ist es so, dass viele Kinder, sowohl die mit, als auch ohne Sonderförderbedarf, aus unserer inklusiven Krippe kommen. Somit haben die meisten Kinder schon eine inklusive Erfahrung gemacht.

Die Kinder in diesem Alter haben selten bis nie Berührungsängste zu Kindern, die anders sind und manchmal werden sie als gar nicht anders wahrgenommen.

Es ist wunderbar zu sehen, zu hören, wenn ein Kind mit Sonderförderbedarf von einem anderen Kind genauso begrüßt wird wie jedes andere Kind, wenn die Kinder sich im Morgenkreis wahrnehmen, sich aussuchen miteinander zu Tanzen, zu Spielen!

Es ist so besonders, wenn wir im Adventskreis einander eine Kerze schenken und kein Kind ausgelassen wird.Die Kinder sind so aufmerksam, wer war schon dran und wer noch nicht! Das erfüllt mich mit Freude und Dankbarkeit, sowas miterleben zu dürfen!

Rückblicke

» Gibt es eine Geschichte, an die Sie sich gerne zurückerinnern, bei der Ihre Arbeit besonders wertvoll war?

Karin: Ich habe viele besondere Momente mit Kindern erlebt, aber eine Geschichte möchte ich hier hervorheben.

Als L. schon 4 war, kam er zu uns in die Gruppe, weil er in seinem alten Kindergarten nicht bleiben konnte. Er war dort quasi herausgeworfen worden. Ich habe sehr mit diesem Kind mitgefühlt und gespürt, dass dieses Kind sehr viel Liebe und Aufmerksamkeit bräuchte. Auf sehr intensive Weise habe ich ihn begleitet.

Er hat am Anfang sehr viel geschrien, er konnte sich nicht auf etwas einlassen. Ich bin immer in seiner Nähe geblieben und habe ihn nicht für sein Verhalten bestraft. Ganz im Gegenteil, ich habe gesagt, dass ich ihn verstehe, weil er zurück wollte zu seinem alten Kindergarten. Dann sprach er von Sachen, die nicht alle verstanden haben, aber dadurch, dass ich im gleichen Ort wohnte, konnte ich mit ihm darüber reden und das hat ihm sehr geholfen, sich mir gegenüber zu öffnen.

So habe ich ihn 2,5 Jahre begleitet - mehr als intensiv - mit Höhen und Tiefen. Sein Lächeln hat immer ein Lächeln in mein Gesicht gezaubert, dafür haben seine Schreiattacken mich auf dem Rückweg nach Hause auch viele Tränen und Energie gekostet. Dennoch war eine leichte Veränderung spürbar.

Ich wusste, dass ich ihn am Ende der Kindergartenzeit gehen lassen musste und ich ihn nicht länger auf seinem Weg begleiten kann. Ich konnte mir ausmalen, dass es sehr schwierig werden würde in der Schule. In den letzten Tagen vor den Sommerferien haben wir die Abschiedsbriefe für die Vorschulkinder vorgelesen. Ich hatte einen Brief für ihn geschrieben, worin stand, was für ein toller Junge er ist und dass sein Lächeln so schön sei und ….. Er hörte zu und sog alles wie ein Schwamm in sich auf.

Als ich fertig war mit lesen, fragte er mich sofort, ob ich das nochmals vorlesen könnte! Später, wenn er selber lesen kann, hoffe ich, dass er das noch oft lesen wird und zurück denken kann an eine schöne Kindergartenzeit.

Beim Sommerfest habe ich ihm seine Schultüte mit Bagger überreicht und ihm gesagt, dass wir ihn nicht vergessen werden! Da sagte er, so dass jeder es hören konnte „ich werde dich auch nicht vergessen!“ Das war das schönste Geschenk, das ein Kind mir jemals gemacht hat. Wer weiß, welchen Samen ich in dieses Kind legen konnte und der später hoffentlich mal blühen wird!

Wenn ich dann im Spiel zwischen den Kindern in Rollenspielen beobachte oder höre, wie die Kinder untereinander sprechen, dann höre ich uns Erwachsene: Sie spielen das, was sie bei uns sehen und hören!

» Gibt es eine Geschichte, bei der Sie klar erkannt haben, dass das Kind hätte besser unterstützt werden können, doch das nicht möglich war? Wenn ja, was behinderte Ihre Arbeit?

Karin: Ja, auch solche Geschichten gibt es leider. Direkt ein Jahr nach L, kam ein Mädchen zu uns in die Gruppe. Auch sie war sehr schwierig in ihrem Verhalten. Es gab keine Diagnose.

Mehr und mehr kamen wir an unsere Grenzen, denn wir hatten den Eindruck, sie nicht zu erreichen. Wir haben die ganze Situation in der sich das Kind befand als sehr schwierig empfunden und wünschten uns eine psychologische Beratung für die Eltern und eine Behandlung für das Kind und auch eine Beratung für uns. Dies hat sich als sehr schwierig herausgestellt.

Angeblich hatten die Eltern Hilfe in Anspruch genommen, aber waren hiermit nicht zufrieden. Auch hier habe ich sehr viel Energie reingesteckt, allerdings mit weniger „Erfolg“. Als sich herausstellte, dass das Kind von der Schule noch ein Jahr zurückgestellt werden sollte, waren wir mit unseren Nerven schon am Anschlag. Dies haben wir auch im Team kommuniziert.

Die Eltern wünschten sich in der Zeit wieder einen Wechsel in ihre alte Gruppe (die aber nicht als solche wieder sein würde). Wir fühlten uns wie Versager. Wir sprachen noch darüber, ob dies nun wirklich eine gute Lösung für das Kind sein würde. Einerseits hätten wir es nicht noch ein Jahr kräftemäßig gepackt, andererseits wollten wir es auch nicht einer anderen Gruppe und somit den Kolleginnen aufdrängen. An diese Stelle haben wir uns gefragt, ob eine kinderpsychiatrische Behandlung sinnvoller gewesen wäre. Dies ist im Kindergartenalter wohl noch sehr schwierig.

Hier fühlte ich mich sehr alleine, denn die Hilfe, die wir benötigt hätten an Beratung und Unterstützung hat einfach gefehlt und hat auch im Jahr darauf in der anderen Gruppe gefehlt.

» Welche Voraussetzungen sind besonders wichtig für ein gesundes und glückliches Kinderleben?

Karin: Eine gute, starke und gesunde Bindung zwischen Eltern und Kind beginnend in der Schwangerschaft!

Dass es geliebt wird, so wie es ist! Dass ein Kind angenommen wird, so wie es ist! Dass das Kind fühlt, es ist gewollt! Dass ein Kind erfährt, dass es gut ist!

Dass es gesund ernährt wird, dass es genug Bewegung hat, dass die Eltern dem Kind Vertrauen schenken und es so auch andere Vertrauensbeziehungen aufbauen kann.

Wenn die Bindung zwischen Kind und Eltern stark ist, können die Eltern dem Kind Stärke vermitteln.

Integrativer Kindergarten: Gesellschaftliche Vorurteile?

» Wie sehen Sie gesellschaftliche Vorurteile gegenüber integrativen Kindergärten und Schulen? Was sind die Vorteile und ggf. Nachteile?

Karin: Integration ist in der Krippe und im Kindergarten gut zu leben. Allerdings braucht es auch genügend gutes und geschultes Personal.

Im integrativen Kindergarten gibt es viele Vorteile! Alle lernen voneinander und nicht „nur“ das Kind mit Behinderung von einem Kind ohne Behinderung! Kinder lernen viele soziale Fähigkeiten, zum Beispiel Geduld zu haben, wenn ein Kind nicht so schnell oder etwas noch nicht so gut kann. Sie lernen mit Stärken und Schwächen umzugehen und Freude an den kleinen Dingen zu haben, welche die Kinder erlernen.

Sie lernen, dass jedes Kind wichtig ist und seinen Platz hat. Sie erleben Unterschiede und lernen diese zu akzeptieren und anzunehmen. Sie lernen, dass jedes Kind angenommen wird - so wie es ist. Und sie lernen, dass jedes Kind seinen eigenen, individuellen Weg hat zu lernen.

Im Kindergarten habe ich es bisher sehr selten erlebt, aber von Schulen, an denen es Inklusionsklassen gibt, gehört, dass Eltern von nicht behinderten Kindern Angst hatten, dass die Kinder mit Behinderung die anderen ablenken. Dazu kann ich selbst wenig sagen, denn hier kommt es sehr auf die Behinderungsform an. Sicherlich haben auch Lehrer*innen großen Respekt vor dem Unterrichten in integrativen Klassen, denn sie sind oftmals nicht ausreichend geschult.

Es ist für Eltern von Kindern mit Behinderung auf jeden Fall eine sehr schwierige Entscheidung, auf welche Schule und in welcher Form sie ihr Kind einschulen können. Und nicht nur die Wahl der Schule ist eine große Frage, zusätzlich wartet auf die Eltern die ganze Bürokratie vorab, die sehr arbeits- und zeitintensiv ist. 

Schon mehr als einmal habe ich von ehemaligen Kindergartenkinder aus meiner Gruppe gehört, dass sie, nach einer inklusiven Einschulung, nach einer gewissen Zeit dann doch zu einer „Sonderschule“ (SPBZ) gewechselt haben.

» Was bringt den Kindern in ihrem alltäglichen Umfeld gerade am meisten Freude?

Karin: Die kleinen Highlights in einem normalen Alltag! Das können Erdnüsse beim Snack am Nachmittag sein, eine Turnstunde oder der Schwimmunterricht, eine Malaktion oder auch der Besuch in der Kinderwerkstatt sein.

Es kann auch die Begleitung von einem Kind zur Physiotherapie sein. Es kann ein intensives Spiel sein. Eine Handpuppe oder eine „Spielfigur“, die ein bestimmtes Thema oder Projekt für eine gewisse Zeit in der Gruppe begleitet.

Es kann aber auch das Vorlesen eines Buches sein. Das Spielen im Flur. Das Gespräch mit der Erzieherin. Das Quatsch machen mit den Erwachsenen.

Integrativer Kindergarten

Bild von tolmacho

» Was hat Sie zu Beginn Ihrer Arbeit überrascht / ist anders als erwartet?

 Karin: Je mehr Arbeitserfahrung ich habe, umso lebendiger und vielseitiger wird die Arbeit. Am Anfang meiner Berufszeit kam mir öfters mal der Gedanke: „Tag ein, Tag aus, Monat für Monat und Jahr für Jahr immer die gleichen Sachen, wie zum Beispiel Bastelarbeiten zu machen und die gleichen Lieder zu singen. Streitereien unter Kinder, Ausflüge und Feste, wiederholen sich immer.“ Wenn man es so betrachtet, stimmt das in gewisser Weise natürlich auch. Doch die Kinder, die Kolleginnen, die Umstände, die persönliche Entwicklung, usw., sind immer anders und das macht dann auch die Arbeit abwechslungsreich.

» Was würden Sie jemandem raten, der sich für Kinder einsetzen möchte und nicht weiß, wo er anfangen soll oder in welchem Bereich er oder sie das gerne tun würde?

Karin: Ich würde der Person raten, diverse Praktika in verschiedenen Bereichen, in denen mit Kindern gearbeitet wird, wie im Kindergarten, Krippe, Schule, Ergotherapie-Praxis, Hort, Kinderturnen, etc. zu machen.

Tipps für Eltern

» Was möchten Sie gerne Eltern mitgeben? Was können Sie jungen Eltern mitgeben, die diesen Artikel lesen.

Karin: Jedes Kind hat eine individuelle Entwicklung. Vergleichen Sie Ihr Kind nicht mit anderen Kindern. Folgen Sie Ihrem Bauchgefühl! Es muss nicht alles so laufen, wie es in einem Ratgeber steht.

Reden Sie mit Ihrem Baby schon während der Schwangerschaft, aber auch nach der Geburt. Auch wenn es noch nicht versteht, was Sie erzählen, ist es dennoch wichtig für die Sprachentwicklung. Lassen Sie Ihr Kind so oft wie möglich auf dem Boden liegen, auch in Bauch- und Seitenlage. Machen Sie Babygymnastik. Gehen Sie viel mit Ihrem Kind raus.

Lassen Sie Ihr Kind sich in seinem Tempo entwickeln. Das bedeutet, dass es krabbelt, wenn das Kind so weit ist, dass es anfängt zu laufen, wenn das Kind soweit ist, ganz ohne Gehhilfen und Laufwagen, usw.

Und falls Sie merken, dass Sie an Ihre Grenzen stoßen oder mit Fragen herumlaufen, oder Ihr Bauchgefühl Ihnen sagt, dass etwas nicht stimmt, dann scheuen Sie sich nicht Hilfe in Anspruch zu nehmen. Machen Sie sich stark für Ihr Kind!

Seien Sie für Ihr Kind ein Beispiel, denn Kinder lernen durch Nachahmung. Darum hat unser Vorbild einen großen Einfluss auf das Kind.

Der Schriftsteller Pearl S. Buck drückt das so aus: „Wenn Sie Ihren Kindern unbedingt etwas geben wollen, dann geben Sie ihnen ein gutes Beispiel.“

Der chinesische Philosoph Konfuzius hat es so formuliert: „Erzähle es mir – und ich werde es vergessen, Zeige es mir – und ich werde mich erinnern, Lass es mich tun – und ich werde es behalten.

Haben Sie den Mut bereit zu sein an sich selbst zu arbeiten, um Kindern ein gutes Beispiel zu sein.

Kinder dürfen auch Grenzen erfahren. Wichtig ist es, sie ihnen zu erklären. Es gibt überall Regeln und Grenzen. Denn Kinder, die in einem sozialen Umfeld mit überschaubaren Grenzen aufwachsen, haben erwiesenermaßen weniger Angst. Sie entwickeln mehr Vertrauen in sich und ihre Umwelt und werden so auch konfliktfähiger.

» Welche Möglichkeiten Sehen Sie, dass Eltern und Erzieherinnen zusammen an einem Strang ziehen?

Karin: Eltern sind die Experten für ihre Kinder! Die Erzieherinnen haben eine Ausbildung, manchmal ein Studium, machen Fortbildungen in verschiedenen Bereichen und haben mehr oder weniger Berufserfahrung. Wichtig in der Zusammenarbeit zwischen Eltern und Erziehrinnen, finde ich, dass es eine gegenseitige Wertschätzung gibt und dass es in der Zusammenarbeit um das Wohl des Kindes geht.

Es geht nicht darum, dass wir als Erziehrinnen etwas besser wissen oder jemand belehren wollen, sondern vielmehr darum, dass wir die Kinder viele Stunden am Tag in einer anderen Umgebung beobachten und erleben. Wir sehen, wie es sich entwickelt oder wo die Entwicklung stockt. Ich habe nie die Absicht defizitorientiert zu bewerten, sondern unser Ziel ist es, das Potenzial eines jeden Kindes zu sehen und ihm die Möglichkeit zu geben, dass es in seinem vollen Potenzial leben kann.

Für mich sind regelmäßige Entwicklungsgespräche eine optimale Möglichkeit. Wir berichten den Eltern von unseren Beobachtungen und im Gespräch merken wir, ob diese mit den Beobachtungen der Eltern, übereinstimmen. Hinzu kommen die "Tür und Angel"-Gespräche. Diese empfinde ich ebenfalls als sehr wichtig. Dabei muss es noch nicht einmal immer um das Kind gehen. Sondern hier habe ich die Möglichkeit, mit den Eltern in Kontakt zu treten, um sich besser kennen zu lernen.

Eine weitere Möglichkeit ist eine Hospitation von einem Elternteil in der Gruppe. Und auch Hausbesuche sind oftmals sehr hilfreich für alle Beteiligten.

» Wo stoßen Sie an Ihre Grenzen, was frustriert Sie bei Ihrer Arbeit?

Karin: Wenn wir als Erzieherinnen in Elterngespräche schwierige Dinge ansprechen, z.B., wenn wir uns nicht vorstellen können, auf Grund unserer eigenen Beobachtung und Erfahrung mit dem Kind, dass das Kind noch nicht eingeschult werden soll (abgesehen davon, dass wir das sowieso nicht entscheiden) und die Eltern das nicht annehmen können und eine ganz andere Wahrnehmung haben.

Oder auch, wenn unsere Anliegen nicht angenommen werden, z.B. was ein gesundes Frühstück angeht.

Es passiert auch, dass wir immer die gleichen Eltern an Dinger erinnern müssen, seien es Unterschriften oder sonstige Dinge. Das ist sehr frustrierend. Also, eigentlich eher die Arbeit mit den Eltern, wenn sie nicht gut läuft, als die mit den Kindern.

Ich möchte nicht noch die Eltern „miterziehen“.

» Was würden Sie sich für die Kinder in Zukunft wünschen?

Karin: Das immer mehr Erwachsenen, seien es Eltern als auch Pädagogen, sich mehr bewusst werden, wie sie mit Kindern umgehen und welche negative und positive Folgen unser Umgang mit den Kindern hat.

Die Art der Kommunikation, die Art der Wertschätzung und Anerkennung. Sodass immer mehr Kinder das Glück erfahren dürfen, dass sie angenommen, gewollt und geliebt werden, so wie sie sind. Dass sie mehr positive Erlebnisse habe, auch in der Schule. Dass das, was richtig war, unterstrichen wird, statt immer auf Fehler hinzuweisen. Dass Kinder in ihren Stärken gestärkt werden und bei den Dingen, in denen sie sich noch schwertun, die nötige Unterstützung bekommen. Dass Lernen mehr mit Bewegung kombiniert wird! Und das weniger bewertet wird.

Und ich wünsche mir, dass die Kinder sich so entwickeln können, dass sie zu glücklichen Menschen werden, die wissen, dass sie etwas bewegen können, weil sie stark sind!

» Karin, ich danke Ihnen von Herzen für dieses Interview.

Du möchtest noch weitere Helden für kleine Herzen kennenlernen?

Hier kannst du Teil 1 & 2 nachlesen:

Mit Liebe und Geduld zu einer glücklichen Familie

Tirza hat als Mutter eines Sohnes mit neuro-psychiatrischen Problemen einen langen Weg des Lernens hinter sich. Ihre Geschichte ist dennoch aufmunternd für uns alle

>> Teil 1 lesen

Gutes Sehen: Den ganzen Menschen im Blick haben.

Augenarzt Dr. med. Thomas Katlun behandelt in seiner Praxis in
Heidelberg Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit einem ganzheitlichen Ansatz.

>> Teil 2 lesen

Kennst du auch Menschen, die das Leben unserer Kinder verbessern? Wer ist für dich ein Held für kleine Herzen? Hinterlasse mir gerne einen Kommentar.

Und wenn auch du einen Beitrag zu dieser Blog Serie durch (d)eine Geschichte leisten möchtest, die vielleicht für andere Eltern die Initialzündung für einen für sie Heilung bringenden Weg sein kann, schreibe mir gerne eine Nachricht.

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Ich bin Silke Krämer.

Kinder- und Jugendcoach Professional, NLP Master und Coach, EMDR Traumatherapeutin und Gymnasiallehrerin

Ich helfe Familien, wenn es Schulstress gibt und daheim die Fetzen fliegen. Außerdem unterstützte ich Mütter und Väter dabei, sich den Herausforderungen des Familienlebens selbstbewusst zu stellen.

Als Trainerin für Reflexintegration helfe ich deinem Kind, damit ihm die Schule bei Konzentrations­schwächen, Lern- und motorischen Problemen leichter fällt.

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Gutes Sehen: Den ganzen Menschen im Blick haben

Gutes Sehen: Den ganzen Menschen im Blick haben

Silke Krämer

07-2023

In dieser Artikelserie stelle ich Menschen vor, die mit viel Liebe und Leidenschaft das Leben unserer Kinder verbessern. Nach den bedrückenden Ereignissen des Jahres 2020/21 ist mir umso mehr aufgefallen, wie viel Gutes es doch auf dieser Welt gibt – und dass es bei allen erschütternden Nachrichten auch immer Helden gibt, die sich direkt ins Geschehen stürzen, um gerade den kleinen Menschen in unserer Mitte zu helfen.

Diese Alltagshelden haben manchmal Arztkittel an, manchmal schreiben sie (noch) mit Kreide auf Tafeln und manchmal nennen wir sie ‚Mama‘. Doch bei allen Unterschieden haben sie eines gemeinsam: Eine unermüdliche Leidenschaft dafür, Kindern mit viel Liebe zu begegnen und die Welt und ihre Zukunft damit ein Stückchen besser zu machen.

Und noch eine Eigenschaft haben sie gemein: Alle stutzten, als ich ihnen den Titel dieser Serie nannte und entgegneten: „ Ich sehe mich eigentlich gar nicht als Held, denn ich tue doch nur meine Arbeit.“ oder die Mütter sagten „… ich bin doch kein Held, nur weil ich für mein Kind das Beste will und mir wünsche, dass es glücklich ist. Das ist doch normal!“

Natürlich ist das für einen Held für kleine Herzen „normal“, doch was wäre das kleine Herz ohne tatkräftige Unterstützung?

Teil 2

Unserer nächster Held: Dr. med. Thomas Katlun 

In seiner Praxis in Heidelberg behandelt Dr. med. Thomas Katlun Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit einem ganzheitlichen Ansatz, der neben der direkten Verbesserung gesundheitlicher Probleme auch die Möglichkeiten aufzeigt, die trotz einer Erkrankung entstehen können.

Das Interview mit ihm bringt die ein oder andere unerwartete Antwort hervor und ist sehr aufschlussreich. Bestimmt ist in diesem Gespräch auch die eine oder andere interessante Anregung für dich dabei.

Einführung

» Dr. Katlun, sehen Sie sich als Held für kleine Herzen?

Dr. Katlun: Nein, Helden sind für mich Menschen, die Außergewöhnliches leisten. In unserer Praxis machen wir einfach unsere Arbeit so gut wie möglich und haben Kinder, Jugendliche und Erwachsene immer als Menschen in Ihrer Gesamtheit im Blick.

» Wie helfen Sie mit Ihrer Arbeit, das Leben von einem Kind zu verbessern?

Dr. Katlun: Oft müssen wir erst einmal versuchen, dem Kind die Angst vor Veränderungen zu nehmen, die zum Beispiel durch das Tragen einer Brille entstehen können. Zudem versuchen wir, mit Kindern und Eltern zusammen zu arbeiten, um ihnen die Möglichkeiten zu zeigen, die sich trotz Erkrankungen für sie bieten.

» Was liegt Ihnen inhaltlich besonders am Herzen?

Dr. Katlun: Bildung, Gesundheit und Wohlbefinden stehen in einem nachgewiesenen Zusammenhang. Für mich sind diese drei Dinge alle gleich wichtig – und es gilt, jeden Patienten und jede Patientin dort abzuholen, wo er oder sie steht. So kann jedem Menschen individuell geholfen werden, auch wenn alle Bereiche eigentlich gleich wichtig sind.

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Bild von Brian Holmes

Sehprobleme bei Kindern erkennen

» Wann entwickelt sich die visuelle Fähigkeit? Klar, wir kommen nicht blind zur Welt, doch sehen Babys anders als Erwachsene oder ältere Kinder?

Dr. Katlun: Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass das Sehen schon sehr früh im Leben vorhanden ist, auch zum Beispiel das Farbsehen. Was sich im Nachgang entwickelt ist der Vorgang, dass das Gesehene auch verarbeitet, wie zum Beispiel wiedererkannt oder benannt werden kann.

Es gibt das periphere Sehen für das Seitenblickfeld, welches zuerst vorhanden ist, und das zentrale Sehen, das sich danach entwickelt. Das Akkommodieren, die natürliche Fähigkeit Dinge in unterschiedlichen Entfernungen sehen zu können, ist angeboren und kommt nur sehr selten nicht vor.

» Gibt es eine Altersgruppe, in der die Kinder am häufigsten mit Problemen zu Ihnen kommen?

Dr. Katlun: Im Alter bis zu 2 Jahren ist es häufig ein erstes Screening. Im Alter zwischen 6 und 8 Jahren führen eher die ersten Schulprobleme zu uns in die Praxis und ab der weiterführenden Schule geht es meist um die Sehschwächen in der Ferne. Eine Beratung folgt dann den Befunden und wir passen unsere Fragestellungen an, um jeder Person helfen zu können.

» Woran kann es liegen, dass Probleme entstanden sind?

Dr. Katlun: Darauf gibt es leider keine einfache und allgemeine Antwort. Es zählt immer die individuelle Situation. So kann es sein, dass Ursachen angeboren sind oder es ist auch möglich, dass gewisse Probleme durch einen ungeeigneten Lebensstil ungünstig verstärkt werden, wie beispielsweise zu wenig Sport oder zu viel Bildschirmzeit.

» Anhand welcher Merkmale könnten Eltern merken, dass ihre Kinder nicht so sehen, wie sie sollten?

Dr. Katlun: Dies kann sehr unterschiedlich sein. Wichtige Zeichen sind zum Beispiel Kopfschmerzen, Reiben und Zwinkern sowie zusammenkneifen der Lider. Auch ein unerklärlicher Leistungsabfall in der Schule kann ein Signal sein. Wir empfehlen auch den bestätigenden Gang zur Augenärztin oder zum Augenarzt, wenn eine Ergotherapie oder andere Therapien durchgeführt werden sollen.

Bei cerebral* bedingten Erkrankungen wie LRS, Autismus und AD(H)S erleichtert optimales Sehen die Gesamtsituation, zum Beispiel mit Hilfe einer Brille für die Schule oder das Lesen. So benötigt das Kind dann weniger Energie für das Erreichen der besten Sehleistung und ist insgesamt zufriedener.

 

*cerebral = das Großhirn betreffend

Lernprobleme durch Sehstörungen?

» Welche körperlichen Voraussetzungen müssen gegeben sein, damit ein Mensch lesen lernt?

Dr. Katlun: Zum Lesen lernen gehört erst einmal ein ausreichend guter Visus - das bedeutet, dass Sehstärke und Sehschärfe richtig vorhanden sind. Doch natürlich können auch Menschen mit einer Sehleistung von wenigen Prozent mit Hilfe von sehvergrößernden Hilfen das Lesen lernen – hier muss eben nur die richtige Unterstützung gegeben werden. Das eigentliche Sehen (Visus) kann durch Brille oder Kontaktlinsen verbessert oder erleichtert werden.

Die zweite Voraussetzung ist dann natürlich die kognitive* Verarbeitungsmöglichkeit und auch hier ist die richtige Unterstützung des Kindes durch Eltern, Lehrer und andere Bezugspersonen äußerst wichtig.

Doch wichtig ist es auch im Kopf zu behalten, dass nicht jeder Mensch und nicht jedes Kind gerne liest! Jedem sollte sein eigenes Entwicklungstempo gelassen werden. Ist jedoch keine Entwicklung sichtbar oder hat das Kind im Vergleich zu den anderen Jungen oder Mädchen deutliche Schwierigkeiten, sollte der Kinderarzt oder Augenarzt aufgesucht werden, um Unterstützungsmöglichkeiten zu finden.

*kognitiv: bewusste und unbewusste Vorgänge, die bei der Verarbeitung externer und interner Vorgänge ablaufen. Dazu gehören Erkennen, Wahrnehmung, Gedächtnis, Denken, Vorstellen, Handlungsplanung und Kommunikation. Kurz gesagt: die geistige Leistungsfähigkeit.

» Wie können Eltern die Sehfähigkeit ihrer Kinder unterstützen?

Dr. Katlun: Während die Ernährung natürlich eine wichtige Rolle bei der gesamten Entwicklung des Menschen spielt, gibt es für die Augen oder das Sehen in den ersten Lebensjahrzehnten momentan keine medizinisch begründeten Anhaltspunkte, dass zum Beispiel Karotten die Sehfähigkeit direkt verbessern würden.

Auch das Thema Sehtraining beispielsweise funktioniert nur mit einer gründlichen augenärztlichen Untersuchung vorher, inklusive Weittropfen der Pupillen. Mit dem Sehtraining kann man in bestimmten Fällen durchaus eine Verbesserung der Wahrnehmung erreichen, jedoch ist es nicht möglich, den besten Visus zu steigern.

Aus unserer Sicht ist erst einmal die Förderung und Forderung aller Sinne (Hören, Tasten, Riechen, Schmecken, Sehen und Gleichgewicht) wichtig und legt gute Grundlagen auch für die Entwicklung von Sehen und Verarbeiten.

Und eine große Bitte: lassen sie Ihre Kinder sich mindestens 2 Stunden täglich an der frischen Luft, draußen, ohne digitale Medien bewegen. Dazu wären natürlich auch mehr Sport und Bewegung in der Schule wünschenswert.

» Wie gehen Sie mit den schlechten Nachrichten / dem Schlimmen auf dieser Welt um, was gibt Ihnen die Kraft weiter zu machen und eine Perspektive?

Dr. Katlun: Manchmal wütend sein. Aber oft nur im ersten Moment. Dann ein wenig nachdenken, diskutieren in der Familie und mit Freunden, Sporttreiben. Eine grundsätzliche Dankbarkeit, dass ich zu den bevorzugten Menschen auf dieser Welt gehöre und das Gute in den Menschen da ist, lässt mich ruhig werden.

Und zudem versuche ich den anderen erst zu verstehen, dann mein Urteil zu bilden. Man sollte mit vielen Menschen das Gespräch suchen, man muss ja nicht mit allen deren Ansichten teilen 😉 ...

» Herr Dr. Katlun, ich danke Ihnen von Herzen für dieses Interview.

Kennst du auch Menschen, die das Leben unserer Kinder verbessern? Wer ist für dich ein Held für kleine Herzen? Hinterlasse mir gerne einen Kommentar.

Und wenn auch du einen Beitrag zu dieser Blog Serie durch (d)eine Geschichte leisten möchtest, die vielleicht für andere Eltern die Initialzündung für einen für sie Heilung bringenden Weg sein kann, schreibe mir gerne eine Nachricht.

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Ich bin Silke Krämer.

Kinder- und Jugendcoach Professional, NLP Master und Coach, EMDR Traumatherapeutin und Gymnasiallehrerin

Ich helfe Familien, wenn es Schulstress gibt und daheim die Fetzen fliegen. Außerdem unterstützte ich Mütter und Väter dabei, sich den Herausforderungen des Familienlebens selbstbewusst zu stellen.

Als Trainerin für Reflexintegration helfe ich deinem Kind, damit ihm die Schule bei Konzentrations­schwächen, Lern- und motorischen Problemen leichter fällt.

Hol dir meine Familienpost!

Erhalte kostenlos etwa alle zwei Wochen nützliches Wissen, Tipps und Denkanstöße für dich und deine Familie aus meiner Coachingpraxis. Für weniger Stress mit der Schule, ein gutes Miteinander und eine starke Persönlichkeit.

Gutes Sehen: Den ganzen Menschen im Blick haben

Mit Liebe und Geduld zu einer glücklichen Familie

Silke Krämer

06-2023

Helden für kleine Herzen - Die Serie über Alltagshelden

In dieser Artikelserie möchte ich Menschen vorstellen, die mit viel Liebe und Leidenschaft das Leben unserer Kinder verbessern. Nach den bedrückenden Ereignissen des Jahres 2020/21 ist mir umso mehr aufgefallen, wie viel Gutes es doch auf dieser Welt gibt – und dass es bei allen erschütternden Nachrichten auch immer Helden gibt, die sich direkt ins Geschehen stürzen, um gerade den kleinen Menschen in unserer Mitte zu helfen.

Diese Alltagshelden haben manchmal Arztkittel an, manchmal schreiben sie (noch) mit Kreide auf Tafeln und manchmal nennen wir sie ‚Mama‘. Doch bei allen Unterschieden haben sie eines gemeinsam: Eine unermüdliche Leidenschaft dafür, Kindern mit viel Liebe zu begegnen und die Welt und ihre Zukunft damit ein Stückchen besser zu machen.

Und noch eine Eigenschaft haben sie gemein: Alle stutzten, als ich ihnen den Titel dieser Serie nannte und entgegneten: „ Ich sehe mich eigentlich gar nicht als Held, denn ich tue doch nur meine Arbeit.“ oder die Mütter sagten „… ich bin doch kein Held, nur weil ich für mein Kind das Beste will und mir wünsche, dass es glücklich ist. Das ist doch normal!“

Natürlich ist das für einen Held für kleine Herzen „normal“, doch was wäre das kleine Herz ohne tatkräftige Unterstützung?

Helden für kleine Herzen

Unsere erste Heldin: Tirza

Heute möchte ich euch Tirza vorstellen. Sie hat als Mutter eines Sohnes mit neuro-psychiatrischen Problemen einen langen Weg des Lernens hinter sich. Ihre Geschichte ist dennoch aufmunternd für uns alle: Mit viel Liebe und Geduld haben sie und ihre Familie es geschafft, auf die Erkrankung einzugehen und verstehen in diesem Prozess der Heilung immer besser, wie sie alle den Sohn unterstützen können.

Danke Tirza, dass du deine Geschichte mit uns allen teilst!

„Mein Sohn war zu Beginn nicht in der Lage, mit anderen zu kommunizieren oder Augenkontakt herzustellen. Er war aggressiv anderen Kindern gegenüber, hatte täglich Bauchschmerzen, motorische Entwicklungsverzögerungen, schlechte Konzentration, mangelhafte Impulskontrolle und vieles mehr – deshalb wurde er im Grunde überall abgelehnt.

Nun ist er ein fröhliches und gesundes Kind, bewegt sich altersgerecht, schreibt ordentlich, malt, geht auf andere zu, versteht nonverbale Kommunikation und schläft viel besser.

Über diese und viele andere Verbesserungen sind wir überaus glücklich und dankbar. Unter anderem geht er nun auch vorsichtig mit seinen geliebten Brüdern um und zerstört zu Hause nur noch sehr wenig. Als Mutter hilft mir das enorm, jetzt muss ich nicht alle fünf Sekunden befürchten, dass er jemandem etwas tut, sich verletzt oder auf die Straße läuft.

Wir hatten auf unserem langen Weg der Heilung wirklich die ganze Palette. Heute macht es mich traurig, dass es solche Zustände überhaupt geben kann. Deshalb möchte ich gerne für andere Prävention betreiben und Eltern Hoffnung machen.

Ich hätte nie gedacht, dass mein Sohn, der in der Schule oft ausgeflippt ist und auch andere damit gefährdet hat, in Ruhe in der Garderobe oder auf dem Pausenhof mit vielen anderen Kindern sein kann und selber sagt, er fühlt sich dadurch gar nicht mehr so gestresst. Ich habe heute ein wunderbares Gefühl für seinen neuen Start in der Schule, wo er sich viel meldet und auch gescheites Zeug sagt.“

Tirzas Weg mit ihrer Familie

» Wie hast du es z.B. konkret geschafft, zu deinem Kind zu halten und ihm liebevoll den Rücken zu stärken?

Tirza: Seit Sommer 2018 haben so viele Bausteine zu der Heilung beigetragen. Das ist tatsächlich nicht leicht. Man braucht das Vertrauen, dass die Heilung vollständig kommt und muss so gelassen wie möglich an alles herangehen.

Es dauerte eine Weile, aber mit der Zeit ging es auch mir viel besser, ich konnte und kann wieder in eine entspannte Haltung hineinkommen. Wir haben immer versucht, unsere glücklichen Zeiten zu genießen, waren aber im Grunde komplett absorbiert durch unseren ersten Sohn.

Inzwischen haben wir drei Buben, sie sind glückliche Brüder, lieben sich, spielen süß miteinander und wir müssen nicht mehr mit der ständigen Angst leben, der Große tut dem Kleinen etwas Schlimmes an.

» Wie wichtig war Gemeinschaft auf deinem Weg? Das afrikanische Sprichwort ‚It takes a village to raise a child‘ besagt, dass man ein Dorf braucht, um ein Kind groß zu ziehen – war das bei euch der Fall, oder habt ihr euch mehr auf eure Kernfamilie verlassen?

Tirza: Mein Sohn war so heftig beieinander, dass enge, vertraute Personen kaum noch Kontakt zu ihm halten konnten und zum Teil nichts mehr mit ihm zu tun haben wollten. Wir mussten ihn total abschirmen und beschützen vor all den Vorwürfen, die alles nur noch schlimmer gemacht haben.

Im Nachhinein bin ich noch etwas schlauer geworden, aber das ist wohl grundsätzlich so. Wir hatten den Kindergarten gewechselt und da die Ernährung meines Sohnes einen großen Einfluss auf sein Verhalten hat, war mir dies sehr wichtig.

Mir wurde x-mal hoch und heilig versichert, dass täglich frisch gekocht wird, die Brühen selbst ausgekocht werden und kein Glutamat im Essen landete. Leider musste ich circa ein-ein-Viertel Jahre später herausfinden, dass dies eine Lüge war, das Pulver immer obendrauf landete und mein Sohn auch glutenhaltiges Essen bekam, worauf er reagierte.

Am Ende waren wir dadurch relativ froh über den Lockdown, so hat sich die Sache auf andere Weise entschieden und er konnte hier total zur Ruhe kommen und gesund werden. Er hatte vor dem Kindergartenwechsel wieder 6 Monate zu Hause verbracht, extrem große Fortschritte gemacht, war dann in der Lage, in einen Kindergarten zu gehen. Allerdings flachten die Fortschritte sehr bald deutlich ab.Ich hätte sofort merken müssen, dass ich belogen werde, hatte das als naiver Mensch aber nicht für möglich gehalten.

» Wie wirkten sich die Probleme mit eurem Kind auf die Partnerschaft aus? Gab es da auch Differenzen und unterschiedliche Meinungen/Erwartungen, oder konntet ihr als Kernfamilie euch stärken?

Tirza: Eine sehr wichtige und komplexe Frage. Anfangs wussten wir gar nicht, woher die Probleme kamen. Da mussten wir wirklich aufpassen, wie wir miteinander sprechen und nicht dem anderen plötzlich für irgendetwas die Schuld zu geben.

Wir führten eine sehr glückliche und friedliche Ehe, doch nun war es so, als würde ständig auf einen geschossen werden. Vor abwertenden Äußerungen von außen nahm mich mein Mann stets in Schutz, denn er wusste, wie sehr ich kämpfte und das Beste gab.

Tatsächlich waren wir aber beide am Ende unserer Kräfte und gefühlt darüber hinaus, denn ein schwieriges Kind ist nicht alles, was man im Leben stemmen muss. Anstrengende Arbeit, Schwangerschaft, Haushalt und andere psychische Belastungen kommen dazu.

Wir haben erst im Alter von vier Jahren erkannt, dass es sich bei unserem Sohn um eine neuro-psychiatrische Erkrankung (in unserem Fall wohl mehrere gleichzeitig) handelte.

Mein Mann kaufte mir ein Ticket für eine online Mama-Konferenz in den USA. Er kam darauf, weil er sich in all seinen Erziehungsfragen bei einer amerikanischen Mama-Bloggerin angemeldet hatte und regelmäßig ihre Artikel las. Über diese Mama kam Werbung für besagte Konferenz, die er mir weiterleitete und wofür ich mich sofort interessierte. Nach den kostenlosen Vorträgen kaufte er mir das Ticket für die restlichen. Ein Tag war beschrieben mit „Kinder mit Problemen“.

Ich musste mir eingestehen, ja, wir haben Probleme. Ich selbst war völlig kaputt, müde, überarbeitet, an der psychischen Belastbarkeitsgrenze und hörte gespannt zu. Ich wurde sehr angesprochen von einem angesehenen Neurologen, Dr. Robert Melillo, der in den USA BrainBalance-Zentren aufgebaut hat, um Kindern mit Schwierigkeiten zu helfen. Da wir dort nicht hinkonnten, besorgte ich mir sein Buch Disconnected Kids* und Hörbuch für das Programm zu Hause.

Ich war zu Tränen gerührt, als ich Erfahrungsberichte anderer Mütter las und hörte, in denen ich mich komplett wiederfand. Diese Kinder konnten am Ende wieder gesund und glücklich sein. So begann ich das umfangreiche, genau beschriebene neurologische Programm und hielt daran fest.

Kaum war das Problem erkannt und ein Ausweg gefunden, konnten wir uns gegenseitig sehr stärken und zogen an einem Strang. Wenn schwierigere Zeiten kamen, glaubte ich Dr. Melillo, der schrieb, dass auftretende Schwierigkeiten ein Zeichen dafür sind, dass sich was tut, das Gehirn sich umstrukturiert und wir bitte durchhalten sollen

» Wie gehst du mit dem Thema Schuld und Selbstvorwürfe um? Oftmals weiß man ja rational, dass man sein Bestes gibt aber verspürt trotzdem eine emotional hohe Belastung gegenüber seinem hilflosen Kind.

Tirza: Bis ich all dies gelassen hinnehmen konnte, war ich wirklich auch zu oft sehr ungeduldig und nicht so nett wie sonst eigentlich. Da erinnerte ich mich immer wieder an unseren liebevollen und gütigen Schöpfer und vertraute darauf, dass er uns, wie in der Genesis beschrieben, nach seinem Ebenbild, also wundervoll geschaffen hat.

Alles, was wir zur Gesundheit brauchen, hat er in uns hineingelegt, darauf vertraue ich. Und das Osterfest bekam umso mehr Kraft für uns. Ich konnte meine Sorgen ’nach oben' abgeben.

» Häufig werden die klassische Schulmedizin und alternative Heilmethoden als Gegensätze dargestellt anstatt als Ergänzung. Was war hier deine Erfahrung?

Tirza: Meine Erfahrung in diesem Bereich war relativ einseitig. Die Schulmedizin ist vermutlich für einen großen Teil der Misere verantwortlich, das fing bereits direkt nach der Geburt an mit Sab Simplex gegen meinen Willen (schädigt den Darm), fehlende Aufbaukur, und den vielen frühen Impfungen.

Die Konzepte der Heilpädagogik brachten mir auch kaum Lösungen. Statt dessen wollte man mich überzeugen, dass sich bei meinem Kind keine Besserung einstellen kann, sondern dass ich lernen muss, mein Kind zu verstehen und ihm den passenden Rahmen dafür bieten muss, sprich, es niemals auf eine Regelschule gehen wird etc.

Wir Eltern waren entschlossen, den alternativen Heilmethoden Glauben zu schenken und haben wirklich alles probiert, was uns Besserung versprach - besseres Essen, Nahrungsergänzungsmittel, Reflexintegrationskurs Rexi bei Silke, besondere Bettdecken.

Ich blieb seitdem auch wieder ohne Einkommen zu Hause, eine gemeinsame Entscheidung von mir und meinem Mann. Für uns war es all dies gemeinsam, was langsam Heilung brachte.

» Hast du aus deiner Erfahrung konkrete präventive Tipps für ein gesundes Kinderleben gewonnen?

Tirza: Immer mehr Eltern haben inzwischen ein sehr gutes Bewusstsein für die Umweltgifte, denen wir und unsere Sprösslinge ausgesetzt sind. Jedoch bringen wir sie nicht in Zusammenhang mit Verhaltensauffälligkeiten und daraus resultierenden Behinderungen oder seien es nur ständige Kopfschmerzen.

Hier sehr bewusst zu ernähren und auf künstliche Zusatzstoffe und Zucker zu verzichten. Leider betrifft das auch normale Nahrungsmittel wie Getreide und Milch. Das ist sehr wichtig. Ich empfehle zu überlegen, ob man sich Bio-Produkte leisten kann oder will.

Ebenso bei anderen Dingen, denen man ausgesetzt ist achtsam sein, wie zum Beispiel Teppichen, Windeln, Stofftieren, Plastikflaschen, Plastikschüsseln/Tupperdosen und auf ungiftige Alternativen umsteigen. Die Kinder anleiten, warum man was wie macht, wie man Dinge selbst herstellen und kochen kann.

Unbedingt Brühe vermeiden, die Geschmacksverstärker (Mononatriumglutamat) enthält. Stattdessen sollte man lernen, wie man selbst Knochen auskocht, um die wertvollen Inhaltsstoffe zu bekommen. Viel an die frische Luft gehen, bewegen, Liebe zeigen, denn eine gute Psyche trägt entscheidend zur Gesundheit bei.

Nicht alle Kinder bekommen die gleichen gravierenden Auswirkungen, da sie unterschiedliches genetisches Material haben. Das Wichtigste ist, dass man bei Problemen nicht wegschaut, sondern sie anerkennt und den Weg zur Heilung losgeht. Wissen ist Macht, und sich zu bilden ist äußerst ratsam.

Mit Liebe und Geduld zu einer glücklichen Familie 5

Bild von Hari Mohan  

Ausblick: So geht's weiter

Ich danke dir von Herzen, liebe Tirza, dass du eure Geschichte mit uns teilst! 💚

Im nächsten Blogbeitrag zu der Serie "Helden für kleine Herzen" führe ich ein Interview mit Augenarzt Dr. med. Thomas Katlun. In seiner Praxis in Heidelberg behandelt er Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit einem ganzheitlichen Ansatz, der neben der direkten Verbesserung gesundheitlicher Probleme auch die Möglichkeiten aufzeigt, die trotz einer Erkrankung entstehen können.

Kennst du auch Menschen, die das Leben unserer Kinder verbessern? Wer ist für dich ein Held für kleine Herzen? Hinterlasse mir gerne einen Kommentar.

Und wenn auch du einen Beitrag zu dieser Blog Serie durch (d)eine Geschichte leisten möchtest, die vielleicht für andere Eltern die Initialzündung für einen für sie Heilung bringenden Weg sein kann, schreibe mir gerne eine Nachricht.

 

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Ich bin Silke Krämer.

Kinder- und Jugendcoach Professional, NLP Master und Coach, EMDR Traumatherapeutin und Gymnasiallehrerin

Ich helfe Familien, wenn es Schulstress gibt und daheim die Fetzen fliegen. Außerdem unterstützte ich Mütter und Väter dabei, sich den Herausforderungen des Familienlebens selbstbewusst zu stellen.

Als Trainerin für Reflexintegration helfe ich deinem Kind, damit ihm die Schule bei Konzentrations­schwächen, Lern- und motorischen Problemen leichter fällt.

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