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Streit mit meinem Kind: So vermeidest du die Eskalation.

Streit mit meinem Kind: So vermeidest du die Eskalation.

Persönlichkeit

02-2021

In Streitsituationen geht oft alles ganz schnell: Einer macht eine unvorsichtige Bemerkung, die zweite Person greift dies als Attacke auf und plötzlich explodiert die Stimmung. Oft rutschen dann böse Kommentare heraus, die man nicht mehr zurücknehmen kann, so sehr man sich dies später mit einem klaren Kopf auch wünscht.

Du hast das bestimmt auch schon einmal erlebt. Während du vielleicht schon ein Bild von solch einer Situation in deinem Kopf hast, fragst du dich, wie du das eigentlich vermeiden kannst. Meistens fühlen wir uns doch schlecht nach solch einer Eskalation.

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Streit und Stressreflexe: Werde dir deiner Ur-Trigger bewusst

Wenn du solche Eskalationen vermeiden möchtest, ist es zuerst einmal wichtig, dass du dir darüber bewusst wirst wo die Auslöser, oder Trigger, einer extremen Reaktion bei dir selber liegen. Dann kann im nächsten Schritt daran gearbeitet werden, diesen Triggern ihre emotionale Macht zu nehmen und dadurch ungewollt starke Reaktionen besser kontrollieren zu können – schließlich sind die negativen Gefühle in Streitsituationen für keinen der Beteiligten angenehm.

Um zu erklären, wie tief solche emotionalen Reaktionen liegen, möchte ich mit einer kleinen Geschichte über sogenannte Stressreflexe beginnen: Stell dir vor, du bist als Steinzeit-Kind (denn aus dieser Zeit stammen ja die Gehirnstrukturen, die wir heute noch haben) mit deinen Eltern im Wald zum Beeren sammeln unterwegs.

Plötzlich siehst du auf der nächsten Lichtung einen großen Bären und gleichzeitig kommt deine Mutter und warnt dich, dass du sofort ganz still sein musst. Denn wenn der Bär dich sieht, wird er dich fressen – ein Ausgang, den jedes Gehirn evolutionsbedingt natürlich vermeiden möchte. In diesem Moment lernt dein Gehirn also, über die Angst deiner dich warnenden Mutter, dass Bären gefährlich sind.

Der Bär wird zu einem Trigger des Stressreflexes und wenn du das nächste Mal einen Bären siehst, wird dein sympathisches Nervensystem seine Angst-Alarmglocken läuten: vielleicht schlägt das Herz spürbar schneller, die Atemfrequenz erhöht sich, die Hände werden schwitzig.

Im Hintergrund schüttet dieses System jetzt massig die Stresshormone Adrenalin und Cortisol aus und koppelt sofort den Kortex (auch Großhirnrinde) ab, der für logisches und geplantes Denken zuständig ist. Alle Funktionen, die nicht direkt überlebensnotwendig sind (zum Beispiel die Verdauung) werden eingestellt. Schließlich geht es jetzt darum, sicher zu bleiben und nicht erst einmal darüber nachzudenken ob dieser hellere, flauschige Bär vielleicht schon zu Mittag gegessen hat und man ihn also doch mal streicheln könnte – nein, das Gehirn hat nur ein Ziel: Überleben!

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Bild von Jdaypix

Blackout: Das neue Totstellen

Im 21. Jahrhundert kommen einem solche Beispiele natürlich etwas extrem vor, denn glücklicherweise geht es in Konflikt- und Stresssituationen nicht mehr oft um das bloße Überleben selber. Der Trigger-Mechanismus des sympathischen Nervensystems funktioniert aber trotzdem auf die gleiche Art und Weise und sorgt dafür, dass deine Gefühle stärker sind als das logische Denken.

Stell dir zum Beispiel dein Kind in einer wichtigen Klassenarbeit vor: neben dem Zeitdruck und der Hektik, die wir als Erwachsene natürlich mit dieser Situation verbinden, ist es gut möglich, dass dein Kind sich auch komplett hilflos fühlt. Wie der Bär im Wald wird die Klassenarbeit zu einem Trigger und weil man in einem Klassenzimmer mit einer ‚bösen‘ Klassenarbeit weder gut kämpfen noch wegrennen kann, bleibt nur noch eines: totstellen.

Die Stresshormone, die das sympathische Nervensystem ausschüttet, sind so stark, dass es zu einem Blackout (dem „neuen Totstellen“) kommt und das Gelernte gar nicht mehr abgerufen werden kann.

Auch wenn dein Kind sich rational vielleicht sogar darüber bewusst ist, dass es nicht in Gefahr ist, so ist der Pfad dieser Gefühle so tief in die Evolution unserer Gehirne eingetrampelt, dass es viel bewusste Anstrengung kostet dem Gehirn zu zeigen, dass es nicht in Lebensgefahr schwebt.

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Hast du oder dein Kind immer die gleichen Trigger?

Wie vorhin beschrieben spielen die Trigger als Auslöser starker Reaktionen auch in Streitsituationen eine wichtige Rolle: beobachte einmal, wann ein Konflikt mit deinem Kind eskaliert. Häufig sind es ähnliche Auslöser – ein Blick, ein Satz, eine Geste – die uns immer wieder auf die Palme bringen.

Auch bei sogenannten psychologischen Spielchen kann das passieren. Ein klassisches Beispiel hierfür wäre, wenn dein Kind von der Schule nach Hause kommt und überhaupt gar nicht auf deine Fragen zu den Ereignissen des Tages oder den anstehenden Hausaufgaben einsteigt: schnell wirst du dich durch dieses Abprallen-lassen deiner Fragen frustriert fühlen und vielleicht entsteht dadurch sogar ein Streit.

Dabei geht es dann gar nicht mehr um die vordergründigen, organisatorischen Fragen, denn wenn dein Kind dir sagen würde: ‚Mama, ich bin jetzt einfach zu müde und möchte das später besprechen.‘, würdest du dich gleich anders fühlen.

Sobald der Trigger deine emotionale Reaktion ausgelöst hat geht es vielmehr darum, wie du dich fühlst, weil dein Gesprächspartner nicht auf dich einsteigt.

So unterbrichst du den Kreislauf

Wenn du also diese Trigger bei dir selber beobachtest und kennenlernst, wird das helfen den Kreislauf zu unterbrechen, der letztendlich zu der für dich und andere negativen Reaktion und zum Streit führt.

Eine gute Möglichkeit um diesen psychologischen ‚Muskel‘ zu trainieren, der den negativen Kreislauf rechtzeitig unterbrechen kann ist die Traumreise.

Hierfür möchte ich dich dazu einladen, dir einen sicheren Ort in deinem Kopf zu schaffen. Wähle einen Ort, der dir nicht verloren gehen kann: dein altes Kinderzimmer das es schon nicht mehr gibt ist also geeignet, während dein jetziges Schlafzimmer das du durch einen Umzug ‚verlieren‘ könntest nicht verwendet werden sollte.

An deinem Ort solltest du alleine sein und keine lebenden Personen oder Haustiere mitnehmen. Falls du doch unbedingt Gesellschaft möchtest, sollte diese in Form von Wesen sein, die es nicht gibt oder die nicht mehr auf dieser Welt sind. Wenn du dir deinen Ort klar vorstellen kannst, bringe die Gefühle dazu, die dir in der Konfliktsituation fehlen und dir helfen würden: möchtest du dich ruhiger fühlen? Souverän und gelassen? Oder frei statt eingeengt und gefangen?

Nimm mit, was auch immer dir nützlich erscheint. Mache diese Gefühle ganz groß und konzentriere dich darauf. Dann kannst du die Traumreise beginnen. Am besten sollte sie für drei Wochen jeden Tag ein Mal gemacht werden.

Wenn du jetzt das nächste Mal in eine Situation kommst, in der es einen Trigger für dich gibt, greife auf dieses Training aus der Traumreise zurück und rufe deinen sicheren Ort ab.

Manchmal kann eine räumliche Trennung, wie ein kurzer Ausflug zur Toilette, auch hilfreich sein, damit du dort an deinen sicheren Ort gehen kannst. Je öfter du an deinen sicheren Ort gehst, desto schneller kannst du ihn dann als Anker in schwierigen Situationen wiederfinden und ihn nutzen, um dich entspannter zu fühlen.

Das Abrufen der positiven Gefühle deines sicheren Ortes wird dein sympathisches Nervensystem wieder beruhigen, sodass es aufhört Adrenalin und Cortisol auszuschütten: du wirst ruhiger und kannst wieder klar denken.

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Worum ging es eigentlich im letzten Streit?

Vielleicht kannst du dann auch erkennen, dass Konflikte oft gar nicht das sind, wofür wir sie halten und dass die Wut über eine freche Antwort weniger mit der Antwort selber zu tun hat, als mit dem Gefühl der Machtlosigkeit, die sie in einem auslöst.

Nutze die Traumreise-Übung für dich und für dein Kind also auch, um euch über eure genauen Gefühle bewusst zu werden: es gibt viel mehr als gut und schlecht, wütend und glücklich. Sammle Gefühls-Adjektive wie missachtet, gekränkt, vernachlässigt, nicht wertgeschätzt oder ungeliebt, um ganz genau kennen zu lernen und auszudrücken, wie es dir eigentlich geht.

Jetzt bist du gewappnet

Nun kennst du deine eigenen Gefühle und hast deinen sicheren Ort. Du bist gewappnet und so lassen sich Streitsituationen, in denen dein Gehirn Alarm schlägt bewältigen und du kannst den negativen Kreislauf unterbrechen!

Während du nun möglicherweise noch einmal an die Situation, die du dir beim Lesen der Einleitung des Beitrags vorgestellt hast denkst, kannst du dir jetzt schon vorstellen, wie du die Eskalation erfolgreich vermeidest und dich somit besser fühlst. Bist du bereit?

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Ich bin Silke Krämer.

Kinder- und Jugendcoach Professional, NLP Master und Coach, EMDR Traumatherapeutin und Gymnasiallehrerin

Ich helfe Familien, wenn es Schulstress gibt und daheim die Fetzen fliegen. Außerdem unterstützte ich Mütter und Väter dabei, sich den Herausforderungen des Familienlebens selbstbewusst zu stellen.

Als Trainerin für Reflexintegration helfe ich deinem Kind, damit ihm die Schule bei Konzentrations­schwächen, Lern- und motorischen Problemen leichter fällt.

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Plane in fünf Schritten dein Jahr im Lebensbereich Familie

Plane in fünf Schritten dein Jahr im Lebensbereich Familie

Persönlichkeit

01-2021

Wie ich in fünf Schritten meine Ziele für dieses Jahr im Bezug auf mein Familienleben festlege - und damit meine ich nicht den nächsten Ausflug in den Freizeitpark.

wut-trauer-kind-umgang

Bevor du loslegst: Sammle deinen positiven Erfahrungen!

Bevor ich mit der Planung beginne, nehme ich mir viel Zeit und Ruhe, um über das vergangene Jahr nachzudenken.

Schon als Kind habe ich vor Silvester einen Jahresrückblick in ein hübsches Büchlein geschrieben. Ich fasste in einem Text die Geschehnisse des Jahres zusammen und bewertete danach, ob das Jahr für mich ein gutes oder eher ein nicht so gutes war. Diese Art der Verarbeitung tat mir gut und ich fühlte mich danach erleichtert, doch hinterließ es auch manchmal einen schalen Beigeschmack, wenn ich das Gefühl bekam, dass das Jahr „nicht so gut“ gewesen war.

Es war alles sehr schwammig und ungenau.

Heute kenne ich viel bessere Strategien, als einfach alles ungefiltert aufzuschreiben. Inzwischen weiß ich auch, woher das schale Gefühl kam: Ich lud belastende Erfahrungen in meinem Tagebuch ab. Dort verblieben sie für alle Ewigkeit wie in Stein gemeißelt. Das ließ keinen Raum zur Weiterentwicklung.

Entscheidend für unsere Weiterentwicklung ist es, das Positive beizubehalten oder gar zu verbessern und aus negativen Erfahrungen zu lernen.

Die Strategie, die ich heute für alle meine Lebensbereiche anwende, möchte ich im Bezug auf den Lebensbereich Familie vorstellen.

Hier sind die fünf Schritte, in denen ich das vergangene Jahr reflektiere und so das neue Jahr plane, um mir meiner Ziele bewusst zu werden.

Schritt Eins: Was hast du im letzten Jahr gelernt?

WAS HAT DIESES JAHR GUT GEKLAPPT?

Welche Erfolge kannst du feiern?

Wenn du, wie ich, häufig in der Zukunft als im Jetzt lebst (schließlich müssen wir Mütter ständig voraus planen - wer kennt das nicht!), fallen große und kleine Siege schnell mal hinten runter.

Um sich das bewusst zu machen hilft es, alles genau aufzuschreiben. Du denkst „boah, nee! - doch nicht vom ganzen Jahr und nicht von allen Kindern! - Doch, genau das ist wichtig. Ich schaue dafür einfach in meinen Kalender, denn ich wusste ja schon vor einem Jahr dass der große Rückblick im Dezember ansteht und habe mir deshalb vieles schon im Laufe der Zeit aufgeschrieben.

Ich hatte dieses Jahr viel Energie auf meine berufliche Weiterentwicklung gerichtet, sodass ich mir sehr bewusst vorgenommen habe, schöne Zeit mit meinen Kindern zu verbringen, damit ich sie nicht vernachlässige und mir die gemeinsame Zeit mit ihnen nicht verloren geht.
Das war oftmals sehr anstrengend und ich musste meine persönlichen Dinge dafür hinten anstellen, um dieses Vorhaben bewusst umzusetzen.

Für das neue Jahr habe ich mir vorgenommen, in meinem wöchentlichen „Gewohnheits-Tracker“ dafür ein Feld zu markieren. Ich darf das Feld ankreuzen, wenn ich mit einem der Kinder ein gutes Gespräch hatte oder wir gemeinsam Zeit mit etwas Schönem verbracht haben (zusammen Lernen oder Hausaufgaben machen zählt da nicht dazu.)

WAS HAT NICHT FUNKTIONIERT?

Aus dem, was nicht funktioniert hat können wir lernen, was wir in Zukunft anders oder gar nicht mehr machen wollen - deshalb hat alles seinen Sinn!

In stressigen Phasen verfalle ich leichter in die übliche Leier, die jede Eltern-Kind Beziehung betäubt: „Wann schreibt ihr die nächste Arbeit, hast du schon Gitarre geübt, warum liegen die Socken hier mitten im Weg, …“ - schrecklich! Mir fallen gefühlt 1000 dieser Sätze ein und ich hasse mich, wenn ich mich einen davon sagen höre.

Mein Fazit: Ich möchte so nicht sein und möchte einen anderen Umgang finden.

Um das besonders in stressigen, hektischen und erschöpften Lebensphasen zu schaffen, muss ich mir das noch deutlicher ins Bewusstsein holen. 

Ein zweiter Punkt ist der Umgang mit dem Thema Hausaufgaben und Lernen.

Mein Fazit: Es funktioniert bei keinem meiner beiden Schulkinder mit Druck. Auch hier bedarf es eines anderen Weges, als dem üblichen „du musst noch, hast du schon, du willst doch wohl selbst nicht …“-Gelaber.

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Schritt Zwei: Wie sieht deine Vision für dein Leben aus?

Ja, diese Frage klingt ziemlich groß!

Ist sie auch, denn deine Lebensvision beschreibt, wie dein Leben in drei, fünf oder mehr Jahren aussehen soll und umfasst alle Lebensbereiche, nicht nur den deiner Familie.

Jahresziele sind Zwischenetappen auf dem Weg zur großen Vision. Deshalb ist es so wichtig zu wissen, wo die Reise hingehen soll.

Mark Twain sagte: „Wer nicht weiß, wohin er will, der darf sich nicht wundern, wenn er ganz woanders ankommt.“

Eine große Hilfe dabei, meine Lebensvision und meine Ziele zu definieren, war mir das Buch von Ryder Caroll „Die Bullet Journal Methode“. Dieses Buch gibt viele praktische Anleitungen, um diese Themen strategisch zu bearbeiten.

Ebenso inspirierte mich das Buch von John Strelecky „The Big Five for Life“. Das Buch richtet sich zwar mehr an Unternehmen, doch lassen sich viele Gedanken daraus auf den privaten Lebensbereich übertragen.

Egal, wie du zu deiner Lebensvision kommst, das WARUM hinter deinen Zielen ist entscheidend!

Ohne ein für dich starkes Warum verpuffen deine Vorsätze so, wie das Vorhaben, endlich ab Januar mehr Sport zu machen oder für die nächste Klassenarbeit früher anzufangen zu lernen.

Schritt Drei: Welche Ziele möchtest du in den nächsten zwölf Monaten erreichen?

Deine Vision ist dein Wegweiser.

Dein jährliches Ziel bringt dich dieser Vision näher.

Die jährliche Reflexion über deine Vision hilft dir dabei, deine Vision immer wieder zu überprüfen.

Unsere Erfahrungen können dazu führen, dass wir an der Vision nachjustieren wollen und das ist gut so! Deine Vision ist nicht in Stein gemeißelt und es macht viel mehr Spaß, mit ihr spielerisch umzugehen - jedes Jahr auf ein Neues.

Ich möchte dir zwei Möglichkeiten vorstellen.

a. Du leitest deine Ziele direkt aus Schritt eins ab

Dabei schaust du, was dieses Jahr nicht geklappt hat und fragst dich, ob es dir wichtig ist, diesen Bereich zu verbessern. Frage dich: Warum ist es gut, wenn sich xy verbessert, was bedeutet das für uns, was ermöglicht uns das?

In meinem Beispiel würde ich aus „Meine Kinder mit Druck zum Lernen zu bringen klappt nicht“ ein neues positives Ziel formulieren. Das könnte sein:

  • Ich möchte keinen Streit mehr beim Thema Lernen. Warum? Weil unsere Beziehung dann liebevoller, inniger und ungestörter ist.
  • Ich möchte mich aus dem Schulbereich meiner Kinder mehr zurück ziehen. Warum? Weil wir dann weniger Streit haben und siehe oben.
  • Ich bringe meinen Kind mehr Eigenverantwortlichkeit bei. Warum? Weil es ihr Selbstbewusstsein stärkt und wir weniger Streit haben.

b. Werde dir anhand einer Wertehierarchie über deine Ziele klar

Im ersten Schritt mache ich mir Gedanken über meine Werte.
Was ist mir wichtig?

Dazu nehme ich mir ein Blatt für ein wildes Brainstorming. Alles, was spontan kommt, schreibe ich auf.

Im nächsten Schritt mache ich mir Gedanken über jeden einzelnen dieser Werte, den ich aufgeschrieben habe.

Dann priorisieren ich und beschränke mich bewusst auf eine Auswahl. Mein Ziel ist es, die mir fünf wichtigsten Werte herauszustellen.

Dieses Jahr habe ich das nicht ganz geschafft, denn es blieb eine Auswahl von sechs Werten übrig. Ich habe mir selbst gegenüber dann einfach ein Auge zugedrückt 😉 ...

Das Ergebnis: (Selbst-)Liebe, gütige Achtsamkeit, Wertschätzung, Empathie/Verständnis, Toleranz und Mut.

Diese Werte geben mir eine Richtung vor, aus denen ich klare Ziele formulieren kann.

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Bild von Free-Photos

Schritt Vier: Was musst du tun, um dein Ziel zu erreichen?

Um das Ziel formulieren zu können lasse ich mich von folgenden Fragen leiten, die sich aus meiner vorherigen Aufgabe ergeben:

  1. Warum ist mir Wert XY wichtig?
  2. Wie wirkt es sich in meinem Alltag aus, wenn ich diesen Wert mit einbeziehe, bzw. lebe?
  3. Was bedeutet das für uns?
  4. Was sollte ich nicht mehr tun, wenn ich diesen Wert in meinen Alltag integrieren möchte.
  5. Was sollte ich mehr tun?

Ich mache es am Beispiel Toleranz deutlich:

zu 1. Ich möchte meinen Liebsten die Möglichkeit geben, sich ihren Neigungen entsprechend frei entwickeln zu können.
zu 2. Kinder lernen durch Vorbilder und Nachahmung. Lebe ich Toleranz vor, werden auch sie diesen Wert in ihr Portfolio integrieren können. Irgendwann werde ich auch diese Toleranz mir gegenüber einfordern können.
zu 3. Unser Familienleben wird harmonischer werden, weil sich jeder wahrgenommen und angenommen fühlt.
zu 4. Ich sollte nicht in meiner Gedankenwelt bleiben und den anderen meine Erwartungen überstülpen.
zu 5. Ich sollte als gutes Beispiel voran gehen.

Nach all diesen Überlegungen kann ich eines meiner Ziele formulieren:

Ich möchte dieses Jahr dazu nutzen, um meinen Kindern tolerantes Verhalten vorzuleben.

Tony Robbins sagt: „Eine Familie braucht Liebe, Stärke und Wachstum - nicht Frieden!“

Ich denke, dass ich durch mein tolerantes Verhalten das Wachstum meiner Kinder positiv fördern kann.

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Bild von Alexas Fotos

Schritt Fünf: Brich deine Ziele auf kleine Happen herunter

Das klingt immer noch alles ziemlich abstrakt und sicherlich willst du jetzt wissen, wie du das schaffen kannst und fragst dich, was du konkret tun muss, um deine Ziele im Alltagstrubel nicht aus dem Blick zu verlieren.

Da gibt es zwei Dinge zu beachten:

1. Du musst dir immer wieder deiner Ziele bewusst werden.


2. Deine Ziele müssen in Aufgaben herunter gebrochen werden, die konkret sind (prozessorientiert).

Ein Beispiel: Fünf Kilogramm Abnehmen wäre das Ziel, die Aufgabe dazu könnte lauten: „Sonntags keine Chips essen.“

DER WEG ANS ZIEL IST DAS HERUNTERBRECHEN IN KLEINE AUFGABEN UND KLEINE ZWISCHENZIELE

Deshalb schreibe ich mir alles auf. Durch das Aufschreiben wird ein bewusster Prozess in Gang gebracht, der es mir abverlangt, eine möglichst präzise Formulierung zu finden. Wenn ich mein Ziel habe, dann kann ich das Wie angehen.

Dabei hilft mir die 5-4-3-2-1 Methode aus „Die Bullet Journal Methode“:

Ich teile eine Seite meines Journals in 5 Bereiche (Falls du kein Journal nutzt, kannst du das Ganze auch auf einem Blatt Papier machen).

Im obersten Feld stehen die Ziele, die ich in 5 Jahren erreicht habe, im nächsten Feld die Ziele, die ich in den nächsten 4 Monaten erreicht haben will, dann in 3 Wochen, 2 Tagen und 1 Stunde.

Dann frage ich mich nach dem Was und im zweiten Schritt nach dem Wie (das Warum hast du bereits abgehandelt).

Schauen wir uns das nochmal am Beispiel „Toleranz“ an:

5 Jahre: Ich habe die Grundlage gesetzt, die meine Kinder brauchen, um selbst eine tolerante Persönlichkeit entwickeln zu können.
Wie mache ich das? -> Wir lassen zusammen die Korken knallen!

4 Monate: Ich habe gelernt, eigene Vorgehensweisen meiner Kinder zu tolerieren.
Wie habe ich das geschafft? -> indem ich mir immer wieder meine Ziele und Zwischenziele vor Augen geführt habe und überlegt habe, in welchen Situationen es mir gelungen ist und in welchen nicht. Außerdem frage ich mich, warum es mir nicht gelungen ist und wie ich es künftig besser machen kann.

3 Wochen: Ich möchte lernen, zwischen Wichtigem und Unwichtigem zu unterscheiden. Anhand der Dinge, die mir nicht ganz so wichtig sind, kann ich mich persönlich leichter in Toleranz üben.
Wie mache ich das? Ich mache mir bewusst, in welchen Situationen ich mehr das Bedürfnis meiner Kinder sehen, wertschätzen, annehmen und akzeptieren werde. Auch das schreibe ich mir auf.

2 Tage: Ich nehme die Bedürfnisse meiner Kinder wahr, um zu wissen, worauf ich mich einzustellen habe. 
Wie mache ich das? -> Ich werde mir darüber klar, wo genau meine Toleranz besonders gefordert ist. Das schreibe ich mir auf.

1 Stunde: Ich möchte heute mit meinen Kindern über Toleranz sprechen. Wie? Dafür muss ich mir ein altersgerechtes Beispiel überlegen.

Wenn du möchtest, kannst du diese Ziele priorisieren, damit es dir leichter fällt, dich wirklich auf eine Sache zu konzentrieren und die dafür richtig gut umzusetzen. Generell ist es gut, sich nicht zu viele Ziele auf einmal vorzunehmen. Mehr als vier Ziele solltest du auf einmal nicht haben. Wenn du diese Ziele schon früher erreicht haben solltest, kannst du dir jederzeit neue Ziele überlegen - auch, bevor das Jahr rum ist.

Um diese Ziele aktiv anzugehen, brauchst du einen praktischen Plan. Das ist das Wie.
Im letzten Schritt gehst du alle Punkte noch einmal durch und überlegst dir konkrete Situationen oder Ansätze, WIE du das Was umsetzen kannst. In meiner beispielhaften Ausführung habe ich das Wie direkt mit beantwortet. In der Praxis sind das zwei Schritte.

Planst du auch dein Familienleben? Was hältst du überhaupt von dieser Idee? Hast du etwas gelernt, was du ausprobieren möchtest? Ich freue mich über deine Gedanken!

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Ich bin Silke Krämer.

Kinder- und Jugendcoach Professional, NLP Master und Coach, EMDR Traumatherapeutin und Gymnasiallehrerin

Ich helfe Familien, wenn es Schulstress gibt und daheim die Fetzen fliegen. Außerdem unterstützte ich Mütter und Väter dabei, sich den Herausforderungen des Familienlebens selbstbewusst zu stellen.

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So viel Wut und Trauer bei Kindern – Teil II: Diese Strategie hilft dir.

So viel Wut und Trauer bei Kindern – Teil II: Diese Strategie hilft dir.

Persönlichkeit

12-2020

Im ersten Teil dieses Blogartikels habe ich darüber geschrieben, wie wir uns selber und unseren Kindern helfen können, wenn wir unsere positiven und negativen Gefühle akzeptieren und lernen, offen damit umzugehen. Schließlich gehören all diese Gefühle zum Leben dazu und entscheidend ist, wie wir mit ihnen umgehen!

Jetzt möchte ich dir noch genauer dabei helfen, dieses Wissen im Alltag anzuwenden. Denn oft klingen solche Ideen für uns logisch nachvollziehbar, doch sobald wir sie umsetzen möchten, meldet sich eine leise (oder laute) Stimme, die sagt: „Das klingt ja alles schön und gut, aber in Wirklichkeit ist es einfach zu schwierig!“.

wut-trauer-kind-umgang

Vielleicht regen dich die offen gezeigten negativen Gefühle deines Kindes so stark auf, dass du impulsiv heftiger reagierst, als du eigentlich möchtest. Oder vielleicht löst die Reaktion deines Kindes unangenehme Bilder oder Erinnerungen aus deiner eigenen Kindheit aus, mit denen du schwer umgehen kannst. Weil es dir nie beigebracht wurde, sorgfältig mit deinen Gefühlen umzugehen, hast du eigene Strategien erlernt, die dir damals geholfen haben.

Negative Gefühle als Trigger

In Wahrheit sind deine Reaktionen auf die negativen Gefühle deines Kindes also eigentlich Reaktionen auf Auslöser oder „Trigger“ für deine eigenen Gefühls-Vermeidungs-Strategien.

Weil du dies so gelernt hast, möchtest du unangenehme und negative Gefühle so schnell wie möglich abstellen und wegschieben, anstatt sie zu durchleben – und das obwohl dies (wie in Teil 1 ausführlich erklärt) nur dazu führt, dass die Probleme sich anstauen und immer größer werden. Jedes Gefühl, das in die Welt hinausgetragen wird potenziert sich dort. Höchste Zeit also, dass wir lernen richtig damit umzugehen!

Um den Teufelskreis zu durchbrechen, der sich oft einstellt, wenn die Negativität von außen nur so auf einen einprasselt, hilft es, deine Trigger zu identifizieren und sich diese Zusammenhänge ganz bewusst zu machen. Das ist gar nicht einfach und wenn es dir schwerfällt, deine Reaktion alleine rational zu betrachten, kannst du dir Hilfe holen (z.B. im Coaching).

Denn wenn wir unreflektiert aus unseren eigenen Gefühlen handeln, ohne darüber nachzudenken, lösen unsere elterlichen Reaktionen oft ganz andere Gefühle in unseren Kindern aus, als wir beabsichtigen.

Gut gemeint ist nicht gut gemacht

So auch im Beispiel einer Mutter, die nicht wusste, wie sie mit der Prüfungsangst ihrer Tochter umgehen sollte. Die Tochter fühlte sich frustriert und verzweifelt, weil sie nicht versagen wollte und die Mutter wollte sie aus ganzem Herzen unterstützen: Doch ihre aufmunternd gemeinten Zusprüche („Du hast noch nie eine schlechte Note mit nach Hause gebracht, du wirst das wieder super hinkriegen, mach dir keine Sorgen!“) sorgten nur dafür, dass die Tochter mehr Druck verspürte.

Sie sah die Worte als Erwartungen, denen sie gerecht werden musste. Da Lehrer und andere Verwandte auf ihre Sorgen ähnlich reagierten, entwickelte sie sich zur Perfektionistin. Die heute 17-Jährige hat nicht gelernt, mit Niederlagen umzugehen und hat sehr hohe Ansprüche an sich selbst.

Das Problem ist hier natürlich nicht, dass sie ambitioniert ist, sondern dass ihre Ambition aus Angst entspringt. Das Mädchen fühlt sich dazu gezwungen, Leistung zu erbringen und verspürt große innere Unruhe, Unausgeglichenheit und Stresssymptome. Weil sie (auch durch ihr Umfeld bedingt) nicht offen mit den negativen Gefühlen umgehen und diesen Platz geben kann, stauen sie sich an und das Mädchen erlebt die Schule trotz ihrer tollen Leistungen als große Belastung.

Woher kommen deine Strategien für negative Gefühle?

Jetzt stelle ich dir einige Fragen, durch die klarer wird, wie und weshalb du auf bestimmte negative Gefühle besonders empfindlich reagierst. Mache dir hier gerne Notizen, um deine Überlegungen festzuhalten.

  • Wie gingen deine Eltern mit Gefühlen um? Wie verlief zum Beispiel deine Eingewöhnung im Kindergarten oder was machten deine Eltern in gefährlichen Situationen? Schürten sie durch ihre Reaktion Angst oder Ähnliches in dir?
  • Etwas tiefer: Durftest du als Kind deine Gefühle fühlen und zeigen, bis sie sich von alleine wieder auflösen konnten? Gab es eine liebevolle Bezugsperson, die dir eine sichere, ruhige und geborgene Begleitung geboten hat, wenn du z.B. einen Wutanfall hattest oder andere starke negative Gefühle gezeigt hast? Was hast du gefühlt und welche Reaktion hättest du dir stattdessen gewünscht?

Und jetzt schreibe auf, wie du auf die letzten Wutanfälle (oder anderes negativ-emotionsgeladenes Verhalten) deines Kindes reagiert hast.

In den allermeisten Fällen wirst du hier einen Zusammenhang erkennen: Vielleicht wird durch das Verhalten deines Kindes eine Erinnerung aus deiner Vergangenheit ausgelöst und du reagierst auf das Verhalten mit genau den Strategien, die du damals erlernt hast.

Weil es keine Einheitslösung für emotional schwierige Situationen gibt, ist es so wichtig, Gefühle ganz genau kennen und beobachten zu lernen. Nur so kannst du die Gefühle „lesen“ lernen und entscheiden, was deinem Kind (und dir selber) in einer schwierigen Situation am besten hilft.

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Lösungen für den Umgang mit negativen Gefühlen

Konkret kann dies ganz unterschiedlich aussehen. Du kannst die Gefühle deines Kindes „spiegeln“ und ihm so helfen, dem Gefühl Raum zu geben und es bewusst wahrzunehmen, zum Beispiel: „Du bist enttäuscht, weil du eine schlechte Note hast. Bist du enttäuscht, weil du das Gefühl hast, dass du dich nicht genug angestrengt hast, oder enttäuscht, weil dein Freund eine bessere Note gekriegt hat?“.

Oft hilft es auch, vergleichbare Situation aufzuführen und darüber zu sprechen, wie Dinge damals ausgegangen sind – dies bringt alles in Perspektive und lässt erkennen, dass es oft weniger schlimm ist als befürchtet.

Auch könnt ihr in Ruhe besprechen, durch welche Maßnahmen eine „schlechte“ Situation nächstes Mal anders verlaufen könnte.

Lasse dein Kind wissen, dass du für es da bist und doch, dass es genauso in Ordnung für dich ist, wenn es sich lieber mit seinen Gefühlen zurückziehen möchte. Wenn sich dieses „Raum-geben“ für dich unkontrolliert und unsicher anfühlt, denke daran, dass die Freiheit zum Zurückziehen unglaublich wichtig ist und fülle diesen Raum, indem du deinem Kind einen gesunden und verständnisvollen Umgang mit Gefühlen bei dir selber vorlebst.

Übung macht den Meister

Und am wichtigsten: Sei nicht zu streng mit dir selbst. Es kostet viel kontinuierliche Übung, das Gehirn von den gewohnten Wegen weg zu leiten und so den Umgang mit Gefühlen zu steuern. Nimm deine Gefühle und die deines Kindes im ersten Schritt bewusst wahr, sodass sie im zweiten Schritt zu einer angebrachten und wohlüberlegten Reaktion führen können.

So könnt ihr das Gefühls-Gewitter gemeinsam ausharren, bis es vorüberzieht und die Sonne wieder scheint. Alle Gefühle sind OK und haben ihren Platz in dieser Welt. Denn – so kitschig sich das auch anhört – ohne Regen gibt es keine Regenbögen.

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So viel Wut und Trauer bei Kindern – Teil I: Wie gehen Eltern gut mit negativen Gefühlen ihrer Kinder um?

So viel Wut und Trauer bei Kindern – Teil I: Wie gehen Eltern gut mit negativen Gefühlen ihrer Kinder um?

Persönlichkeit

12-2020

Kindliche Wutausbrüche zu ertragen ist nicht leicht - erst recht nicht, wenn sie öffentlich auf dem Boden des Supermarkts ausbrechen. Viele Eltern wünschen sich, mit negativen Gefühlen ihrer Kinder gut umgehen zu können. Dabei geht es nicht nur um Wut, sondern generell um negative Gefühle. Für die Entwicklung des Kindes ist es entscheidend, wie Eltern reagieren - also wiederum deren eigener Umgang mit negativen Gefühlen. Dieser Blogbeitrag entstand auf Wunsch der Kursteilnehmer*innen meines aktuellen Rexi Rockstars Onlinekurses.

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Bild von Arhagus Budy

In emotional aufgeladenen Situationen, wenn die negativen Gefühle nur so umherfliegen, kommt es mir persönlich oft so vor als würde ich vor einer Wand stehen. Egal mit wem ich mich streite und egal wie sehr ich diese Person liebe und schätze, so fällt es doch immer wieder schwer, mit Wut umzugehen. Niemand mag negative Gefühle und noch weniger angenehm ist es, wenn man sich selber als Grund für den Zorn einer anderen Person sieht.

Positive Gefühle - negative Gefühle. Eine Klassifizierung.

Um von dieser verzwickten Situation etwas Abstand und Verständnis gewinnen zu können, möchte ich an dieser Stelle im übertragenen Sinne einen Schritt zurück machen und Gefühle generell betrachten: Seit Anbeginn der Zeit teilen wir Menschen diese unsichtbaren (und manchmal unbeschreiblichen) Regungen in unserem Inneren in ‚Gut‘ und ‚Schlecht‘ auf.

Woher das kommt, weiß niemand so genau, aber es ist eindeutig, dass wir schlechte Gefühle intuitiv vermeiden und dass sie auch auf einer gesellschaftlichen Ebene unerwünscht sind. Offene Bekundungen von Trauer, Wut und all den anderen ‚bösen‘ Gefühlen sind in der westlichen Gesellschaft nicht gerne gesehen und das wird uns von Kindesbeinen an vermittelt.

Während wir es gerne sehen, wenn sich zum Beispiel jemand öffentlich freut, so werden die meisten von uns eher Abneigung oder zumindest Unsicherheit gegenüber einer Person spüren, die Angst, Traurigkeit, Enttäuschung oder Niedergeschlagenheit ganz direkt zeigt. Mit diesen Gefühlen werden ja sogar schlechte Charaktereigenschaften wie Schwäche oder mangelnde Männlichkeit verbunden. Und das, obwohl ein jeder von uns solche negativen Gefühle kennt und in sich trägt.

Erst ganz langsam tritt ein gesellschaftlicher Wandel ein und immer mehr Personen äußern sich öffentlich über „negative“ Lebensphasen. Wenn sie es geschafft hat, das tiefe Tal zu überwinden, hat sie meist eine Art höheres Level in der Persönlichkeitsentwicklung erreicht.

Negative Gefühle haben ihren Sinn - aber nicht alle

Durch diese ursprüngliche gesellschaftliche Prägung bedingt lernen leider viele von uns gar nicht erst, mit ‚schlechten‘ Gefühlen umzugehen. Weil sie sich intuitiv negativ anfühlen und gesellschaftlich unerwünscht sind, werden sie verdrängt und ‚unter den Teppich gefegt‘.

Doch je mehr dieser Probleme man so unter den sprichwörtlichen Teppich fegt, desto größer wird natürlich der Haufen, der sich da ansammelt – und irgendwann ist die Erhebung so groß, dass man jedes Mal darüber stolpert, wenn man eigentlich ganz woanders hinlaufen möchte.

Wenn man nicht gelernt hat, negativen Gefühlen ihren Platz zu geben und diese genau zu beobachten, dann vermischt sich das Verdrängen von Gefühlen und ihren Körpersignalen. Wir können nicht mehr unterscheiden, welches negative Gefühl begründet ist (zum Beispiel die Angst vor dem Überqueren einer großen Straße, die uns ja schützt) und welches negative Gefühl aus den Untiefen unseres Gehirns uns unbegründet Probleme bereitet.

Und wenn es dir nie beigebracht wurde, wie du mit deinen eigenen negativen Gefühlen umgehen kannst, dann wird es dir natürlich auch sehr schwerfallen, die deines Kindes zu verstehen und anzugehen.

Wie reagierst du auf die negativen Gefühle deiner Kinder?

Erinnere dich einmal an deine Kindheit zurück – die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass dir eine negativ-emotionsgeladene Situation einfällt, in der deine Eltern oder andere wichtige Bezugspersonen eine Strategie angewendet haben, um deine negativen Gefühle zu verdrängen. Und das nicht etwa mit boshaftem Vorsatz, sondern ganz einfach, weil es unangenehm ist, wenn man jemand anderen emotional leiden sieht.

Gefühle aufbauschen

Es könnte sein, dass jemand um dich herum die Situation durch aufgebauschtes Mitgefühl viel größer werden ließ (zum Beispiel durch ein schockiertes „Oh Gott, WAS ist dir gerade passiert?!“) und so die negativen Gefühle im Nachhinein noch böser erschienen.

Gefühle kleinreden

Vielleicht passierte auch das Gegenteil und die Gefühle wurden kleingeredet („So schlimm kann es doch gar nicht sein…“) oder beschämend ins Lächerliche gezogen („Jetzt mach doch nicht so ein Theater, du bist ja kein Baby mehr“).

Für negative Gefühle Bestrafen

Aber auch Abwendung durch Bestrafen von negativen Gefühlen, im schlimmsten Fall durch Auszeiten oder Einsperren im Zimmer, ist solch eine Strategie. Je jünger das Kind ist, umso belastender wird es diese Reaktion auf seine Hilflosigkeit wahrnehmen.

Von Gefühlen ablenken

Eine weitere Möglichkeit ist die klassische Ablenkung, zum Beispiel mit einem neuen Keks, wenn das Eis heruntergefallen ist.

Blickst du aus heutiger Sicht in diese Situationen, ist es nicht schwer zu erkennen, wie stark diese Reaktionen von der gesellschaftlichen Prägung und dem Vermeiden negativer Gefühle geprägt sind!

Bei jeder der oben beschriebenen Strategien im Umgang mit negativen Gefühlen bekommt das Kind das Gefühl , dass es nicht OK ist, bzw. seine Reaktion nicht OK ist. Und / oder es fühlt sich nicht gesehen und in seiner Gesamtheit wahrgenommen. Schließlich entspricht die Reaktion seines Gegenübers nicht seinem aktuellen Erleben.

Deine innere Haltung ist wichtig

Gerade in Bezug auf Trauer, aber auch bei Wutanfällen oder Ähnlichem, ist es unglaublich wichtig, unseren eigenen negativen Gefühlen und auch denen unserer Kinder Raum zu geben. Auch wenn dies herzzerbrechend klingt, können wir unsere geliebten Kinder nicht vor ihnen bewahren – Enttäuschung über eine schlechte Schulnote oder der Tod eines geliebten Haustieres sind Teil ihres Lebens.

Es gehört einfach dazu, auch mal wütend oder traurig zu sein. Die verschiedenen Stadien dieser negativen Gefühle müssen durchlebt werden, um sie verarbeiten zu können. Nur so kann die Seele dann Ruhe finden und damit abschließen.

 Du kannst deinem Kind unglaublich helfen, wenn du ihm vorlebst, dass deine und auch seine positiven und negativen Gefühle akzeptiert werden. Sie sind OK und je besser du sie kennenlernst und dich mit ihnen anfreundest, desto einfacher ist es, in verzwickten und negativ-emotionsgeladenen Situationen den Abstand zu gewinnen und mit Verständnis (einem selber und der anderen Person gegenüber!) zu reagieren. Dabei spielt deine eigene innere Haltung eine große Rolle, da du sie nach außen spiegelst.

Entscheidend ist schließlich nicht, immer nur gute Gefühle zu haben, sondern wie wir mit all unseren Gefühlen und auch denen unserer Kinder umgehen!

Im nächsten Teil dieses Blogs gebe ich dir ein paar konkrete Übungen und Lösungsansätze mit an die Hand, wie du all dies im Alltag mit deinem Kind umsetzen kannst.

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Ich bin Silke Krämer.

Kinder- und Jugendcoach Professional, NLP Master und Coach, EMDR Traumatherapeutin und Gymnasiallehrerin

Ich helfe Familien, wenn es Schulstress gibt und daheim die Fetzen fliegen. Außerdem unterstützte ich Mütter und Väter dabei, sich den Herausforderungen des Familienlebens selbstbewusst zu stellen.

Als Trainerin für Reflexintegration helfe ich deinem Kind, damit ihm die Schule bei Konzentrations­schwächen, Lern- und motorischen Problemen leichter fällt.

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Lauras Weg vom schüchternen Mädchen zur selbstbewussten Mutter

Lauras Weg vom schüchternen Mädchen zur selbstbewussten Mutter

Persönlichkeit

10-2020

Aus Schlüsselsituationen können sich Glaubenssätze entwickeln, die uns ein Leben lang in unseren Entscheidungen beeinflussen. Einmal eine oder keine Entscheidung zu treffen kann eine große Tragweite für die Beziehung zu unseren Kindern haben. Anhand von Lauras Weg wird dies deutlich.

Glaubenssätze entstehen in Schlüsselsituationen

Es war einmal ein kleines Mädchen. Es war in der ersten Grundschulklasse. Ihre Eltern waren getrennt.

Warum genau sich ihre Eltern getrennt hatten, das wusste sie nicht so genau - eigentlich wollte sie es auch gar nicht wissen, denn sie liebte beide Eltern. (Sie war noch in einem Alter, in dem man das, was die Eltern tun, nicht in Frage stellt, weil man sie vergöttert. Leider wollten die Eltern selbst ihr nur zu oft diesen Götterglauben austreiben, indem sie vor ihr schlecht über den anderen Elternteil redeten.)

Es war Weihnachten und den Heiligen Abend hatte sie mit ihrem Vater bei seiner Familie verbracht. Die Mutter des kleinen Mädchens verbrachte den heutigen Heiligen Abend alleine zu Hause.

Bei der Verabschiedung waren alle im Wohnzimmer und standen um den Esstisch herum, an dem ihre Großeltern noch saßen. Sie ging zu ihrer Oma hin, um sich von ihr und ihrem Opa zu verabschieden. Es waren die Eltern ihres Vaters. Da sagte ihre Oma zu ihr: „Ja Laura, kommst du dann morgen auch wieder mit her?“ Das Mädchen antwortete kleinlaut: „Nein, da bin ich bei meiner Mama.“ Daraufhin entgegnete die Oma: „Ooooh, da wird dein Papa aber traurig sein!“


Dieser Satz war wie ein Stich ins Herz des kleinen Mädchens, der sie so tief traf, dass die Erinnerung daran selbst als erwachsene Frau noch so präsent war, als wäre es vor einem Jahr passiert. (Laura ist inzwischen erwachsen.)

Für Laura war es in dem Moment so, als wäre sie für die Traurigkeit ihres Papas verantwortlich. Das machte ihr ein schlechtes Gewissen. Sie fühlte sich total zerrissen, denn egal, wie sie sich entschied - einer der beiden Menschen, die sie so sehr wie nichts anderes auf der Welt liebte, würde traurig sein. Nämlich immer der, bei dem sie gerade nicht war und „gegen“ den sie sich gerade entschieden hatte. Dabei konnte sie doch gar nichts dafür, dass sich ihre Eltern getrennt hatten und sie sich „entscheiden“ musste.

Diesem Dilemma sind alle Trennungskinder ausgesetzt. - Wie sie es wahrnehmen, hängt vom Verhalten der Eltern ab.

In diesem Moment fühlte sie sich sehr alleine und hilflos. Alle standen drumherum und keiner kam ihr zu Hilfe. Kein einziger sprach den verständnisvollen Satz aus, den sie sich so gewünscht hätte: „Es ist doch klar, dass die Laura auch einen Tag an Weihnachten bei ihrer Mama verbringt.“ Keiner. Nichts. Betretenes Schweigen.
Schließlich wussten alle, wie sehr ihr Papa unter der Trennung litt und wollten ihn nicht kränken.

Diese Situation brannte sich im Kopf des kleinen Mädchens ein.  Sie lernte daraus: Egal, wie ich mich entscheide, ich kann es nie beiden recht machen. Ich werde immer einen meiner meist geliebten Menschen verletzen. 


Und dann lernte sie noch etwas daraus: In Situationen, in denen du dich so richtig alleine und hilflos fühlst, bist du eh alleine und egal, wie viele Menschen um dich herum sind, die alle vorgeben, dich zu mögen: Es kommt keiner und hilft dir, weil keiner den Mut aufbringt, den Mund aufzumachen aus Angst, sich selbst in die Nesseln zu setzen.

Keiner wollte sich freiwillig in die gleiche Situation bringen, in die das Mädchen unfreiwillig geraten war: Ein Für und Wider.

Sagt man etwas, um dem einen ein besseres Gefühl zu machen, kränkt man mit ziemlicher Sicherheit den anderen damit. 
(Das ist ein Problem vieler Trennungskinder. Sie verschließen sich immer mehr und ziehen sich emotional zurück, weil sie niemanden haben, mit dem sie offen über ihre Situation sprechen können.)

Am Allermeisten hätte sich das Mädchen natürlich das Verständnis ihres Vaters gewünscht. Er hätte ihr schlechtes Gewissen entlasten können.

Laura wurde erwachsen und von Außenstehenden als „taffe selbstbewusste Frau“ wahrgenommen, die die Dinge selbst in die Hand nimmt.

Doch im Inneren steckte sie voller Selbstzweifel und fühlte sich oft alleine. In bestimmten Situationen brachen alte Muster auf und sie wurde von einer heftigen emotionalen Reaktion überrollt.

Daraufhin beschäftigte sie sich intensiv mit sich und durchlief verschiedene Arten der Persönlichkeitsentwicklung. Jetzt endlich verstand sie ihre Reaktionen besser und konnte an einer bewussten Veränderung arbeiten, um die alten Muster aufzulösen.

Durch die Situation aus ihrer Kindheit (die es in anderen Varianten ja mehrfach gab) hatten sich folgende Glaubenssätze in ihr verankert:

  • Ich muss meine Probleme alleine lösen
  • Wenn es drauf ankommt, hilft mir sowieso keiner
  • Jeder ist sich selbst am nächsten (ihr Vater hatte es nicht geschafft, seine eigene Trauer über die Trennung angemessen zu verarbeiten. Deshalb verfiel er in eine Opferrolle und konnte seiner Tochter keine Stütze sein).

—————————

Lauras Geschichte zeigt uns, wie wichtig es für Kinder ist, als Eltern fürsorglich und feinfühlig in Schlüssel-Situationen zu reagieren. In solchen Situationen werden Weichen gestellt. Weichen, die den weiteren Lebensweg bestimmen.

Kinder brauchen Verlässlichkeit und Unterstützung ihrer Eltern im richtigen Moment.

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Bild von Arek Socha

Dabei geht es nicht darum, Kindern alle schwierigen Situationen abzunehmen. Denn das sind die Situationen, in denen wir ihnen die Chance nehmen, ihr Selbstwertgefühl zu entwickeln. Ein Drittklässler muss nicht mehr von Mama oder Papa in die Schule gebracht werden oder einem Siebtklässler das Händchen bei den Hausaufgaben gehalten werden!

Nein, Eltern müssen ihre eigenen Befindlichkeiten hinten anstellen und die Verantwortung für das Seelenheil ihrer Kinder übernehmen.

Eltern müssen erwachsen sein. Und das ist gar nicht immer so einfach!

Zum Wohle der Kinder ist es wichtig, das eigene Verhalten zu reflektieren statt nur Anforderungen und Erwartungen an die Kinder zu stellen.

Nur so kann liebevolle Erziehung gelingen!

Warum keine Entscheidung auch eine Entscheidung ist!

Verantwortung zu übernehmen bedeutet, eine Entscheidung in einem „entscheidenden Moment“ zu treffen.

Laura ist inzwischen selbst Mama und fand sich eines Abends in folgender Situation wieder:

Ihr 10 jähriger Sohn Lukas war bei Lauras Vater für mehrere Tage zu Besuch. Laura und ihr Sohn hatten sich zuvor länger nicht gesehen. Eines Abends fühlte Lukas sich nicht wohl und rief sie an. Er weinte am Telefon, sagte jedoch nicht direkt, dass er abgeholt werden wolle, weil auch er den Konflikt spürte: Sein Opa würde sicherlich gekränkt sein, wenn Lukas von ihm weg wollte. Es war schon recht spät und auch Laura wusste, dass ihr Vater es auf sich beziehen würde, wenn sie Lukas abholte.

Es war schon wieder eine Für-und-Wider Entscheidung, in die sie hineingeraten war. Egal, wie herum sie es drehte.

Doch Laura war die Situation von damals aus ihrer eigenen Kindheit noch mehr als präsent.
Nur, dass sie inzwischen in der Elternrolle war. Ihr war bewusst, dass ihr Sohn sich genau die Unterstützung von ihr wünschte, die sie sich damals auch von ihrem Vater gewünscht hätte.

Und sie wusste, dass egal, wie sie sich entschied, sie es wieder nicht allen recht machen konnte und die Enttäuschung von einem der beiden auf dem Spiel stand. Dieses Mal ging es um sie als Mutter, ihren Sohn und ihren Vater.

Doch eines wollte sie auf keinen Fall: Dass ihr Kind sich genauso alleine, hilflos und verlassen fühlen müsste, wie sie damals. Umringt von der ganzen Familie - und kein einziger brachte auch nur ein einziges verständnisvolles unterstützendes Wort über die Lippen - aus Rücksicht gegenüber Lauras Vater!

Sie wusste, dass die Konsequenzen sie und ihren Sohn betreffend sehr weitreichend sein könnten - nämlich genauso weitreichend, wie diese Situation damals für sie gewesen war.
Viele ihrer eigenen Glaubenssätze resultierten daraus. Sie spürte die Tragweite dieser Schlüsselsituation.

Gleichzeitig wollte sie ihren Vater nicht enttäuschen.

Dennoch: Sie wollte nicht, dass sich ihr Sohn so fühlen muss, wie sie damals. Also hatte sie keine andere Wahl. Wieder einmal musste sie sich „gegen“ ihren Papa entscheiden. Und wieder einmal würde derjenige „traurig“ sein…

Sie stieg ins Auto, fuhr eineinhalb Stunden durch den dunklen Regen, um ihren Sohn abzuholen. Als sie auf der Rückfahrt waren, legte ihr Sohn seine Hand auf ihre und sagte: „Danke, Mama, dass du mich abgeholt hast. Ich hatte kein Heimweh, sondern Mama-Weh.“

mobbing-jugendliche-opfer

Bild von Klappe

Da wusste sie, dass sie richtig entschieden hatte und vor allem, dass es wichtig war, eine Entscheidung getroffen zu haben!

Denn:
Keine Entscheidung ist auch eine Entscheidung - und zwar die allerfeigste und möglicherweise die noch falschere (sofern es überhaupt einen Superlativ von „falsch“ gibt)!

Übrigens:
Lauras Vater war wirklich sehr gekränkt. Er hatte es so viele Jahre später leider immer noch nicht geschafft, sich von seinen eigenen einschränkenden Mustern zu befreien und hatte sich auch keine Hilfe gesucht. Er hing in der Opferrolle fest. Einer seiner großen Glaubenssätze lautet: 
„Ich bin immer der Depp und mache alles falsch". Deshalb bezieht er auch alles auf sich, anstatt erwachsen drüber stehen zu können.

Sowohl Lauras Geschichte als auch die ihres Vaters zeigen, wie sehr uns alte Muster (die sich als Glaubenssätze in uns eingebrannt haben) einschränken und blind machen können.

Kennst du deine blockierenden Glaubenssätze und hast du es geschafft, dich von ihnen zu lösen?

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Wie gehe ich mit schlechten Nachrichten um,  die mich runter ziehen?

Wie gehe ich mit schlechten Nachrichten um, die mich runter ziehen?

Persönlichkeit

08-2020

Wir werden täglich mit einer Flut von negativen Nachrichten konfrontiert. Die einen machen uns mehr betroffen, von anderen können wir uns leichter distanzieren. Dennoch ist es schwierig, sich davon nicht runter ziehen zu lassen. Ganz abgesehen von unseren persönlichen Sorgen, die gelegentlich noch hinzu kommen. Wie können wir besser mit negativen Nachrichten umgehen?

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Bild von Engin Akyurt

Die Welt ist schlecht, oder doch nicht?

Oftmals schäme ich mich dafür, dass ich einer Gattung angehöre, deren Vertreter Kinder missbrauchen, mit lebendigen hilflosen Igeln Fußball spielen, sich gegenseitig für Macht und Geld abknallen und ihren Lebensraum zerstören.

Wenn ich mir das bewusst mache, möchte ich eigentlich gar kein Mensch mehr sein.

Die Welt ist schlecht und ich fühle mich schlecht.

Beim Gedanken daran fühle ich auf meinen Schultern, wie mich das runter zieht.

Ein kurzer Sprung auf die Meta-Ebene:

Auch aus dem Außen können negative blockierende Glaubenssätze entstehen.

Hat jemand den Glaubenssatz verinnerlicht „die Welt ist schlecht, ich kann eh nichts dagegen tun“, wird er Dinge ganz anders angehen, als mit dem Glaubenssatz „die Welt ist verbesserungsfähig und ich kann meinen Teil dazu beitragen“.

Indem ich zu der Erkenntnis gekommen bin „die Welt ist schlecht“, habe ich meinen Fokus überwiegend auf die negativen Dinge gerichtet, die in der Welt passieren und die guten ausgeblendet.

Doch: Es gibt auch die andere Seite.

Sprung zurück!

Wenn ich genauer darüber nachdenke, ist nicht alles schlecht:

Es gibt Menschen, die Großartiges leisten. Da gibt es Umweltaktivisten; Menschen, die sich für die Rechte von Frauen in den Ländern einsetzen, in denen Frauen kaum Rechte haben; Es gibt immer mehr Bauern, die ihren Betrieb in eine tierfreundliche Haltungsform ändern und es gibt Eltern, die ihren Kindern ein gutes Vorbild sind und ihnen Werte wie Gerechtigkeit, Toleranz, Mitgefühl und Hilfsbereitschaft vermitteln.
Das macht mir Hoffnung.

Wir springen noch einmal auf die Meta-Ebene:

Jetzt habe ich meinen Fokus auf das Gute in der Welt gerichtet. Doch: Ich möchte kein ignoranter Mensch sein und alles, was mir nicht gefällt ausblenden. Das gehört doch dazu. Das muss ich doch wissen, denke ich.

Glaube nicht alles, was du denkst -

Sprung zurück!

Ganz ehrlich: Wie genau hat die Information, dass Männer mit einem Igel Fußball gespielt haben und er später an seinen schlimmen Verletzungen gestorben ist, dazu beigetragen, dass meine „nicht Ignoranz“ irgend etwas in der Welt verändert? Inwiefern ist dieses Wissen konstruktiv?

(Das Beispiel habe ich mir übrigens nicht ausgedacht, sondern es wurde vorgestern im Radio in den Nachrichten verlesen!).

Ich habe mich sehr schlecht gefühlt, nachdem ich diese Nachricht gehört habe, denn ich habe mir vorgestellt, wie lange dieses arme hilflose Wesen gelitten haben muss, bevor es seinen Verletzungen erlegen ist.

Auch werde ich sehr traurig, wenn ich mir vorstelle, wieviele Kinder täglich in der Schule leiden, weil sie von anderen gehänselt oder ausgeschlossen werden.

Ebenso, wenn ich mir vorstelle, wie viele Kinder täglich Dinge über sich ergehen lassen müssen, die Erwachsene ihnen antun.

… ich könnte diese Liste wahrscheinlich ewig fortsetzen.

mobbing-jugendliche-opfer

Bild von Alexas-Fotos

Schlechte Nachrichten - ich treffe eine Entscheidung

Es ist schrecklich und während ich das schreibe spüre ich richtig, wie sich mein Bauch zusammen zieht und mein Herz schneller schlägt.

Es zieht mich richtig runter.

Um mich zu schützen, treffe ich eine Entscheidung!

Ich entscheide mich dazu, nicht alle schlechten Nachrichten wie ein Schwamm in mir aufzusaugen, sondern zu differenzieren.

Wie schaffe ich das?

Ich springe noch einmal auf Meta-Ebene:

Was nützt es dem toten Igel, dass irgend eine Frau - nämlich ich oder du oder Frau Müller - in Deutschland sich wegen seines Todes schlecht fühlt?

Was hilft es den gemobbten Kindern?

Was hilft es den mißbrauchten Kindern?

Nichts.

Ich taumle zwischen zwei Extremen …

Das eine Extrem:
Was kann ich tun, um nicht als gedankenlos konsumierendes Ego durch die Gegend zu laufen, weil ich mir alles schön rede?

Das andere Extrem:
Was kann ich tun, nicht als verhärmter Mensch zu enden, der die Welt als schlecht und bedrohlich wahr nimmt und dem es am Ende selbst schlecht dadurch geht?

Du ahnst es 🙂

Ich kann mir dir Schnittmenge raussuchen, die für mich gesund ist.

Konsumiere die Nachrichten, die für dich von Bedeutung sind und die du brauchst, um deinen Teil zu der Welt beitragen zu können, die du dir für dich und deine Kinder wünscht.

Deine 5-Punkte-Strategie zum Umgang mit schlechten Nachrichten

1. Um mit schlechten Nachrichten umgehen zu können, ist der erste Schritt, gar nicht so viele schlechte Nachrichten an dich ranzulassen.

2. Unterscheide, welche schlechten Nachrichten konstruktiv für dein Leben sind. Stelle dir die Frage, was du wissen musst, um dein Verhalten so anpassen zu können, dass du zufrieden mit dir bist.

3. Hörst du eine schlechte Nachricht, dann frage dich, ob dich persönlich diese Nachricht betrifft. Wenn die Antwort „nein“ lautet, dann schiebe diese Nachricht beiseite. Das kannst du konkret tun, indem du das Bild der schlechten Nachricht ganz klein machst und aus deinem Gesichtsfeld rausschiebst. Vielleicht kannst du dir auch vorstellen, wie es einen tiefen Abgrund hinunter stürzt und von einem rauschen Fluss davon getrieben wird, bis du es nicht mehr erkennen kannst.

4. Wenn du dir jetzt die Frage stellst: Was kann ich dennoch tun, um kein gleichgültiger Mensch zu werden? Dann rate ich dir, dir eine Sammlung der Werte zu erstellen, die du für wichtig hältst. Schreibe dir die Werte auf ein Blatt Papier, die dir wichtig sind. Das können zum Beispiel: Gerechtigkeit, Hilfsbereitschaft, Mitgefühl, Verständnis, Toleranz, Wertschätzung etc. sein.

5. „Be the change you wish to see in the world“ - Mahatma Gandhi

Raus aus der Ach-die-Welt-ist-so-schlecht-und-ich-bin-machtlos-Opfer-Rolle

Jetzt wird es fordernd und du musst dich aktiv aus deiner „ach-die-Welt-ist-so-schlecht-und-ich-bin-machtlos-Opfer-Rolle“ raus bewegen.

Überlege dir, wie du die von dir gewünschten Werte selbst in die Welt hinaus tragen kannst.

Ist dir Mitgefühl wichtig, könntest du dein Kaufverhalten beim Kauf von tierischen Produkten ändern. Du könntest genauso gut deinen Kindern Mitgefühl lehren, indem ihr immer wieder Perspektivenwechsel vornehmt und du die Frage stellst: „Wie fühlt sich der andere wohl gerade?“ - „Wie fühlt sich ein hilfloser Igel, der mit harten Tritten über den Boden gekickt wird?“ - „Wie fühlt sich eine hungrige Stadtaube, die ständig von Kindern in der Stadt gejagt wird?“ - „Wie fühlt sich wohl das Kind, über das alle anderen in der Klasse lachen?“

Du kannst deinem Kind ein gesundes Selbstwertgefühl vermitteln, indem du ihm Verantwortung überträgst und mit ihm über Dinge sprichst, die ihm das Gefühl geben, nicht ständig wie ein kleines Kind behandelt zu werden. Begegne deinem Kind auf Augenhöhe. Sprich mit ihm darüber darüber, dass es erwachsene Menschen gibt, die von Kindern Dinge verlangen, die sie nicht möchten. Erkläre ihm, wie es sich wehren kann, dass es sich nicht schämen braucht, weil es keine Schuld hat und dass du immer ein offenes Ohr für dein Kind hast.

Mache deinem Kind bewusst, wie einzigartig unsere Erde ist. Schaffe ein Bewusstsein und dein Kind wird lernen, was Wertschätzung bedeutet. Sprich viel mit deinem Kind. Auch ein sieben oder acht Jähriges Kind darf begreifen lernen, dass es nicht nur Sonnenschein und Kinderlachen auf unserer Welt gibt. Andernfalls enthältst du ihm viele wichtige Lektionen im Leben vor.

Ist dir Ehrlichkeit wichtig, solltest auch du ehrlich sein. Kinder sind besonders feinfühlig und kommen Notlügen schnell auf die Schliche. Möchtest auch du später nicht mit Notlügen deiner Kinder konfrontiert werden, dann ändere noch heute dein Verhalten!

Wenn du das lebst, was du dir für diese Welt und deine Kinder wünscht, wirst du mit schlechten Nachrichten viel besser umgehen können: Denn du weißt, dass du den dir möglichen Beitrag leistest.

Du hast gelernt zwischen einer wichtigen schlechten Nachricht und einer unwichtigen schlechten Nachricht zu unterscheiden. Das ist die Voraussetzung dafür, um unwichtige Nachrichten ausfiltern zu können.

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