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Autismus-Spektrum-Störung: Wie ich versuche, mein Kind zu verstehen.

Autismus-Spektrum-Störung: Wie ich versuche, mein Kind zu verstehen.

Kinder

10-2024

In dieser Artikelserie stelle ich Menschen vor, die mit viel Liebe und Leidenschaft das Leben unserer Kinder verbessern. Nach den bedrückenden Ereignissen des Jahres 2020/21 ist mir umso mehr aufgefallen, wie viel Gutes es doch auf dieser Welt gibt – und dass es bei allen erschütternden Nachrichten auch immer Helden gibt, die sich direkt ins Geschehen stürzen, um gerade den kleinen Menschen in unserer Mitte zu helfen.

Diese Alltagshelden haben manchmal Arztkittel an, manchmal schreiben sie (noch) mit Kreide auf Tafeln und manchmal nennen wir sie ‚Mama‘. Doch bei allen Unterschieden haben sie eines gemeinsam: Eine unermüdliche Leidenschaft dafür, Kindern mit viel Liebe zu begegnen und die Welt und ihre Zukunft damit ein Stückchen besser zu machen.

Und noch eine Eigenschaft haben sie gemein: Alle stutzten, als ich ihnen den Titel dieser Serie nannte und entgegneten: „ Ich sehe mich eigentlich gar nicht als Held, denn ich tue doch nur meine Arbeit.“ oder die Mütter sagten „… ich bin doch kein Held, nur weil ich für mein Kind das Beste will und mir wünsche, dass es glücklich ist. Das ist doch normal!“

Natürlich ist das für einen Held für kleine Herzen „normal“, doch was wäre das kleine Herz ohne tatkräftige Unterstützung?

Unsere nächste Heldin für ein kleines Herz ist A., Mutter eines Kindes mit Autismus-Spektrum-Störung.

Mein herzlicher Dank geht im Namen aller interessierten und betroffenen Eltern an A., die ihre Erfahrungen mit uns teilt.

Sie spricht eindrücklich darüber, wie sie erstmalig mit dem Thema Autismus-Spektrum-Störung konfrontiert wurde, wie ihr Umfeld, die Schule und die Familie darauf reagierten und was der Familie und ihrem Sohn besonders geholfen hat.

Besonders eindrucksvoll appelliert A. an das Verständnis betroffener Eltern. Sie ist zur wahren Expertin geworden!

Liebe Eltern,

 

wir sind eine 4-Köpfige Familie (Papa, Mama, Sohn (9 Jahre) und Tochter (7 Jahre)) und leben irgendwo in Norddeutschland. Unser Sohn ist diagnostizierter Asperger-Autist. Ich als Mama möchte Euch unsere Geschichte erzählen, auch wie es uns damit so ergangen ist. Vielleicht ist etwas dabei, was Euch vielleicht weiter helfen kann und wenn es nur ein bisschen Mut zusprechen ist.

 

Dass mit unserem Kind etwas anders ist, war rückblickend vom ersten Moment an klar. Es gab so viele Hinweise auf einen möglichen Autismus (die hier alle aufzuzählen wäre ein ganzes Buch wert), die wir als Eltern aber nicht recht greifen konnten. Leider gibt es immer noch sehr wenige echte Experten zum Thema Autismus und unter Fachleuten ist das Thema doch noch sehr unbekannt. Deshalb konnte anfangs keiner die Puzzleteile richtig zusammenbringen und wir fühlten uns nicht ernstgenommen und manchmal auch echt hilflos.

 

Für uns war die Diagnose am Ende eine totale Erleichterung!

 

A.

Helden für kleine Herzen - Teil 4

» Was war das Problem, mit dem du konfrontiert wurdest? Wie wirkte es sich auf dich, auf dein Kind, auf eure Familie und möglicherweise die Geschwister aus?

A.: Auffällig wurde es mit Beginn des Kindergartens. Das ist ja das typische Alter, in dem erste Besonderheiten des Asperger Autismus richtig zum Tragen kommen. Das erste Kindergartenjahr verlief recht ruhig. Es gab mal den ein oder anderen Hinweis: Er spielt ja schon viel alleine/gern alleine, mag sich nicht auf Spiele anderer einlassen, hasst Veränderungen, besonders spontane. Und das deutlichste: Er verweigert manche Aufgaben.

Wir hatten zu Hause auch immer mal wieder mit heftigen „Wut“-anfällen und extremer Verweigerung zu kämpfen – es war schon früh klar, dass da nicht immer der Wunsch, damit ein Ziel zu erreichen, dahintersteckte, sondern etwas anderes. Richtig greifbar war das aber alles nicht und helfen konnte uns auch keiner. Großeltern, Familie, Erzieher, Kinderarzt sagten: „Das ist normal, ihr müsst konsequent bleiben, das wird schon.“

Das wurde es aber nie so richtig. Konsequenzen zu ziehen, hatte nie den Erfolg, dass es beim nächsten Mal besser/anders wurde oder man anderweitig darauf aufbauen konnte. Daran zu scheitern fühlte sich unangenehm an und wir haben zunehmend an unseren Elternfähigkeiten gezweifelt. Dass man von anderen komisch angeguckt wird, ist da schon fast normal. Das Schlimmste aber ist, es wird einem unterschwellig Erziehungsversagen vorgeworfen! Das tut sehr weh!

Unsere Tochter hat lange versucht, mit besonders viel Einfühlungsvermögen auf ihren Bruder einzugehen. Einiges konnten wir als Eltern uns sogar abschauen. Inzwischen ist sie oft nur noch genervt; je älter sie wird, umso mehr bekommt sie von der Besonderheit mit und hat irgendwie kein Verständnis mehr – das ist sehr schade und ein echter Balanceakt.

Erste Auffälligkeiten

» Erinnerst du dich daran, wie es war und sich für dich anfühlte, als du das erste Mal das Gefühl hattest, dass „etwas nicht stimmt“ oder „anders“ ist?

A.: Im zweiten Kita Jahr wurde etwas anderes auffällig. Unser Sohn hatte in der Kita zwei ganz enge Freunde und die Freundschaft hält bis heute. Die drei verstehen sich nach wie vor fast blind. Aber natürlich gab es den Wunsch nach mehr Freundschaften, auch seitens anderer Kinder. Es gab immer wieder diese Tage, an denen er seinen Besuch stehen gelassen hat, wenn ihm eine Idee in den Kopf kam. Und er war nicht mehr davon abzubringen, bis seine Idee umgesetzt war.

Alle Versuche, ihn zurück zum Spiel mit seinen Freunden zu bringen, endeten grundsätzlich in massivem Protest und Geschrei. Auch der Versuch, seine Freunde in sein „Spiel“ mit einzubinden scheiterte, weil andere seinen Gedanken nicht folgen konnten oder es „nicht richtig machten“! Er zeigte keinerlei „Einsicht“ oder Interesse daran, dann mit seinen Freunden zusammen zu spielen.

Der Umgang mit seinen Freunden hat mich damals sehr betroffen gemacht – ich hatte das Gefühl, er sei ein Egoist. Und habe mich manches Mal darüber geärgert. Vor allem aber habe ich mich gefragt – warum? Freundschaft ist unserem Sohn so wichtig – warum tut er nichts dafür?

Aber heute ist mir klar – er konnte gar nicht anders! Zum einen besitzt er kaum Einfühlungsvermögen für die Bedürfnisse anderer und zum anderen musste diese Idee raus aus seinen Gedanken. Denn solange diese durch seinen Kopf geisterte, war er nicht mehr in der Lage, sich auf anderes zu konzentrieren, schon gar nicht auf soziale Aspekte einer Freundschaft.

Besonderheiten an der Autismus-Spektrum-Störung

» Welcher Weg ergab sich daraus?

A.: Diese Beobachtung gab mir den Anstoß, professionelle Hilfe zu suchen. Uns Eltern war da schon der Verdacht gekommen, dass möglicherweise Autismus dahinterstecken könnte, aber es war alles so vage und nicht richtig zu erklären. Der Sohn meines früheren Chefs ist ebenfalls Asperger-Autist und etwa 10 Jahre älter als unser Sohn. Mein Chef hatte mir da mehrfach von ähnlichen Situationen berichtet. Gleichzeitig hat er mich aber auch versucht zu beruhigen: Viele Sachen seien bei uns ja ganz anders und wir haben ja auch noch andere Probleme.

Heute weiß ich: Es schließt sich nicht aus. Die Diagnose heißt zurecht Autismus-SPEKTRUM-Störung und es ist tatsächlich ein Spektrum, ein Potpourri aus verschiedensten Eigenschaften und Besonderheiten! So gibt es Sachen, die für manche Autisten eine Riesenherausforderung sind, anderen aber wenig Schwierigkeiten bereiten und umgekehrt. Je nach Veranlagung im Spektrum, dem Umfeld und der akuten Situation.

Und da soll einer durchsteigen, der zum ersten Mal mit Autismus in Berührung kommt!?! Denn eines ist klar: nichts im Autismus ist bei irgendjemandem gleich: Es gilt: Kennst Du einen Autisten, kennst Du EINEN Autisten!

Nach Beratungen mit den Kita-Erziehern haben wir als Eltern Hilfe in einer Erziehungsberatungsstelle gesucht. Dies gab uns die Möglichkeit, einmal alle Merkwürdigkeiten zu erzählen und zu sortieren. Richtig weitergeholfen hat es uns letztlich nicht: Alle klassischen Erziehungsmethoden funktionierten schlicht nicht.

Mein Hinweis auf den Autismus- Verdacht wurde zwar zunächst ernst genommen, es wurden uns viele Fragen zu bestimmten Situationen gestellt. Das Ergebnis unserer Antworten war: Nein, es liegt kein Autismus vor. Aber leider wurde nur auf die klassischen Symptome geachtet: Er kommuniziert und er hat Freunde, was bedeutet, dass er kein Autist sei. Rückblickend denke ich: Schade, dass sich auch heute noch so wenig Profis wirklich mit Autismus auskennen, bzw. überhaupt daran denken! Bei uns hat es zu diesem Zeitpunkt schon viele Anzeichen gegeben.

Es wurde wieder versucht, unsere Schwierigkeiten und die Merkwürdigkeiten kleinzureden: Andere Eltern haben auch Probleme mit ihren Kindern, Eltern sein ist nicht einfach; gut, dass wir Hilfe gesucht haben, da sind wir uns der Probleme bewusst… Es hilft nur: konsequent sein, Struktur, geregelte Abläufe….

Tja…. ohne gewisse (mitunter sehr strenge) Regeln und Abläufe lief aber bei uns sowieso schon gar nichts. Eine Konsequenz einzufordern war noch schlimmer, als die eigentliche Aufgabe durchzusetzen. Aber noch strenger sein führte zu einem starren Korsett, bei dem dann jede Abweichung (vor allem, wenn sie von außen bestimmt war) zu riesigem Geschrei und erst Recht zur Verweigerung führte – dies war also keine Option. Auch die Zügel lockerer zu lassen, erzeuge Protest und Verweigerung. Aber warum bloß? Warum? Warum? Und was tun???

Es näherte sich das Ende der Kindergartenzeit und wir beschlossen, erstmal zur Ruhe zu kommen und den Schulstart abzuwarten. Es hatte sich alles ein wenig beruhigt. Mit vielen Erklärungen im Allgemeinen und Vorbereitung auf unbekannte Situationen (sofern möglich) lief es zu Hause einigermaßen. Es kamen weniger Katastrophenmeldungen aus dem Kiga. Ich hatte zwischendrin auch das Gefühl, unser Sohn wollte anders handeln, aber er kam aus der Rolle nicht mehr heraus. Also abwarten, was die Schule so bringt.

Autismus-Spektrum-Störung

Bild von Thomas G.

Autismus-Spektrum-Störung in der Schule

» Ergaben sich daraus auch Probleme in der Schule?

A.: Mit großem Enthusiasmus auf eine neue Chance meinerseits, aber auch mit gehörig Respekt vor den Anforderungen, begann die Schulzeit. Unser Sohn hatte sich bis dato noch keine einzige Minute auf die Schule gefreut – warum sollte er lesen und schreiben lernen, er war hervorragend 6,5 Jahre ohne klargekommen und hatte sich sein teilweise beachtliches Wissen erfragt, vorlesen lassen, gern Dokumentationen im Fernsehen geschaut, Bücher angeguckt – eben seinen Weg gefunden.

Die erste Schulwoche war megaanstrengend für ihn und er hat jeden Mittag geschlafen. Bis zu den Herbstferien lief alles soweit. Wir hatten so ein bißchen Mühe mit dem Erledigen der Hausaufgaben, aber wir haben uns durchgewurstelt. Schule ist eben ein gehöriger Einschnitt und letztlich doch ganz anders als Kindergarten und da muss man sich erstmal umstellen und dem Kind (und den Eltern) Zeit geben.

Doch nach den Ferien kamen die ersten Anrufe/ Nachrichten: Unser Sohn würde immer noch verweigern, er verhält sich unsozial, kommt mit Veränderungen nicht klar, ist gleichzeitig sehr empfindlich. Im neuen Jahr gab es ein Elterngespräch mit der Klassenlehrerin. Sie hätte zudem den Eindruck, er hätte vor Vielem (Unbekanntem) Angst, brauche lange, um sich auf etwas einzustellen, sei schwer zu motivieren und gäbe schnell auf. Sie hatte aber auch erkannt, dass er teilweise ein großes Wissen hat und meinte zum Abschluss: das wird schon! So haben wir uns durch das erste Jahr gekämpft!

Im ersten Schuljahr wurden schon viele Fakten zum Autismus zusammengetragen, aber leider konnte keiner die Verbindung herstellen. Meine Recherche zu dem Thema brachte mich nur in Teilen weiter. Ich fand meinen Sohn nur zum Teil im Autismus-Spektrum wieder. Vor allem diese Austicker tauchten nirgendwo auf, bei denen er sich am Ende oft nicht mal erinnern konnte, was vorgefallen war….

Inzwischen weiß ich, dass diese im Autismus-Spektrum ‚Overload‘, ‚Meltdown‘ und ‚Shutdown‘ heißen und die Ursache fast immer eine Reizüberflutung jeglicher Art ist. Gerade lernen wir gemeinsam, die Overloads zu erkennen und Gegenmaßnahmen zu ergreifen, bevor es richtig schlimm wird.

Auch das Verweigern ist ein typisches Symptom – oft hat es damit zu tun, dass etwas von der Routine abweicht und sich das Kind auf die neue Situation einstellen muss. Lässt man unserem Sohn etwas Zeit, dann erledigt er anschließend meist die Aufgaben. Und falls nicht, kann man ihn immer noch fordern!

 

Und wir? Wir fühlten uns irgendwie hilflos. Liegt doch etwas anderes vor, aber was? Liegt es an uns, müssen wir mehr fordern oder vielleicht fördern? Aber das Kind steht so schon am Limit und nun in den Ferien mit Schule ankommen??? Vielleicht kommt er über die Ferien ein wenig zur Ruhe…?

 

Leider ging es im zweiten Schuljahr genauso weiter. Nein, nicht genauso: viel schlimmer! Hausaufgaben waren nur noch Verweigerung und in der Schule fing unser Sohn an, Zettel zu zerreißen, wenn eine Aufgabe nicht so gelöst werden konnte, wie er es gewohnt war oder er es sich vorgestellt hatte. Beim Sportunterricht setzte er sich einfach auf die Bank und tat nichts mehr, wenn es um Gruppenspiele ging. Er weigerte sich, den Klassenraum zu verlassen, als es um einen unangekündigten Raumwechsel ging. Puh, was war da los???

(Ich bin übrigens sehr froh und total dankbar, dass seine Klassenlehrerin von Anfang an gesehen hat, dass sich hinter diesen Aufständen kein Trotz verbirgt. Aber weitergeholfen, unser Problem zu lösen, hat uns das leider auch nicht!)

Auf Anraten der Klassenlehrerin, haben wir nun doch psychologische Hilfe in Anspruch nehmen wollen und sind an eine psychologische Ambulanz geraten. Die erschien uns auf den ersten Blick hoch professionell. Der Ambulanzleiter persönlich nahm sich über 2 Stunden Zeit, sich alle unsere Probleme anzuhören. Er hat uns mehrere Fragebögen ausfüllen lassen und kam am Ende zu einer ersten Verdachtsdiagnose: oppositionelles Trotzverhalten. Und machte uns gleich Mut, das ließe sich gut behandeln, er hätte da auch schon eine Therapeutin im Auge, die hätte sehr gute Erfolge erzielt.

Oppositionelles Trotzverhalten? Das hörte sich ganz nach unserem Sohn an: verweigert (unangenehme) Aufgaben, gibt anderen die Schuld, wenn etwas misslingt, hat häufig Wutausbrüche, geringe Frustrationsgrenze, … .

Ursache: Eltern oder andere Betreuungspersonen, die bei Widerstand gegen eine Aufgabe, nachgeben. Hmh, da konnte ich mich nicht dran erinnern…oder vielleicht ganz wenige Mal – und das sollte ausreichen???

Behandelt wird das Ganze mit einer Verhaltenstherapie. Es gibt klare Regeln und Tagesabläufe und die Kinder sollen für ihr fehlerhaftes Handeln die logischen Konsequenzen zu spüren bekommen.

Da kamen uns schon die ersten ernsthaften Zweifel: Klare Regeln und Tagesabläufe haben wir aber so was von! Ohne die würde unser Sohn überhaupt nicht klar kommen! Und Konsequenzen sind ja genau das, was gar nicht funktioniert. Klar haben wir es fast immer geschafft, diese durchzusetzen – aber ohne Erfolg auf Besserung/ Veränderung beim nächsten Mal. Und was uns noch viel mehr Rätsel aufgegeben hat: Er erreichte mit seiner Verweigerung doch gar nichts – letzten Endes musste er die (Haus-) Aufgaben trotzdem erledigen und hatte am Ende schlicht weniger Freizeit.

Die Lösung ging schonmal nicht auf. Es passte einfach alles überhaupt nicht zusammen und die Therapie erzielte logischerweise null Erfolge und alles wurde nur noch schlimmer. Was war dann nur mit unserem Sohn los??? Leider schafften es die Therapeuten in der Ambulanz nicht, über „ihren Tellerrand zu schauen“ und blieben beharrlich bei ihrer Diagnose. Uns wurde sogar nachgesagt, wir würden die Therapie torpedieren, da sich keine Verbesserung einstellte. Unser Autismus-Verdacht wurde vom Tisch gewischt: „Diagnosen stellen bei uns die Therapeuten und nicht die Eltern!“ So sind wir leider viel zu lange in die falsche Richtung gelaufen.

Nach einem letzten Versuch mit einem Elterngespräch eine Klärung herbei zu führen, haben wir kurzerhand den Therapeuten gewechselt. Und endlich wurde mein Verdacht erhört – es gab einige weitere Fragebögen und Gespräche und: Unser Verdacht war die ganze Zeit in die richtige Richtung gegangen! Es besteht der Verdacht einer autistischen Störung. Welch Erleichterung! Unser Gefühl hatte uns nicht getrogen! Eine Überweisung in ein Autismuszentrum brachte endlich die Gewissheit: Autismus-Spektrum-Störung, also kein oppositionelles Trotzverhalten!

 

Eine wichtige Erkenntnis:

Abgesehen davon, dass in der Ambulanz der falsche Ansatz gewählt wurde, ist mir trotzdem heute eines eindeutig klar: Wir als Eltern haben nie dasselbe als logische Konsequenzen empfunden wie unser Sohn; das, was wir als logische Konsequenz gesehen haben, war für ihn überhaupt nicht die logische Folge. Und unser Einfordern hat nur zusätzlich Verwirrung und damit noch mehr Reize erzeugt! Folge: Komplett-Verweigerung!

Heute setze ich oft keine Konsequenzen mehr ein. Die Sachen, die wirklich wichtig sind, werden natürlich ohne wenn und aber eingefordert – damit haben wir genug zu tun! Bei allen anderen Sachen überlegen wir sehr genau, ob die Sache richtig wichtig ist oder wir nicht Fünfe gerade sein lassen können. Das erfordert ein bisschen Mut, aber wir haben auch schon festgestellt: Bisher ist die Welt nicht untergegangen!

Benötige ich doch mal Konsequenzen, sind diese im Vorfeld klar und unmissverständlich (nachfragen!) mit unserem Sohn besprochen. So haben wir im Falle eines Falles null(!) Akzeptanzprobleme! Das ist das echt tolle an Autisten: Sind Regel und Bedingung akzeptiert (weil logisch!), werden sie zu 100% befolgt! Doch das muss man erst einmal verstehen und wissen, um damit richtig umgehen zu können.

Diagnose Autismus-Spektrum-Störung und was sich daraus für uns ergab

» Ergaben sich daraus auch Probleme im sozialen Umfeld? Für dich, für dein Kind, für andere Beteiligte?

A.: Die Diagnose löste insbesondere in mir ein Gefühl der Befreiung aus und gleichzeitig pure Erschöpfung. Endlich waren wir davon befreit, „schlechte“ Eltern zu sein / eine schlechte Erziehung zu leisten. Ganz im Gegenteil, wir waren die ganze Zeit goldrichtig unterwegs und haben intuitiv vieles richtig gemacht. Aber dieser Kampf war anstrengend gewesen. Und nun ging es eigentlich erst richtig los!

Wir haben die Schule informiert – in erster Linie die Klassenlehrerin, aber auch die Fachlehrer. Das war Teil 1 und relativ einfach. Hier haben wir von allen großes Verständnis erfahren und auch eine gewisse Erleichterung – damit konnte man arbeiten! Das ist Teil 2 und dieser ist viel schwieriger.

Wir stecken noch mitten drin im Prozess. Es benötigt viel Verständnis, Wissen, Geduld und Fingerspitzengefühl, zum richtigen Zeitpunkt das richtige zu fordern, aber an mancher Stelle einfach mal Weitsicht gelten zu lassen. Und das jeden Tag aufs Neue! Das, was gestern kein Problem war, ist heute eine Riesenherausforderung. Manche Sachen, um die wir lange gekämpft haben, gehen von heute auf morgen ohne weiteres Zutun!

» Wie ging dein Kind damit um? War es einsichtig und erkannte das Problem selbst, war es traurig/verzweifelt/zurückgezogen/unbedarft/ ….?

A.: Inzwischen haben wir unserem Sohn auch erzählt, was mit ihm los ist, aber noch haben wir ihm keine Diagnose genannt. Ich glaube, es ist ihm schon im Kindergarten aufgefallen, dass er anders ist, andere Interessen hat ohne, dass es ihn groß gestört hat. Auch war das lange in der Schule kein Thema.

Seit einiger Zeit (er ist jetzt 9) hinterfragt er es aber doch zunehmend, da er gemerkt hat, dass anderen Kindern manche Sachen leicht fallen und ihm gar nicht gelingen wollen. Es war uns wichtig geworden, dass er versteht, dass seine Art zu denken und zu fühlen für ihn normal ist, aber auch, dass es anderen anders geht. Es fällt ihm schwer, das zu akzeptieren. Denn schließlich denkt sein Gehirn nicht nur für uns anders, sondern auch unsere für ihn.

Auch haben wir die Eltern seiner besten Freunde informiert und die Eltern der Klasse, was es mit den Besonderheiten unseres Sohnes auf sich hat. Der ein oder andere hatte sich so seine Gedanken gemacht. Auch hier kam großes Verständnis und Dank für die offenen Worte. Es tut einfach gut, wenn man nicht auf sich alleine gestellt ist.

» Wie wirkte sich die Situation auf deine Partnerschaft/Ehe aus? War das eine besondere Herausforderung für euch als Paar?

A.: Auch meinem Mann ist die Diagnose am Anfang sehr schwer gefallen und er mochte diese bzw. vielmehr die Besonderheiten und damit einhergehenden besonderen Regeln gar nicht hinnehmen und hat weitergemacht wie bisher, mit ausbleibenden Erfolg. Dann habe ich ihm immer wieder ein Stichwort geliefert und er konnte selbst recherchieren, hat vieles inzwischen verstanden und einen guten Weg gefunden, mit unserem Sohn umzugehen.

Dennoch ist es ein dauerhafter und mitunter sehr anstrengender Weg, Autisten zu begleiten.

Autismus-Spektrum-Störung

Bild von mimzy

Autismus-Spektrum-Störung in der Gesellschaft

» Was hat dir besonders geholfen? Welche konkreten Tipps hast du für andere Eltern im Bezug auf den Umgang mit einem Kind, das eine ASS Diagnose hat? Hast du eine Lösung für dich persönlich gefunden, wie du mit der Situation besser umgehen kannst?

A.: Eben weil der Weg so herausfordernd ist, ist es wichtig, sich soviel Wissen wie möglich zu dem Thema Autismus anzueignen. Nicht nur die reinen Fakten über die Symptome, sondern vor allem auch, wie sich Autisten fühlen, wie sie denken!

Es gibt heute so viele Möglichkeiten sich zu informieren, vor allem über das Internet. Dort gibt es leider auch viel Unsinn – aber ich finde man merkt schnell, ob die dort gegebenen Informationen weiterhelfen. Im Anhang findet ihr die Bücher, Blogs, Videos und Podcasts, die uns weitergeholfen haben.

Mir hat es sehr geholfen, Bücher zu lesen, die aus Sicht der betroffenen geschrieben wurden. Diese gibt es als Kindervarianten aber auch für Erwachsene. Das hat mir die Denkweise veranschaulicht. Es hilft zudem, sich die ein oder andere autistische Denk- und Verhaltensweise anzueignen. So kann man in Krisenzeiten dann Führung übernehmen, die dringend benötigt wird.

Es gibt viele, sehr gute Videos, wo Betroffene selbst oder Eltern ihre Sichtweise erzählen, auf etwas aufmerksam machen und an vielen Stellen wertvolle Hilfe liefern – manchmal bessere als Fachleute und Therapeuten.

Es gibt tolle Foren und einen klasse Podcast – ich habe auch den ein oder anderen Ersteller der Videos angeschrieben und um Unterstützung zu verschiedenen Themen gebeten. Hier habe ich viele Informationen und positive Rückmeldungen bekommen.

Es gibt bei uns in der Stadt auch eine Selbsthilfegruppe. Bisher habe ich dorthin keinen Kontakt aufgenommen – das ist einfach nicht meine Welt, das mag aber für jeden anders sein und es hängt sicher auch von der Gruppe selbst ab.

Für manche Autisten mag es hilfreich sein, eine Schulbegleitung zu haben. Dies lehnt unser Sohn ab, es würde ihn für sein eigenes Empfinden noch besonderer machen und damit noch mehr Stress erzeugen. Eine Schulbegleitung soll eine Hilfe sein und keine Strafe. In unserem Fall haben auch die Lehrer eine solche abgelehnt, da sie eher fürchten ein weiteres "Kind" in der Klasse sitzen zu haben. Und inzwischen läuft es in der Schule erheblich besser, mit kleinen Rückschlägen, besonders kurz vor Ferien.

Und ich habe viele dieser Informationen und Erfahrungen auch den Lehrern zu Verfügung gestellt, was sehr dankbar aufgegriffen wurde – man sollte nicht davon ausgehen, dass sich die Lehrer in irgendeiner Weise damit auskennen. Autismus ist, wie bereits erwähnt, selbst unter psychologischen Fachleuten ein weitestgehend unbekanntes Thema; Warum sollten sich Lehrer und Erzieher damit auskennen? Außerdem können so alle über dasselbe sprechen! Und es gab durchaus auch Tipps von den Lehrern zurück!

Gegenwind

» Welchen Hürden bist du begegnet?

A.: Eine Sache an der Schule hat mich allerdings sehr verletzt. Die Rektorin hatte um ein Gespräch gebeten: Eltern, Klassenlehrerin und Fachlehrer. Ich war nicht so richtig glücklich über ihren Wunsch – sie hat keinen Unterricht bei unserem Kind und ich fand, dass sie das nichts angeht. Das Ganze ist ja sehr persönlich. Auf der anderen Seite wussten die Eltern der Klasse bereits Bescheid, so konnte ich der Rektorin dies nicht gut verwehren. Ich musste allerdings allein zu dem Termin, mein Mann hat auf die Kinder aufgepasst.

Die Rektorin bat mich kurz zu erzählen, was es mit der ASS so auf sich hat, sie kenne das gar nicht, das sei ihr noch nie begegnet! Das hat mich sehr verwundert, denn sie ist eine erfahrene Lehrerin. Aber sei es drum, ist vielleicht wirklich zu unbekannt. So habe ich sehr kurz die Besonderheiten aufgezählt und dass diese Kinder an manchen Stellen sehr viel mehr Unterstützung benötigen als Klassenkameraden.

Als ich erläutern wollte, wie man damit gut umgehen kann, fällt sie mir ins Wort und sagt: Na, da hätte unser Sohn aber eine niedliche Besonderheit. Wir müssten uns aber schon im Klaren sein, dass auch besondere Kinder sich bei ihr an der Schule anpassen müssten! Und wann wir denn denken, dass unser Sohn selbstständiger wird?

Wie bitte? Ich war entsetzt und fassungslos!!! Wie kann sie eine solche Aussage treffen – wo sie mir zuvor erklärt hat, dass sie die ASS nicht kennt? Ich halte unseren Sohn doch nicht künstlich klein! Im Gegenteil: Wir wünschen uns sehr, dass unser Sohn später ein selbstständiges Leben führt und ich sehe uns auf einem guten Weg dorthin. Wenn das alles so einfach wäre und schnell ginge, säße ich nicht hier! Wo war die vielgerühmte Toleranz?

Ich war jedenfalls sprachlos (was selten vorkommt) und ich habe sofort den Raum verlassen. Später hat mich die Klassenlehrerin (wohlgemerkt Klassenlehrerin) angerufen und hat sich entschuldigt! Das war eine schlimme, schlimme Erfahrung und vermutlich wird es nicht die letzte gewesen sein. Der Kampf (es ist schade, dass man so kämpfen muss) wird spätestens an der weiterführenden Schule von Neuem beginnen.

Ich habe es letztlich darauf beruhen lassen, obwohl mir zuvor übelste Gedanken gekommen waren! Aber gegen Beton in Köpfen kann ich zum momentanen Zeitpunkt nicht viel ausrichten! Ich brauche die Energie für mein Kind und für diejenigen, die Lust darauf haben, mit Autisten zu arbeiten. Für diejenigen, die trotz aller Schwierigkeiten sich die Besonderheiten zunutze machen und dies als Bereicherung sehen! Und da gibt es in unserem Umfeld Gott sei Dank genug!

Appell

» Welchen Tipp hast du für andere Mütter? Was würdest du dir für autistische Kinder der Zukunft wünschen? Was für ihre Familien?

A.: Deshalb: Schaut mit Stolz auf eure Kinder. Guckt auf ihre Fortschritte und erfreut Euch daran. Lasst euren Kindern die Zeit, die sie brauchen, um selbst Wege zu finden und wenn sie noch so unkonventionell sind. Und helft ihnen, wenn ihnen selbst etwas wichtig ist, sie aber keine Lösung finden (können). Und überlegt, was wirklich wichtig ist im Leben und an welcher Stelle das Anforderungsprofil Abspecken verdient!

Noch viel wichtiger: Nehmt Eure Kinder wie sie sind – sie sind toll! Und dann kämpft für sie – da sie es selbst (noch) nicht können. Das kostet unendlich Kraft, die eh schon knapp ist. Aber wir Mütter können das! (und die Väter können uns gut unterstützen).

Klärt Eure Leute auf, sprecht offen. Macht allen im Umfeld klar, wie es Euren Kindern ergeht, wie sie fühlen und denken, wie sie ihre Umwelt wahrnehmen. Nehmt das Umfeld mit in die autistische Welt und erklärt, dass Eure Kinder sich das nicht ausgesucht haben und dass sie oft leiden. Nur durch Aufklärung kann man die Gesellschaft zur Toleranz erziehen!

Macht Euch und allen anderen bewusst: Es steckt keine schlechte Erziehung, fehlende innere Einstellung oder mangelnde Durchsetzungskraft dahinter. Unsere Kinder sind nicht boshaft, trotzig, verwöhnt oder faul. Sie besitzen eine Eigenschaft, die Autismus heißt. Und Nicht-Autisten, die sich in keinster Weise vorstellen können, was das bedeutet, haben festgelegt, es sei eine Abweichung von der Norm und damit eine Behinderung!

Aber wer wird hier behindert? Ich bin mir ziemlich sicher, dass unser Sohn seine reiche Welt gar nicht tauschen möchte, auch wenn er oft an seine Grenzen in unserer Welt gerät! Seine Welt bietet ihm soviel, die engen Grenzen unserer Welt behindern ihn! Er sieht die Welt tatsächlich mit anderen Augen, Ohren, Geschmäckern, Farben. Er hat immer 1000 Ideen, wovon etliche unkonventionell sind, aber grundsätzlich zum nachdenken und nachahmen anregen!

Soll ich ihn darin behindern, weil es mir oder womöglich jemandem anderen unkonventionell/ nicht der Norm entsprechend erscheint?

Zum Schluss noch eine Sache, die mir persönlich sehr am Herzen liegt: Wie mehrfach beschrieben, ist das psychologische Fachpersonal noch nicht unbedingt fit im autistischen Spektrum und vor allem im Umgang mit Betroffenen. Fragt eure Therapeuten, ob und welche Erfahrungen sie im Umgang mit Autisten haben und falls keine da sind, fragt, ob sie bereit sind, mit Euch diesen Weg gemeinsam zu gehen und vielleicht auch mal unkonventionell zu denken.

 

Solltet ihr an irgend einer Stelle ein merkwürdiges Gefühl bekommen und/oder eine Therapieform widerspricht auch nur im geringsten eurem Bauchgefühl, oder es bringt Euch überhaupt nicht weiter: Bitte, bitte habt den Mut, dies anzusprechen und im Zweifel den Weg abzubrechen!

 

Lasst nichts zu, wo Euren Kindern, der „Wille“ gebrochen werden soll und sie sich „endlich“ anpassen/neurotypisch verhalten sollen. Oder wenn ein Meilenstein von ihnen gefordert wird, den neurotypische Menschen als Normalität ansehen! Autismus ist keine Lebenseinstellung und man kann Autismus nicht um- oder wegtherapieren! Autist bleibt man ein Leben lang! Und nur weil bestimmte Eigenarten später nicht mehr sichtbar sind, heißt das nicht, dass sie verschwunden sind oder etwas „geschafft“ wurde! Möglicherweise musste der Autist lernen, diese zu unterdrücken und lebt nun gegen seine Natur, was ihn ernsthaft krank machen kann.

 

Lasst die Besonderheiten bei Euren Kindern zu und sucht nach kreativen Lösungen, wenn ein Verhalten überhaupt nicht zu tolerieren ist (was durchaus vorkommt und man das nicht aushalten muss). Wir haben gute Erfahrungen damit gemacht, sich selbst und dem Kind zunächst die problematische Verhaltensweisen bewusst zu machen: Was genau ist problematisch, für wen und warum, und was geht der Situation voraus? Kann der Auslöser nicht verändert werden, kann man anschließend versuchen, Stück für Stück das problematische Verhalten durch eine neue, unproblematischere Verhaltensweise zu ersetzen. Dies erfordert allerdings sehr viel Fingerspitzengefühl und setzt unendlich Geduld voraus und man ist auf die Kooperationsbereitschaft/das Verständnis um das Problem beim Autisten angewiesen.

Habt deshalb bei allen Vorstellungen und Erwartungen im Kopf: Ermöglicht den Autisten vorrangig so zu sein, wie sie sind und behindert sie nicht!

 

Das ist Inklusion!

Tipps für betroffene Eltern

Hier sind die genannten Quellen, die A. und ihrem Umfeld geholfen haben, die autistische Welt besser zu verstehen:

Youtube-Kanal:

  • Galoxee-Asperger-TV (hier erzählt eine Mama hauptsächlich vom Umgang mit ihrem autistischen Sohn, aber auch Tochter und Vater sind betroffen)
  • InsideAut (hier erzählt ein Erwachsener aus seiner Welt – er kann die autistische im Vergleich zur neurotypischen Sichtweise sehr gut erklären)
  • GirlfromPlanetAspie (jetzt: LennsArrival, eine junge Frau, die auch aus ihrer Kinder- und Jugendzeit erzählt)

Bücher:

  • Schattenspringer*
    • Daniela Schreiter
    • Comic, für ca. 10-Jährige – hiermit haben wir unserem Sohn seine Besonderheit nahegebracht
  • Alle anderen sind komisch*
    • Martina Grünbaum
    • Autistische Innenansichten und ein toller Blick auf die neurotypische Welt und ihre Regeln
  • Kinder mit Asperger einfühlsam erziehen*
    • Cynthia LaBrie Norall, Beth Wagner Brust
    • konkrete und umsetzbare Tipps zum Umgang – die Übersetzung liest sich etwas ungewohnt: Autisten heißen dort: unsere Freunde, dennoch sind die Inhalte wirklich gut

Podcast

  • Autistische Wahrnehmungen
    • ein autistischer und eine neurotypischer Mann sprechen in lockerem Plauderton, in späteren Folgen sind andere Gäste dabei; es gibt auf der zugehörigen Homepage der einzelnen Podcast sehr viele Querverweise auf Artikel, Fachbeiträge, Videos, Bücher zu angesprochenen Themen – hier lohnt es sich in jedem Fall weiterzulesen!

Blogs

Hier müsst ihr gucken, welche Beiträge EUCH weiterhelfen.

Und hier auch noch eine Jugendbuchempfehlung von mir, Silke, die auch verfilmt wurde:

  • Wunder*
    • R.J. Palacio, dtv Verlag
    • ausgezeichnet mit dem deutschen Jugendbuchpreis.

Du möchtest noch weitere Helden für kleine Herzen kennenlernen?

Hier kannst du Teil 1, 2 & 3 nachlesen:

Mit Liebe und Geduld zu einer glücklichen Familie

Tirza hat als Mutter eines Sohnes mit neuro-psychiatrischen Problemen einen langen Weg des Lernens hinter sich. Ihre Geschichte ist dennoch aufmunternd für uns alle

>> Teil 1 lesen

Gutes Sehen: Den ganzen Menschen im Blick haben.

Augenarzt Dr. med. Thomas Katlun behandelt in seiner Praxis in
Heidelberg Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit einem ganzheitlichen Ansatz.

>> Teil 2 lesen

Integrativer Kindergarten: Engagiert und liebevoll durch den Kindergartenalltag.

In diesem Interview erhältst du einen spannenden Einblick in den Alltag einer Erzieherin. Das Interview gibt dir Impulse für dich und deine Kinder mit, die du selbst vielleicht umsetzen kannst oder damit (deine) Kinder noch besser unterstützen kannst.

>> Teil 3 lesen

Kennst du auch Menschen, die das Leben unserer Kinder verbessern? Wer ist für dich ein Held für kleine Herzen? Hinterlasse mir gerne einen Kommentar.

Und wenn auch du einen Beitrag zu dieser Blog Serie durch (d)eine Geschichte leisten möchtest, die vielleicht für andere Eltern die Initialzündung für einen für sie Heilung bringenden Weg sein kann, schreibe mir gerne eine Nachricht.

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Ich bin Silke Krämer.

Kinder- und Jugendcoach Professional, NLP Master und Coach, EMDR Traumatherapeutin und Gymnasiallehrerin

Ich helfe Familien, wenn es Schulstress gibt und daheim die Fetzen fliegen. Außerdem unterstützte ich Mütter und Väter dabei, sich den Herausforderungen des Familienlebens selbstbewusst zu stellen.

Als Trainerin für Reflexintegration helfe ich deinem Kind, damit ihm die Schule bei Konzentrations­schwächen, Lern- und motorischen Problemen leichter fällt.

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So lernt unser Gehirn am besten: Der Trick mit allen Sinnen.

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Möglicherweise hast du dich schon einmal gefragt, warum sich bestimmtes Wissen oder so manche Erlebnisse aus deiner Schulzeit besonders gut in deinem Gehirn verankert haben? Woran das liegt und wie du diesen Mechanismus dazu nutzen kannst, dein Kind optimal beim Lernen zu unterstützen, verrate ich dir in diesem Artikel.

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Bild von Prawny

Wir lernen über Gefühle

Wir alle wissen aus eigener Erfahrung, dass Erinnerungen sehr starke Emotionen in uns hervorrufen können. Diese Gefühle hängen eng mit unseren Sinnen zusammen und so kann ein bestimmtes Bild, ein Geruch oder ein Geschmack uns sofort in lang vergangene Situationen zurückversetzen.

Auch für Erinnerungen aus der Schulzeit gilt das: an Gelerntes können wir uns dann auch Jahrzehnte später noch erinnern, wenn der Inhalt mit einem bestimmten Ereignis in unserem Lieblingsfach oder zum Beispiel einem komischen Merkspruch verknüpft war.

Im Zusammenhang damit möchte ich jetzt über ein ebenso alltägliches wie kompliziertes Thema schreiben: das Lernen. Gerade in der Schulzeit, wenn man als Kind eben nun einmal lernen muss, ist es von großem Vorteil, wenn sowohl Eltern als auch Kinder wissen, wie Lernen am besten funktioniert.

Den Lernstoff ganzheitlich erfahren

Ich persönlich erinnere mich hierfür gerne an ein Beispiel aus meiner eigenen Schulzeit: Ganz genau weiß ich nämlich noch, welche Bilder ich gemalt habe, als unsere Musiklehrerin in der zweiten Klasse die ‚Moldau‘ von Bedrich Smetana abspielte und uns zu der Musik den Inhalt der einzelnen Stücke erzählte. Ich kann mich an die Stromschnellen erinnern, an die Bauernhochzeit, an den ruhigen Bachlauf durch den Wald und daran, wie die Moldau schlussendlich ins Meer fließt.

Dieses Ereignis ist, obwohl es so lange zurück in der Vergangenheit liegt, fest in meinem Kopf verankert – weil ich es mit allen Sinnen erlebt habe.

Und darin liegt auch der Schlüssel zum erfolgreichen Lernen: weil ich mich damals in der Situation komplett wohlgefühlt habe und wusste, dass meine Leistung nicht mit Druck erzeugt werden muss, konnte ich mich voll und ganz auf meinen Lernauftrag konzentrieren und all meine Fähigkeiten ausnutzen.

Genau diese Art und Weise wie ich gelernt habe, hat dafür gesorgt, dass sich der Lernstoff nachhaltig in mein Gehirn geprägt hat. Wenn du deinem Kind (oder natürlich auch dir selber) also ermöglichen möchtest, dass es seine/ihre Fähigkeiten voll ausschöpfen und so gut wie möglich lernen kann, gibt es einige Tipps, die dabei unterstützen.

Entspannt lernt sich's einfach besser

Generell ist eine entspannte Grundatmosphäre wichtig, um bestes Lernen zu erlauben.

Das gilt einerseits natürlich für die körperliche Umgebung: Schaffe einen gemütlichen Ort, an dem man bequem länger und in Ruhe sitzen kann und wo bei Bedarf zum Beispiel Musik mit Alphawellen läuft.

Und andererseits sollte auch die emotionale Umgebung eine positive Grundeinstellung zum Lernen erlauben: nach einem Streit zu lernen oder im Liebeskummer Konzentration zu finden, ist nahezu unmöglich. Das Gehirn schwirrt in diesen Fällen oft überall herum (nur nicht dort, wo es sein soll) und der Lernstoff wird schnell zu einer weiteren Last.

Nutze alle deine Sinneskanäle zum Lernen

Wenn diese ersten Bedingungen gegeben sind, gibt es noch weitere Tricks die dem Gehirn dabei helfen können, sich Dinge zu merken.

Hier kommen die sogenannten VAKOG-Kanäle ins Spiel: das Gehirn kann man Visuell, Auditiv, Kinästhetisch, Olfaktorisch und Gustatorisch anregen. Hinter diesen ganzen komplizierten Wörtern verstecken sich eigentlich nur unsere fünf Sinne: das Sehen, Hören, Fühlen, Riechen und Schmecken.

Wenn wir also unseren Lernstoff nicht nur auswendig lernen, sondern ihn uns wirklich einprägen wollen, dann hilft es enorm wenn andere Sinne mit angesprochen werden.

Damals in der zweiten Klasse, als die Lehrerin uns erlaubte, der Musik und ihren Erzählungen zu zuhören und diese dann in visuelle Bilder weiterzuverarbeiten, haben wir genau dieses Prinzip genutzt – und Jahrzehnte später kann ich mich noch genau an das Gelernte erinnern.

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Bild von Ibrahim Özdemir

Erforsche alle Kanäle zu deinem Lernthema

Es hilft also enorm, den Lernstoff mit allen Sinnen zu erfassen. Im Fach Biologie kann das bedeuten, dass man sich bei der Beschäftigung mit Bienen deren Summen vorstellt und Bilder ansieht, wie sie fleißig ihren Honig in den Waben herstellen.

In Geschichte könnte man sich Szenen im alten Rom ausmalen, wie Cäsar in seiner Toga vor dem Senat Reden schwingt.

Für Englisch könnte man sich in den Cornershop aus dem Englischbuch reinbeamen, bis man die Fish and Chips fast selber schmecken kann.

Der Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt und all dies hilft dem Gehirn dabei, das Gelernte zu verknüpfen und in der Erinnerung zu behalten.

Leichter Vokabeln und Rechtschreibung lernen

Wenn beim Vokabellernen und anderen sprachlichen Aufgaben wie zum Beispiel Rechtschreibung Schwierigkeiten bestehen, kannst du gemeinsam mit deinem Kind die Augen schließen und ihr könnt euch vorstellen, dass ihr Wörter mit schwierigen Buchstaben in bunten Farben an eine weiße Wand malt oder die schwierigen Stellen farbig absetzt.

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Auch kann es helfen, das schwierige Wort rückwärts in einzelnen Buchstaben abzulesen und sich so mit dem Aufbau des Wortes zu beschäftigen.

Bei Lernwörtern lassen sich tolle Bilder erfinden: das Wort Sammelbiene zum Beispiel, mit seinen zwei ‚M‘ in der Mitte, lässt sich viel einfacher merken, wenn man sich ein Bienchen mit zwei Sammeltaschen für seine Pollen vorstellt, in der es jeweils ein ‚M‘ trägt.

Und Vokabeln bleiben gleich besser im Kopf, wenn sie mit einem gerappten, gesungenen oder geklopften Rhythmus oder anderen Gesten gelernt wurden.

An das jeweilige Alter angepasst können lustige oder merkwürdige Eselsbrücken und Merksprüche auch super funktionieren – ich erinnere mich hier an ein lustiges Beispiel meines badischen Englischlehrers, der in der Grammatikstunde sagte: ‚If und Would, du gehsch kaputt‘, um uns zu verdeutlichen, dass im Englischen auf ein ‚if‘ nicht direkt ein ‚would‘ folgen darf.

Lernen funktioniert also am besten, wenn der Lernstoff mit möglichst vielen Sinnen erfasst wird. Mit einer entspannten Grundstimmung und einer positiven Einstellung lässt sich dann so manche Hürde meistern und schwierige Dinge finden endlich ihren Platz im Kopf!

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Ich bin Silke Krämer.

Kinder- und Jugendcoach Professional, NLP Master und Coach, EMDR Traumatherapeutin und Gymnasiallehrerin

Ich helfe Familien, wenn es Schulstress gibt und daheim die Fetzen fliegen. Außerdem unterstützte ich Mütter und Väter dabei, sich den Herausforderungen des Familienlebens selbstbewusst zu stellen.

Als Trainerin für Reflexintegration helfe ich deinem Kind, damit ihm die Schule bei Konzentrations­schwächen, Lern- und motorischen Problemen leichter fällt.

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Kinder-Alltag: So wird’s entspannter! Sechs Tipps gegen Unruhe.

Kinder-Alltag: So wird’s entspannter! Sechs Tipps gegen Unruhe.

Kinder

08-2024

Unruhe im Kinder-Alltag

Vor Kurzem bin ich Mal wieder in eine Falle getappt, die mir mittlerweile allzu bekannt ist: ich habe zu schnell geurteilt. Als mein Sohn gestresst von der Schule nach Hause kam und den ganzen Nachmittag am Küchentisch rumwackelte und seine Hausaufgaben nicht machen wollte, den Kopf voller Gedanken zu Lehrern, Hausaufgaben und Mitschülern, war mein erster Gedanke "Du bist doch noch ein Kind! So schwer ist dein Leben doch gar nicht!".

Die häufige Reaktion auf Unruhe: Reiß dich zusammen!

… und Sekunden später biss mich natürlich das schlechte Gewissen. Das kennst du sicher auch – eine genervte erste Reaktion auf einen Menschen, dem man eigentlich mit Liebe und Einfühlsamkeit begegnen möchte. Doch anstatt den Gedanken wegzuschieben, habe ich mir dieses Mal erlaubt, seinem Weg zu folgen.

Denn wer redet denn eigentlich über die Verbindung zwischen unruhigen Kindern und Alltagsstress, oder sogar Burnout? Wie oft erlauben wir uns, das Ausmaß dieses Themas anzusehen, ohne wie ich zuerst Mal zu denken ‚stell dich nicht so an‘?

Das Internet und seine Foren und auch Elternabende und andere Besprechungen sind voller Probleme – Kinder sitzen nicht still, können sich nicht konzentrieren, sind lustlos, verbringen zu viel Zeit vor den Bildschirmen und nicht genug Zeit in der Natur, können sich nicht selber beschäftigen. Die Liste geht endlos weiter. Und auf der anderen Seite sind es die unzähligen Entspannungsübungen für Grundschüler, Artikel über Achtsamkeit für Jugendliche und Kinder-Kurse, die Motivation bringen sollen.

Von Stress, Überforderung, Unruhe …

Und plötzlich denke ich mir über meinen Sohn: Du bist doch noch ein Kind! So voll, laut und schwer ist dein Leben schon! Wie viele Stimmen reden dir schon in deinen Alltag rein, sagen dir was wichtig und richtig ist, während du wächst und dich selber findest!

Dieser Beitrag ist also auch für uns Eltern, die diese Erinnerung lesen möchten, so etwas wie ein Liebesbrief an die Ruhe – nicht das graue, suppenartige Gefühl, das sich breit macht, wenn man zu lange vor einem Bildschirm hockt (das können nämlich auch wir Erwachsene gut!), sondern die sonnige Ruhe von Ferien, die so lang sind, dass man manchmal gar nicht weiß, was man mit sich anfangen soll; der Raum, der es einem erlaubt, alles andere zu verarbeiten und Kreativität beheimatet.

Und ich gebe euch auch einige Tipps, wie ihr durch Struktur im Alltag Luft hierfür schaffen könnt. Für euch selbst und eure Kinder!

… zu Struktur, Routine, Freiheit

Sehr viel dieses Raumes kann nämlich tatsächlich gewonnen werden, wenn man Routinen einführt. Das mag sich zuerst gegensätzlich anhören: ein strenger Ablauf soll Freiheit geben? Doch erfolgreiche Leute wie Steve Jobs, der stets das gleiche Outfit trägt, wissen, dass solche Routinen den Kopf für Anderes frei machen und damit Klarheit und Ruhe bringen.

Klar, gerade mit mehreren Kindern wartet das Chaos immer hinter der nächsten Ecke. Hausaufgaben, Fußballtraining, Fernsehzeit und Freunde bieten genug Ablenkung für die Jüngsten und der Haushalt, das ungenutzte Online-Yoga-Abo, Newsletter, Arzttermine und Kaffee mit Bekannten bringen das gleiche für die Erwachsenen.

Deshalb ist es umso wichtiger, dass wir unseren Kindern vorleben, wie man eine Priorität setzt und seinen Alltag danach gestaltet.

Kinder-Alltag: Yoga mit Mama

Bewusste Entscheidungen als Unterstützung

Ein Beispiel hierfür könnten Hobbies sein: Um zu vermeiden, dass dein Kind 27 Sachen gleichzeitig beginnt und am Ende überfordert und lustlos alles aufgibt, überlegt euch vorher gemeinsam, ob die Theater-AG oder das Flöten-Spielen wichtiger sind.

Auch Abwechslung ist möglich, zum Beispiel Theater-AG während der Schulzeit und Musik-Camp in den Ferien. Ruhe entsteht hier, weil eine klare Entscheidung bewusst getroffen wurde (und falls dies je nicht die richtige war, auch wieder geändert werden kann).

Und wenn das Gegenteil der Fall ist und dein Kind am Liebsten nur auf dem Sofa abhängen möchte, könntet ihr darüber reden, welche Faktoren am meisten Stress bringen. Für viele introvertierte Kinder sind die langen Schultage mit konstanten Einflüssen nämlich ganz schön anstrengend. Dann noch nach Hause kommen und lernen? Nein, danke!

Das ist wie ein anstrengender Arbeitstag und eine überschwemmte Toilette, die abends geputzt werden muss – und das 5 Tage die Woche… hier hilft es Grenzen zu setzen, durch die dein Kind sich unterstützt fühlt. Zum Beispiel: sonntags dürfen gar keine Hausaufgaben gemacht werden. Oder, nach der Schule entspannst du dich erst einmal, falls du zu müde vom Schultag bist, bevor du anfängst zu lernen.

Auch dies hört sich zuerst nach mehr Zeitdruck und mehr Regeln an, doch das Wissen, dass ein konkreter Zeitraum frei vom größten Stressfaktor ist, kann ungemein Erleichterung bringen.

Und im Hintergrund hilft es für uns Eltern, wenn wir uns mal ehrlich fragen, wann es wichtiger für ein Kind ist, dass es glücklich und außer Puste vom Spielen an der frischen Luft an den Tisch zum Abendessen sinkt, oder dass alle Hausaufgaben fein säuberlich erledigt in der Tasche stecken?

Ruhe im Kinder-Alltag: meine Tipps

Ihr merkt also: wenn es zum Thema Entspannung und Ruhe bei Kindern kommt, muss man das Pferd oft von hinten aufzäumen und experimentierfreudig sein.

Überlege du dir, welche Werte für dich wichtig sind, damit du nicht aus Versehen (unterbewusst! Das passiert uns allen!) verlangst, dass dein Kind alles gleichzeitig hinkriegt.

Manchmal können eben nur die Hausaufgaben oder der Sport Platz finden und es hilft, wenn du weißt, was deine Priorität wäre – auch wenn die Kinder natürlich ihren eigenen Kopf haben 😉 - wenn das so ist, dann solltet ihr auf jeden Fall in den Dialog gehen und darüber sprechen. Streit entsteht am häufigsten durch unausgesprochene, nicht in Erfüllung gegangene Erwartungen.

Findet gemeinsam heraus, was Stress bringt und wie dieser Stress momentan bewältigt wird (beispielsweise endloses Fernsehen oder Computerspielen). Sucht gemeinsam nach einer Lösung, die wirklich Entspannung bringt und nicht nur den Stress übertüncht.

Schaut dann, was das Ziel ist und wie ihr Routinen und Sturktur anwenden könnte, um Freiheit und Ruhe zurück in den hektischen Alltag zu bringen.

Wenn dein Kind nachmittags am liebsten nur auf dem Sofa rumgammelt, dann animiere es, gemeinsam mit dir raus zu gehen: Badminton im Park, ein Spaziergang, gemeinsam auf den Spielplatz, eine Runde Fußball, Fahrrad fahren, Inliner fahren, ...

Ich bin mir sicher, dass eure Beziehung von gemeinsamen, Entspannung bringenden Zeitfenstern im hektischen Alltag profitieren wird. Auch das könntet ihr ritualisieren. Und wenn es eben nicht jeden Tag klappt, dann vielleicht so: An den Tagen xy gehen wir gemeinsam nach dem Mittagessen spazieren.

Wählt Freizeitaktivitäten sinnvoll aus. Viel bringt nicht automatisch mehr, zumal jedes Kind anders ist. Während das eine Kind Stress beim Sport abbaut, braucht ein anderes Kind viel mehr Zeit für sich allein in Ruhe, um die Erlebnisse des Schultages zu verarbeiten.

Nimm deinem Kind Druck, indem du mit ihm gemeinsam priorisierst und dabei aufzeigst, dass nicht nur die Erfüllung der Pflichten wichtig ist, sondern dass eine bewusste und sinnvolle Erholung durch eine Mischung aus Ruhe und Bewegung genauso wichtig ist.

Lebe deinen Kindern vor, was du dir von ihnen wünscht. Du kennst bestimmt das Gefühl: Du kommst in einen Raum und ohne, dass ein Wort gesprochen wurde, weißt du sofort, dass dort „dicke Luft“ herrscht.

Die Stimmung liegt förmlich in der Luft. So ist es auch in Familien. Wenn ein Familienmitglied gestresst ist, strömt diese Energie auf alle anderen über. Kinder haben besonders feine Antennen für solche Schwingungen.

Also: tief durchatmen, neugierig Reaktionen hinterfragen und so mehr Ruhe und Entspannung in den Alltag bringen!

In diesem Sinne werde ich euch und meinen Kindern jetzt ein gutes Vorbild sein, meinen Laptop zuklappen und mein Handy in die Handy-Garage parken. Jetzt ist Familienzeit!

 

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22 Antworten zur Reflexintegration und frühkindlichen Reflexen – verständlich erklärt

22 Antworten zur Reflexintegration und frühkindlichen Reflexen – verständlich erklärt

Kinder

08-2024

Suchst du Rat in Bezug auf Reflexintegration, frühkindliche Reflexe und deren Zusammenhang mit Schulproblemen, Lernproblemen oder ADHS Symptomen bei deinem Kind? Dann bist du hier richtig: In diesem Artikel habe ich auf verständliche Weise die häufigsten Fragen zusammengestellt, die mir immer wieder in meiner langjährigen Praxis begegnen.

reflexintegration frühkindliche reflexe

Grundlegende Begriffe zu den frühkindlichen Reflexen

Bevor wir mit den tiefer gehenden Fragen zu frühkindlichen Reflexen und Reflexintegration loslegen, sollten wir ein paar grundlegende Begriffe klären, Ich möchte damit sicherstellen, dass wir beide das gleiche Verständnis entwickeln. Also - los geht's:

Was ist ein Reflex?

Wir nutzen hier die Definition von Sally Goddard-Blythe, der Mitbegründerin der Forschung zur Reflexintegration bzw. zu frühkindlichen Reflexen und ihrem Zusammenhang mit Lern- und Entwicklungsproblemen bei Kindern: Ein Reflex ist eine unwillkürliche Reaktion auf einen Reiz und den gesamten physiologischen Prozess, der ihn aktiviert. Siehe auch: Sally Goddard-Blythe. „Greifen und begreifen“. VAK Verlag.

Was sind frühkindliche Reflexe?

Frühkindliche Reflexe sind automatisierte Bewegungsabläufe, die ohne Beteiligung der Großhirnrinde (= Cortex) ablaufen. Ein Säugling ist während der ersten Lebensmonate noch nicht selbständig überlebensfähig, weil das Gehirn noch nicht entsprechend entwickelt ist.

Wozu gibt es frühkindliche Reflexe?

Sie sichern das Überleben des unselbständigen Säuglings, der seine Bewegungen und Aktionen noch nicht willentlich selbst initiieren und steuern kann. Überwiegend sorgen die frühkindlichen/primitiven Reflexe für die Nahrungssuche, Nahrungsaufnahme und den Selbstschutz.

Frühkindliche Reflexe sind ein essentieller Bestandteil für eine ausbalancierte Entwicklung. Auch das Gehör mit dem Gleichgewichtssinn, die visuelle Wahrnehmung, Sprache, Koordination und Motorik entwickeln sich mit Hilfe der frühkindlichen Reflexe.

Vielleicht ist dir schon aufgefallen, dass alle Säuglinge die gleichen Bewegungsmuster ausführen. Das ist den Reflexen und der Entwicklung des Gehirns geschuldet. Das Gehirn ist zum Zeitpunkt der Geburt noch nicht ausreichend vernetzt, um die Bewegungen willentlich zu steuern. Die Fähigkeit dazu entwickelt sich erst nach und nach. Dabei helfen die frühkindlichen Reflexe.

Nach der Geburt kann das Baby schreien, um auf sich aufmerksam zu machen, weiß aber noch nicht, wie es das Problem, welches das Unwohlsein auslöst, selbst lösen kann. Bei Durst kann es bis zu einem gewissen Alter noch nicht selbständig nach der Flasche greifen - selbst dann nicht, wenn sie direkt vor ihm steht. Es kann die logische Schlussfolgerung - Flasche bedeutet, den Durst stillen zu können - noch nicht herstellen.

Ohne, dass wir es unserem Säugling beigebracht haben, schluckt er automatisch die Nahrung, die seinen Mund im Inneren berührt. Genauso selbständig umklammert er feste unseren Finger mit der Faust, wenn wir die Innenfläche seiner Hand berühren. Streichen wir sanft über seine Wange, dreht er sofort den Kopf in diese Richtung. Das sind alles Reflexe und der Säugling denkt über diese Bewegungsreaktionen nicht nach.

Nach und nach erweitert das Baby sein Bewegungsrepertoire - alles mit Hilfe von Reflexen. Frühkindliche Reflexe sind super!

Kostenloser Onlinecheck Reflex­integration

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Ob frühkindliche Reflexe der Ursprung deiner Sorgen sein könnten, kannst du hier herausfinden.

Du erhältst unmittelbar eine individuelle Auswertung für dein Kind. Der Fragebogen prüft eine Vielzahl von erforschten Symptomen ab, die auf die Aktivität von frühkindlichen Reflexen hindeuten können. Der Check umfasst 105 Fragen in elf Bereichen rund um die Entwicklung deines Kindes.

Du erfährst, wie viele Indikatoren auf aktive Reflexe bei deinem Kind hindeuten und welche frühkindlichen Reflexe möglicherweise noch aktiv sind. Auf Wunsch sende ich dir die Auswertung sofort per E-Mail zu.

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Die frühkindlichen Reflexe im Verlauf der menschlichen Entwicklung

Dieser Abschnitt gibt dir einen Überblick über die Entstehung der frühkindlichen Reflexe und mögliche Störfaktoren bei deren Hemmung. Außerdem erfährst du, warum und wie die frühkindlichen Reflexe wieder Verschwinden.

Wann treten die frühkindlichen Reflexe auf?

Einige Reflexe, so wie der Saugreflex und der Moro Reflex entstehen bereits intrauterin, also noch im Bauch der Mutter. Andere wiederum können sich dann erst richtig entwickeln, wenn ein Reflex der vorherigen Entwicklungsstufe ausreichend lange aktiv war – bis die entsprechende Reifung im Gehirn stattgefunden hat – und dann verschwunden ist, sich also integriert hat (oder anders ausgedrückt vom Gehirn unterdrückt wurde). Das passiert nur, wenn es keine Störungen in der Entwicklung gibt.

Was ist an den frühkindlichen Reflexen bzw. primitiven Reflexen so besonders?

Zunächst einmal finde ich es wahnsinnig spannend und faszinierend, wie die Natur durch diesen Kunstgriff dafür sorgt, dass Säuglinge trotz ihres noch völlig unterentwickelten Gehirns überlebensfähig sind. Genau genommen kommen Menschenkinder nämlich viel zu früh auf die Welt! Die frühkindlichen / primitiven Reflexe sichern also das Überleben des Säuglings.Ein zweiter spannender Punkt ist, dass am Reflexstatus eines Säuglings der Konzeptionstermin bestimmt werden kann. In jeder Entwicklungsstufe – abhängig vom Konzeptionstermin – verfügt der Säugling oder Embryo über ein bestimmtes Reflexvorkommen.

Sind die frühkindlichen Reflexe alle bei der Geburt vorhanden?

Die Reflexe sind alle in uns angelegt, doch noch nicht gleichzeitig bei der Geburt alle aktiv. Ist ein Kind zu früh geboren, ist der Saugreflex meist noch nicht ausreichend entwickelt, sodass der Säugling bis ungefähr zur 34/36. Schwangerschaftswoche zusätzlich per Sonde ernährt werden muss.

Wie und wann verschwindet ein frühkindlicher Reflex?

Ganz einfach gesagt verschwindet der Reflex dann, wenn er nicht mehr gebraucht wird. Das ist dann der Fall, wenn das Gehirn sich so weit entwickelt hat, dass es die unwillkürliche, also reflektorische Handlung willkürlich vollziehen kann.

Der Säugling saugt dann nicht mehr an allem, was seine Lippen berührt und schluckt auch nicht mehr alles automatisch, was in seinen Mund gelangt. Ebenso hält er nicht mehr alles fest, was seine Handinnenfläche berührt – das wäre ja auch ziemlich unpraktisch im späteren Leben, wenn wir nicht nur Händchen mit unserem oder unserer Auserwählten halten würden, sondern mit jedem 😉 ...

Mit fortschreitender Entwicklung des Gehirns verschwinden diese Reflexe also nach und nach. Sie werden durch die Frontallappen „unterdrückt“. Treten bestimmte frühkindliche Reflexe im Erwachsenenalter wieder auf, obwohl sie schon verschwunden waren, kann das auf Störungen dieser Hirnregion hinweisen (wie zum Beispiel bei der Fronto-Temporalen-Demenz – Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V.)

Gibt es auch andere Reflexe, die bleiben?

Ja, es gibt eine Vielzahl von Reflexen. Man unterscheidet zwischen angeborenen Reflexen, konditionierten Reflexen, Stellreflexen, koordinierten Reflexbewegungen und frühkindlichen oder primitiven Reflexen.

Eigenreflexe sind wichtig für die Körperhaltung und –bewegung, wie zum Beispiel der Patellarsehnenreflex.

Fremdreflexe haben zum Großteil die Aufgabe den Körper zu schützen. Eine umfassende Erläuterung zum Thema Eigen- und Fremdreflexe findest du hier (Deutsche Apothekerzeitung). Allgemeines zu Reflexen kannst du auch auf Wikipedia nachlesen.

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit ein Reflex verschwinden kann?

Ein Reflex verschwindet, wenn er ausreichend häufig und intensiv stimuliert wurde. Diese Stimulation, die als Reiz wahrgenommen wird, wird entweder über das Gleichgewichtsorgan (Lage-Sinn) oder über die Hautrezeptoren an bestimmte Hirnareale weitergeleitet. Kommt diese Information im Gehirn an, wird der Reflex automatisch ausgelöst.

Ist das oft genug passiert, hat das Gehirn entsprechende Verknüpfungen gebildet – es ist gereift und der Reflex wird dann nicht mehr benötigt, sodass er unterdrückt bzw. integriert wird.

Unter welchen Gegebenheiten integriert sich ein Reflex nicht von alleine?

Entweder der Reflex wurde von vornherein nicht stark genug ausgebildet oder er wurde nicht oft genug stimuliert. Sprich, wurde der Reflex nicht oft genug ausgelöst, konnten sich die entsprechenden Verknüpfungen im Gehirn nicht bilden.

Das Gehirn ist dann nicht reif genug und behält die willkürlichen Handlungen, bzw. Teile von ihnen (= Restmuskelreaktionen) bei. Deshalb sagt man auch, dass die Reflexintegration für eine Nachreifung des Gehirns sorgt.

Wie wird die Entwicklung oder die Integration der frühkindlichen Reflexe behindert?

Puh, die Antwort auf diese Frage fällt etwas länger aus: In jeder Entwicklungsstufe gibt es andere Faktoren, die sich hinderlich auf die Reifung und Hemmung / Integration der frühkindlichen Reflexe auswirken können.

So beeinflussen großer Stress oder Krankheit während der Schwangerschaft bereits die Reflexe, die sich intrauterin (innerhalb der Gebärmutter) entwickeln. Durch großen Stress während der Schwangerschaft erhöht sich die Spannung der Bauchdecke der Mutter. Das nimmt der Embryo wahr und verfällt ebenso in eine Anspannungshaltung. In dieser Anspannung hält er sich fest, bewegt sich im Bauch viel weniger und dadurch verzögert sich die reflektorische Entwicklung, weil schon hier die nötigen Bewegungsreize fehlen.

Ein ganz entscheidender Meilenstein für die Entwicklung des Asymmetrisch Tonischen Nackenreflexes (ATNR) und des Spinalen Galant Reflexes ist der natürliche Geburtsvorgang. Beide Reflexe entwickeln sich intrauterin, haben ihren Höhepunkt bei der Geburt und integrieren sich während der ersten Lebensmonate. Die motorische Stimulation während der Geburt ist entscheidend für die Ausreifung des Asymmetrischen Tonischen Nackenreflexes und des Spinalen Galant Reflexes.

Hat diese Stimulation zum Beispiel durch eine Kaiserschnittgeburt nicht in ausreichendem Maße stattgefunden, ergeben sich daraus weitreichende Folgen: „Wenn sich die frühkindlichen Reflexe während der Schwangerschaft, Geburt oder im ersten Lebensjahr nicht richtig entfalten können und nicht richtig integriert werden, verschwinden sie nicht. Sie haben ihre Aufgabe nicht erfüllt. Dann läuft auch die damit verbundene neuronale Entwicklung nicht optimal ab“. (Siehe auch Beitrag zu Reflexintegration und ADHS von Antonia Wilhelm auf Jameda - dem Ärtze und Patientenportal).

Im weiteren Verlauf der Entwicklung wirkt es sich negativ auf die Reflextätigkeit aus, wenn ein Kind zum Beispiel überwiegend auf dem Rücken liegt oder viel in Babyschalen oder Babywippen liegt. In diesen Gerätschaften ist es dem Baby unmöglich, sich selbständig zu drehen und es kann nur seine Arme und Beine bewegen. Es ist zu stark in seiner freien Bewegungsfähigkeit eingeschränkt.

Das Liegen auf dem Bauch ist für die Entwicklung des Landau Reflexes zum Beispiel sehr wichtig. Aus verschiedenen Gründen kann es sein, dass Kinder die Krabbelphase überspringen. Das wirkt sich auf die Entwicklung des Symmetrisch Tonischen Nackenreflexes und der damit verbundenen Fähigkeiten aus.

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Wichtige frühkindliche Reflexe in Bezug auf Lernschwierigkeiten und Schulprobleme

Hier gebe ich dir einen Überblick über vier wichtige frühkindliche Reflexe, die negative Auswirkungen auf dein Kind haben können. Dies kann sich in Problemen mit der Körperkoordination, Lern- und Konzentrationsschwierigkeiten, mangelnder Impulskontrolle oder ADHS Symptomen äußern.

Wie viele frühkindliche Reflexe gibt es und welche sind wichtig für die Reflexintegration?

Es gibt knapp 20 frühkindliche bzw. primitive Reflexe. Für das Reflexintegrationstraining sind besonders die Reflexe von Bedeutung, die Auswirkungen auf das Lernen und die Motorik haben: Denn hier ist der positive Effekt bei Lernproblemen, Schulproblemen und ADHS Symptomen bei Kindern am größten. Diese Reflexe erkläre ich nachfolgend. Falls du dennoch mehr wissen möchtest: Die Übersicht aller frühkindlichen Reflexe findest du am besten bei Wikipedia.

Der Moro Reflex - wie äußert sich hier die fehlende Reflexintegration?

Besteht der Moro Reflex / die Moro Reaktion fort, hat das Auswirkungen auf das sozial-emotionale Verhalten. Kinder reagieren oft übersensibel, was sich durch Wut- oder schnelle Tränenausbrüche zeigen kann. Eltern beschreiben ihre kognitiv reifen Kinder dann noch als sehr kindisch oder kindlich, was das emotionale Verhalten betrifft.

Solche Kinder reagieren überempfindlich auf Kritik, Streit oder Stress. Je älter ein Mensch mit einem noch bestehenden Moro Reflex ist, umso mehr neigt er zu depressiven oder ängstlichen Verhaltensmustern, verfügt über ein geringes Selbstbewusstsein, mangelnde Kritikfähigkeit. Panikattacken oder Angstneurosen treten vermehrt auf.

Der Tonische Labyrinth Reflex (TLR) - wie äußert sich hier die fehlende Reflexintegration?

Der TLR ist maßgeblich an der Entwicklung des Gleichgewichts, der räumlichen, zeitlichen und visuellen Orientierung und der Körperhaltung beteiligt. Das bedeutet, dass Kinder mit einem noch aktiven Tonischen Labyrinth Reflex über die Maße hypo- oder hyperton sein können (das heißt, entweder ganz schlaff oder eine extreme Muskelspannung haben). Zehenspitzengang, eine schlechte Körperhaltung, eine schlechte Koordination und Balance können auch Anzeichen von Restmuskelreaktionen des Tonischen Labyrinth Reflexes sein.

Diese Kinder tun sich schwer damit, grammatikalische Strukturen zu erkennen, sich selbst zu organisieren und haben ein schlechtes Zeitgefühl.

Der Asymmetrische Tonische Nackenreflex (ATNR) - wie äußert sich hier die fehlende Reflexintegration?

Der Asymmetrische Tonische Nackenreflex ist dafür mitverantwortlich, ob ein Kind Rechts- oder Linkshänder wird bzw. ob sich überhaupt eine eindeutige Händigkeit (Lateralität) ausgebildet hat.

Der Asymmetrische Tonische Nackenreflex wirkt sich auf das Lese- und Schreibvermögen aus, da er die visuelle Wahrnehmung und die Steuerung der feinmotorischen Augenmuskeln beeinflusst.

Kinder mit einem noch aktiven Asymmetrischen Tonischen Nackenreflex können die Linien, auf denen sie schreiben nicht einhalten und es kann sein, dass ihre Schrift mal nach links und dann wieder nach rechts kippt. Häufig üben sie beim Schreiben unnötig viel Druck auf den Stift aus. Diese Kinder haben Schwierigkeiten, die Schreibschrift zu erlernen und häufig Lese- und Rechtschreibprobleme. Des Weiteren fällt es solchen Kindern schwer, die Mittellinie des Körpers zu überkreuzen.

Der Symmetrisch Tonische Nackenreflex (STNR) - wie äußert sich hier die fehlende Reflexintegration?

Der Symmetrisch Tonische Nackenreflex (STNR) schafft die Voraussetzung zum Krabbeln, für die unabhängige Bewegung von Ober- und Unterkörper und die Entwicklung der Akkomodation der Augen (die Einstellung der Augen auf bestimmte Gegenstandsweiten). Das schließt auch die Entwicklung der Auge-Hand-Koordination mit ein.

Betroffenen Kindern fällt es schwer von der Tafel abzuschreiben, denn dabei muss das Kind ständig den Kopf heben und senken. Bei noch vorhandenen Restmuskelreaktionen (einem noch aktiven Reflex) führt jede Kopfbewegung nach oben oder unten zu einer ungewünschten reflexartigen Haltungsveränderung.

Der Schreibende muss diese reflektorische Haltungsveränderung unterdrücken, was einerseits unnötige Energie kostet und andererseits zu Verkrampfungen in den Armen und Händen führt sowie zu dem starkem Aufdrücken beim Schreiben.
Die Praxis zeigt, dass 75% der Kinder mit Lernstörungen noch einen aktiven Symmetrisch Tonischen Nackenreflex haben. (Siehe auch Erläuterungen unter www.rit-reflexintegration.de).

Eltern von Kindern mit einem persistierenden, also noch Restmuskelreaktionen aufweisenden Symmetrisch Tonischen Nackenreflex erkennen das auch daran, dass ihr Kind beim Essen häufig kleckert. Schwimmen kann das Kind zunächst besser unter als über Wasser. Beim Sitzen schlingt es die Beine um die Stuhlbeine, sitzt gerne lieber auf einem oder beiden untergeschlagenen Beinen und schreibt oder malt generell lieber (halb) im Stehen oder Liegen.

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Reflexintegration bei Lernproblemen und ADHS Symptomen - Wissenschaft

Prima - du hast soweit durchgehalten! Fast ist es geschafft. Abschließend findest du noch einige Informationen zu Fragen, die mir oft in ersten Gesprächen mit interessierten Eltern gestellt werden.

Was ist Reflexintegration?
Reflexintegration holt das nach, was während der selbständigen Entwicklung des Kindes nicht stattgefunden hat. Reflexintegration beinhaltet gezielte Bewegungsübungen (Reflexintegration Übungen), die die Reize an das Gehirn senden, die früher im Gehirn nicht ausreichend angekommen sind, weil der Reflex entweder nicht oft genug ausgelöst wurde oder unterentwickelt war.

Dies wiederum sorgt dafür, dass sich die entsprechenden Verknüpfungen entwickeln, die dafür sorgen, dass der Reflex vom Frontallappen unterdrückt wird, bzw. „integriert wird“, also Reflexintegration stattfindet. Weil diese Reize eben so speziell sein müssen, damit genau das Gewünschte erzielt wird, hilft es nicht, einfach nur viel Sport zu machen. Wir müssen speziell entwickelte Reflexintegration Übungen durchführen.

Wo finde ich Informationen zur praktischen Anwendung der Reflexintegration?
Alle praktischen Fragen zur Reflexintegration findest du im zweiten Teil dieses Blogbeitrags. Übrigens: In meinem Blogbeitrag „Reflexintegration in fünf Minuten kinderleicht erklärt“ findest du weitere Informationen zur Reflexintegration. Darin gehe ich mehr darauf ein, wie sich aktive Reflexe im (Schul-)Alltag zeigen und sich auf das Lernen, die Konzentration und schulischen Leistungen deines Kindes auswirken können.
Wie wurden die frühkindliche Reflexe und Reflexintegration in der Wissenschaft untersucht?
Die Forschung zur Reflexintegration bzw. zu frühkindlichen Reflexen und ihrem Zusammenhang mit Lern- und Entwicklungsproblemen bei Kindern hat ihren Ursprung in den 1970er Jahren: 1975 wurde das "Institute for Neuro-Physiological-Psychology" von Dr. Peter Blythe in Chester, England, gegründet. Zusammen mit seiner Frau Sally Goddart-Blythe forschte er intensiv an den Zusammenhängen zwischen Lern- und Entwicklungsproblemen und dem Fortbestehen von Restmuskelbewegungen der frühkindlichen Reflexe. Diese Forschung kann als wissenschaftlicher Ursprung der Reflexintegration betrachtet werden.

Hierauf basierend beschäftigte sich die Wissenschaft mit Reflexintegration und frühkindlichen Reflexen: Autoren wie Vojta, Bobath, die Russinnen Akhmatova und Masgutova, Campbell, Pfeiffer-Meisel sowie Sacher und Michaelis haben in den letzten Jahrzehnten die Auswirkungen von persistierenden frühkindlichen Reflexen beschrieben und die Reflexintegration wissenschaftlich untersucht. Sie alle haben eines gemeinsam: Sie halten eine zeitgerechte motorische Entwicklung für die Voraussetzung der gesunden Gesamtentwicklung des Kindes. Mehr Quellen und Studien findest du weiter unten in meinen Tipps zum Weiterlesen.

Auf dieser Grundlage entwickelten sich alle weiteren Methoden. Mein Rexi Reflexintegrationstraining vereint wissenschaftliche Erkenntnisse aus den Bereichen Neurowissenschaft, Physiologie und Bewegungswissenschaft.

Wie kann ich erfahren, ob bei meinem Kind noch frühkindliche Reflexe aktiv sind?
Mache meinen kostenlosen Online Check zur Reflexintegration. Der Online Check umfasst 105 Fragen aus 11 Themenfeldern rund um die Entwicklung deines Kindes. Du beantwortest diese Fragen mit Ja oder Nein. Du erhältst sofort eine detaillierte Auswertung und erfahrst, ob bei deinem Kind möglicherweise noch frühkindliche Reflexe aktiv sind.
Das Ergebnis des Fragebogens kann dir vielleicht endlich einen Lösungsansatz zu deinen Beobachtungen und Fragen im Bezug auf dein Kind liefern auch, wenn ihr schon verschiedene andere Therapieformen wie Logopädie, Ergotherapie oder anderes hinter euch habt.
Mach dir also keine Sorgen, falls der Test als Ergebnis mehrere noch aktive frühkindliche Reflexe zum Vorschein bringt. Denn die wirklich gute Nachricht ist, dass du der Entwicklung deines Kindes auf die Sprünge helfen kannst: „Reflexintegration“ bietet eine zweite Entwicklungschance.
Was bedeutet es, wenn ein frühkindlicher Reflex noch aktiv ist?

Es ist zwar immer wieder von „noch aktiven Reflexen“ die Rede, doch handelt es sich dabei immer um eine Restmuskelreaktion. Denn entweder der Reflex ist nicht ganz unterdrückt / integriert worden, oder er hat sich nicht vollständig entwickeln können.Wäre der Reflex noch vollständig aktiv, ist dies pathologisch und das Kind hätte z.B. bei einem noch aktiven Fußgreifreflex NIE das Laufen lernen können.

Sogenannte Restmuskelreaktionen eines Reflexes äußern sich durch verschiedenste Merkmale, auf die ich in den Fragen zu den wichtigsten frühkindlichen Reflexen in Bezug auf Lernschwierigkeiten und Schulproblemen genauer eingehe.

Ich bitte dich, dir das bewusst zu machen, denn es bedeutet, dass dein Kind für Vieles „gar nichts kann“. Es ist so, als würden wir jemandem sagen, der versucht auf einem Bein zu balancieren: „Mensch, jetzt fall doch nicht dauernd um! Wenn du auf einem Bein stehen möchtest, darfst du das andere nicht auf den Boden bringen, sondern musst es oben halten!“ - Wenn es doch aber nicht geht!

Es geht dabei vor allem darum, dir und deinem Kind Druck zu nehmen und eure Beziehung zu schützen.  Ja, vielleicht tut dein Kind gewisse Dinge nicht, weil es keine Lust dazu hat oder faul ist. Das kannst du herausfinden. Sind bei ihm allerdings noch mehrere frühkindliche Reflexe aktiv, dann könnte auch das sein Verhalten erklären.

Kann man auch nur einzelne Reflexe integrieren?

Sehr viele Reflexe sind miteinander verknüpft. Die Entwicklung eines Reflexes kann die Entwicklung eines anderen beeinflussen. Im Zuge der natürlichen Reifung lösen sich die Reflexe nacheinander ab. An dieser Reihenfolge orientiert sich die nachträgliche Reflexintegration.

So kann zum Beispiel ein aktiver Spinaler Galant Reflex die Entwicklung des Amphibien Reflex verhindern. Ist der Amphibien Reflex nicht entwickelt, führt das in der Regel zu einem aktiven ATNR (Asymmetrisch Tonischen Nacken Reflex) und einem aktiven TLR (Tonischen Labyrinth Reflex).

Ein weiterer enger Zusammenhang besteht zwischen dem TLR und dem STNR (Symmetrisch Tonischen Nackenreflex): Ist der TLR aktiv, verhindert er oft das Krabbeln, weil die Bewegung des Kopfes zum Ausstrecken der Beine führt. Wird das Gehirn jedoch nicht ausreichend durch die motorischen Reize stimuliert, die das Krabbeln auslöst, kann sich im Gegenzug der STNR nicht integrieren und bleibt weiterhin aktiv.

Macht man sich diese komplexen Zusammenhänge bewusst, wird deutlich, dass es wenig Sinn macht, das Reflexintegrationstraining nur mit Hinblick auf einzelne Reflexe durchzuführen.

Wie kann ich erkennen, ob Reflexintegration die richtige Methode für mein Kind ist?

Bestimmte Auffälligkeiten oder ein bestimmtes Verhalten deines Kindes werden dich dazu bewogen haben, ihm helfen zu wollen. Vielleicht gibt es Probleme in der Schule, beim Lernen oder du hast das Gefühl, dein Kind steht sich irgendwie selbst im Weg. Manchmal ist es auch gar nicht richtig greifbar, weil man als Laie nicht weiß, was Hinweise auf noch aktive frühkindliche Reflexe sein könnten.

Vielleicht seid ihr durch die Empfehlung eines Bekannten auf Reflexintegration aufmerksam geworden oder aber ihr habt schon einiges ausprobiert, was euch nicht in ausreichendem Maße weiter geholfen hat.

Wenn das so ist, lege ich dir ans Herz, meinen kostenlosen Online Check Reflexintegration ganz unverbindlich zu klicken und du wirst erfahren, ob frühkindliche Reflexe der Auslöser für eure Probleme sein könnten.

Können logopädische Probleme auch von noch aktiven frühkindlichen Reflexen kommen?
Natürlich gibt es selten einen einzigen Grund für entwicklungsbedingte Abweichungen von der Norm, doch bilden der Tonische Labyrinth Reflex (rückwärts) und der Such- und Saugreflex die Grundlage für eine deutliche Artikulation. Insofern können Reflexintegration Übungen eine undeutliche Sprache verbessern.
Kann die Reflexintegration auch bei Kindern mit körperlicher Behinderung helfen?
Da die Reflexintegration dabei hilft, eine „Nachreifung“ des Gehirns anzuregen, wirkt sie sich auch positiv auf Menschen mit körperlichen Einschränkungen aus. Ebenso wurden auch positive Effekte im Bezug auf Autismus und ADHS beobachtet. Eine meiner Kolleginnen aus dem Norden arbeitet viel mit autistischen Kindern und hat diesbezüglich viel Positives berichtet.
Hilft Reflexintegration auch bei ADHS oder ADS Symptomen?

Es gibt mehrere Studien, die eine Besserung der ADHS oder ADS Symptome durch Reflexintegration belegen. So auch diese:
„Am Bender-Institut fanden Wissenschaftler (O’Dell und Cook, 1996) heraus, dass ein fortbestehender Symmetrischer Tonischer Nackenreflex ein signifikanter Faktor bei Kindern mit ADHS und ADS war. Beide Gruppen machten große Fortschritte nach einem spezifischen Bewegungsprogramm zur Hemmung des STNR.“ (Goddard Blythe, „Greifen und BeGreifen“ 2016, S. 55)

Dennoch ist ADHS oder ADS ein komplexes Krankheitsbild und so fand Prof. Dr. med. Karl Heinz Brisch heraus, dass ein Zusammenhang zwischen Bindungsthemen und AD(H)S besteht. So sagt er, dass fast jedes Kind mit einer AD(H)S Diagnose eine Bindungsstörung zeigt, jedoch nicht jedes Kind mit einer Bindungsstörung automatisch eine AD(H)S Diagnose vorliegen hat.

Eine Bindungsstörung entsteht übrigens nicht ausschließlich, weil Kinder von ihren Eltern vernachlässigt werden. Auch dafür kann es vielfältige Gründe geben und es ist ganz wichtig, mit diesem sensiblen Thema ohne Schuldzuweisungen umzugehen.

Um die Eingangsfrage zu beantworten: Ja, Reflexintegration hilft meistens bei ADHS und ADS Symptomen, doch entsteht eine AD(H)S Erkrankung nicht ausschließlich, WEIL noch frühkindliche Reflexe aktiv sind. Das möchte ich fairer Weise betonen. Da verhält es sich genau so, wie im Zusammenhang mit der Bindungsthematik.

Kostenloser Onlinecheck Reflex­integration

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Ob frühkindliche Reflexe der Ursprung deiner Sorgen sein könnten, kannst du hier herausfinden.

Du erhältst unmittelbar eine individuelle Auswertung für dein Kind. Der Fragebogen prüft eine Vielzahl von erforschten Symptomen ab, die auf die Aktivität von frühkindlichen Reflexen hindeuten können. Der Check umfasst 105 Fragen in elf Bereichen rund um die Entwicklung deines Kindes.

Du erfährst, wie viele Indikatoren auf aktive Reflexe bei deinem Kind hindeuten und welche frühkindlichen Reflexe möglicherweise noch aktiv sind. Auf Wunsch sende ich dir die Auswertung sofort per E-Mail zu.

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Meine Tipps zum Weiterlesen

Suchst du noch mehr Hintergrundinformationen zum Thema frühkindliche Reflexe und Reflexintegration? Hier habe ich eine Literaturliste für dich zusammengestellt. Solltest du im Netz oder in einer Bibliothek auf weitere interessante Veröffentlichungen stoßen, würde ich mich freuen, wenn du sie mit mir teilst. Gerne per E-Mail oder Kommentar zu diesem Artikel!

Buchempfehlungen

Greifen und BeGreifen*
von Sally Goddard Blythe | 2004 (Neuauflage 2024)
Leseprobe (Link zur Verlagsseite)

Neuromotorische Unreife bei Kindern*
von Sally Goddard Blythe | 2016
Leseprobe (Link zur Verlagsseite)

Bewegungen, die heilen*
von Dr. Harald Blomberg | 2015
Leseprobe (Link zur Verlagsseite)

Entdeckungsgeschichte frühkindlicher Reflexe*
Unter Betrachtung der historischen Entwicklung der Reflexlehre
von Claudia Kotter | 2015
Link zur Verlagsseite

Wieder im Gleichgewicht*
von Christine Sieber, Dr. Carsten Queißer | 2019
Leseprobe (Link zur Verlagsseite)

Flügel und Wurzeln*
von Dorothea Beigel | 2003

Watch Me Grow: A Unique, 3-Dimensional Week-by-Week Look at Your Baby's Behavior and Development in the Womb*
von Stuart Campbell | 2004

Beiträge, Interviews und Videos im Netz

Fallbeispiele zu den Auswirkungen frühkindlicher Reflexe in der Kinder- und Jugendpsychatrie
von Dr. med. Ralph Meyers | Link

Frühkindliche Reaktionen: Wie Tonische Labyrinth Reaktion, MORO Reaktion, Fechterstellung, Symmetrisch Tonische Nacken Reaktion die Entwicklung Ihres Kindes beeinflussen
von Deutsche Gesellschaft für neurophysiologische Entwicklung e.V. | Link

Wissenschaftliche Publikationen

Vojta V, Schulz P.: Die Wirkung der Aktivierungssysteme der Reflexfortbewegung auf die gestörte posturale Ontogenese. Sozialpädiatrie. 1989; 11:752–757 4.

Vojta V.: - Die Posturale Ontogenese als Basis der Entwicklungsstörungen. Monatsschrift Kinderheilk. o.J.; 141:639–642 5.

Bobath K.: Spastizität – Ein Problem bei der Behandlung von Patienten mit Läsionen des oberen motorischen Neurons. Vorlesung am Kongress für physikalische Therapie in Amsterdam. In: Pfeiffer H, Drescher M, Hirte M. Homöopathie in der Kinder- und Jugendmedizin. München: Urban und Fischer; 2007

Akhmatova N.K., Goncharova S.M., Masgutova S.K.: Integration of Dynamic and Postural Reflexes into the whole Body Movement System. Moskau, 2000

Sacher R, Michaelis R.: Dynamik und Funktionen angeborener Fremdreflexe., 1. Moro- und Startle-Reflex. München: Hans Marseille Verlag; 2011

Alice Chinello, Valentina Di Gangi, Eloisa Valenza:
„Persistent primary reflexes affect motor acts: Potential implications for autism spectrum disorder“, 2016
  | Link

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Ich bin Silke Krämer.

Kinder- und Jugendcoach Professional, NLP Master und Coach, EMDR Traumatherapeutin und Gymnasiallehrerin

Ich helfe Familien, wenn es Schulstress gibt und daheim die Fetzen fliegen. Außerdem unterstützte ich Mütter und Väter dabei, sich den Herausforderungen des Familienlebens selbstbewusst zu stellen.

Als Trainerin für Reflexintegration helfe ich deinem Kind, damit ihm die Schule bei Konzentrations­schwächen, Lern- und motorischen Problemen leichter fällt.

Hol dir meine Familienpost!

Erhalte kostenlos etwa alle zwei Wochen nützliches Wissen, Tipps und Denkanstöße für dich und deine Familie aus meiner Coachingpraxis. Für weniger Stress mit der Schule, ein gutes Miteinander und eine starke Persönlichkeit.

Reflex­integration in 5 Minuten kinderleicht erklärt

Reflex­integration in 5 Minuten kinderleicht erklärt

Kinder

von Silke Krämer | 06-2024

Was ist Reflexintegration? Das erkläre ich dir in diesem Artikel: Stelle dir zu Beginn einmal folgendes Bild vor, vielleicht trifft es ja sogar auf dich zu: Ich sitze zum kreativen Arbeiten oder Lernen nicht gerne am Schreibtisch. Wenn ich von Hand schreiben muss, geht das natürlich nicht so gut im Sitzen auf dem Sofa. Aber ich finde es immer anstrengend, in einer ordentlichen Sitzposition am Tisch zu Schreiben. Und?

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Besser Schreiben durch Reflexintegration: Frühkindliche Reflexe und Schreiben

Wenn du auch zu der Gruppe von Menschen gehörst, denen das Schreiben im Sitzen besonders schwer fällt und du das Gefühl hast, dass sich dein Arm dabei verkrampft, weil du viel lieber im Liegen, Knien oder Stehen schreiben würdest, dich beim Sitzen auf ein untergeschlagenes Bein setzt oder die Beine um die Stuhlbeine wickelst, kann dieser Artikel interessant für dich sein. Es könnte jedoch auch noch andere Dinge geben, bei denen du das Gefühl hast, dass sie den meisten deiner Klassenkameraden leichter fallen als dir. Wenn das so ist, lohnt es sich auf jeden Fall weiter zu lesen.

Ich werde dir gleich etwas über noch aktive frühkindliche Reflexe erzählen. Erschrick nicht – das ist unkomplizierter, als es zunächst klingt. Aktive frühkindliche Reflexe können sich übrigens auch noch anders zeigen, als in deiner Vorliebe für eine unübliche Schreibposition.

Lenken dich Geräusche leicht ab?

Andere Symptome können sein, dass du sehr geräuschempfindlich bist und alles um dich herum genau wahrnimmst. Das lenkt dich in der Schule natürlich oft ab. Vielleicht hast du allgemein das Gefühl, dass du dich nicht so gut konzentrieren kannst, du bist langsamer beim Abschreiben von der Tafel als die meisten Kinder deiner Klasse und du hast Probleme mit der Rechtschreibung und Grammatik.

Hast du vielleicht auch nicht so ein gutes Gleichgewicht, ein schlechtes Zeitgefühl, übersiehst in Arbeiten manchmal Aufgaben und im Nachhinein kommt es dir so vor, als wäre diese Aufgabe während der Klassenarbeit noch gar nicht da gewesen?

„Setz dich ordentlich hin zum Schreiben!“, wirst du immer wieder von Eltern und Lehrern gesagt bekommen.

Dann setzt du dich kurz in die vorgesehene Schreibposition, doch dein Körper möchte viel lieber eine andere Position einnehmen und du musst dich immer wieder bewusst in diese Schreibposition bringen. Das ist anstrengend!

Und ja genau, du hast richtig gelesen: Dein Körper möchte das, weil in deinem Gehirn unbewusste Prozesse ablaufen. In deinem speziellen Fall könnte das an noch aktiven frühkindlichen Reflexen liegen. Keine Angst, einerseits ist das nichts Schlimmes und andererseits kannst du etwas dagegen tun.

Was sind überhaupt frühkindliche Reflexe?

Ich erkläre dir mal, was frühkindliche Reflexe überhaupt sind: Wenn wir als kleiner Säugling auf die Welt kommen, können wir fast nichts „bewusst“ machen. Wir können dann noch nicht sagen „oh, ich habe Durst und dort vorne steht ein Glas Wasser. Das nehme ich mir jetzt mal und stille meinen Durst daran“.

Säuglinge können weder den Zusammenhang Glas-Durst herstellen, noch könnten sie danach greifen, das Glas an den Mund führen und bewusst schlucken.

Bei ihnen läuft alles automatisch ab. Sobald sie etwas im Mund spüren, beginnen sie zu saugen. Probier’s doch mal aus und halte einem Säugling deinen gewaschenen kleinen Finger in den Mund. Du wirst sehen, das Baby beginnt daran zu saugen. Das ist der Saugreflex. Daher kommt übrigens das Wort Säugling.

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Sobald der Säugling dann Flüssigkeit im Mund spürt, schluckt er. Das ist der Schluckreflex. Das läuft alles ganz automatisch ab. Wenn das Baby älter wird, verschwinden diese Reflexe, denn es wäre ja blöd, wenn wir als Erwachsene immer noch an allem rumsaugen würden, was uns im Mund berührt!

Jetzt weißt du auch, warum diese Reflexe „frühkindliche Reflexe“ genannt werden. Sie sind nur in einer frühen Entwicklungsstufe deiner Kindheit da. Irgendwann verschwinden sie, weil wir sie nicht mehr brauchen. Unser Gehirn kann dann die Entscheidungen bewusst treffen.

Vielleicht denkst du jetzt „ich bin aber doch kein Baby mehr!“. Da hast du natürlich recht.

Damit du das alles ganz genau verstehen kannst, müsste ich dir jetzt noch etwas über dein Gehirn erklären. Das würde dann hier aber sehr kompliziert werden. Wenn du es aber doch wissen möchtest, dann schreibe mir einfach eine E-Mail und ich beantworte dir deine Fragen.

 

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Ob frühkindliche Reflexe der Ursprung deiner Sorgen sein könnten, kannst du hier herausfinden.

Du erhältst unmittelbar eine individuelle Auswertung für dein Kind. Der Fragebogen prüft eine Vielzahl von erforschten Symptomen ab, die auf die Aktivität von frühkindlichen Reflexen hindeuten können. Der Check umfasst 105 Fragen in elf Bereichen rund um die Entwicklung deines Kindes.

Du erfährst, wie viele Indikatoren auf aktive Reflexe bei deinem Kind hindeuten und welche frühkindlichen Reflexe möglicherweise noch aktiv sind. Auf Wunsch sende ich dir die Auswertung sofort per E-Mail zu.

 

Was machen die Reflexe mit mir, wenn sie nicht verschwinden?

Die Kurzversion ist also die, dass manche der frühkindlichen Reflexe nicht vollständig verschwinden, obwohl es besser für uns wäre, wenn sie verschwunden wären. Es ist dann nicht mehr so, dass der Reflex noch genauso stark ausgeprägt ist, wie damals, als du noch ein kleines Baby warst.

Deshalb spricht man von einer Restmuskelreaktion des frühkindlichen Reflexes. Das ist auch ein kompliziertes Wort, doch wenn du es auseinander nimmst, dann wird es einfach. Es bedeutet, dass deine Muskeln noch einen Rest von der Bewegung zeigen, die typisch für den Reflex ist. Also eine übrige Bewegung von der Bewegung, die der Reflex mal gemacht hat.

Kennst du den Kniesehnenreflex? Wenn der Arzt mit seinem Reflexhammer unterhalb der Kniescheibe klopft, schnellt der hängende Unterschenkel nach oben:

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Das soll auch so sein, weil dieser Reflex kein frühkindlicher Reflex ist. Er bleibt ein Leben lang aktiv. Jetzt stell dir einfach vor, der Arzt klopft mit dem Reflexhammer unter deine Kniescheibe und der Unterschenkel schnellt nicht mehr hoch, sondern zuckt nur noch so ein bisschen. Das wäre dann die restliche Reaktion der Bewegung, die von dem Reflex noch übrig geblieben wäre. Das Wort „Muskel“ taucht darin auf, weil Muskeln für die Bewegung zuständig sind. Sie sind sozusagen die Diener unseres Gehirns, das eine bestimmte Bewegung in Auftrag gibt. Die Muskeln bewegen dann unsere Gelenke, um zum Beispiel nach dem Glas Wasser zu greifen.

Wenn dein Körper beim Schreiben also nicht in einer bestimmten Position bleiben möchte, dann könnte das daran liegen, dass du noch einen aktiven STNR-, TLR- oder ATNR-Reflex hast. Du musst dann immer wieder bewusst gegen diesen unbewussten Wunsch deines Gehirns ankämpfen, was auf Dauer sehr anstrengend für dich ist. Das kann auch dazu führen, dass du das Gefühl hast, dich schlechter als andere Kinder konzentrieren zu können.

Wenn du einen noch aktiven frühkindlichen STNR Reflex hast (Symmetrisch Tonischer Nackenreflex) kann es sein, dass es dir schwer fällt, in der von Eltern oder Lehrern gewünschten vorgegebenen normalen Sitzposition zu schreiben.

Bei diesem Reflex möchte sich dein Arm strecken, wenn deine Hüfte gebeugt ist. Die Hüfte ist deshalb gebeugt, weil du ja sitzt. Das ist der Knick zwischen deinen Beinen und deinem Oberkörper. Wenn du liegst oder Stehst, ist deine Hüfte gestreckt.

Jetzt ist im Sitzen also deine Hüfte gebeugt und dein Arm möchte sich strecken. Geht das beim Schreiben? Kannst du mit ausgestrecktem Arm schreiben? Ich kann das nicht. Beim Schreiben muss der Arm im Ellenbogen gebeugt sein.

Damit du nun entspannter schreiben kannst und dein Arm nicht so schnell müde wird oder deine Hand verkrampft, sagt dir dein Gehirn unterbewusst, dass es für dich viel besser ist, im Liegen, Stehen oder mit untergeschlagenen Beinen zu schreiben. Und stell dir vor! Viele Erwachsene wissen gar nicht, dass du das gar nicht absichtlich machst, sondern dein Körper dir sagt, was für dich am einfachsten ist. Deshalb sagen dir die Lehrer und vielleicht deine Eltern immer „jetzt setz' dich doch mal ordentlich hin!“.

Es gibt noch viele andere frühkindliche Reflexe, die Auswirkungen auf deinen Körper haben können, wenn sie noch nicht ganz verschwunden sind. Das ist nicht so schlimm, aber du hast vielleicht das Gefühl, dass dir manche Dinge schwerer fallen als anderen Kindern in deiner Klasse. Das ist natürlich blöd.

Man hat sogar herausgefunden, dass Kinder mit Lese- und Rechtschreibproblemen zu 75% noch einen aktiven STNR Reflex haben und alle Kinder mit LRS einen aktiven ATNR Reflex (Asymmetrisch Tonischer Nackenreflex) haben.

Wie dir Übungen zur Reflexintegration mit Rexi helfen können!

Die gute Nachricht ist jedoch, dass du etwas dafür tun kannst, dass auch dir viele Dinge leichter fallen. Und es ist ganz einfach!

Du kannst vorab mit deinen Eltern meinen Online Fragebogen aus: Dies könnt ihr kostenlos auf meiner Webseite machen, ihr erhaltet sofort eine detaillierte Auswertung und könnt sehen, welche Reflexe möglicherweise noch aktiv sind.

Dann geht's an die Übungen: Wir nehmen uns dann nacheinander alle Reflexe vor. Wir machen bestimmte Übungen zusammen bei mir in der Praxis und dann bekommst du noch Übungen für zu Hause. Die kleine Katze Rexi zeigt dir diese Übungen. Ganz wichtig ist, dass du die Übungen regelmäßig machst.

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Nach drei bis vier Wochen, sehen wir uns dann wieder und wir machen neue Übungen. Wenn der Reflex verschwunden ist, knöpfen wir uns den nächsten Reflex vor und Rexi erklärt dir wieder alle Übungen, die du zu Hause machen wirst. Insgesamt brauchen wir einige Monate dafür.

Doch hey, was sind schon ein paar Monate im Vergleich zu einem ganzen Leben?

Von diesen Übungen wirst du nämlich dein ganzes Leben lang profitieren, da du ja nach der Schule auch noch weiter lernen wirst.

Starte mit meinem Online Fragebogen Reflexintegration mit kostenloser Auswertung

Wenn du genau wissen möchtest, ob du noch sogenannte Restmuskelreaktionen frühkindlicher Reflexe hast, kannst du meinen Online Fragebogen kostenlos auf meiner Internetseite ausfüllen. Du erhältst sofort Feedback. Anhand des Fragebogens können wir schon mal sehen, ob das der Grund für deine Herausforderungen sein könnte.

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Ob frühkindliche Reflexe der Ursprung deiner Sorgen sein könnten, kannst du hier herausfinden.

Du erhältst unmittelbar eine individuelle Auswertung für dein Kind. Der Fragebogen prüft eine Vielzahl von erforschten Symptomen ab, die auf die Aktivität von frühkindlichen Reflexen hindeuten können. Der Check umfasst 105 Fragen in elf Bereichen rund um die Entwicklung deines Kindes.

Du erfährst, wie viele Indikatoren auf aktive Reflexe bei deinem Kind hindeuten und welche frühkindlichen Reflexe möglicherweise noch aktiv sind. Auf Wunsch sende ich dir die Auswertung sofort per E-Mail zu.

Hat dir der Artikel gefallen? Ich freue mich, wenn du mir Feedback zu meinen Artikeln gibst. Entweder hier auf der Seite über einen Kommentar, Facebook oder per E-Mail. Auch wenn du noch Fragen hast, kannst du über das Kontaktformular unkompliziert mit mir in Verbindung treten

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Ich bin Silke Krämer.

Kinder- und Jugendcoach Professional, NLP Master und Coach, EMDR Traumatherapeutin und Gymnasiallehrerin

Ich helfe Familien, wenn es Schulstress gibt und daheim die Fetzen fliegen. Außerdem unterstützte ich Mütter und Väter dabei, sich den Herausforderungen des Familienlebens selbstbewusst zu stellen.

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Mobbing in der Schule – ein Thema, das längst keines mehr sein sollte!

Mobbing in der Schule – ein Thema, das längst keines mehr sein sollte!

Kinder

05-2024

Mobbing in der Schule ist nach wie vor ein großes Thema, im echten Leben und online in Form von Cybermobbing: Unabhängig von Schulform und Geschlecht wird in Deutschland laut einer PISA-Studie der OECD aus dem Jahr 2017 jede*r sechste 15-Jährige regelmäßig Opfer von Mobbing an seiner bzw. ihrer Schule.

In diesem Beitrag schildert Elisa ihre eigene, bewegende Erfahrung als Mobbing Opfer: Ihr Fall liegt bereits ungefähr 30 Jahre zurück, doch grundsätzlich hat sich nichts geändert. Viele sagen einfach immer noch „lass dich nicht ärgern“ oder „schlag einfach zurück“. Dass es so einfach nicht ist, berichtet uns Elisa.

Außerdem findest du im Anschluss an das Gespräch mit Elisa konkrete Tipps, wie du Anzeichen von Mobbing bei deinem Kind erkennen kannst, was du tun solltest und wo du Hilfe findest.

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Bild von Anemone123 

Mobbing - Eine wahre Begebenheit

Silke: Liebe Elisa, ich danke dir ganz herzlich, dass du dich für dieses Interview bereit erklärt hast, denn über Mobbing zu sprechen ist nicht leicht und schon gar nicht, wenn man selbst davon betroffen ist, so wie du.

Du bist inzwischen erwachsen, Mutter eines Sohnes und Geschäftsführerin eines Verlags. Dennoch schreibe ich bewusst „betroffen bist“, denn obwohl die Ereignisse schon viele Jahre zurück liegen glaube ich, dass sie immer noch Einfluss auf dein heutiges Leben haben.

 Liebe Elisa, keiner kennt dich so gut wie du dich selbst. Wer ist Elisa?

Elisa: Ich bin Elisa, 37 Jahre alt, ich liebe Musik, Kunst, Fremdsprachen, Bücher und Pferde über alles. Ich bin ein totaler Japanfan, spiele Gitarre, singe für mein Leben gern und habe gefühlt tausend Hobbies, u.a. Handarbeiten.

Ich bin seit 10 Jahren verheiratet, seit 20 Jahren mit meinem Mann zusammen, wir haben einen 9-jährigen Sohn und einen 16-jährigen Hund sowie ein Häuschen mit Garten im Grünen.

Ich bin zwar gelernte Fremdsprachenkorrespondentin für Englisch aber seit 8 Jahren leite ich meinen eigenen Verlag. Die Arbeit im Verlag beinhaltet so ziemlich alles außer Bücher schreiben aber ist mein absoluter Traumjob. Ich helfe sozusagen Büchern auf die Welt.

Ich wünschte mir so sehr jemanden, der mich verstand!

Silke: Das klingt sehr interessant und vielseitig, doch dein Leben war nicht immer so bunt. Als Schülerin warst du ein Mobbing Opfer. Wie fing das bei dir an und was glaubst du, waren die Gründe dafür? 

Elisa: Ich bin in Bulgarien geboren und aufgewachsen. Als ich acht Jahre alt war, kam ich am 21.12.1991 nach Deutschland.  Meine Eltern ließen mich bei meinen Großeltern in Berlin alleine, um sich um den endgültigen Umzug und alles Organisatorische zu kümmern.  Ich konnte kein Wort Deutsch und musste es von meinen Großeltern lernen.

Aus meiner gewohnten Umgebung herausgerissen zu werden und in ein Land zu kommen, das so anders war als das, was ich bisher kannte, war ein Schock für mich: Sprache, Schrift, Mentalität und Klima – alles war anders.

Es machte mich traurig, meine mir bekannte Familie zurück zu lassen. Die deutsche Hälfte der Familie würde ich erst kennen lernen.

Meine Oma brachte mir das lateinische Alphabet bei, denn in Bulgarien schreibt man kyrillische Buchstaben und mein Opa lehrte mich das Rechnen auf Deutsch.
Als Bücherwurm, der ich schon immer war, füllte sich mein Wortschatz zum Glück so schnell, dass ich bereits im August 1992 in die Grundschule gehen sollte.

Dennoch traute man mir nicht zu, direkt in die dritte Klasse einzusteigen und so musste ich „zurück“ in die zweite Klasse, die ich in Bulgarien schon ein halbes Jahr lang besucht hatte. Jetzt war ich die Älteste in der zweiten Klasse.

Mein Papa und ich zogen in den grünen Südosten von Berlin. Ein Stadtteil mit der allerniedrigsten Ausländerquote überhaupt.

Sie machten sich über alles an mir lustig

Silke: Du hast dir unglaublich viel angeeignet während deiner ersten Monate in Deutschland. Eigentlich Grund genug, um stolz auf dich zu sein. Warum war das nicht möglich?

Elisa: Es war nicht möglich, weil es niemanden in meinem Umfeld gab, der das Positive anerkannte. Im Gegenteil – alles an mir wurde „rausgestellt“.

Das Mobbing begann, weil man sich über mich lustig machte, dass ich sitzengeblieben sei. Sie dachten, ich gehörte zu den Kindern, die fachlich nicht gut genug waren – sie wussten nicht, was der eigentliche Grund dafür war, dass ich als Zweitklässlerin schon so alt war.
Die anderen Kinder machten sich darüber lustig, dass ich nicht alles verstand, dass meine Grammatik nicht gut war und dass ich einen fremdländischen Akzent hatte.

Auch, dass ich fast nichts von dem kannte, was die anderen Kinder als Alltag kannten, war Grund genug, mich vorzuführen.

Als neugieriges und wissbegieriges Kind hatte ich Spaß in der Schule. Ich war fleißig und sehr ehrgeizig – auch das fand keinen Anklang bei meinen Mitschülern.

Nach einem Jahr konnte ich zwar nicht alles verstehen, was ich las, doch als Leseratte wurde ich tatsächlich Klassenbeste im Lesen. Ich konnte besser lesen als meine deutschen Mitschüler. Ich war darüber eigentlich nur verwundert aber offenbar fühlten sich die Anderen so vorgeführt, dass sie mich auch aus diesem Grund hassten.

Sie begannen mich zu hänseln und aufzuziehen. „Streber“ war eine der netteren Bezeichnungen, die ich mir gefallen lassen musste.

Neben dem offensichtlichen Schielen wurde festgestellt, dass ich auch Kurzsichtig war und so bekam ich eine dicke fette Brille. Auf dem Rahmen waren rosa Buchstaben – das hatte ich mir so ausgesucht. Das Schielen verschwand zwar nach sechs Monaten, doch kurzsichtig blieb ich. So bot meine Brille eine weitere Angriffsfläche für Hänseleien wie etwa „Brillenschlange“.

Leider war ich grobmotorisch sehr ungeschickt und so wurde ich durch die daraus resultierenden Gemeinheiten doppelt gestraft.

Und dann war da noch mein deutscher Familienname Stulpe, der den anderen zur Verballhornung à la „Stulle“ zuspielte.

Vermutlich spielte es auch eine große Rolle, dass ich sozial unbeholfen war. Woher das kam, stellte sich allerdings erst 2008 heraus, als ich eine Asperger Autismus und ADS Diagnose bekam. Als Asperger Autistin war ich nicht in der Lage, intuitiv gesellschaftliche Regeln zu durchschauen und sie befolgen zu können. Emotionen aus den Gesichtern anderer abzulesen, sowie Körpersprache und Tonfall zu deuten, ist eine große Herausforderung, die mir bestimmt lange nicht gelang.

Erschwerend kam hinzu, dass wir bitterarm waren.
Zunächst lebten wir zu viert auf 64 Quadratmetern im Plattenbau, bis mein Bruder nach einem Jahr auszog.

Silke: Inwiefern hat dich die Zeit in Bulgarien geprägt, bevor du nach Deutschland kamst?

Elisa: Wir waren so arm, dass wir uns nicht einmal Milch leisten konnten.  Ich war froh, wenn ich Kakaopulver bekam, das ich mit heißem Wasser trinken konnte. Warme Mahlzeiten gab es nicht.

In den Sommerferien vor der 2. Klasse arbeitete mein Vater als Aufseher in einer kleinen Galerie in Berlin. Sehr viele Stunden saßen wir dort und ich hatte nur 2 Klappbrote für den ganzen Tag. Mir knurrte rund um die Uhr der Magen. Ich war ohnehin nach Meinung des Kinderarztes mit 10 kg Untergewicht nach Deutschland gekommen.

Im kommunistischen Bulgarien war es uns noch schlechter gegangen. Wir hatten nur wenige Stunden am Tag Wasser und Strom. Essen gab es nur mit Lebensmittelmarken und auch davon war immer zu wenig da. Meine Mundwinkel waren eingerissen, ich war ständig krank.  Kleidung bekam ich von meinen beiden Cousins, die noch in der Nähe wohnten und nur wenige Jahre älter waren.

Selbstverständlich waren auch das „wunderbare“ Anlässe für meine Mitschüler und Mitschülerinnen, um sich über mich lustig zu machen.

Weder von Lehrern noch von meinen Eltern habe ich hier Unterstützung und Hilfe bekommen.

Hilflos und nicht ernst genommen

Silke: Der Hintergedanke dieses Blogbeitrags ist es, Menschen zu sensibilisieren, dass Mobbing leider immer noch ein alltägliches Thema in unserer Gesellschaft ist. Sowohl Eltern möchte ich darin stärken, kleine Anzeichen leichter erkennen zu können und Kindern indirekt dadurch helfen, indem ihre Nöte erkannt werden!

Wie war das bei dir, Elisa, haben deine Eltern davon gewusst, wie sehr du in der Schule gelitten hast? Hast du dich getraut, mit ihnen darüber zu sprechen?

Elisa: Ich war völlig hilflos und wusste mir nicht anders zu helfen, als mit ihnen darüber zu sprechen. Aber entweder war es ihnen egal, oder sie nahmen es nicht ernst.
Gelegentlich sagten sie auch, ich solle es einfach ignorieren – was mir überhaupt nicht gelang. Sie sagten zu mir, dass es sich schon von alleine lösen würde. Für mich war es, als würden sie mich nicht ernst nehmen. Das war besonders schlimm für mich.

Ein einziges Mal sprach meine Mutter mit einer Mitschülerin und der Schule, doch das machte alles danach nur noch schlimmer für mich. Ich habe fast jeden Tag geweint.

Silke: Ich kann mir gut vorstellen, wie alleine gelassen und einsam du dich gefühlt haben musst. Bestimmt ist es so, dass viele Kinder sich nicht trauen, das Thema in der Schule anzusprechen, weil sie befürchten, dass es eh nichts bringt oder sogar noch verschlimmert.

Wie haben die Schule und die Mitschüler auf das Gespräch deiner Mutter reagiert?

Elisa: Eigentlich gar nicht – aber vielleicht lag das auch an meiner Mutter? Sie war zum Hospitieren in der Grundschule und sympathisierte mit einer meiner schlimmsten Mobberinnen!!! Das war grausam für mich. Als ob deren Autounfall, ihr Auslandsaufenthalt und der Drill, dem sie unterlag die perfekte Begründung war, andere wegen u.a. Kleidung zu schikanieren!

Meine Mutter hatte VERSTÄNDNIS. Na klar, dieses Mädchen entsprach so ziemlich ihrer Idealvorstellung einer Tochter – ich scheinbar nicht!

Mögliche Warnsignale richtig erkennen und angemessen darauf reagieren

Silke: Das ist natürlich doppelt schlimm. In meiner Praxis habe ich mit Eltern zu tun, die wollen, dass es ihrem Kind gut geht. Sie leiden selbst sehr darunter, wenn sie das Gefühl haben, dass ihr Kind nicht glücklich ist. In deinem Fall hattest du nicht einmal deine Eltern auf deiner Seite. Das ist sehr schlimm für ein Kind!

Wenn wir davon ausgehen, dass Eltern wollen, dass es ihren Kindern gut geht, was würdest du ihnen raten? Auf welche Zeichen sollten sie achten, woran könnten sie merken, dass ihr Kind möglicherweise gemobbt wird, wenn es sich nicht traut, offen darüber zu sprechen?

Elisa: Sie könnten auf Kleinigkeiten achten, wie zum Beispiel, ob alle Schulsachen heil daheim ankommen. Auch, ob zu Hause Spielsachen oder Geld fehlen. Kommen alle Kleidungsstücke vollzählig wieder heim und sind sie in einem guten Zustand oder möglicherweise kaputt?

Wenn das häufiger passiert, könnte es ein Anzeichen dafür sein, dass andere Kinder die Kleidungsstücke absichtlich kaputt machen.

Oder kommt es gar in seinen Sportsachen wieder heim oder ohne Schuhe? Wird die Brille permanent „vergessen“ oder kommt kaputt nach Hause? Ich wurde oft beklaut, erpresst, in den Dreck geworfen, meine Sachen wurden zerrissen, weggeworfen, versteckt…

Bringt das Kind Essen und/Trinken mit nach Hause? Manchmal will es nicht trinken weil es nicht auf die Toilette gehen müssen will. Oder ist alles leer aber es kommt mit einem übernatürlichen Heißhunger und Durst nach Hause? Dann wurde Essen/Trinken geklaut oder weggeworfen.

Hat das Kind 1000 Gründe warum es nicht in die Schule will? Hat es Freunde? Spielt es oft krank, wenn es ums losgehen geht, aber ist plötzlich kerngesund, wenn es gehört hat, wie die Eltern in der Schule angerufen und es krankgemeldet haben? Musste es „krank“ aus der Schule abgeholt werden, nachdem die Schule angerufen hat, ist dann aber bereits auf dem Weg nach Hause wieder quietschfidel?

Hat es Probleme am Tagesende positive Dinge zu finden, die an dem Tag passiert sind?

Hat es beim Kuscheln Schmerzen und ungewöhnlich viele blaue Flecken und Beulen? Freut es sich über Knochenbrüche und Fieber, weil es dann nicht in die Schule/nach Draußen muss, auch wenn es schlimm wehtut und nicht mehr spielen kann?

Wirkt es apathisch, weggetreten, zuckt ängstlich zusammen, wenn du schulbezogene Dinge ansprechst?

Will es nicht über die Schule reden und kann sich grundsätzlich nicht an das erinnern, was am Tag in der Schule gemacht wurde?

Es gibt so viele Anzeichen, wenn Eltern feine Antennen haben.

Silke: Und wie sieht es in deinem Fall aus? Du hattest nicht die Unterstützung und Hilfe deiner Eltern, was ich unglaublich traurig finde. Ich mag mir gart nicht ausmalen, was alles in dir vorgegangen sein muss.

Was hat das Mobbing mit dir gemacht, was ist dadurch in dir zerbrochen?

Elisa: Das Unbeschwerte. Das Vertrauen in meine Eltern. Der Respekt vor manchen Lehrern.
Die Hoffnung darauf, jemals Freunde zu haben. Der Ehrgeiz in der Schule gut zu sein, weil das selbst im Gymnasium negative Reaktionen mit sich brachte.

Es sind sehr viele Träume zerplatzt, die ich hatte.
Und ich habe sehr viel Spaß bei Hobbies verloren.

Traue dich, dir Hilfe zu holen

Silke: Wie bei anderem Missbrauch auch glaube ich, dass Vieles gar nicht wirklich wahrgenommen wird und die Kinder still vor sich hin leiden. Das macht es mit unter so gefährlich.

Wie können sich Kinder Hilfe holen, wenn ihre Eltern ihnen nicht zur Seite stehen und keinerlei Unterstützung von zu Hause bekommen?

Elisa: In der Schule gibt es Vertrauenslehrer, falls die Klassenlehrer auch mobben (ja, auch das gibt es!). Es gibt den Schulpsychiatrischen Dienst. Die AWO hat manchmal so Sprechstunden. Den Weißen Ring gibt es auch, die sind sehr nett. Auch der Kinderarzt kann einbezogen werden. Und heutzutage gibt es sogar die Nummer gegen Kummer und das Kinder- und Jugend Sorgentelefon

Carsten Stahl von CAMP STAHL, der sich öffentlich gegen Mobbing einsetzt berichtete, dass sich in Deutschland jeden zweiten Tag ein Kind wegen Mobbings das Leben nimmt. Das sind schlimmere Zahlen, als uns das Corona Virus derzeit liefert, doch darüber spricht kaum jemand!

Silke: Liebe Elisa, dein Schicksal hat mich sehr bewegt und ich danke dir unendlich für deine Offenheit. Ich wünsche mir sehr, dass wir beide durch deine Geschichte die Sensibilität für dieses Thema steigern können.

Umso bewundernswerter finde ich es, was du aus deinem Leben gemacht hast.

Im Übrigen ist in deinem Carow Verlag, der ganz im Nordosten Deutschlands angesiedelt ist, ein wunderschönes Kinderbuch von der in Heidelberg lebenden Autorin Dani Vanreusel erschienen. Es ist das Buch: „Euko und die fliegenden Füchse“.

Sechs Warnzeichen bei Mobbing auf einen Blick: Dein Kind ...

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... zieht sich zurück, wirkt niedergeschlagen und antriebslos

... klagt oft über Bauch- oder Kopfschmerzen, schläft schlecht ein und ist appetitlos

... möchte Dinge nicht mehr alleine tun, die es vorher schon konnte, wie z.B. alleine zur Schule oder zum Sport gehen

... gibt häufig an, Sachen verloren zu haben oder Dinge gehen kaputt

... bleibt nachmittags lieber alleine zu Hause und meidet seine „Freunde“ und Klassenkameraden

... wird schlechter in der Schule

Diese acht Dinge sollten Eltern bei Verdacht auf Mobbing tun

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Sprich auf jeden Fall mit den Lehrern

Sei verständnisvoll mit deinem Kind und sprich mit ihm

Biete ihm Hilfe von außen an (Psychologe, Kinder- und Jugendcoach, Sozialer Dienst)

Schreibe ein genaues Mobbing-Tagebuch, in dem du alles festhältst, was deinem Kind passiert

Mach deinem Kind klar, dass es keine Schuld an der Situation hat

Sprich nicht direkt mit den Tätern, denn das schwächt die Position deines Kindes

Stärke das Selbstbewusstsein deines Kindes durch Erfolge außerhalb der Schule

Mobbing: Hier bekommst du Hilfe für dein Kind

Nummer gegen Kummer e.V.

Rufnummer 116111. Der Verein bietet Kinder-, Jugend- und Elternberatung durch ehrenamtliche Experten. Online und über das Notfalltelefon.

Weisser Ring e.V.

Rufnummer 116006. Hilfe für Opfer von Kriminalität und Gewalt, Hilfe auch bei Cybermobbing, Online-Beratung und Hilfe vor Ort.

Forensische Ambulanz Heidelberg

Opfer von Gewalt können sich in Heidelberg an die Forensische Ambulanz der Uniklinik wenden. Wofür genau sie zuständig ist, kannst du hier nachlesen.

Jugendschutz.net

Das Kompetenzzentrum von Bund und Ländern bietet auch Hilfe bei Beschwerden an Provider und Links zu aufklärenden Webseiten.

Bündnis gegen Cybermobbing

Der Verein bietet umfangreiche Aufklärungsangebote, Informationen und Hilfen zum Cybermobbing. 

Zeichen gegen Mobbing e.V.

In Schulen klärt der Verein präventiv über Mobbing auf und bietet Hilfestellungen in akuten Fällen an. Bundesweit steht Zeichen gegen Mobbing Betroffenen, Eltern und Lehrkräften mit Empathie und Fachwissen zur Seite.

In diesem Interview ging es ausschließlich um Mobbing in der Schule. Durch die Digitalisierung hat Mobbing jedoch  eine ganz andere Dimension angenommen: Per Smartphone, über soziale Netzwerke und über E-Mail gibt es keine Grenze mehr, die das Mobbing nur auf die Schule beschränkt. Die Hemmschwelle ist deutlich gesunken, weil viele Mobber im Netz unerkannt bleiben. Die Anzahl potentieller Mobber ist dadurch gestiegen. Bei Cybermobbing hilft auch kein Schulwechsel mehr.

Und wie in jedem Bereich des Missbrauchs, trauen sich die Opfer sehr oft nicht direkt darüber zu sprechen. Mobbing kann überall dort entstehen, wo größere Menschengruppen zusammen sind. Was in der Schule beginnt, geht am Arbeitsplatz oft weiter. So sollten Lehrer eigentlich Experten sein, um gegen Mobbing vorzugehen, doch leider fallen auch sie immer wieder selbst Mobbing zum Opfer.

Ich hoffe, ich konnte dich mit diesem Beitrag für das Thema Mobbing sensibilisieren und dich ermutigen, dir gegebenenfalls Hilfe für dich und dein Kind zu holen. Schreib' mir gerne falls du noch Fragen zum Thema Mobbing oder Feedback zu diesem Beitrag hast.

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Ich bin Silke Krämer.

Kinder- und Jugendcoach Professional, NLP Master und Coach, EMDR Traumatherapeutin und Gymnasiallehrerin

Ich helfe Familien, wenn es Schulstress gibt und daheim die Fetzen fliegen. Außerdem unterstützte ich Mütter und Väter dabei, sich den Herausforderungen des Familienlebens selbstbewusst zu stellen.

Als Trainerin für Reflexintegration helfe ich deinem Kind, damit ihm die Schule bei Konzentrations­schwächen, Lern- und motorischen Problemen leichter fällt.

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