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”Nee!“ – Wie du dein Kind in der Pubertät motivieren kannst

”Nee!“ – Wie du dein Kind in der Pubertät motivieren kannst

Jugendliche

07-2026

Machst du heute noch deine Übungen? Deine Aufgaben?” - Ein Augenrollen. Ein genervtes “gleich.” Oder direkt ein deutliches: “Nee!”

Wenn dein Kind inzwischen in der Pubertät angekommen ist, kennst du solche Situationen vielleicht: Warum wird alles, was früher gut funktioniert hat, inzwischen zum Kampf? Warum muss ich mein Kind ständig motivieren?

Ja, wir wissen alle, dass die Pubertät unsere Kinder verändert, doch muss es doch irgend einen Schlüssel dafür geben, der den Familienalltag wieder leichter werden lässt! Ob unter den besonderen Bedingungen der Pubertät oder ganz allgemein, ist und bleibt das Thema Motivation ein Dauerbrenner.

Auch wenn ich mich in diesem Artikel überwiegend auf Jugendliche beziehe, lassen sich viele Gedanken ebenso auf jüngere Kinder oder gar Erwachsene übertragen, insbesondere auf autonomiestarke jüngere Kinder.

Die Pubertät ist eine Zeit, in der sich Jugendliche Schritt für Schritt von ihren Eltern lösen. Sie möchten eigene Entscheidungen treffen, ihre Persönlichkeit entwickeln und ihren eigenen Weg finden. Genau deshalb funktionieren viele Strategien, die bei Grundschulkindern noch gut geklappt haben, plötzlich nicht mehr.

Das mag frustrierend sein. Gleichzeitig eröffnet es die Chance, deinem Kind auf eine neue Art zu begegnen und zu begleiten.

Dabei dürfen wir nicht vergessen, dass das Bedürfnis nach Nähe und Verbundenheit in der Pubertät mindestens genauso groß ist, wie in den ersten Lebensjahren, es sich nur anders zeigt. Ein pubertierender Junge möchte vielleicht nicht mehr von seiner Mama bekuschelt werden und ein Mädchen nicht mehr vom Papa. Das Bedürfnis nach Verbundenheit bleibt dennoch bestehen.

Gerade deshalb bietet das Training zur Reflexintegration eine wunderbare Möglichkeit, Zeit gemeinsam zu verbringen, ohne sich „zu nahe“ sein zu müssen. Man hat etwas gemeinsam zu tun, ist beisammen und muss dabei nicht einmal viel reden. Ist das nicht ausgesprochen pubertätsfreundlich?

Wie verändert sich Motivation in der Pubertät?

Kleine Kinder machen vieles, weil Mama oder Papa sie dazu auffordern. Sie genießen die gemeinsame Zeit oder vertrauen darauf, dass ihre Eltern wissen, was gut für sie ist.
Jugendliche haben sich weiterentwickelt. Sie möchten verstehen, ernst genommen werden und zunehmend selbst entscheiden … und das oftmals genau anders, als wir Eltern es tun würden.

Das geschieht nicht, um uns zu ärgern, sondern es ist ein wichtiger Entwicklungsschritt auf dem Weg zum Erwachsensein. Unsere Aufgabe besteht nun weniger darin, Entscheidungen abzunehmen, sondern vielmehr darin, sie zu begleiten.

Eine Szene aus unserem Familienalltag zeigt das ganz gut:
Ich frage unseren Sohn, ob er denn diese Woche eigentlich schon Gitarre geübt hat. Die Frage an sich ist schon ein Anfängerfehler, der mir nicht hätte passieren dürfen, weil ich es besser weiß! Denn erstens ist das Wort „üben“ der totale Trigger und zweitens weiß ich ganz genau, wie er tickt. 
Prompt habe ich die Antwort kassiert: „Ich wollte gerade spielen. Aber weil du mich dran erinnert hast, habe ich schon keine Lust mehr und mache es jetzt nicht.“
Verärgert über mich, ziehe ich von dannen und denke mir: Super! Großartig gemacht, Frau Krämer.

Vielleicht kennst du das auch von dir selbst: Wie motiviert bist du, etwas zu tun, wenn dir jemand ständig sagt, dass du es musst?

Wahrscheinlich nicht besonders. Ich jedenfalls finde es schon schlimm genug, so viel Zeit für bestimmte Haushaltstätigkeiten aufbringen zu müssen und die intrinsische Motivation dafür kostet mich manchmal recht viel Kraft. Aber wenn mich jemand darauf hinweist, dass alle Wäschetonnen voll sind, fühle ich mich gegängelt, empfinde es so, als würde man das viele Andere, das ich schon gemacht habe oder regelmäßig tue, total übersehen und reagiere mit Widerstand. (Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm, haha!)

Jugendlichen geht es oft genauso - es sei denn, sie gehören zu den super-über-Angepassten, was möglicherweise später oder an anderer Stelle herausfordernd werden kann.
Wie also können wir es schaffen, dass unser jugendliches Kind dennoch seine Übungen zur Reflexintegration macht (wenn man scheinbar nichts sagen darf)?

Du kannst nicht mit Zwang motivieren

Vielleicht hast du schon alles ausprobiert:
“Mach doch bitte endlich deine Übungen.”
“Du weißt doch, dass sie dir guttun.”
“Wir haben dafür schließlich viel Geld bezahlt.”
Je größer der Druck wird, desto stärker wird häufig der Widerstand.
Warum?
Weil Druck Gegendruck erzeugt und Motivation nicht von außen ‚gemacht‘ werden kann.
Wir können einen Menschen unterstützen, ermutigen, inspirieren und ihm beistehen.
Die Entscheidung, etwas wirklich tun zu wollen, entsteht jedoch immer in einem selbst.
Genau deshalb lohnt es sich, weniger Energie in das Überreden und mehr Energie in das Verstehen (und damit in die Beziehungsebene) zu investieren.

Jugendliche ernst nehmen und motivieren

Nicht jede fehlende Motivation bedeutet, dass dein Kind keine Lust auf das Training hat. Manchmal steckt etwas ganz anderes dahinter. Vielleicht sieht es noch keine Veränderungen, die Übungen sind ihm unangenehm, es fühlt sich ständig bewertet oder verbessert, es hat sich noch keine Übungs-Routine eingestellt, ein Wachstumsschub blockiert das System, es ist einfach erschöpft oder der Alltag ist gerade so voll, dass ihm alles zu viel wird.

Versuche deshalb, nicht vorschnell zu überzeugen oder zu überreden.

Frage lieber nach: „Was macht dir im Moment am meisten Schwierigkeiten?“ oder „Was würde dir helfen, das Training leichter in deinen Alltag einzubauen?“ Oft entsteht Motivation nicht dadurch, dass wir gute Argumente finden, sondern dadurch, dass sich Jugendliche verstanden und ernst genommen fühlen, indem wir die richtigen Fragen stellen.

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Bild von Kindel Media

Sprich nicht über Reflexe – sprich über die Ziele deines Kindes

Es gibt Menschen, die möchten alles bis ins kleinste Detail verstehen. Andere brauchen lediglich den groben Überblick. Ganz gleich, zu welchem Typ dein Kind gehört, spannend wird es meist erst dann, wenn es erkennt, was sich für das eigene Leben zum Positiven verändern könnte.

Vielleicht möchte dein Kind …

  • sich in Klassenarbeiten besser konzentrieren,
  • beim Sport schneller reagieren,
  • abends schneller einschlafen,
  • souveräner mit Stress umgehen,
  • weniger schnell wütend werden,
  • sich in der Schule sicherer fühlen,
  • beim Reiten oder Fußball koordinierter sein,
  • beim Musizieren präziser spielen
  • endlich Schwimmen oder Fahrradfahren lernen …

Das sind mögliche Ziele aus der Lebenswelt deines Kindes.
Die Reflexintegrationsübungen sind dabei nicht das Ziel, sondern lediglich der Weg.

Statt zu sagen:
“Wir müssen heute den TLR üben.”
könnte es hilfreicher sein zu sagen:
“Du hast doch erzählt, dass du dich in Mathe besser konzentrieren möchtest. Wollen wir heute wieder einen kleinen Schritt in diese Richtung machen?”
Allein dieser Perspektivwechsel kann viel verändern.

Gib deinem Jugendlichen möglichst viel Mitspracherecht
Autonomie ist einer der größten Motivationsfaktoren überhaupt.
Deshalb lohnt es sich, deinem Kind dort Wahlmöglichkeiten zu geben, wo sie möglich sind.
Zum Beispiel:

  • Wann möchtest du heute trainieren?
  • Welche Reihenfolge soll es heute sein?
  • Lieber alle Übungen am Stück oder aufgeteilt?
  • Mit Rexi-Musik oder in Stille?
  • Wollen wir uns eine Kerze und eine Duftlampe anmachen?
  • Möchtest du die Übungen alleine machen oder soll ich dabei bleiben?
  • Kann ich dich beim Zählen unterstützen?

So erlebt dein Kind das Training nicht als etwas, das über seinen Kopf hinweg entschieden wird.

Deine eigene Haltung überträgt sich auf dein Kind

Ein weiterer Gedanke ist mir sehr wichtig:

Kinder und Jugendliche nehmen viel mehr wahr, als wir manchmal glauben. Dabei geht es weniger um unsere Worte, als um unsere Stimmung, unsere Körpersprache und unsere innere Haltung.

Insbesondere feinfühlige Kinder und Jugendliche, wie wir sie im Training zur Reflexintegration häufig erleben, spüren sehr genau, ob wir innerlich präsent sind oder gedanklich noch bei tausend anderen Dingen. Vielleicht kennst du solche Situationen:
Während du noch am Herd stehst und gleichzeitig die Spülmaschine ausräumst, gleichzeitig eine Nachricht am Handy beantwortest, hörst du dich schrill rufen:
"Wir müssen heute noch die Übungen machen."
"Leg dich schon mal hin, ich komme gleich."

Natürlich kenne ich solche Momente selbst. Der Familienalltag ist oft voll, und nicht immer lässt sich alles perfekt planen. Doch Kinder spüren sehr genau, ob wir das Training als lästige Pflicht empfinden, die eben noch erledigt werden muss, oder ob wir uns bewusst Zeit für sie nehmen und mit unserer Aufmerksamkeit ganz bei ihnen sind.
Deshalb lohnt es sich, vor dem Training kurz innezuhalten.
Vielleicht atmest du einmal tief durch, legst das Handy zur Seite und entscheidest dich ganz bewusst dafür:

Jetzt ist Zeit für unser Training zur Reflexintegration.

Dabei rufst du dir noch einmal in Erinnerung, warum ihr euch überhaupt für das Training zur Reflexintegration entschieden habt und welche Veränderungen sich entwickeln dürfen.
Dann geht es nicht mehr darum, möglichst schnell ein paar Übungen abzuhaken, sondern darum, gemeinsam etwas zu tun, das deinem Kind gut tut.
Du signalisierst deinem Kind: "Jetzt bist du gerade das Wichtigste“ und ich glaube, dass das eine ganz besondere Ausdrucksform von Liebe ist. Diese Haltung verändert oft mehr als jede noch so gut erklärte Motivation, denn Emotionen sind ansteckend.

Wenn du selbst überzeugt bist, dass diese gemeinsame Zeit wertvoll ist, wenn du präsent bist, aufmerksam zuhörst und dich ehrlich über kleine Fortschritte freust, wird dein Kind das spüren.

Vielleicht wird es nicht an jedem Tag begeistert aufspringen. Aber die Wahrscheinlichkeit wächst, dass Rexi für dein Kind nicht nur aus Übungen besteht, sondern aus einer wertvollen gemeinsamen Zeit mit dir.

Besonders in der Pubertät, in der Gespräche manchmal schwierig werden und körperliche Nähe oft weniger selbstverständlich ist, kann das einer der größten Motivationsfaktoren überhaupt sein.

Gemeinsam statt allein

Warum machst du die Übungen nicht einfach mit?
Dadurch überbringst du deinem Kind gleich zwei wichtige Botschaften. Erstens: Wir gehen da gemeinsam durch und zweitens: Schau, ich sorge auch für mich und investiere in mich.
Du verlangst deinem Kind also nichts ab, was du nicht selbst bereit bist zu tun.
Ganz nebenbei entsteht gemeinsame Zeit, in der es nicht um Leistung oder Perfektion geht, sondern darum, sich gegenseitig zu unterstützen.

Vielleicht werdet ihr sogar zu kleinen Sparringspartnern, motiviert euch gegenseitig und lacht auch einmal über eine Übung.

Manchmal sind es genau diese gemeinsamen Momente, die lange in Erinnerung bleiben.

Das Gehirn liebt sichtbare Erfolge

Veränderungen entstehen oft schleichend. Umso wichtiger ist es, den Blick immer wieder bewusst auf das zu richten, was sich bereits verbessert hat, denn wir neigen dazu, unsere Aufmerksamkeit vor allem auf das zu lenken, was (noch) nicht klappt. Fortschritte werden dagegen erstaunlich schnell selbstverständlich.

Nimm dir deshalb regelmäßig Zeit, gemeinsam mit deinem Kind zurückzublicken:

  • Was fällt dir inzwischen leichter?
  • Worauf bist du diese Woche stolz?
  • Ist dir oder anderen etwas Positives aufgefallen?
  • Gab es eine Situation, die früher schwieriger gewesen wäre?

Solche Gespräche lenken den Blick auf Entwicklung, statt auf Defizite.
Oft motivieren zugewandte Fragen mehr als jedes Lob.

Achte auch selbst auf kleine Veränderungen und sprich sie aus: „Als du neulich einen Wutanfall hattest, hast du dich viel schneller beruhigt, als früher“.
Positive Rückmeldungen helfen Jugendlichen, ihre eigenen Fortschritte wahrzunehmen.
Für jüngere Kinder unterstützt dabei Rexis Rucksack. Auf kleinen Zetteln können alle Erfolge und Fortschritte gesammelt werden. Ältere Kinder oder Jugendliche, die ohne Plüsch-Rexi trainieren, können stattdessen ein Glücksglas anlegen.

So wird sichtbar, was im Alltag leicht übersehen wird und genau das motiviert, dranzubleiben.

Noch ein weiterer Effekt entsteht daraus: Was glaubst du, wie stolz unsere Rexi Teilnehmer sind, wenn wir ihnen zum Abschluss des Trainings zur Reflexintegration alle Erfolgszettel präsentieren: Was für ein Erfolg!

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Bilder von Bettina Egartner

Eine Fähigkeit fürs ganze Leben

Regelmäßiges Training zur Reflexintegration entwickelt nicht nur das Nervensystem. Es fördert gleichzeitig Fähigkeiten, die heute immer wichtiger werden: dranzubleiben, sich zu fokussieren und auch dann weiterzumachen, wenn sich Erfolge nicht sofort zeigen.

In einer Zeit, in der vieles sofort verfügbar ist und ständig neue Reize um unsere Aufmerksamkeit konkurrieren, werden Ausdauer, Fokus und Willensstärke zu echten Schlüsselkompetenzen. Wer über viele Monate konsequent an einem Ziel arbeitet, erlebt: Ich kann etwas erreichen, wenn ich dranbleibe.

Deshalb lohnt es sich, diesen Gedanken immer wieder mit deinem Jugendlichen zu reflektieren. Nicht nur die Veränderungen durch das Training zur Reflexintegration sind ein Erfolg, sondern auch die Erfahrung, sich über einen längeren Zeitraum für sich selbst eingesetzt und durchgehalten zu haben. Diese Kompetenz wird deinem Kind in der Schule, im Beruf, im Sport und in vielen anderen Lebensbereichen zugutekommen.

Mindestens genauso wertvoll ist noch etwas anderes: Ein besseres Körpergefühl entwickeln.

Vielen Jugendlichen ist es besonders wichtig, wie ihr Körper aussieht. Was dabei häufig vergessen wird, ist die Bedeutung eines guten Körpergefühls.

Unser Körper begleitet uns vom ersten bis zum letzten Tag unseres Lebens. Er ist gewissermaßen unser Zuhause. Damit wir uns darin sicher und wohlfühlen können, müssen wir ihn gut kennen.

Je besser Jugendliche ihren Körper wahrnehmen, seine Signale verstehen und sich in ihm zu Hause fühlen, desto leichter fällt es ihnen, gut für sich selbst zu sorgen. Auch deshalb ist ein gutes Körpergefühl weit mehr als ein Nebeneffekt des Rexi-Trainings.

Routine schlägt Perfektion

Manchmal ist der Alltag so voll, dass ein Rexi Tag ausfällt, dann noch einer und vielleicht noch ein dritter während einer Woche und du denkst: „Jetzt ist es sowieso egal, der Zug ist abgefahren, wir haben den Anschluss verpasst.“

Doch wie sagt meine Yoga-Lehrerin so schön? A little goes a long way. Jedes bisschen Training ist besser, als keines.
Was könnt ihr also tun, wenn der Alltag zu voll ist? 
Reduziert die Übungsanzahl und bleibt dennoch in der Routine.
Nicht Perfektion bringt uns weiter, sondern Kontinuität.
Und ganz ehrlich: Wieviel Zeit verbringt man manchmal dennoch mit sinnlosen Dingen, obwohl man eigentlich überhaupt gar keine Zeit hat?!
Zeit hat man nie, man muss sie sich nehmen.

Vielleicht hilft es euch auch, das Training zur Reflexintegration an etwas zu koppeln, das ohnehin jeden Tag passiert. Zum Beispiel:

  • nach der Schule,
  • vor dem Duschen,
  • nach dem Abendessen,
  • nach dem Zähneputzen,
  • vor dem Schlafen schon bettfertig

Mit der Zeit entsteht daraus fast von selbst eine neue Gewohnheit.
Erkläre, warum Wiederholung so wichtig ist:

“Dein Gehirn verändert sich nicht durch eine einzige lange Trainingseinheit. Es lernt durch viele kleine Wiederholungen. Genau dadurch entstehen nach und nach neue Verknüpfungen im Gehirn.”

Deshalb gibt es im Rexi Heft auch 28 Felder, in die die Übungs-Sticker eingeklebt werden können. Dafür fühlt sich dein Jugendlicher vielleicht schon zu erwachsen, das Prinzip dahinter bleibt jedoch dasselbe und unterstreicht deine Erklärung. Schließlich erwartet auch niemand, nach einem einzigen Fußballtraining wie Cristiano Ronaldo zu spielen oder nach einem Bizeps-Curl auszusehen wie Popeye.

Wenn plötzlich Widerstand entsteht

Vielleicht hast du schon beobachtet, dass dein Kind ausgerechnet bei bestimmten Übungen besonders viel Widerstand zeigt. In meiner Arbeit erlebe ich immer wieder, dass dies häufig bei jenen Reflexen der Fall zu sein scheint, die besonders aktiv sind.

Natürlich muss das nicht immer so sein. Widerstand kann viele Ursachen haben.
Bleibe deshalb neugierig, statt vorschnell aufzugeben.

Und frage dich nicht zuerst: "Wie bekomme ich mein Kind wieder zum Üben?"

Sondern vielmehr: "Was beschäftigt mein Kind gerade?"
Manchmal steckt hinter dem Widerstand gar nicht das Training, sondern einfach das Leben: Vielleicht ist die Schule gerade besonders anstrengend, dein Kind befindet sich mitten in einem Wachstumsschub, es ist vom Alltag völlig erschöpft, frisch verliebt oder hat Stress mit einem Freund oder einer Freundin?

Nicht jeder Widerstand muss sofort gelöst werden.
Solange ihr im Gespräch bleibt, gemeinsam nach Lösungen sucht und darauf vertraut, dass Motivation auch wieder zurückkehren darf, ist oft schon viel gewonnen.

Ohne Humor geht nichts

An manchen Tagen steckt einfach der Wurm drin. Entweder, es will überhaupt gar nichts klappen, oder man hat schon zum Frühstück einen Clown gevespert und schafft es überhaupt nicht, ernst zu bleiben.

Aus welchen Gründen auch immer, ist Humor fast immer ein Gamechanger. Nicht alles muss immer bierernst sein nur, weil die Wörter „Training“ oder „Übungen“ darin stecken.
Kreativität und Humor sind ein besonders gutes Team. Bei manchen Übungen lasse ich z.B. die jüngeren Kindern wie Raumschiffe durch die Galaxien fliegen, bei Jugendlichen muss man sich etwas zur Situation Angemessenes einfallen lassen.

Manchmal hilft es schon, etwas „anders“ als üblich zu tun - und sich dabei den Spaß zu erlauben.

Diese Tipps gelten nicht nur für das Training zur Reflexintegration

Vielleicht ist dir beim Lesen schon aufgefallen: Eigentlich sprechen wir hier gar nicht nur über Reflexintegration, weil dieselben Prinzipien für viele Bereiche des Lebens gelten. Vielleicht soll dein Kind regelmäßig …

  • ein Instrument üben,
  • Vokabeln lernen,
  • für Klassenarbeiten lernen,
  • Hausaufgaben erledigen,
  • sein Haustier versorgen,
  • Sport machen,
  • Zähne putzen,
  • eine Zahnspange tragen,
  • Medikamente einnehmen,
  • Physiotherapie oder Ergotherapie durchführen.

In all diesen Situationen hilft Motivation meist deutlich mehr als Druck.
Wenn Kinder und Jugendliche verstehen, warum etwas wichtig ist, eigene Entscheidungen treffen dürfen und ihre Fortschritte wahrnehmen, entsteht häufig eine ganz andere Bereitschaft mitzumachen.

Deshalb wünsche ich Eltern manchmal den Mut, mehr Begleiter und weniger Kontrolleur zu sein und dabei einfach mal Fünfe gerade sein lassen zu können.

Ein Beispiel aus dem Alltag:
Dein Sohn sagt nach einem verlorenen Spiel: „Ich habe keine Lust mehr, ich höre auf!” Würdest du ihm antworten: „Du musst aber!”
Oder würdest du viel eher sagen:
„Ich kann verstehen, dass du frustriert bist. Gleichzeitig hast du doch erzählt, dass du in dieser Saison schneller werden möchtest. Was würde dir helfen, weiterhin am Ball zu bleiben und dein Ziel nicht aus den Augen zu verlieren?”

Vielleicht entscheidet er sich trotzdem dagegen. Doch dann war es möglicherweise dein Ziel und nicht seins. Diesen Unterschied zu erkennen ist wichtig.

Echte Motivation entsteht nur dann, wenn ein Ziel dem oder der Jugendlichen selbst wichtig ist.

Du musst dein Kind nicht reparieren

Auch dieser Gedanke liegt mir besonders am Herzen. Jugendliche spüren sehr genau, wenn sie den Eindruck bekommen, mit ihnen stimme etwas nicht.
Deshalb versuche ich Eltern immer wieder mitzugeben: Es geht nicht darum, dein Kind zu verändern oder zu reparieren. Es geht darum, seine Entwicklung zu unterstützen und ihm selbst Strategien an die Hand zu geben.

So, wie manche Menschen ihre Ausdauer trainieren oder ein Instrument lernen, kann auch das Nervensystem trainiert werden.

Nicht jeder Tag läuft gleich gut

Nichts erscheint an manchen Tagen mit einem Pubertierenden in der Familie bedeutsamer, als Gelassenheit.  Die wünsche ich natürlich allen Eltern.

Doch es ist normal, dass nicht jeder Tag gleich gut läuft und jede Übung begeistert angenommen werden wird. Entscheidend ist, dass ihr am Ball bleibt, indem ihr im Gespräch bleibt, schon kleine Fortschritte wahrnehmt und das Training nicht zum täglichen Machtkampf werden lasst.

Die Beziehung zu deinem Kind sollte dabei immer wichtiger sein, als das perfekte Training.
Denn genau diese Beziehung ist vermutlich die wichtigste Grundlage dafür, dass dein Kind nicht nur heute, sondern sein ganzes Leben lang dazu bereit bleibt, sich weiterzuentwickeln.

Die wichtigsten Motivationstipps auf einen Blick

  • Verstehe die Pubertät als Entwicklungsschritt, nicht als Widerstand.
  • Sprich über die Ziele deines Kindes, nicht über Reflexe.
  • Gib deinem Jugendlichen möglichst viel Mitspracherecht.
  • Sei selbst präsent und gestalte die Rexi-Zeit bewusst.
  • Macht die Übungen, wenn möglich, gemeinsam.
  • Lenke den Blick immer wieder auf bereits erreichte Fortschritte.
  • Ermutige dein Kind, dranzubleiben – nicht perfekt zu sein.
  • Nutzt feste Routinen und kleine Trainingseinheiten.
  • Begegne Widerstand mit Neugier statt mit Druck.
  • Vergiss den Humor nicht.

Denke daran: Diese Motivationstipps helfen nicht nur beim Training zur Reflexintegration, sondern überall dort, wo Kinder und Jugendliche lernen, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen.

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Ich bin Silke Krämer.

Kinder- und Jugendcoach Professional, NLP Master und Coach, EMDR Traumatherapeutin und Gymnasiallehrerin

Ich helfe Familien, wenn es Schulstress gibt und daheim die Fetzen fliegen. Außerdem unterstützte ich Mütter und Väter dabei, sich den Herausforderungen des Familienlebens selbstbewusst zu stellen.

Als Trainerin für Reflexintegration helfe ich deinem Kind, damit ihm die Schule bei Konzentrations­schwächen, Lern- und motorischen Problemen leichter fällt.

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Leichter lernen und weniger Stress! Die Ernährungstipps für Schüler.

Leichter lernen und weniger Stress! Die Ernährungstipps für Schüler.

Jugendliche

02-2025

Viele der Grundschüler, die zu mir in die Praxis kommen, machen einen richtig gestressten Eindruck. Die Stresssymptome äußern sich von Angespanntheit bis hin zu Aggressivität ihren Mitschülern, Geschwistern, Eltern oder gar sich selbst gegenüber. Das kann vielfältige Ursachen haben. Und weil es eben so viele verschiedene Stressoren gibt, macht es durchaus Sinn, an verschiedenen Punkten anzusetzen. Auch die richtige Ernährung kann einen Beitrag leisten, um beim Stressabbau unterstützend zu wirken oder ihn zu behindern.

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Die ganzheitliche Betrachtung der Situation von Kindern und Jugendlichen liegt mir am Herzen. Wie kann die Ernährung Kinder bei Stress und Problemen in der Schule, Lernschwierigkeiten, Konzentrationsproblemen oder ADHS positiv unterstützen? Im Interview erläutert die Ernährungsexpertin Sina Silberberger jede Menge Fragen rund um dieses Thema.

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Sina Silberberger ist Ernährungswissenschaftlerin und zertifizierte Ernährungsberaterin der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE). Sie hat Ernährungswissenschaften an der Universität Jena (Bachelor) und Ernährungsmedizin in Hohenheim (Master) studiert.

Ihre Beratungsschwerpunkte sind die Ernährung in der Schwangerschaft und Stillzeit, die Ernährung von Kindern und Jugendlichen sowie die Ernährung im Kraftsport.

Welche körperlichen Auswirkungen hat Stress auf mein Kind?

Silke: Ich beobachte, dass der Alltag von Kindern und Jugendlichen heute irgendwie viel stressiger ist, als das wohl zu meiner Kinder- und Jugendzeit noch der Fall war.

Die Kinder sind oft viel länger in Betreuungseinrichtungen, wo sie vielen Menschen und Lärm ausgesetzt sind. Auch sind nicht immer Rückzugsmöglichkeiten vorhanden oder die Kinder nehmen sich nicht die Zeit, diese zu nutzen aus Angst, dann möglicherweise etwas zu verpassen. Es ist ja auch schwierig runter zu fahren, wenn alle um einen herum spielen oder toben.

Auch die Schule scheint viel höhere Anforderungen zu stellen. Die Nachmittage der Kinder sind reich mit verschiedenen Terminen gefüllt, sodass wir manchmal tatsächlich Schwierigkeiten haben, einen Termin für das Coaching zu finden. Irgendwie versuchen alle, den Kindern so viel Input wie möglich zu bieten, weil auch die Gesellschaft immer mehr Anforderungen an das Individuum zu stellen scheint.

Das führt dazu, dass Kinder teilweise einen genauso verplanten und durchgetakteten Wochenplan haben, wie ein Manager. Manager klagen häufig über „Stress“, warum sollte es also bei Kindern anders sein? Welche Auswirkungen hat denn Stress überhaupt auf unseren Körper?

Sina: Chronischer Stress, auf den sich deine Frage bezieht, führt zur vermehrten Ausschüttung der Stresshormone Cortisol, Adrenalin und Noradrenalin.

Diese Hormone wirken sich unterdrückend auf das Immunsystem aus und sorgen gleichzeitig für eine Bereitstellung an Energie im Körper. Die Folgen sind ein erhöhter Blutzuckerspiegel, Bluthochdruck, ein Anstieg der Blutfettwerte sowie gleichzeitiger Abbau von Muskelprotein.

Langzeitfolgen können die Entstehung eines Diabetes mellitus, Übergewicht, Gefäßschäden, eine erhöhte Infektanfälligkeit und Wachstumshemmung sein. Ein weiteres Problem ist, dass Cortisol die Blut-Hirn-Schranke überwindet und somit negativen Einfluss auf Lern- und Gedächtnisleistung nimmt und depressive Verstimmungen sowie Ängste fördern kann.

Es kommt zur Störung kognitiver und emotionaler Prozesse.

Silke: Wow, das ist eine lange Liste. Wenn ich höre „Bereitstellung an Energie“, muss ich sofort an hibbelige Kinder denken. Was genau hat es damit auf sich? Wenn mehr Energie im Körper bereit gestellt wird, muss diese doch auch irgendwie wieder abgebaut werden, ist das richtig?

Wie macht unser Körper das, wenn er sich doch nicht bewegen darf, weil er den ganzen Vormittag mehr oder weniger still sitzen soll? Und spielt dabei auch der Einfluss von chronischem Stress auf das Gehirn eine Rolle?

Sina: Da hast du das Problem schon gut erkannt. Zucker, die Hauptenergiequelle unseres Körpers, wird über das Blut zu den Muskeln transportiert, um dort verbraucht zu werden.

Wenn der Körper sich aber nicht oder nur unzureichend bewegt, wird auch keine Energie durch Muskelarbeit abgebaut. Der Zucker zirkuliert also unablässig in unseren Gefäßen durch den Körper. Der Körper will diese Energie verbrauchen. Wenn die Kinder zum Stillsitzen gezwungen sind, werden sie automatisch hibbelig.

Hinzu kommt, dass die Kinder sich aufgrund der stressbedingten negativen Auswirkungen auf das Gehirn schlechter konzentrieren können.

Wie kann ich über die Ernährung meinem Kind helfen?

Leichter lernen und weniger Stress! Die Ernährungstipps für Schüler. 4

Silke: Puh, auch die anderen Krankheiten, die du im Bezug auf eine erhöhte Hormonkonzentration im Blut genannt hast, sind ja ziemlich heftig. Wie kann nun die Ernährung diese Erkrankungen beeinflussen? Gibt es da einen Zusammenhang?

Wie macht unser Körper das, wenn er sich doch nicht bewegen darf, weil er den ganzen Vormittag mehr oder weniger still sitzen soll? Und spielt dabei auch der Einfluss von chronischem Stress auf das Gehirn eine Rolle?

Sina: Ja, genau den gibt es. Auf die durch Stress verursachten Erkrankungen bzw. Symptome kann über die Ernährung Einfluss genommen werden.

Silke: Das ist ja super, dann können wir tatsächlich selbst etwas tun, auch wenn wir die äußeren Umstände nicht ändern können. Was sollten wir beachten?

Sina: Eigentlich ist es ganz einfach und es sind leicht umsetzbare Möglichkeiten: Mahlzeiten, die reichlich frisches Gemüse und so wenig Fertigprodukte wie möglich enthalten, sind besonders wichtig. Vollkornprodukte enthalten wertvolle Ballaststoffe und sind deshalb viel besser als weiße, raffinierte Lebensmittel.

Hülsenfrüchte als Eiweißquelle sowie regelmäßig fetter Seefisch und mageres Biofleisch in Maßen runden den Speiseplan ab. Als süßer Snack bietet sich frisches Obst an, Süßigkeiten stellen die Ausnahme dar.

Silke: Warum soll der Fisch fett, das Fleisch aber mager sein und was genau meinst du mit Fertigprodukten?

Sina: Fetter Fisch enthält Omega-3-Fettsäuren, die besonders wichtige Funktionen für das Gehirn haben. So lässt sich den stressbedingten Veränderungen im Gehirn etwas entgegenwirken. Auch pflanzliche Lebensmittel wie zum Beispiel Walnüsse enthalten Omega-3-Fettsäuren, diese müssen aber erst aufwendig im Körper umgewandelt werden.

Die Fettsäuren im Fettgewebe des Fleisches hingegen haben entzündungsfördernden Eigenschaften und unterstützen die negativen Auswirkungen chronischen Stresses. Daher sollte Fisch fett, Fleisch aber mager sein.

Mit Fertigprodukten meine ich die Produkte, bei denen man nicht mehr viel machen muss. Nur noch aufwärmen (Pizza, Mikrowellenprodukte, Dosensuppen , Tütensaucen, …) oder am besten gleich direkt essen. Man muss sich immer vor Augen führen: solche Produkte sind dazu konzipiert, wochenlang im Supermarkt auf den Käufer zu warten. Um das zu erreichen, enthalten solche Produkte eine Vielzahl an Stoffen, die sie haltbar machen und gleichzeitig dafür sorgen, dass der Geschmack über die Zeit nicht nachlässt. Niemand möchte eine fade Mahlzeit essen. Konservierungsstoffe, Geschmacksverstärker und vieles mehr werden den Produkten zugesetzt. Zucker und Salz spielen dabei eine wichtige Rolle. Auch Glutamat ist häufig enthalten (oftmals versteckt als Hefeextrakt). Die Liste ist endlos lang. Solche Produkte sollten nur in Ausnahmefällen konsumiert werden.

Welche Getränke soll ich meinem Kind anbieten?

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Silke: Welche Getränke empfiehlst du? Heute gibt es ja auch tolle „Wassergetränke mit Geschmack“, was hältst du davon?

Sina: Wasser ohne Geschmack ist immer die beste Wahl. Gerade erobern die von dir genannten Wassergetränke mit Geschmack den Markt. Aber hier verhält es sich wie bei den eben angesprochenen Fertigprodukten. Der Geschmack gelangt mit Sicherheit nicht durch echte Früchte ins Wasser. Da steht niemand und quetscht Kirschen in einen Bottich voller Wasser, um dann Wasser mit Kirschgeschmack zu erhalten. Es ist dasselbe Prinzip wie beim fertigen Fruchtjoghurt. Der Geschmack gelangt durch Aromen hinein, für die angenehme Süße sind entweder Zucker oder Süßstoffe verantwortlich.

Die sogenannten E-Stoffe sind mittlerweile sicherlich jedem ein Begriff. Die Langzeitfolgen auf den menschlichen Körper bei andauerndem Konsum sind noch nicht hinreichend erforscht und es handelt sich hierbei zweifelsohne um ein sehr strittiges Thema. Somit ist es sicher nicht verkehrt, solche Produkte mit Bedacht zu konsumieren. Ganz besonders, wenn es um Kinder geht, die noch in der Entwicklung stecken.

Daher rate ich dazu, wenn Getränke mit Geschmack gewünscht sind, hin und wieder eine Schorle mit ca. 1/3 Saftanteil zu reichen. Reiner Fruchtsaft enthält zu viel Zucker.

Silke: Auch, wenn auf dem Saft „ohne zusätzlichen Zucker“ steht?

Sina: Ja, auch dann. Früchte enthalten von Natur aus Fruchtzucker sowie eine Vielzahl anderer wichtiger Nährstoffe. Bei der Entstehung von Saft werden die Früchte ausgepresst. Zucker ist ein wasserlöslicher Nährstoff und gelangt daher mit in den Saft, wo er aber durch das Auspressen in hoher Konzentration vorliegt. Andere Nährstoffe werden bei der Saftherstellung leider herausgefiltert.

Somit ist Fruchtsaft ein sehr zuckerhaltiges Lebensmittel, auch wenn dieser Zucker natürlichen Ursprungs ist. 

Wie sollte sich mein Kind bei einer Konzentrationsschwäche oder ADHS ernähren?

Silke: Ich betreue immer wieder Kinder und Jugendliche, die unter einer Konzentrationsschwäche leiden (ADS oder ADHS). Ist hier über die Ernährung ebenfalls ein positiver Einfluss möglich?

Sina: Ja, wie auch bei dauerhaftem Stress ist eine ausgewogene Ernährung von herausragender Bedeutung.

Das Problem der westlichen Ernährung ist, dass viel zu viel Zucker konsumiert wird. Nicht nur in Form von Süßigkeiten, sondern auch als sogenannte Weißmehlprodukte wie z. B. süße Stückchen vom Bäcker und helles Brot. Zucker ist der Grundbaustein im Getreide und je verarbeiteter ein Produkt ist, desto schneller geht der Zucker ins Blut über.

Das Resultat ist ein rascher Anstieg des Blutzuckerspiegels, der ebenso schnell wieder absinkt. Folglich reagiert der Körper mit Heißhunger und dem Gehirn fehlt Energie. Das Kind wird unkonzentriert und beginnt zu zappeln.

Auch die als Kinderlebensmittel vermarkteten Produkte fallen in diese Kategorie. Sie enthalten viel Zucker und Fett und sind somit alles andere als kindergerecht.

Mit 5 Tipps für ein gesundes Frühstück und Pausenbrot in den Schultag starten

Leichter lernen und weniger Stress! Die Ernährungstipps für Schüler. 5

Bild von Steve Buissinne

Silke: Das klingt alles sehr einleuchtend, doch ich glaube, dass uns manchmal konkrete Ideen fehlen, unsere Ernährung zu verbessern.

Welche Vorschläge hast du denn beispielsweise für das Frühstück? Wie sieht ein gelungener Start in den Tag für Kinder aus, die besonders viel Stress und/oder Probleme mit der Konzentration haben?

Sina: Ein selbstgemischtes Müsli mit verschiedenen Flocken, Nüssen und Beeren bietet beispielsweise tolle Möglichkeiten. Hier kann das Kind wunderbar selber kreativ werden, indem es sich sein Müsli selbst zusammenstellt.

Je nach Saison kann das Müsli mit verschiedenem Obst aufgepeppt werden. Wird eine breiige Konsistenz bevorzugt, kann das Müsli abends schon vorbereitet und über Nacht im Kühlschrank gelagert werden. So spart man auch die morgens eh schon knapp bemessene Zeit. Auch ein Vollkornbrot mit süßem oder salzigem Aufstrich bietet einen gesunden Start in den Tag.

Von den gängigen „Kinder-Cerealien“ und der täglichen Tasse Kaba sollte Abstand genommen werden. Denn hier tritt wieder die Zuckerproblematik mit der folglich verschlechterten Konzentration und dem Heißhunger auf.

Silke: Dann wäre also auch ein Salami- oder Käsebelag in Ordnung, so lange er auf Vollkornbrot liegt?

Sina: Zumindest kann man sagen, dass das Brot/Brötchen schon mal die halbe Miete ist.

Natürlich gibt es auch beim Belag geeignetere und ungeeignetere Alternativen. Da passt die von dir angesprochene Salami als hervorragendes Beispiel. Wie auch beim Fleisch gilt bei der Wurst, auf die fettärmeren Sorten zurückzugreifen. Salami ist eine sehr fettreiche Wurstsorte und enthält somit wieder mehr von den entzündungsfördernden Fettsäuren.

Wenn die Salami aber hin und wieder auf dem Brot landet, ist dies mit Sicherheit kein Weltuntergang. Ein Beispiel zum süßen Aufstrich wäre der weltbekannte Schokoaufstrich. Hier kann man den Verzehr zu einem Wochenend-Highlight machen, während unter der Woche eher zuckerärmere Marmeladensorten aufs Brot kommen. 

Silke: Also ist es nicht so schlimm, wenn das Kind auch mal fettige Wurst oder weißes Toastbrot isst?

Sina: Es geht, wie bei allen Empfehlungen zur Ernährung, nicht darum Lebensmittel zu verbieten und zu verbannen, sondern manche Lebensmittel einfach zu bevorzugen, während andere seltener konsumiert werden. Wichtig ist, dass man nicht päpstlicher ist als der Papst.

Das Kind sollte immer noch Spaß am Essen haben. Stress kann nämlich schnell auf den Magen schlagen und während die einen mit einem Anstieg der Nahrungszufuhr reagieren, essen die anderen plötzlich deutlich weniger. Man muss immer den Einzelfall betrachten, um konkrete Empfehlungen geben zu können. 

Silke: Meine Ärztin hat mir gesagt, dass sie ihr Müsli immer mit Saft oder Wasser isst. Was meinst du dazu? Bei uns ist es doch eher üblich, das Müsli mit normaler Kuhmilch zu essen. Ist das OK?

Sina: Generell ist gegen Kuhmilch nichts einzuwenden, allerdings sollte aus ethischen und auch gesundheitlichen Gründen Milch der bekannten Biosiegel wie Demeter, Naturland oder Bioland bevorzugt werden. Kinder, die Probleme mit ihren Eisenwerten haben oder vermehrt darauf achten müssen, weil sie sich vegetarisch ernähren, sollten auf andere Quellen zurückgreifen.

Der Hintergrund ist, dass Milchprodukte aufgrund des darin enthaltenen Calciums die Eisenaufnahme in den Körper hemmen können und ein zu geringer Eisenwert letztendlich zu einer verminderten Leistungsfähigkeit führt.

Viele Eltern solcher Kinder, die das Eisen etwas im Blick behalten müssen, entscheiden sich für Müsli auf Basis von Haferflocken, weil diese zu den eisenreichen pflanzlichen Lebensmitteln zählen. Hier wäre es wünschenswert auf pflanzliche „Milch“ umzusteigen. Besonders geeignet ist zum Beispiel ein Haferdrink, der bei vegetarisch ernährten Kindern gerne auch mit Vitamin D und B12 angereichert sein darf. Wenn das Kind aber unbedingt Kuhmilch zum Müsli möchte, kann Vitamin C reiches Obst (Beeren, Kiwis, Zitrusfrüchte) dazu gereicht werden, das die Eisenaufnahme aus pflanzlichen Quellen fördert. 

Silke: Und wie kann die Konzentrationsfähigkeit in der Schule unterstützt werden?

Sina: Ein geeigneter Pausensnack wäre ein belegtes Vollkornbrot mit Salat, Gurkenscheiben, Paprikasteifen, etc. Der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt, alles in Abhängigkeit des Alters und Geschmacks des Kindes. Alternativ kann die Rohkost auch neben dem Brot gereicht werden.

Im Vollkorn liegt der Zucker in langen verschlungenen Ketten vor, für deren Verdauung der Körper Zeit braucht. Somit steigt der Blutzuckerspiegel nur moderat und bleibt länger stabil. Das Gehirn hat länger etwas von der Energie und der Heißhunger bleibt aus. Das Gemüse versorgt das Kind mit wichtigen Nährstoffen.

Auch eine Handvoll gemischter Nüsse (ungesalzen und ungeröstet) oder ohne Fett im Ofen gebackene Kichererbsen sind als Snack gut geeignet. Wichtig ist auch, dass viel getrunken wird. Flüssigkeitsmangel führt ebenfalls zu einer verschlechterten Konzentration.

Mogeln oder nicht? Wie sieht ein gesundes Mittagessen aus?

Leichter lernen und weniger Stress! Die Ernährungstipps für Schüler. 6

Bild von congerdesign

Silke: Viele Kinder essen in einer Betreuungseinrichtung zu Mittag, wo die Eltern keinen Einfluss auf die Auswahl des Essens ausüben können. Siehst du eine Möglichkeit, dies dennoch auszugleichen? Wie sähe denn ein gutes Mittagessen überhaupt aus?

Für die Kinder enden die Anforderungen an die Konzentrationsfähigkeit ja nicht mit dem Schulende, sondern zu Hause müssen sie Hausaufgaben machen und lernen. Also müssen sie auch noch nachmittags leistungsfähig bleiben.

Sina: Mittags sind leichte Mahlzeiten mit viel Gemüse zu bevorzugen. Dazu eine Eiweißkomponente (mageres Fleisch, Fisch, Hülsenfrüchte) und eine gesunde Kohlenhydratquelle (Vollkornnudeln, Vollkornreis, Kartoffeln).

Die beliebten Mittagsmahlzeiten unter Schülern wie Pizza, Brötchen mit Fleischkäse oder typisches Fastfood belasten den Stoffwechsel unnötig stark und sorgen dafür, dass die Kinder träge und unkonzentriert werden.

Silke: Oh jeh! Da werden viele Mütter bestimmt denken „das ist ja hoffnungslos, in mein Kind kriege ich eh kein Gemüse rein!“. Hast du für diese Eltern einen Tipp, wie man Gemüse vielleicht sogar doch unter das Essen „mogeln“ kann?

Sina: Zuallererst: gemogelt wird nicht. Hier ist ganz viel Ernährungspsychologie im Spiel. Wenn das Kind herausfindet, dass es beim Essen „betrogen“ wurde, kann es das Vertrauen in das Essen verlieren und sehr wählerisch werden.

Da wir über Kinder mit einem großen Stressfaktor sprechen, ist diese Reaktion nicht so weit hergeholt. Im Stress ist man einfach empfindlicher, das kann sicherlich auch jeder Erwachsene bestätigen.

Gut wäre es zumindest, dass es abends nicht wieder nur eine Brotzeit gibt. Wenn das Kind bereits morgens mit Brot in den Tag gestartet ist, in der Schule eine gesunde Brotmahlzeit dabei hatte und mittags „nur“ auf das Kantinenessen zurückgreifen konnte, sollte der Tag nicht auch noch mit Brot beendet werden.

Während der kälteren Jahreszeit sind Suppen eine schöne Alternative. Gerne auch auf Basis von Hülsenfrüchten wie Linsen- oder Erbsensuppe.
Wichtig ist auch immer im Hinterkopf zu behalten, dass Kinder nicht mit dem Argument „das ist aber gesund!“ überzeugt werden können.

Bei Gemüsemuffeln ist auch eine bewährte Strategie, Gemüse als Rohkost anzubieten (jeder aus der Familie bekommt dabei ein kleines Tellerchen mit Rohkost) und wenn das Kind tatsächlich zugreift, bloß kein großes Aufheben darum machen. Und Gemüse immer wieder unermüdlich anbieten, gerne auch in unterschiedlichen Konsistenzen.

Was roh gar nicht schmeckt, ist als Püree vielleicht ganz lecker. Wenn das Kind partout kein Gemüse essen mag, dann ist das einfach so. Geschmäcker ändern sich auch wieder.

Hauptsache man fängt keine Deals an nach dem Motto: „Du bekommst erst den Nachtisch, wenn du dein Gemüse gegessen hast.“ Denn dann bekommt der Nachtisch eine Belohnungsfunktion, die wir nicht haben wollen. Vor allem wenn es um gestresste Kinder geht, die dann vielleicht anfangen sich mit Süßem regelmäßig zu belohnen.

Silke: Liebe Sina, ich danke dir vielmals für deine Zeit, könnte mir jedoch vorstellen, dass der ein oder andere noch mehr Fragen hat. So ist es ja oft: Je tiefer man in die Materie eintaucht, umso mehr Fragen ergeben sich.

Deshalb lade ich euch, liebe Leser dazu ein, mir eure Fragen zu schicken oder auf meiner Facebookseite zu posten. Vielleicht ergibt sich daraus noch mehr Stoff für ein Anschlussinterview, wer weiß.

Sina: Sehr gerne, liebe Silke! Und natürlich, ich freue mich immer, wenn ich Fragen beantworten und zu mehr Klarheit beitragen kann. Das Thema ist zu komplex, um es in einem einzigen Interview abhandeln zu können.

Infos zum Weiterlesen

Hier findest du noch einige interessante Infos zum Thema Ernährung für Kinder und Zuckerkonsum. Hast du noch weitere Lesetipps? Ich freue mich über deinen Tipp auf Facebook.

Foodwatch e.V.: Die zehn zuckrigsten Kindergetränke

Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Infosammlung Ernährung Kinder und Jugendliche

Verbraucherzentrale: Ratgeber Bärenstarke Kinderkost

Ärztezeitung: So viel Zucker pro Tag darf's sein

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Ich bin Silke Krämer.

Kinder- und Jugendcoach Professional, NLP Master und Coach, EMDR Traumatherapeutin und Gymnasiallehrerin

Ich helfe Familien, wenn es Schulstress gibt und daheim die Fetzen fliegen. Außerdem unterstützte ich Mütter und Väter dabei, sich den Herausforderungen des Familienlebens selbstbewusst zu stellen.

Als Trainerin für Reflexintegration helfe ich deinem Kind, damit ihm die Schule bei Konzentrations­schwächen, Lern- und motorischen Problemen leichter fällt.

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So lernt unser Gehirn am besten: Der Trick mit allen Sinnen.

So lernt unser Gehirn am besten: Der Trick mit allen Sinnen.

Jugendliche

09-2024

Möglicherweise hast du dich schon einmal gefragt, warum sich bestimmtes Wissen oder so manche Erlebnisse aus deiner Schulzeit besonders gut in deinem Gehirn verankert haben? Woran das liegt und wie du diesen Mechanismus dazu nutzen kannst, dein Kind optimal beim Lernen zu unterstützen, verrate ich dir in diesem Artikel.

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Bild von Prawny

Wir lernen über Gefühle

Wir alle wissen aus eigener Erfahrung, dass Erinnerungen sehr starke Emotionen in uns hervorrufen können. Diese Gefühle hängen eng mit unseren Sinnen zusammen und so kann ein bestimmtes Bild, ein Geruch oder ein Geschmack uns sofort in lang vergangene Situationen zurückversetzen.

Auch für Erinnerungen aus der Schulzeit gilt das: an Gelerntes können wir uns dann auch Jahrzehnte später noch erinnern, wenn der Inhalt mit einem bestimmten Ereignis in unserem Lieblingsfach oder zum Beispiel einem komischen Merkspruch verknüpft war.

Im Zusammenhang damit möchte ich jetzt über ein ebenso alltägliches wie kompliziertes Thema schreiben: das Lernen. Gerade in der Schulzeit, wenn man als Kind eben nun einmal lernen muss, ist es von großem Vorteil, wenn sowohl Eltern als auch Kinder wissen, wie Lernen am besten funktioniert.

Den Lernstoff ganzheitlich erfahren

Ich persönlich erinnere mich hierfür gerne an ein Beispiel aus meiner eigenen Schulzeit: Ganz genau weiß ich nämlich noch, welche Bilder ich gemalt habe, als unsere Musiklehrerin in der zweiten Klasse die ‚Moldau‘ von Bedrich Smetana abspielte und uns zu der Musik den Inhalt der einzelnen Stücke erzählte. Ich kann mich an die Stromschnellen erinnern, an die Bauernhochzeit, an den ruhigen Bachlauf durch den Wald und daran, wie die Moldau schlussendlich ins Meer fließt.

Dieses Ereignis ist, obwohl es so lange zurück in der Vergangenheit liegt, fest in meinem Kopf verankert – weil ich es mit allen Sinnen erlebt habe.

Und darin liegt auch der Schlüssel zum erfolgreichen Lernen: weil ich mich damals in der Situation komplett wohlgefühlt habe und wusste, dass meine Leistung nicht mit Druck erzeugt werden muss, konnte ich mich voll und ganz auf meinen Lernauftrag konzentrieren und all meine Fähigkeiten ausnutzen.

Genau diese Art und Weise wie ich gelernt habe, hat dafür gesorgt, dass sich der Lernstoff nachhaltig in mein Gehirn geprägt hat. Wenn du deinem Kind (oder natürlich auch dir selber) also ermöglichen möchtest, dass es seine/ihre Fähigkeiten voll ausschöpfen und so gut wie möglich lernen kann, gibt es einige Tipps, die dabei unterstützen.

Entspannt lernt sich's einfach besser

Generell ist eine entspannte Grundatmosphäre wichtig, um bestes Lernen zu erlauben.

Das gilt einerseits natürlich für die körperliche Umgebung: Schaffe einen gemütlichen Ort, an dem man bequem länger und in Ruhe sitzen kann und wo bei Bedarf zum Beispiel Musik mit Alphawellen läuft.

Und andererseits sollte auch die emotionale Umgebung eine positive Grundeinstellung zum Lernen erlauben: nach einem Streit zu lernen oder im Liebeskummer Konzentration zu finden, ist nahezu unmöglich. Das Gehirn schwirrt in diesen Fällen oft überall herum (nur nicht dort, wo es sein soll) und der Lernstoff wird schnell zu einer weiteren Last.

Nutze alle deine Sinneskanäle zum Lernen

Wenn diese ersten Bedingungen gegeben sind, gibt es noch weitere Tricks die dem Gehirn dabei helfen können, sich Dinge zu merken.

Hier kommen die sogenannten VAKOG-Kanäle ins Spiel: das Gehirn kann man Visuell, Auditiv, Kinästhetisch, Olfaktorisch und Gustatorisch anregen. Hinter diesen ganzen komplizierten Wörtern verstecken sich eigentlich nur unsere fünf Sinne: das Sehen, Hören, Fühlen, Riechen und Schmecken.

Wenn wir also unseren Lernstoff nicht nur auswendig lernen, sondern ihn uns wirklich einprägen wollen, dann hilft es enorm wenn andere Sinne mit angesprochen werden.

Damals in der zweiten Klasse, als die Lehrerin uns erlaubte, der Musik und ihren Erzählungen zu zuhören und diese dann in visuelle Bilder weiterzuverarbeiten, haben wir genau dieses Prinzip genutzt – und Jahrzehnte später kann ich mich noch genau an das Gelernte erinnern.

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Bild von Ibrahim Özdemir

Erforsche alle Kanäle zu deinem Lernthema

Es hilft also enorm, den Lernstoff mit allen Sinnen zu erfassen. Im Fach Biologie kann das bedeuten, dass man sich bei der Beschäftigung mit Bienen deren Summen vorstellt und Bilder ansieht, wie sie fleißig ihren Honig in den Waben herstellen.

In Geschichte könnte man sich Szenen im alten Rom ausmalen, wie Cäsar in seiner Toga vor dem Senat Reden schwingt.

Für Englisch könnte man sich in den Cornershop aus dem Englischbuch reinbeamen, bis man die Fish and Chips fast selber schmecken kann.

Der Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt und all dies hilft dem Gehirn dabei, das Gelernte zu verknüpfen und in der Erinnerung zu behalten.

Leichter Vokabeln und Rechtschreibung lernen

Wenn beim Vokabellernen und anderen sprachlichen Aufgaben wie zum Beispiel Rechtschreibung Schwierigkeiten bestehen, kannst du gemeinsam mit deinem Kind die Augen schließen und ihr könnt euch vorstellen, dass ihr Wörter mit schwierigen Buchstaben in bunten Farben an eine weiße Wand malt oder die schwierigen Stellen farbig absetzt.

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Auch kann es helfen, das schwierige Wort rückwärts in einzelnen Buchstaben abzulesen und sich so mit dem Aufbau des Wortes zu beschäftigen.

Bei Lernwörtern lassen sich tolle Bilder erfinden: das Wort Sammelbiene zum Beispiel, mit seinen zwei ‚M‘ in der Mitte, lässt sich viel einfacher merken, wenn man sich ein Bienchen mit zwei Sammeltaschen für seine Pollen vorstellt, in der es jeweils ein ‚M‘ trägt.

Und Vokabeln bleiben gleich besser im Kopf, wenn sie mit einem gerappten, gesungenen oder geklopften Rhythmus oder anderen Gesten gelernt wurden.

An das jeweilige Alter angepasst können lustige oder merkwürdige Eselsbrücken und Merksprüche auch super funktionieren – ich erinnere mich hier an ein lustiges Beispiel meines badischen Englischlehrers, der in der Grammatikstunde sagte: ‚If und Would, du gehsch kaputt‘, um uns zu verdeutlichen, dass im Englischen auf ein ‚if‘ nicht direkt ein ‚would‘ folgen darf.

Lernen funktioniert also am besten, wenn der Lernstoff mit möglichst vielen Sinnen erfasst wird. Mit einer entspannten Grundstimmung und einer positiven Einstellung lässt sich dann so manche Hürde meistern und schwierige Dinge finden endlich ihren Platz im Kopf!

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Als Trainerin für Reflexintegration helfe ich deinem Kind, damit ihm die Schule bei Konzentrations­schwächen, Lern- und motorischen Problemen leichter fällt.

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22 Antworten zur Reflexintegration und frühkindlichen Reflexen – verständlich erklärt

22 Antworten zur Reflexintegration und frühkindlichen Reflexen – verständlich erklärt

Jugendliche

08-2024

Suchst du Rat in Bezug auf Reflexintegration, frühkindliche Reflexe und deren Zusammenhang mit Schulproblemen, Lernproblemen oder ADHS Symptomen bei deinem Kind? Dann bist du hier richtig: In diesem Artikel habe ich auf verständliche Weise die häufigsten Fragen zusammengestellt, die mir immer wieder in meiner langjährigen Praxis begegnen.

reflexintegration frühkindliche reflexe

Grundlegende Begriffe zu den frühkindlichen Reflexen

Bevor wir mit den tiefer gehenden Fragen zu frühkindlichen Reflexen und Reflexintegration loslegen, sollten wir ein paar grundlegende Begriffe klären, Ich möchte damit sicherstellen, dass wir beide das gleiche Verständnis entwickeln. Also - los geht's:

Was ist ein Reflex?

Wir nutzen hier die Definition von Sally Goddard-Blythe, der Mitbegründerin der Forschung zur Reflexintegration bzw. zu frühkindlichen Reflexen und ihrem Zusammenhang mit Lern- und Entwicklungsproblemen bei Kindern: Ein Reflex ist eine unwillkürliche Reaktion auf einen Reiz und den gesamten physiologischen Prozess, der ihn aktiviert. Siehe auch: Sally Goddard-Blythe. „Greifen und begreifen“. VAK Verlag.

Was sind frühkindliche Reflexe?

Frühkindliche Reflexe sind automatisierte Bewegungsabläufe, die ohne Beteiligung der Großhirnrinde (= Cortex) ablaufen. Ein Säugling ist während der ersten Lebensmonate noch nicht selbständig überlebensfähig, weil das Gehirn noch nicht entsprechend entwickelt ist.

Wozu gibt es frühkindliche Reflexe?

Sie sichern das Überleben des unselbständigen Säuglings, der seine Bewegungen und Aktionen noch nicht willentlich selbst initiieren und steuern kann. Überwiegend sorgen die frühkindlichen/primitiven Reflexe für die Nahrungssuche, Nahrungsaufnahme und den Selbstschutz.

Frühkindliche Reflexe sind ein essentieller Bestandteil für eine ausbalancierte Entwicklung. Auch das Gehör mit dem Gleichgewichtssinn, die visuelle Wahrnehmung, Sprache, Koordination und Motorik entwickeln sich mit Hilfe der frühkindlichen Reflexe.

Vielleicht ist dir schon aufgefallen, dass alle Säuglinge die gleichen Bewegungsmuster ausführen. Das ist den Reflexen und der Entwicklung des Gehirns geschuldet. Das Gehirn ist zum Zeitpunkt der Geburt noch nicht ausreichend vernetzt, um die Bewegungen willentlich zu steuern. Die Fähigkeit dazu entwickelt sich erst nach und nach. Dabei helfen die frühkindlichen Reflexe.

Nach der Geburt kann das Baby schreien, um auf sich aufmerksam zu machen, weiß aber noch nicht, wie es das Problem, welches das Unwohlsein auslöst, selbst lösen kann. Bei Durst kann es bis zu einem gewissen Alter noch nicht selbständig nach der Flasche greifen - selbst dann nicht, wenn sie direkt vor ihm steht. Es kann die logische Schlussfolgerung - Flasche bedeutet, den Durst stillen zu können - noch nicht herstellen.

Ohne, dass wir es unserem Säugling beigebracht haben, schluckt er automatisch die Nahrung, die seinen Mund im Inneren berührt. Genauso selbständig umklammert er feste unseren Finger mit der Faust, wenn wir die Innenfläche seiner Hand berühren. Streichen wir sanft über seine Wange, dreht er sofort den Kopf in diese Richtung. Das sind alles Reflexe und der Säugling denkt über diese Bewegungsreaktionen nicht nach.

Nach und nach erweitert das Baby sein Bewegungsrepertoire - alles mit Hilfe von Reflexen. Frühkindliche Reflexe sind super!

Kostenloser Onlinecheck Reflex­integration

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Ob frühkindliche Reflexe der Ursprung deiner Sorgen sein könnten, kannst du hier herausfinden.

Du erhältst unmittelbar eine individuelle Auswertung für dein Kind. Der Fragebogen prüft eine Vielzahl von erforschten Symptomen ab, die auf die Aktivität von frühkindlichen Reflexen hindeuten können. Der Check umfasst 105 Fragen in elf Bereichen rund um die Entwicklung deines Kindes.

Du erfährst, wie viele Indikatoren auf aktive Reflexe bei deinem Kind hindeuten und welche frühkindlichen Reflexe möglicherweise noch aktiv sind. Auf Wunsch sende ich dir die Auswertung sofort per E-Mail zu.

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Die frühkindlichen Reflexe im Verlauf der menschlichen Entwicklung

Dieser Abschnitt gibt dir einen Überblick über die Entstehung der frühkindlichen Reflexe und mögliche Störfaktoren bei deren Hemmung. Außerdem erfährst du, warum und wie die frühkindlichen Reflexe wieder Verschwinden.

Wann treten die frühkindlichen Reflexe auf?

Einige Reflexe, so wie der Saugreflex und der Moro Reflex entstehen bereits intrauterin, also noch im Bauch der Mutter. Andere wiederum können sich dann erst richtig entwickeln, wenn ein Reflex der vorherigen Entwicklungsstufe ausreichend lange aktiv war – bis die entsprechende Reifung im Gehirn stattgefunden hat – und dann verschwunden ist, sich also integriert hat (oder anders ausgedrückt vom Gehirn unterdrückt wurde). Das passiert nur, wenn es keine Störungen in der Entwicklung gibt.

Was ist an den frühkindlichen Reflexen bzw. primitiven Reflexen so besonders?

Zunächst einmal finde ich es wahnsinnig spannend und faszinierend, wie die Natur durch diesen Kunstgriff dafür sorgt, dass Säuglinge trotz ihres noch völlig unterentwickelten Gehirns überlebensfähig sind. Genau genommen kommen Menschenkinder nämlich viel zu früh auf die Welt! Die frühkindlichen / primitiven Reflexe sichern also das Überleben des Säuglings.Ein zweiter spannender Punkt ist, dass am Reflexstatus eines Säuglings der Konzeptionstermin bestimmt werden kann. In jeder Entwicklungsstufe – abhängig vom Konzeptionstermin – verfügt der Säugling oder Embryo über ein bestimmtes Reflexvorkommen.

Sind die frühkindlichen Reflexe alle bei der Geburt vorhanden?

Die Reflexe sind alle in uns angelegt, doch noch nicht gleichzeitig bei der Geburt alle aktiv. Ist ein Kind zu früh geboren, ist der Saugreflex meist noch nicht ausreichend entwickelt, sodass der Säugling bis ungefähr zur 34/36. Schwangerschaftswoche zusätzlich per Sonde ernährt werden muss.

Wie und wann verschwindet ein frühkindlicher Reflex?

Ganz einfach gesagt verschwindet der Reflex dann, wenn er nicht mehr gebraucht wird. Das ist dann der Fall, wenn das Gehirn sich so weit entwickelt hat, dass es die unwillkürliche, also reflektorische Handlung willkürlich vollziehen kann.

Der Säugling saugt dann nicht mehr an allem, was seine Lippen berührt und schluckt auch nicht mehr alles automatisch, was in seinen Mund gelangt. Ebenso hält er nicht mehr alles fest, was seine Handinnenfläche berührt – das wäre ja auch ziemlich unpraktisch im späteren Leben, wenn wir nicht nur Händchen mit unserem oder unserer Auserwählten halten würden, sondern mit jedem 😉 ...

Mit fortschreitender Entwicklung des Gehirns verschwinden diese Reflexe also nach und nach. Sie werden durch die Frontallappen „unterdrückt“. Treten bestimmte frühkindliche Reflexe im Erwachsenenalter wieder auf, obwohl sie schon verschwunden waren, kann das auf Störungen dieser Hirnregion hinweisen (wie zum Beispiel bei der Fronto-Temporalen-Demenz – Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V.)

Gibt es auch andere Reflexe, die bleiben?

Ja, es gibt eine Vielzahl von Reflexen. Man unterscheidet zwischen angeborenen Reflexen, konditionierten Reflexen, Stellreflexen, koordinierten Reflexbewegungen und frühkindlichen oder primitiven Reflexen.

Eigenreflexe sind wichtig für die Körperhaltung und –bewegung, wie zum Beispiel der Patellarsehnenreflex.

Fremdreflexe haben zum Großteil die Aufgabe den Körper zu schützen. Eine umfassende Erläuterung zum Thema Eigen- und Fremdreflexe findest du hier (Deutsche Apothekerzeitung). Allgemeines zu Reflexen kannst du auch auf Wikipedia nachlesen.

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit ein Reflex verschwinden kann?

Ein Reflex verschwindet, wenn er ausreichend häufig und intensiv stimuliert wurde. Diese Stimulation, die als Reiz wahrgenommen wird, wird entweder über das Gleichgewichtsorgan (Lage-Sinn) oder über die Hautrezeptoren an bestimmte Hirnareale weitergeleitet. Kommt diese Information im Gehirn an, wird der Reflex automatisch ausgelöst.

Ist das oft genug passiert, hat das Gehirn entsprechende Verknüpfungen gebildet – es ist gereift und der Reflex wird dann nicht mehr benötigt, sodass er unterdrückt bzw. integriert wird.

Unter welchen Gegebenheiten integriert sich ein Reflex nicht von alleine?

Entweder der Reflex wurde von vornherein nicht stark genug ausgebildet oder er wurde nicht oft genug stimuliert. Sprich, wurde der Reflex nicht oft genug ausgelöst, konnten sich die entsprechenden Verknüpfungen im Gehirn nicht bilden.

Das Gehirn ist dann nicht reif genug und behält die willkürlichen Handlungen, bzw. Teile von ihnen (= Restmuskelreaktionen) bei. Deshalb sagt man auch, dass die Reflexintegration für eine Nachreifung des Gehirns sorgt.

Wie wird die Entwicklung oder die Integration der frühkindlichen Reflexe behindert?

Puh, die Antwort auf diese Frage fällt etwas länger aus: In jeder Entwicklungsstufe gibt es andere Faktoren, die sich hinderlich auf die Reifung und Hemmung / Integration der frühkindlichen Reflexe auswirken können.

So beeinflussen großer Stress oder Krankheit während der Schwangerschaft bereits die Reflexe, die sich intrauterin (innerhalb der Gebärmutter) entwickeln. Durch großen Stress während der Schwangerschaft erhöht sich die Spannung der Bauchdecke der Mutter. Das nimmt der Embryo wahr und verfällt ebenso in eine Anspannungshaltung. In dieser Anspannung hält er sich fest, bewegt sich im Bauch viel weniger und dadurch verzögert sich die reflektorische Entwicklung, weil schon hier die nötigen Bewegungsreize fehlen.

Ein ganz entscheidender Meilenstein für die Entwicklung des Asymmetrisch Tonischen Nackenreflexes (ATNR) und des Spinalen Galant Reflexes ist der natürliche Geburtsvorgang. Beide Reflexe entwickeln sich intrauterin, haben ihren Höhepunkt bei der Geburt und integrieren sich während der ersten Lebensmonate. Die motorische Stimulation während der Geburt ist entscheidend für die Ausreifung des Asymmetrischen Tonischen Nackenreflexes und des Spinalen Galant Reflexes.

Hat diese Stimulation zum Beispiel durch eine Kaiserschnittgeburt nicht in ausreichendem Maße stattgefunden, ergeben sich daraus weitreichende Folgen: „Wenn sich die frühkindlichen Reflexe während der Schwangerschaft, Geburt oder im ersten Lebensjahr nicht richtig entfalten können und nicht richtig integriert werden, verschwinden sie nicht. Sie haben ihre Aufgabe nicht erfüllt. Dann läuft auch die damit verbundene neuronale Entwicklung nicht optimal ab“. (Siehe auch Beitrag zu Reflexintegration und ADHS von Antonia Wilhelm auf Jameda - dem Ärtze und Patientenportal).

Im weiteren Verlauf der Entwicklung wirkt es sich negativ auf die Reflextätigkeit aus, wenn ein Kind zum Beispiel überwiegend auf dem Rücken liegt oder viel in Babyschalen oder Babywippen liegt. In diesen Gerätschaften ist es dem Baby unmöglich, sich selbständig zu drehen und es kann nur seine Arme und Beine bewegen. Es ist zu stark in seiner freien Bewegungsfähigkeit eingeschränkt.

Das Liegen auf dem Bauch ist für die Entwicklung des Landau Reflexes zum Beispiel sehr wichtig. Aus verschiedenen Gründen kann es sein, dass Kinder die Krabbelphase überspringen. Das wirkt sich auf die Entwicklung des Symmetrisch Tonischen Nackenreflexes und der damit verbundenen Fähigkeiten aus.

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Wichtige frühkindliche Reflexe in Bezug auf Lernschwierigkeiten und Schulprobleme

Hier gebe ich dir einen Überblick über vier wichtige frühkindliche Reflexe, die negative Auswirkungen auf dein Kind haben können. Dies kann sich in Problemen mit der Körperkoordination, Lern- und Konzentrationsschwierigkeiten, mangelnder Impulskontrolle oder ADHS Symptomen äußern.

Wie viele frühkindliche Reflexe gibt es und welche sind wichtig für die Reflexintegration?

Es gibt knapp 20 frühkindliche bzw. primitive Reflexe. Für das Reflexintegrationstraining sind besonders die Reflexe von Bedeutung, die Auswirkungen auf das Lernen und die Motorik haben: Denn hier ist der positive Effekt bei Lernproblemen, Schulproblemen und ADHS Symptomen bei Kindern am größten. Diese Reflexe erkläre ich nachfolgend. Falls du dennoch mehr wissen möchtest: Die Übersicht aller frühkindlichen Reflexe findest du am besten bei Wikipedia.

Der Moro Reflex - wie äußert sich hier die fehlende Reflexintegration?

Besteht der Moro Reflex / die Moro Reaktion fort, hat das Auswirkungen auf das sozial-emotionale Verhalten. Kinder reagieren oft übersensibel, was sich durch Wut- oder schnelle Tränenausbrüche zeigen kann. Eltern beschreiben ihre kognitiv reifen Kinder dann noch als sehr kindisch oder kindlich, was das emotionale Verhalten betrifft.

Solche Kinder reagieren überempfindlich auf Kritik, Streit oder Stress. Je älter ein Mensch mit einem noch bestehenden Moro Reflex ist, umso mehr neigt er zu depressiven oder ängstlichen Verhaltensmustern, verfügt über ein geringes Selbstbewusstsein, mangelnde Kritikfähigkeit. Panikattacken oder Angstneurosen treten vermehrt auf.

Der Tonische Labyrinth Reflex (TLR) - wie äußert sich hier die fehlende Reflexintegration?

Der TLR ist maßgeblich an der Entwicklung des Gleichgewichts, der räumlichen, zeitlichen und visuellen Orientierung und der Körperhaltung beteiligt. Das bedeutet, dass Kinder mit einem noch aktiven Tonischen Labyrinth Reflex über die Maße hypo- oder hyperton sein können (das heißt, entweder ganz schlaff oder eine extreme Muskelspannung haben). Zehenspitzengang, eine schlechte Körperhaltung, eine schlechte Koordination und Balance können auch Anzeichen von Restmuskelreaktionen des Tonischen Labyrinth Reflexes sein.

Diese Kinder tun sich schwer damit, grammatikalische Strukturen zu erkennen, sich selbst zu organisieren und haben ein schlechtes Zeitgefühl.

Der Asymmetrische Tonische Nackenreflex (ATNR) - wie äußert sich hier die fehlende Reflexintegration?

Der Asymmetrische Tonische Nackenreflex ist dafür mitverantwortlich, ob ein Kind Rechts- oder Linkshänder wird bzw. ob sich überhaupt eine eindeutige Händigkeit (Lateralität) ausgebildet hat.

Der Asymmetrische Tonische Nackenreflex wirkt sich auf das Lese- und Schreibvermögen aus, da er die visuelle Wahrnehmung und die Steuerung der feinmotorischen Augenmuskeln beeinflusst.

Kinder mit einem noch aktiven Asymmetrischen Tonischen Nackenreflex können die Linien, auf denen sie schreiben nicht einhalten und es kann sein, dass ihre Schrift mal nach links und dann wieder nach rechts kippt. Häufig üben sie beim Schreiben unnötig viel Druck auf den Stift aus. Diese Kinder haben Schwierigkeiten, die Schreibschrift zu erlernen und häufig Lese- und Rechtschreibprobleme. Des Weiteren fällt es solchen Kindern schwer, die Mittellinie des Körpers zu überkreuzen.

Der Symmetrisch Tonische Nackenreflex (STNR) - wie äußert sich hier die fehlende Reflexintegration?

Der Symmetrisch Tonische Nackenreflex (STNR) schafft die Voraussetzung zum Krabbeln, für die unabhängige Bewegung von Ober- und Unterkörper und die Entwicklung der Akkomodation der Augen (die Einstellung der Augen auf bestimmte Gegenstandsweiten). Das schließt auch die Entwicklung der Auge-Hand-Koordination mit ein.

Betroffenen Kindern fällt es schwer von der Tafel abzuschreiben, denn dabei muss das Kind ständig den Kopf heben und senken. Bei noch vorhandenen Restmuskelreaktionen (einem noch aktiven Reflex) führt jede Kopfbewegung nach oben oder unten zu einer ungewünschten reflexartigen Haltungsveränderung.

Der Schreibende muss diese reflektorische Haltungsveränderung unterdrücken, was einerseits unnötige Energie kostet und andererseits zu Verkrampfungen in den Armen und Händen führt sowie zu dem starkem Aufdrücken beim Schreiben.
Die Praxis zeigt, dass 75% der Kinder mit Lernstörungen noch einen aktiven Symmetrisch Tonischen Nackenreflex haben. (Siehe auch Erläuterungen unter www.rit-reflexintegration.de).

Eltern von Kindern mit einem persistierenden, also noch Restmuskelreaktionen aufweisenden Symmetrisch Tonischen Nackenreflex erkennen das auch daran, dass ihr Kind beim Essen häufig kleckert. Schwimmen kann das Kind zunächst besser unter als über Wasser. Beim Sitzen schlingt es die Beine um die Stuhlbeine, sitzt gerne lieber auf einem oder beiden untergeschlagenen Beinen und schreibt oder malt generell lieber (halb) im Stehen oder Liegen.

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Reflexintegration bei Lernproblemen und ADHS Symptomen - Wissenschaft

Prima - du hast soweit durchgehalten! Fast ist es geschafft. Abschließend findest du noch einige Informationen zu Fragen, die mir oft in ersten Gesprächen mit interessierten Eltern gestellt werden.

Was ist Reflexintegration?
Reflexintegration holt das nach, was während der selbständigen Entwicklung des Kindes nicht stattgefunden hat. Reflexintegration beinhaltet gezielte Bewegungsübungen (Reflexintegration Übungen), die die Reize an das Gehirn senden, die früher im Gehirn nicht ausreichend angekommen sind, weil der Reflex entweder nicht oft genug ausgelöst wurde oder unterentwickelt war.

Dies wiederum sorgt dafür, dass sich die entsprechenden Verknüpfungen entwickeln, die dafür sorgen, dass der Reflex vom Frontallappen unterdrückt wird, bzw. „integriert wird“, also Reflexintegration stattfindet. Weil diese Reize eben so speziell sein müssen, damit genau das Gewünschte erzielt wird, hilft es nicht, einfach nur viel Sport zu machen. Wir müssen speziell entwickelte Reflexintegration Übungen durchführen.

Wo finde ich Informationen zur praktischen Anwendung der Reflexintegration?
Alle praktischen Fragen zur Reflexintegration findest du im zweiten Teil dieses Blogbeitrags. Übrigens: In meinem Blogbeitrag „Reflexintegration in fünf Minuten kinderleicht erklärt“ findest du weitere Informationen zur Reflexintegration. Darin gehe ich mehr darauf ein, wie sich aktive Reflexe im (Schul-)Alltag zeigen und sich auf das Lernen, die Konzentration und schulischen Leistungen deines Kindes auswirken können.
Wie wurden die frühkindliche Reflexe und Reflexintegration in der Wissenschaft untersucht?
Die Forschung zur Reflexintegration bzw. zu frühkindlichen Reflexen und ihrem Zusammenhang mit Lern- und Entwicklungsproblemen bei Kindern hat ihren Ursprung in den 1970er Jahren: 1975 wurde das "Institute for Neuro-Physiological-Psychology" von Dr. Peter Blythe in Chester, England, gegründet. Zusammen mit seiner Frau Sally Goddart-Blythe forschte er intensiv an den Zusammenhängen zwischen Lern- und Entwicklungsproblemen und dem Fortbestehen von Restmuskelbewegungen der frühkindlichen Reflexe. Diese Forschung kann als wissenschaftlicher Ursprung der Reflexintegration betrachtet werden.

Hierauf basierend beschäftigte sich die Wissenschaft mit Reflexintegration und frühkindlichen Reflexen: Autoren wie Vojta, Bobath, die Russinnen Akhmatova und Masgutova, Campbell, Pfeiffer-Meisel sowie Sacher und Michaelis haben in den letzten Jahrzehnten die Auswirkungen von persistierenden frühkindlichen Reflexen beschrieben und die Reflexintegration wissenschaftlich untersucht. Sie alle haben eines gemeinsam: Sie halten eine zeitgerechte motorische Entwicklung für die Voraussetzung der gesunden Gesamtentwicklung des Kindes. Mehr Quellen und Studien findest du weiter unten in meinen Tipps zum Weiterlesen.

Auf dieser Grundlage entwickelten sich alle weiteren Methoden. Mein Rexi Reflexintegrationstraining vereint wissenschaftliche Erkenntnisse aus den Bereichen Neurowissenschaft, Physiologie und Bewegungswissenschaft.

Wie kann ich erfahren, ob bei meinem Kind noch frühkindliche Reflexe aktiv sind?
Mache meinen kostenlosen Online Check zur Reflexintegration. Der Online Check umfasst 105 Fragen aus 11 Themenfeldern rund um die Entwicklung deines Kindes. Du beantwortest diese Fragen mit Ja oder Nein. Du erhältst sofort eine detaillierte Auswertung und erfahrst, ob bei deinem Kind möglicherweise noch frühkindliche Reflexe aktiv sind.
Das Ergebnis des Fragebogens kann dir vielleicht endlich einen Lösungsansatz zu deinen Beobachtungen und Fragen im Bezug auf dein Kind liefern auch, wenn ihr schon verschiedene andere Therapieformen wie Logopädie, Ergotherapie oder anderes hinter euch habt.
Mach dir also keine Sorgen, falls der Test als Ergebnis mehrere noch aktive frühkindliche Reflexe zum Vorschein bringt. Denn die wirklich gute Nachricht ist, dass du der Entwicklung deines Kindes auf die Sprünge helfen kannst: „Reflexintegration“ bietet eine zweite Entwicklungschance.
Was bedeutet es, wenn ein frühkindlicher Reflex noch aktiv ist?

Es ist zwar immer wieder von „noch aktiven Reflexen“ die Rede, doch handelt es sich dabei immer um eine Restmuskelreaktion. Denn entweder der Reflex ist nicht ganz unterdrückt / integriert worden, oder er hat sich nicht vollständig entwickeln können.Wäre der Reflex noch vollständig aktiv, ist dies pathologisch und das Kind hätte z.B. bei einem noch aktiven Fußgreifreflex NIE das Laufen lernen können.

Sogenannte Restmuskelreaktionen eines Reflexes äußern sich durch verschiedenste Merkmale, auf die ich in den Fragen zu den wichtigsten frühkindlichen Reflexen in Bezug auf Lernschwierigkeiten und Schulproblemen genauer eingehe.

Ich bitte dich, dir das bewusst zu machen, denn es bedeutet, dass dein Kind für Vieles „gar nichts kann“. Es ist so, als würden wir jemandem sagen, der versucht auf einem Bein zu balancieren: „Mensch, jetzt fall doch nicht dauernd um! Wenn du auf einem Bein stehen möchtest, darfst du das andere nicht auf den Boden bringen, sondern musst es oben halten!“ - Wenn es doch aber nicht geht!

Es geht dabei vor allem darum, dir und deinem Kind Druck zu nehmen und eure Beziehung zu schützen.  Ja, vielleicht tut dein Kind gewisse Dinge nicht, weil es keine Lust dazu hat oder faul ist. Das kannst du herausfinden. Sind bei ihm allerdings noch mehrere frühkindliche Reflexe aktiv, dann könnte auch das sein Verhalten erklären.

Kann man auch nur einzelne Reflexe integrieren?

Sehr viele Reflexe sind miteinander verknüpft. Die Entwicklung eines Reflexes kann die Entwicklung eines anderen beeinflussen. Im Zuge der natürlichen Reifung lösen sich die Reflexe nacheinander ab. An dieser Reihenfolge orientiert sich die nachträgliche Reflexintegration.

So kann zum Beispiel ein aktiver Spinaler Galant Reflex die Entwicklung des Amphibien Reflex verhindern. Ist der Amphibien Reflex nicht entwickelt, führt das in der Regel zu einem aktiven ATNR (Asymmetrisch Tonischen Nacken Reflex) und einem aktiven TLR (Tonischen Labyrinth Reflex).

Ein weiterer enger Zusammenhang besteht zwischen dem TLR und dem STNR (Symmetrisch Tonischen Nackenreflex): Ist der TLR aktiv, verhindert er oft das Krabbeln, weil die Bewegung des Kopfes zum Ausstrecken der Beine führt. Wird das Gehirn jedoch nicht ausreichend durch die motorischen Reize stimuliert, die das Krabbeln auslöst, kann sich im Gegenzug der STNR nicht integrieren und bleibt weiterhin aktiv.

Macht man sich diese komplexen Zusammenhänge bewusst, wird deutlich, dass es wenig Sinn macht, das Reflexintegrationstraining nur mit Hinblick auf einzelne Reflexe durchzuführen.

Wie kann ich erkennen, ob Reflexintegration die richtige Methode für mein Kind ist?

Bestimmte Auffälligkeiten oder ein bestimmtes Verhalten deines Kindes werden dich dazu bewogen haben, ihm helfen zu wollen. Vielleicht gibt es Probleme in der Schule, beim Lernen oder du hast das Gefühl, dein Kind steht sich irgendwie selbst im Weg. Manchmal ist es auch gar nicht richtig greifbar, weil man als Laie nicht weiß, was Hinweise auf noch aktive frühkindliche Reflexe sein könnten.

Vielleicht seid ihr durch die Empfehlung eines Bekannten auf Reflexintegration aufmerksam geworden oder aber ihr habt schon einiges ausprobiert, was euch nicht in ausreichendem Maße weiter geholfen hat.

Wenn das so ist, lege ich dir ans Herz, meinen kostenlosen Online Check Reflexintegration ganz unverbindlich zu klicken und du wirst erfahren, ob frühkindliche Reflexe der Auslöser für eure Probleme sein könnten.

Können logopädische Probleme auch von noch aktiven frühkindlichen Reflexen kommen?
Natürlich gibt es selten einen einzigen Grund für entwicklungsbedingte Abweichungen von der Norm, doch bilden der Tonische Labyrinth Reflex (rückwärts) und der Such- und Saugreflex die Grundlage für eine deutliche Artikulation. Insofern können Reflexintegration Übungen eine undeutliche Sprache verbessern.
Kann die Reflexintegration auch bei Kindern mit körperlicher Behinderung helfen?
Da die Reflexintegration dabei hilft, eine „Nachreifung“ des Gehirns anzuregen, wirkt sie sich auch positiv auf Menschen mit körperlichen Einschränkungen aus. Ebenso wurden auch positive Effekte im Bezug auf Autismus und ADHS beobachtet. Eine meiner Kolleginnen aus dem Norden arbeitet viel mit autistischen Kindern und hat diesbezüglich viel Positives berichtet.
Hilft Reflexintegration auch bei ADHS oder ADS Symptomen?

Es gibt mehrere Studien, die eine Besserung der ADHS oder ADS Symptome durch Reflexintegration belegen. So auch diese:
„Am Bender-Institut fanden Wissenschaftler (O’Dell und Cook, 1996) heraus, dass ein fortbestehender Symmetrischer Tonischer Nackenreflex ein signifikanter Faktor bei Kindern mit ADHS und ADS war. Beide Gruppen machten große Fortschritte nach einem spezifischen Bewegungsprogramm zur Hemmung des STNR.“ (Goddard Blythe, „Greifen und BeGreifen“ 2016, S. 55)

Dennoch ist ADHS oder ADS ein komplexes Krankheitsbild und so fand Prof. Dr. med. Karl Heinz Brisch heraus, dass ein Zusammenhang zwischen Bindungsthemen und AD(H)S besteht. So sagt er, dass fast jedes Kind mit einer AD(H)S Diagnose eine Bindungsstörung zeigt, jedoch nicht jedes Kind mit einer Bindungsstörung automatisch eine AD(H)S Diagnose vorliegen hat.

Eine Bindungsstörung entsteht übrigens nicht ausschließlich, weil Kinder von ihren Eltern vernachlässigt werden. Auch dafür kann es vielfältige Gründe geben und es ist ganz wichtig, mit diesem sensiblen Thema ohne Schuldzuweisungen umzugehen.

Um die Eingangsfrage zu beantworten: Ja, Reflexintegration hilft meistens bei ADHS und ADS Symptomen, doch entsteht eine AD(H)S Erkrankung nicht ausschließlich, WEIL noch frühkindliche Reflexe aktiv sind. Das möchte ich fairer Weise betonen. Da verhält es sich genau so, wie im Zusammenhang mit der Bindungsthematik.

Kostenloser Onlinecheck Reflex­integration

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Ob frühkindliche Reflexe der Ursprung deiner Sorgen sein könnten, kannst du hier herausfinden.

Du erhältst unmittelbar eine individuelle Auswertung für dein Kind. Der Fragebogen prüft eine Vielzahl von erforschten Symptomen ab, die auf die Aktivität von frühkindlichen Reflexen hindeuten können. Der Check umfasst 105 Fragen in elf Bereichen rund um die Entwicklung deines Kindes.

Du erfährst, wie viele Indikatoren auf aktive Reflexe bei deinem Kind hindeuten und welche frühkindlichen Reflexe möglicherweise noch aktiv sind. Auf Wunsch sende ich dir die Auswertung sofort per E-Mail zu.

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Meine Tipps zum Weiterlesen

Suchst du noch mehr Hintergrundinformationen zum Thema frühkindliche Reflexe und Reflexintegration? Hier habe ich eine Literaturliste für dich zusammengestellt. Solltest du im Netz oder in einer Bibliothek auf weitere interessante Veröffentlichungen stoßen, würde ich mich freuen, wenn du sie mit mir teilst. Gerne per E-Mail oder Kommentar zu diesem Artikel!

Buchempfehlungen

Greifen und BeGreifen*
von Sally Goddard Blythe | 2004 (Neuauflage 2024)
Leseprobe (Link zur Verlagsseite)

Neuromotorische Unreife bei Kindern*
von Sally Goddard Blythe | 2016
Leseprobe (Link zur Verlagsseite)

Bewegungen, die heilen*
von Dr. Harald Blomberg | 2015
Leseprobe (Link zur Verlagsseite)

Entdeckungsgeschichte frühkindlicher Reflexe*
Unter Betrachtung der historischen Entwicklung der Reflexlehre
von Claudia Kotter | 2015
Link zur Verlagsseite

Wieder im Gleichgewicht*
von Christine Sieber, Dr. Carsten Queißer | 2019
Leseprobe (Link zur Verlagsseite)

Flügel und Wurzeln*
von Dorothea Beigel | 2003

Watch Me Grow: A Unique, 3-Dimensional Week-by-Week Look at Your Baby's Behavior and Development in the Womb*
von Stuart Campbell | 2004

Beiträge, Interviews und Videos im Netz

Fallbeispiele zu den Auswirkungen frühkindlicher Reflexe in der Kinder- und Jugendpsychatrie
von Dr. med. Ralph Meyers | Link

Frühkindliche Reaktionen: Wie Tonische Labyrinth Reaktion, MORO Reaktion, Fechterstellung, Symmetrisch Tonische Nacken Reaktion die Entwicklung Ihres Kindes beeinflussen
von Deutsche Gesellschaft für neurophysiologische Entwicklung e.V. | Link

Wissenschaftliche Publikationen

Vojta V, Schulz P.: Die Wirkung der Aktivierungssysteme der Reflexfortbewegung auf die gestörte posturale Ontogenese. Sozialpädiatrie. 1989; 11:752–757 4.

Vojta V.: - Die Posturale Ontogenese als Basis der Entwicklungsstörungen. Monatsschrift Kinderheilk. o.J.; 141:639–642 5.

Bobath K.: Spastizität – Ein Problem bei der Behandlung von Patienten mit Läsionen des oberen motorischen Neurons. Vorlesung am Kongress für physikalische Therapie in Amsterdam. In: Pfeiffer H, Drescher M, Hirte M. Homöopathie in der Kinder- und Jugendmedizin. München: Urban und Fischer; 2007

Akhmatova N.K., Goncharova S.M., Masgutova S.K.: Integration of Dynamic and Postural Reflexes into the whole Body Movement System. Moskau, 2000

Sacher R, Michaelis R.: Dynamik und Funktionen angeborener Fremdreflexe., 1. Moro- und Startle-Reflex. München: Hans Marseille Verlag; 2011

Alice Chinello, Valentina Di Gangi, Eloisa Valenza:
„Persistent primary reflexes affect motor acts: Potential implications for autism spectrum disorder“, 2016
  | Link

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Ich bin Silke Krämer.

Kinder- und Jugendcoach Professional, NLP Master und Coach, EMDR Traumatherapeutin und Gymnasiallehrerin

Ich helfe Familien, wenn es Schulstress gibt und daheim die Fetzen fliegen. Außerdem unterstützte ich Mütter und Väter dabei, sich den Herausforderungen des Familienlebens selbstbewusst zu stellen.

Als Trainerin für Reflexintegration helfe ich deinem Kind, damit ihm die Schule bei Konzentrations­schwächen, Lern- und motorischen Problemen leichter fällt.

Hol dir meine Familienpost!

Erhalte kostenlos etwa alle zwei Wochen nützliches Wissen, Tipps und Denkanstöße für dich und deine Familie aus meiner Coachingpraxis. Für weniger Stress mit der Schule, ein gutes Miteinander und eine starke Persönlichkeit.

Reflex­integration in 5 Minuten kinderleicht erklärt

Reflex­integration in 5 Minuten kinderleicht erklärt

Jugendliche

von Silke Krämer | 06-2024

Was ist Reflexintegration? Das erkläre ich dir in diesem Artikel: Stelle dir zu Beginn einmal folgendes Bild vor, vielleicht trifft es ja sogar auf dich zu: Ich sitze zum kreativen Arbeiten oder Lernen nicht gerne am Schreibtisch. Wenn ich von Hand schreiben muss, geht das natürlich nicht so gut im Sitzen auf dem Sofa. Aber ich finde es immer anstrengend, in einer ordentlichen Sitzposition am Tisch zu Schreiben. Und?

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Besser Schreiben durch Reflexintegration: Frühkindliche Reflexe und Schreiben

Wenn du auch zu der Gruppe von Menschen gehörst, denen das Schreiben im Sitzen besonders schwer fällt und du das Gefühl hast, dass sich dein Arm dabei verkrampft, weil du viel lieber im Liegen, Knien oder Stehen schreiben würdest, dich beim Sitzen auf ein untergeschlagenes Bein setzt oder die Beine um die Stuhlbeine wickelst, kann dieser Artikel interessant für dich sein. Es könnte jedoch auch noch andere Dinge geben, bei denen du das Gefühl hast, dass sie den meisten deiner Klassenkameraden leichter fallen als dir. Wenn das so ist, lohnt es sich auf jeden Fall weiter zu lesen.

Ich werde dir gleich etwas über noch aktive frühkindliche Reflexe erzählen. Erschrick nicht – das ist unkomplizierter, als es zunächst klingt. Aktive frühkindliche Reflexe können sich übrigens auch noch anders zeigen, als in deiner Vorliebe für eine unübliche Schreibposition.

Lenken dich Geräusche leicht ab?

Andere Symptome können sein, dass du sehr geräuschempfindlich bist und alles um dich herum genau wahrnimmst. Das lenkt dich in der Schule natürlich oft ab. Vielleicht hast du allgemein das Gefühl, dass du dich nicht so gut konzentrieren kannst, du bist langsamer beim Abschreiben von der Tafel als die meisten Kinder deiner Klasse und du hast Probleme mit der Rechtschreibung und Grammatik.

Hast du vielleicht auch nicht so ein gutes Gleichgewicht, ein schlechtes Zeitgefühl, übersiehst in Arbeiten manchmal Aufgaben und im Nachhinein kommt es dir so vor, als wäre diese Aufgabe während der Klassenarbeit noch gar nicht da gewesen?

„Setz dich ordentlich hin zum Schreiben!“, wirst du immer wieder von Eltern und Lehrern gesagt bekommen.

Dann setzt du dich kurz in die vorgesehene Schreibposition, doch dein Körper möchte viel lieber eine andere Position einnehmen und du musst dich immer wieder bewusst in diese Schreibposition bringen. Das ist anstrengend!

Und ja genau, du hast richtig gelesen: Dein Körper möchte das, weil in deinem Gehirn unbewusste Prozesse ablaufen. In deinem speziellen Fall könnte das an noch aktiven frühkindlichen Reflexen liegen. Keine Angst, einerseits ist das nichts Schlimmes und andererseits kannst du etwas dagegen tun.

Was sind überhaupt frühkindliche Reflexe?

Ich erkläre dir mal, was frühkindliche Reflexe überhaupt sind: Wenn wir als kleiner Säugling auf die Welt kommen, können wir fast nichts „bewusst“ machen. Wir können dann noch nicht sagen „oh, ich habe Durst und dort vorne steht ein Glas Wasser. Das nehme ich mir jetzt mal und stille meinen Durst daran“.

Säuglinge können weder den Zusammenhang Glas-Durst herstellen, noch könnten sie danach greifen, das Glas an den Mund führen und bewusst schlucken.

Bei ihnen läuft alles automatisch ab. Sobald sie etwas im Mund spüren, beginnen sie zu saugen. Probier’s doch mal aus und halte einem Säugling deinen gewaschenen kleinen Finger in den Mund. Du wirst sehen, das Baby beginnt daran zu saugen. Das ist der Saugreflex. Daher kommt übrigens das Wort Säugling.

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Sobald der Säugling dann Flüssigkeit im Mund spürt, schluckt er. Das ist der Schluckreflex. Das läuft alles ganz automatisch ab. Wenn das Baby älter wird, verschwinden diese Reflexe, denn es wäre ja blöd, wenn wir als Erwachsene immer noch an allem rumsaugen würden, was uns im Mund berührt!

Jetzt weißt du auch, warum diese Reflexe „frühkindliche Reflexe“ genannt werden. Sie sind nur in einer frühen Entwicklungsstufe deiner Kindheit da. Irgendwann verschwinden sie, weil wir sie nicht mehr brauchen. Unser Gehirn kann dann die Entscheidungen bewusst treffen.

Vielleicht denkst du jetzt „ich bin aber doch kein Baby mehr!“. Da hast du natürlich recht.

Damit du das alles ganz genau verstehen kannst, müsste ich dir jetzt noch etwas über dein Gehirn erklären. Das würde dann hier aber sehr kompliziert werden. Wenn du es aber doch wissen möchtest, dann schreibe mir einfach eine E-Mail und ich beantworte dir deine Fragen.

 

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Ob frühkindliche Reflexe der Ursprung deiner Sorgen sein könnten, kannst du hier herausfinden.

Du erhältst unmittelbar eine individuelle Auswertung für dein Kind. Der Fragebogen prüft eine Vielzahl von erforschten Symptomen ab, die auf die Aktivität von frühkindlichen Reflexen hindeuten können. Der Check umfasst 105 Fragen in elf Bereichen rund um die Entwicklung deines Kindes.

Du erfährst, wie viele Indikatoren auf aktive Reflexe bei deinem Kind hindeuten und welche frühkindlichen Reflexe möglicherweise noch aktiv sind. Auf Wunsch sende ich dir die Auswertung sofort per E-Mail zu.

 

Was machen die Reflexe mit mir, wenn sie nicht verschwinden?

Die Kurzversion ist also die, dass manche der frühkindlichen Reflexe nicht vollständig verschwinden, obwohl es besser für uns wäre, wenn sie verschwunden wären. Es ist dann nicht mehr so, dass der Reflex noch genauso stark ausgeprägt ist, wie damals, als du noch ein kleines Baby warst.

Deshalb spricht man von einer Restmuskelreaktion des frühkindlichen Reflexes. Das ist auch ein kompliziertes Wort, doch wenn du es auseinander nimmst, dann wird es einfach. Es bedeutet, dass deine Muskeln noch einen Rest von der Bewegung zeigen, die typisch für den Reflex ist. Also eine übrige Bewegung von der Bewegung, die der Reflex mal gemacht hat.

Kennst du den Kniesehnenreflex? Wenn der Arzt mit seinem Reflexhammer unterhalb der Kniescheibe klopft, schnellt der hängende Unterschenkel nach oben:

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Das soll auch so sein, weil dieser Reflex kein frühkindlicher Reflex ist. Er bleibt ein Leben lang aktiv. Jetzt stell dir einfach vor, der Arzt klopft mit dem Reflexhammer unter deine Kniescheibe und der Unterschenkel schnellt nicht mehr hoch, sondern zuckt nur noch so ein bisschen. Das wäre dann die restliche Reaktion der Bewegung, die von dem Reflex noch übrig geblieben wäre. Das Wort „Muskel“ taucht darin auf, weil Muskeln für die Bewegung zuständig sind. Sie sind sozusagen die Diener unseres Gehirns, das eine bestimmte Bewegung in Auftrag gibt. Die Muskeln bewegen dann unsere Gelenke, um zum Beispiel nach dem Glas Wasser zu greifen.

Wenn dein Körper beim Schreiben also nicht in einer bestimmten Position bleiben möchte, dann könnte das daran liegen, dass du noch einen aktiven STNR-, TLR- oder ATNR-Reflex hast. Du musst dann immer wieder bewusst gegen diesen unbewussten Wunsch deines Gehirns ankämpfen, was auf Dauer sehr anstrengend für dich ist. Das kann auch dazu führen, dass du das Gefühl hast, dich schlechter als andere Kinder konzentrieren zu können.

Wenn du einen noch aktiven frühkindlichen STNR Reflex hast (Symmetrisch Tonischer Nackenreflex) kann es sein, dass es dir schwer fällt, in der von Eltern oder Lehrern gewünschten vorgegebenen normalen Sitzposition zu schreiben.

Bei diesem Reflex möchte sich dein Arm strecken, wenn deine Hüfte gebeugt ist. Die Hüfte ist deshalb gebeugt, weil du ja sitzt. Das ist der Knick zwischen deinen Beinen und deinem Oberkörper. Wenn du liegst oder Stehst, ist deine Hüfte gestreckt.

Jetzt ist im Sitzen also deine Hüfte gebeugt und dein Arm möchte sich strecken. Geht das beim Schreiben? Kannst du mit ausgestrecktem Arm schreiben? Ich kann das nicht. Beim Schreiben muss der Arm im Ellenbogen gebeugt sein.

Damit du nun entspannter schreiben kannst und dein Arm nicht so schnell müde wird oder deine Hand verkrampft, sagt dir dein Gehirn unterbewusst, dass es für dich viel besser ist, im Liegen, Stehen oder mit untergeschlagenen Beinen zu schreiben. Und stell dir vor! Viele Erwachsene wissen gar nicht, dass du das gar nicht absichtlich machst, sondern dein Körper dir sagt, was für dich am einfachsten ist. Deshalb sagen dir die Lehrer und vielleicht deine Eltern immer „jetzt setz' dich doch mal ordentlich hin!“.

Es gibt noch viele andere frühkindliche Reflexe, die Auswirkungen auf deinen Körper haben können, wenn sie noch nicht ganz verschwunden sind. Das ist nicht so schlimm, aber du hast vielleicht das Gefühl, dass dir manche Dinge schwerer fallen als anderen Kindern in deiner Klasse. Das ist natürlich blöd.

Man hat sogar herausgefunden, dass Kinder mit Lese- und Rechtschreibproblemen zu 75% noch einen aktiven STNR Reflex haben und alle Kinder mit LRS einen aktiven ATNR Reflex (Asymmetrisch Tonischer Nackenreflex) haben.

Wie dir Übungen zur Reflexintegration mit Rexi helfen können!

Die gute Nachricht ist jedoch, dass du etwas dafür tun kannst, dass auch dir viele Dinge leichter fallen. Und es ist ganz einfach!

Du kannst vorab mit deinen Eltern meinen Online Fragebogen aus: Dies könnt ihr kostenlos auf meiner Webseite machen, ihr erhaltet sofort eine detaillierte Auswertung und könnt sehen, welche Reflexe möglicherweise noch aktiv sind.

Dann geht's an die Übungen: Wir nehmen uns dann nacheinander alle Reflexe vor. Wir machen bestimmte Übungen zusammen bei mir in der Praxis und dann bekommst du noch Übungen für zu Hause. Die kleine Katze Rexi zeigt dir diese Übungen. Ganz wichtig ist, dass du die Übungen regelmäßig machst.

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Nach drei bis vier Wochen, sehen wir uns dann wieder und wir machen neue Übungen. Wenn der Reflex verschwunden ist, knöpfen wir uns den nächsten Reflex vor und Rexi erklärt dir wieder alle Übungen, die du zu Hause machen wirst. Insgesamt brauchen wir einige Monate dafür.

Doch hey, was sind schon ein paar Monate im Vergleich zu einem ganzen Leben?

Von diesen Übungen wirst du nämlich dein ganzes Leben lang profitieren, da du ja nach der Schule auch noch weiter lernen wirst.

Starte mit meinem Online Fragebogen Reflexintegration mit kostenloser Auswertung

Wenn du genau wissen möchtest, ob du noch sogenannte Restmuskelreaktionen frühkindlicher Reflexe hast, kannst du meinen Online Fragebogen kostenlos auf meiner Internetseite ausfüllen. Du erhältst sofort Feedback. Anhand des Fragebogens können wir schon mal sehen, ob das der Grund für deine Herausforderungen sein könnte.

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Ob frühkindliche Reflexe der Ursprung deiner Sorgen sein könnten, kannst du hier herausfinden.

Du erhältst unmittelbar eine individuelle Auswertung für dein Kind. Der Fragebogen prüft eine Vielzahl von erforschten Symptomen ab, die auf die Aktivität von frühkindlichen Reflexen hindeuten können. Der Check umfasst 105 Fragen in elf Bereichen rund um die Entwicklung deines Kindes.

Du erfährst, wie viele Indikatoren auf aktive Reflexe bei deinem Kind hindeuten und welche frühkindlichen Reflexe möglicherweise noch aktiv sind. Auf Wunsch sende ich dir die Auswertung sofort per E-Mail zu.

Hat dir der Artikel gefallen? Ich freue mich, wenn du mir Feedback zu meinen Artikeln gibst. Entweder hier auf der Seite über einen Kommentar, Facebook oder per E-Mail. Auch wenn du noch Fragen hast, kannst du über das Kontaktformular unkompliziert mit mir in Verbindung treten

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Ich bin Silke Krämer.

Kinder- und Jugendcoach Professional, NLP Master und Coach, EMDR Traumatherapeutin und Gymnasiallehrerin

Ich helfe Familien, wenn es Schulstress gibt und daheim die Fetzen fliegen. Außerdem unterstützte ich Mütter und Väter dabei, sich den Herausforderungen des Familienlebens selbstbewusst zu stellen.

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Mobbing in der Schule – ein Thema, das längst keines mehr sein sollte!

Mobbing in der Schule – ein Thema, das längst keines mehr sein sollte!

Jugendliche

05-2024

Mobbing in der Schule ist nach wie vor ein großes Thema, im echten Leben und online in Form von Cybermobbing: Unabhängig von Schulform und Geschlecht wird in Deutschland laut einer PISA-Studie der OECD aus dem Jahr 2017 jede*r sechste 15-Jährige regelmäßig Opfer von Mobbing an seiner bzw. ihrer Schule.

In diesem Beitrag schildert Elisa ihre eigene, bewegende Erfahrung als Mobbing Opfer: Ihr Fall liegt bereits ungefähr 30 Jahre zurück, doch grundsätzlich hat sich nichts geändert. Viele sagen einfach immer noch „lass dich nicht ärgern“ oder „schlag einfach zurück“. Dass es so einfach nicht ist, berichtet uns Elisa.

Außerdem findest du im Anschluss an das Gespräch mit Elisa konkrete Tipps, wie du Anzeichen von Mobbing bei deinem Kind erkennen kannst, was du tun solltest und wo du Hilfe findest.

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Bild von Anemone123 

Mobbing - Eine wahre Begebenheit

Silke: Liebe Elisa, ich danke dir ganz herzlich, dass du dich für dieses Interview bereit erklärt hast, denn über Mobbing zu sprechen ist nicht leicht und schon gar nicht, wenn man selbst davon betroffen ist, so wie du.

Du bist inzwischen erwachsen, Mutter eines Sohnes und Geschäftsführerin eines Verlags. Dennoch schreibe ich bewusst „betroffen bist“, denn obwohl die Ereignisse schon viele Jahre zurück liegen glaube ich, dass sie immer noch Einfluss auf dein heutiges Leben haben.

 Liebe Elisa, keiner kennt dich so gut wie du dich selbst. Wer ist Elisa?

Elisa: Ich bin Elisa, 37 Jahre alt, ich liebe Musik, Kunst, Fremdsprachen, Bücher und Pferde über alles. Ich bin ein totaler Japanfan, spiele Gitarre, singe für mein Leben gern und habe gefühlt tausend Hobbies, u.a. Handarbeiten.

Ich bin seit 10 Jahren verheiratet, seit 20 Jahren mit meinem Mann zusammen, wir haben einen 9-jährigen Sohn und einen 16-jährigen Hund sowie ein Häuschen mit Garten im Grünen.

Ich bin zwar gelernte Fremdsprachenkorrespondentin für Englisch aber seit 8 Jahren leite ich meinen eigenen Verlag. Die Arbeit im Verlag beinhaltet so ziemlich alles außer Bücher schreiben aber ist mein absoluter Traumjob. Ich helfe sozusagen Büchern auf die Welt.

Ich wünschte mir so sehr jemanden, der mich verstand!

Silke: Das klingt sehr interessant und vielseitig, doch dein Leben war nicht immer so bunt. Als Schülerin warst du ein Mobbing Opfer. Wie fing das bei dir an und was glaubst du, waren die Gründe dafür? 

Elisa: Ich bin in Bulgarien geboren und aufgewachsen. Als ich acht Jahre alt war, kam ich am 21.12.1991 nach Deutschland.  Meine Eltern ließen mich bei meinen Großeltern in Berlin alleine, um sich um den endgültigen Umzug und alles Organisatorische zu kümmern.  Ich konnte kein Wort Deutsch und musste es von meinen Großeltern lernen.

Aus meiner gewohnten Umgebung herausgerissen zu werden und in ein Land zu kommen, das so anders war als das, was ich bisher kannte, war ein Schock für mich: Sprache, Schrift, Mentalität und Klima – alles war anders.

Es machte mich traurig, meine mir bekannte Familie zurück zu lassen. Die deutsche Hälfte der Familie würde ich erst kennen lernen.

Meine Oma brachte mir das lateinische Alphabet bei, denn in Bulgarien schreibt man kyrillische Buchstaben und mein Opa lehrte mich das Rechnen auf Deutsch.
Als Bücherwurm, der ich schon immer war, füllte sich mein Wortschatz zum Glück so schnell, dass ich bereits im August 1992 in die Grundschule gehen sollte.

Dennoch traute man mir nicht zu, direkt in die dritte Klasse einzusteigen und so musste ich „zurück“ in die zweite Klasse, die ich in Bulgarien schon ein halbes Jahr lang besucht hatte. Jetzt war ich die Älteste in der zweiten Klasse.

Mein Papa und ich zogen in den grünen Südosten von Berlin. Ein Stadtteil mit der allerniedrigsten Ausländerquote überhaupt.

Sie machten sich über alles an mir lustig

Silke: Du hast dir unglaublich viel angeeignet während deiner ersten Monate in Deutschland. Eigentlich Grund genug, um stolz auf dich zu sein. Warum war das nicht möglich?

Elisa: Es war nicht möglich, weil es niemanden in meinem Umfeld gab, der das Positive anerkannte. Im Gegenteil – alles an mir wurde „rausgestellt“.

Das Mobbing begann, weil man sich über mich lustig machte, dass ich sitzengeblieben sei. Sie dachten, ich gehörte zu den Kindern, die fachlich nicht gut genug waren – sie wussten nicht, was der eigentliche Grund dafür war, dass ich als Zweitklässlerin schon so alt war.
Die anderen Kinder machten sich darüber lustig, dass ich nicht alles verstand, dass meine Grammatik nicht gut war und dass ich einen fremdländischen Akzent hatte.

Auch, dass ich fast nichts von dem kannte, was die anderen Kinder als Alltag kannten, war Grund genug, mich vorzuführen.

Als neugieriges und wissbegieriges Kind hatte ich Spaß in der Schule. Ich war fleißig und sehr ehrgeizig – auch das fand keinen Anklang bei meinen Mitschülern.

Nach einem Jahr konnte ich zwar nicht alles verstehen, was ich las, doch als Leseratte wurde ich tatsächlich Klassenbeste im Lesen. Ich konnte besser lesen als meine deutschen Mitschüler. Ich war darüber eigentlich nur verwundert aber offenbar fühlten sich die Anderen so vorgeführt, dass sie mich auch aus diesem Grund hassten.

Sie begannen mich zu hänseln und aufzuziehen. „Streber“ war eine der netteren Bezeichnungen, die ich mir gefallen lassen musste.

Neben dem offensichtlichen Schielen wurde festgestellt, dass ich auch Kurzsichtig war und so bekam ich eine dicke fette Brille. Auf dem Rahmen waren rosa Buchstaben – das hatte ich mir so ausgesucht. Das Schielen verschwand zwar nach sechs Monaten, doch kurzsichtig blieb ich. So bot meine Brille eine weitere Angriffsfläche für Hänseleien wie etwa „Brillenschlange“.

Leider war ich grobmotorisch sehr ungeschickt und so wurde ich durch die daraus resultierenden Gemeinheiten doppelt gestraft.

Und dann war da noch mein deutscher Familienname Stulpe, der den anderen zur Verballhornung à la „Stulle“ zuspielte.

Vermutlich spielte es auch eine große Rolle, dass ich sozial unbeholfen war. Woher das kam, stellte sich allerdings erst 2008 heraus, als ich eine Asperger Autismus und ADS Diagnose bekam. Als Asperger Autistin war ich nicht in der Lage, intuitiv gesellschaftliche Regeln zu durchschauen und sie befolgen zu können. Emotionen aus den Gesichtern anderer abzulesen, sowie Körpersprache und Tonfall zu deuten, ist eine große Herausforderung, die mir bestimmt lange nicht gelang.

Erschwerend kam hinzu, dass wir bitterarm waren.
Zunächst lebten wir zu viert auf 64 Quadratmetern im Plattenbau, bis mein Bruder nach einem Jahr auszog.

Silke: Inwiefern hat dich die Zeit in Bulgarien geprägt, bevor du nach Deutschland kamst?

Elisa: Wir waren so arm, dass wir uns nicht einmal Milch leisten konnten.  Ich war froh, wenn ich Kakaopulver bekam, das ich mit heißem Wasser trinken konnte. Warme Mahlzeiten gab es nicht.

In den Sommerferien vor der 2. Klasse arbeitete mein Vater als Aufseher in einer kleinen Galerie in Berlin. Sehr viele Stunden saßen wir dort und ich hatte nur 2 Klappbrote für den ganzen Tag. Mir knurrte rund um die Uhr der Magen. Ich war ohnehin nach Meinung des Kinderarztes mit 10 kg Untergewicht nach Deutschland gekommen.

Im kommunistischen Bulgarien war es uns noch schlechter gegangen. Wir hatten nur wenige Stunden am Tag Wasser und Strom. Essen gab es nur mit Lebensmittelmarken und auch davon war immer zu wenig da. Meine Mundwinkel waren eingerissen, ich war ständig krank.  Kleidung bekam ich von meinen beiden Cousins, die noch in der Nähe wohnten und nur wenige Jahre älter waren.

Selbstverständlich waren auch das „wunderbare“ Anlässe für meine Mitschüler und Mitschülerinnen, um sich über mich lustig zu machen.

Weder von Lehrern noch von meinen Eltern habe ich hier Unterstützung und Hilfe bekommen.

Hilflos und nicht ernst genommen

Silke: Der Hintergedanke dieses Blogbeitrags ist es, Menschen zu sensibilisieren, dass Mobbing leider immer noch ein alltägliches Thema in unserer Gesellschaft ist. Sowohl Eltern möchte ich darin stärken, kleine Anzeichen leichter erkennen zu können und Kindern indirekt dadurch helfen, indem ihre Nöte erkannt werden!

Wie war das bei dir, Elisa, haben deine Eltern davon gewusst, wie sehr du in der Schule gelitten hast? Hast du dich getraut, mit ihnen darüber zu sprechen?

Elisa: Ich war völlig hilflos und wusste mir nicht anders zu helfen, als mit ihnen darüber zu sprechen. Aber entweder war es ihnen egal, oder sie nahmen es nicht ernst.
Gelegentlich sagten sie auch, ich solle es einfach ignorieren – was mir überhaupt nicht gelang. Sie sagten zu mir, dass es sich schon von alleine lösen würde. Für mich war es, als würden sie mich nicht ernst nehmen. Das war besonders schlimm für mich.

Ein einziges Mal sprach meine Mutter mit einer Mitschülerin und der Schule, doch das machte alles danach nur noch schlimmer für mich. Ich habe fast jeden Tag geweint.

Silke: Ich kann mir gut vorstellen, wie alleine gelassen und einsam du dich gefühlt haben musst. Bestimmt ist es so, dass viele Kinder sich nicht trauen, das Thema in der Schule anzusprechen, weil sie befürchten, dass es eh nichts bringt oder sogar noch verschlimmert.

Wie haben die Schule und die Mitschüler auf das Gespräch deiner Mutter reagiert?

Elisa: Eigentlich gar nicht – aber vielleicht lag das auch an meiner Mutter? Sie war zum Hospitieren in der Grundschule und sympathisierte mit einer meiner schlimmsten Mobberinnen!!! Das war grausam für mich. Als ob deren Autounfall, ihr Auslandsaufenthalt und der Drill, dem sie unterlag die perfekte Begründung war, andere wegen u.a. Kleidung zu schikanieren!

Meine Mutter hatte VERSTÄNDNIS. Na klar, dieses Mädchen entsprach so ziemlich ihrer Idealvorstellung einer Tochter – ich scheinbar nicht!

Mögliche Warnsignale richtig erkennen und angemessen darauf reagieren

Silke: Das ist natürlich doppelt schlimm. In meiner Praxis habe ich mit Eltern zu tun, die wollen, dass es ihrem Kind gut geht. Sie leiden selbst sehr darunter, wenn sie das Gefühl haben, dass ihr Kind nicht glücklich ist. In deinem Fall hattest du nicht einmal deine Eltern auf deiner Seite. Das ist sehr schlimm für ein Kind!

Wenn wir davon ausgehen, dass Eltern wollen, dass es ihren Kindern gut geht, was würdest du ihnen raten? Auf welche Zeichen sollten sie achten, woran könnten sie merken, dass ihr Kind möglicherweise gemobbt wird, wenn es sich nicht traut, offen darüber zu sprechen?

Elisa: Sie könnten auf Kleinigkeiten achten, wie zum Beispiel, ob alle Schulsachen heil daheim ankommen. Auch, ob zu Hause Spielsachen oder Geld fehlen. Kommen alle Kleidungsstücke vollzählig wieder heim und sind sie in einem guten Zustand oder möglicherweise kaputt?

Wenn das häufiger passiert, könnte es ein Anzeichen dafür sein, dass andere Kinder die Kleidungsstücke absichtlich kaputt machen.

Oder kommt es gar in seinen Sportsachen wieder heim oder ohne Schuhe? Wird die Brille permanent „vergessen“ oder kommt kaputt nach Hause? Ich wurde oft beklaut, erpresst, in den Dreck geworfen, meine Sachen wurden zerrissen, weggeworfen, versteckt…

Bringt das Kind Essen und/Trinken mit nach Hause? Manchmal will es nicht trinken weil es nicht auf die Toilette gehen müssen will. Oder ist alles leer aber es kommt mit einem übernatürlichen Heißhunger und Durst nach Hause? Dann wurde Essen/Trinken geklaut oder weggeworfen.

Hat das Kind 1000 Gründe warum es nicht in die Schule will? Hat es Freunde? Spielt es oft krank, wenn es ums losgehen geht, aber ist plötzlich kerngesund, wenn es gehört hat, wie die Eltern in der Schule angerufen und es krankgemeldet haben? Musste es „krank“ aus der Schule abgeholt werden, nachdem die Schule angerufen hat, ist dann aber bereits auf dem Weg nach Hause wieder quietschfidel?

Hat es Probleme am Tagesende positive Dinge zu finden, die an dem Tag passiert sind?

Hat es beim Kuscheln Schmerzen und ungewöhnlich viele blaue Flecken und Beulen? Freut es sich über Knochenbrüche und Fieber, weil es dann nicht in die Schule/nach Draußen muss, auch wenn es schlimm wehtut und nicht mehr spielen kann?

Wirkt es apathisch, weggetreten, zuckt ängstlich zusammen, wenn du schulbezogene Dinge ansprechst?

Will es nicht über die Schule reden und kann sich grundsätzlich nicht an das erinnern, was am Tag in der Schule gemacht wurde?

Es gibt so viele Anzeichen, wenn Eltern feine Antennen haben.

Silke: Und wie sieht es in deinem Fall aus? Du hattest nicht die Unterstützung und Hilfe deiner Eltern, was ich unglaublich traurig finde. Ich mag mir gart nicht ausmalen, was alles in dir vorgegangen sein muss.

Was hat das Mobbing mit dir gemacht, was ist dadurch in dir zerbrochen?

Elisa: Das Unbeschwerte. Das Vertrauen in meine Eltern. Der Respekt vor manchen Lehrern.
Die Hoffnung darauf, jemals Freunde zu haben. Der Ehrgeiz in der Schule gut zu sein, weil das selbst im Gymnasium negative Reaktionen mit sich brachte.

Es sind sehr viele Träume zerplatzt, die ich hatte.
Und ich habe sehr viel Spaß bei Hobbies verloren.

Traue dich, dir Hilfe zu holen

Silke: Wie bei anderem Missbrauch auch glaube ich, dass Vieles gar nicht wirklich wahrgenommen wird und die Kinder still vor sich hin leiden. Das macht es mit unter so gefährlich.

Wie können sich Kinder Hilfe holen, wenn ihre Eltern ihnen nicht zur Seite stehen und keinerlei Unterstützung von zu Hause bekommen?

Elisa: In der Schule gibt es Vertrauenslehrer, falls die Klassenlehrer auch mobben (ja, auch das gibt es!). Es gibt den Schulpsychiatrischen Dienst. Die AWO hat manchmal so Sprechstunden. Den Weißen Ring gibt es auch, die sind sehr nett. Auch der Kinderarzt kann einbezogen werden. Und heutzutage gibt es sogar die Nummer gegen Kummer und das Kinder- und Jugend Sorgentelefon

Carsten Stahl von CAMP STAHL, der sich öffentlich gegen Mobbing einsetzt berichtete, dass sich in Deutschland jeden zweiten Tag ein Kind wegen Mobbings das Leben nimmt. Das sind schlimmere Zahlen, als uns das Corona Virus derzeit liefert, doch darüber spricht kaum jemand!

Silke: Liebe Elisa, dein Schicksal hat mich sehr bewegt und ich danke dir unendlich für deine Offenheit. Ich wünsche mir sehr, dass wir beide durch deine Geschichte die Sensibilität für dieses Thema steigern können.

Umso bewundernswerter finde ich es, was du aus deinem Leben gemacht hast.

Im Übrigen ist in deinem Carow Verlag, der ganz im Nordosten Deutschlands angesiedelt ist, ein wunderschönes Kinderbuch von der in Heidelberg lebenden Autorin Dani Vanreusel erschienen. Es ist das Buch: „Euko und die fliegenden Füchse“.

Sechs Warnzeichen bei Mobbing auf einen Blick: Dein Kind ...

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... zieht sich zurück, wirkt niedergeschlagen und antriebslos

... klagt oft über Bauch- oder Kopfschmerzen, schläft schlecht ein und ist appetitlos

... möchte Dinge nicht mehr alleine tun, die es vorher schon konnte, wie z.B. alleine zur Schule oder zum Sport gehen

... gibt häufig an, Sachen verloren zu haben oder Dinge gehen kaputt

... bleibt nachmittags lieber alleine zu Hause und meidet seine „Freunde“ und Klassenkameraden

... wird schlechter in der Schule

Diese acht Dinge sollten Eltern bei Verdacht auf Mobbing tun

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Sprich auf jeden Fall mit den Lehrern

Sei verständnisvoll mit deinem Kind und sprich mit ihm

Biete ihm Hilfe von außen an (Psychologe, Kinder- und Jugendcoach, Sozialer Dienst)

Schreibe ein genaues Mobbing-Tagebuch, in dem du alles festhältst, was deinem Kind passiert

Mach deinem Kind klar, dass es keine Schuld an der Situation hat

Sprich nicht direkt mit den Tätern, denn das schwächt die Position deines Kindes

Stärke das Selbstbewusstsein deines Kindes durch Erfolge außerhalb der Schule

Mobbing: Hier bekommst du Hilfe für dein Kind

Nummer gegen Kummer e.V.

Rufnummer 116111. Der Verein bietet Kinder-, Jugend- und Elternberatung durch ehrenamtliche Experten. Online und über das Notfalltelefon.

Weisser Ring e.V.

Rufnummer 116006. Hilfe für Opfer von Kriminalität und Gewalt, Hilfe auch bei Cybermobbing, Online-Beratung und Hilfe vor Ort.

Forensische Ambulanz Heidelberg

Opfer von Gewalt können sich in Heidelberg an die Forensische Ambulanz der Uniklinik wenden. Wofür genau sie zuständig ist, kannst du hier nachlesen.

Jugendschutz.net

Das Kompetenzzentrum von Bund und Ländern bietet auch Hilfe bei Beschwerden an Provider und Links zu aufklärenden Webseiten.

Bündnis gegen Cybermobbing

Der Verein bietet umfangreiche Aufklärungsangebote, Informationen und Hilfen zum Cybermobbing. 

Zeichen gegen Mobbing e.V.

In Schulen klärt der Verein präventiv über Mobbing auf und bietet Hilfestellungen in akuten Fällen an. Bundesweit steht Zeichen gegen Mobbing Betroffenen, Eltern und Lehrkräften mit Empathie und Fachwissen zur Seite.

In diesem Interview ging es ausschließlich um Mobbing in der Schule. Durch die Digitalisierung hat Mobbing jedoch  eine ganz andere Dimension angenommen: Per Smartphone, über soziale Netzwerke und über E-Mail gibt es keine Grenze mehr, die das Mobbing nur auf die Schule beschränkt. Die Hemmschwelle ist deutlich gesunken, weil viele Mobber im Netz unerkannt bleiben. Die Anzahl potentieller Mobber ist dadurch gestiegen. Bei Cybermobbing hilft auch kein Schulwechsel mehr.

Und wie in jedem Bereich des Missbrauchs, trauen sich die Opfer sehr oft nicht direkt darüber zu sprechen. Mobbing kann überall dort entstehen, wo größere Menschengruppen zusammen sind. Was in der Schule beginnt, geht am Arbeitsplatz oft weiter. So sollten Lehrer eigentlich Experten sein, um gegen Mobbing vorzugehen, doch leider fallen auch sie immer wieder selbst Mobbing zum Opfer.

Ich hoffe, ich konnte dich mit diesem Beitrag für das Thema Mobbing sensibilisieren und dich ermutigen, dir gegebenenfalls Hilfe für dich und dein Kind zu holen. Schreib' mir gerne falls du noch Fragen zum Thema Mobbing oder Feedback zu diesem Beitrag hast.

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Ich bin Silke Krämer.

Kinder- und Jugendcoach Professional, NLP Master und Coach, EMDR Traumatherapeutin und Gymnasiallehrerin

Ich helfe Familien, wenn es Schulstress gibt und daheim die Fetzen fliegen. Außerdem unterstützte ich Mütter und Väter dabei, sich den Herausforderungen des Familienlebens selbstbewusst zu stellen.

Als Trainerin für Reflexintegration helfe ich deinem Kind, damit ihm die Schule bei Konzentrations­schwächen, Lern- und motorischen Problemen leichter fällt.

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