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Bildschirmzeit für Kinder: So findest du einen guten Umgang damit.

Bildschirmzeit für Kinder: So findest du einen guten Umgang damit.

Kirsten Götzinger

07-2022

Wer von uns hat das Gefühl, er sollte seine Bildschirmzeit reduzieren?

Wer von uns hat das Gefühl, dass seine Kinder weniger Zeit vor elektronischen Geräten verbringen sollten?

Und wer von uns möchte gerne einen Nachschlag von der Lieblingsspeise?

Ganz genau: wir alle! Von angenehmen Dingen können wir nur schwer genug bekommen.

Das Thema ist genauso anstrengend wie alltäglich: Ein Medien-Fahrplan und Regeln führen schließlich oft zu Gemecker und Augenrollen, wenn angekündigt wird, dass der Fernseher, das Handy, oder die Computerspiele nur zu bestimmten Zeiten genutzt werden dürfen.

Ich kenne das.

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Bild von Victoria_Art

Viereckige Augen oder Spielverderber?

Und genau deshalb mache ich mir so viele Gedanken dazu. Gerade jetzt zur Sommerferien-Zeit, wenn es so viel Freiheit und scheinbar endlose Möglichkeiten gibt, ist es als Eltern oft schwer, für unsere jüngeren Kinder tolle Beschäftigung zu bieten und für unsere älteren Kinder die Balance zwischen Unabhängigkeit und ‚Aufpassen‘ zu finden.

Wenn auch du dich oft in der Situation siehst, dass du dir als ‚Spielverderber‘ vorkommst, weil du schon wieder ermahnst, dann können dir die folgenden Tipps hoffentlich helfen.

Die tolle Seite des Internets

Zuerst einmal möchte ich ganz klar sagen, dass Medien generell nichts Böses sind.

Zugang zum Internet kann etwas ganz Tolles sein: Unglaublich viel Wissen ist in Sekunden erreichbar, man kann blitzschnell mit Freunden auf der ganzen Welt kommunizieren, mit der Oma ein Bild vom letzten ausgefallenen Milchzahn teilen, Geschichten und Welten erkunden, denen man sonst nie begegnet wäre und und und… es kommt also ganz klar darauf an, wie wir mit all dem umgehen!

Es ist ein bisschen so wie der Straßenverkehr – das System ist toll und hilft uns allen, schneller irgendwo hinzukommen. Aber auch wenn Ampeln meist klasse funktionieren, so ist es ratsam, auch bei grün nicht einfach loszurennen, sondern die Augen offen zu halten.

Verstehst du was ich meine?

Mama, warum bist du schon wieder am Handy?

Als mein jüngster Sohn mich vor ein paar Tagen gefragt hat, warum ich denn schon wieder am Handy und an meinen Mails sei, ist mir dann die (zugegeben etwas unangenehme) Wahrheit aufgefallen: ich muss und möchte meinen Kindern den gesunden Umgang mit digitalen Medien vorleben. Nur dann kann ich erwarten, dass auch sie diese Welt aufmerksam und vernünftig erkunden.

Wenn ich mich jeden Abend vor den Fernseher schmeiße und unzufrieden rumschalte, nur um mich abzulenken bis es Zeit ist, ins Bett zu gehen, dann darf ich mich eigentlich auch nicht beschweren, wenn meine Söhne ihre Computerspiele zur Betäubung nach einem anstrengenden Schultag nutzen.

Tipps für den Alltag

Im Alltag heißt das für mich konkret, dass ich aufpasse, wann ich welche Geräte benutze:

  • Ich mache mir Zeiten, in denen ich E-Mails auf dem Handy außerhalb der Arbeit beantworte, anstatt auf jede blinkende Meldung zu reagieren.
  • Wenn ich etwas auf meinem Tablet oder Handy schauen oder lesen möchte, setze ich mich damit hin wie mit meinem Buch, anstatt zwischen Tür und Angel zu tippen.
  • Ich treffe die bewusste Entscheidung, jetzt einen Film zu schauen, statt mich aus Prinzip abends vor den Fernseher zu hocken.
  • Ich versuche es zu vermeiden, direkt vor dem Einschlafen das Handy zu nutzen.
  • Anfangs waren es wir, die die Regel aufgestellt haben, dass keine Handys bei gemeinsamen Mahlzeiten am Tisch sind - inzwischen sind die Kinder der höchste Wächter dieser Regel. Das gilt sowohl für Mahlzeiten zu Hause als auch außer Haus.

Klappt das immer? Manches besser, manches schlechter: Aber ganz ehrlich, wenn ich mich an diese Regeln halte, dann fühle ich mich besser und das nicht nur, weil ich meinen Jungs ein Vorbild sein kann.

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Bild von Victoria_Art

Bildschirmzeit: Verbote oder Regeln?

Ich finde ein Medien-Verbot als Strafe ziemlich unsinnig- ebenso wenig Bonus Spielzeit als Belohnung. Ich wende in meiner Erziehung bei meinen eigenen Kindern keine Bestechung an. Außerdem erschließt sich mir der direkte Zusammenhang zwischen guten Schulnoten und Computerspielzeit nur mäßig.

Ich lege großen Wert darauf, dass meine Kinder meine Entscheidungen verstehen können - auch, wenn sie sie nicht immer mögen.

Als verantwortungsvolle Mama oder Papa muss man selbstbewusst genug sein und hinter unpopulären Entscheidungen stehen. Erziehung ist nicht immer einfach. Es fordert ein großes Maß an Selbstdisziplin und wohl überlegten Entscheidungen. Ein NEIN aus Fürsorge und Verantwortungsbewusstsein bin ich meinem eigenen Anspruch als gute Mutter schuldig.

Das beinhaltet für mich eine Einschränkung der Bildschirmzeit und eine bewusste Auswahl erlaubter Spiele. Ich lasse keine Ego-Shooter Spiele zu und auch am Wochenende ist die Zeit nicht unbegrenzt. Ich vermeide es, einen Zusammenhang zwischen Schule/Leistung und Medienkonsum herzustellen.

Klar, leidet die Leistung meist unter exzessiver Nutzung, doch ist das nicht DER Grund, warum ich die Bildschirmzeit einschränke. Da spielen für mich noch ganz andere Faktoren eine Rolle, wie z.B. die perfekte Programmierung dieser Spiele im Hinblick auf das Belohnungsprinzips. Auf Belohnung springt das menschliche Gehirn sofort an.

Ist das Gehirn darauf konditioniert, ist es kaum verwunderlich, dass Anstrengungsbereitschaft und klassisches Lernen, wie es in der Schule stattfindet, unattraktiv sind. Das Gehirn ist schließlich einen anderen Umgang gewohnt.

Die konsequente Umsetzung eines Medienfahrplans in der Familie steht und fällt mit dem Selbstbewusstsein der Eltern zu einem NEIN zu stehen und der Bereitschaft, die Konsequenzen, die aus dem Nein resultieren, zu ertragen.

Diese Forderung stellt die moderne Elternschaft an uns.

Haben Eltern in ihrer eigenen Kindheit gelernt immer gefallen zu müssen oder waren sie selbst sehr angepasste Kinder, wird es ihnen als Erwachsener noch schwerer fallen, konsequent zu ihrem Nein zu stehen.

Bei aller Anstrengung: Mit Spaß geht’s leichter!

Ich möchte nicht, dass meine Kinder das Gefühl haben, dass Medien bei uns verteufelt werden. Wie wir alle wissen, ist Verbotenes gerade für junge Leute ziemlich reizvoll und es gibt ja auch wirklich tolle Sachen, Spiele, Medien da draußen! (Kleiner Spoiler: Mehr dazu im nächsten Blogbeitrag im September.)

Ich finde also, wir können uns als Eltern hier auch ein bisschen zurücklehnen und zum einen unseren Kindern vertrauen, dass sie ganz schön schlau sind und auch in der digitalen Welt zurechtkommen. Und zum anderen können wir uns daran erinnern, dass die Hauptsache ist – im Leben generell und online – Spaß zu haben.

In meiner Kindheit haben sich die Erwachsenen immer darüber beschwert, wie unmöglich es ist, dass alle Kinder Comics statt Büchern lesen. Und heute beschweren wir Alten uns eben darüber, dass die Jungen vor dem Bildschirm sitzen anstatt vor dem guten alten Comic. 😉

Wenn also mal vielleicht drei Harry Potter-Filme am Stück geschaut werden in den großen Ferien, aber das mit viel Genuss, dann ist auch das wunderbar! Am besten natürlich, ihr schaut gemeinsam mit euren Kindern (die Filmauswahl überlasse ich allerdings euch).

Ich wünsche dir und deinen Kindern einen entspannten Sommer voller neuer Entdeckungen – in der echten und der digitalen Welt!

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Ich bin Silke Krämer.

Kinder- und Jugendcoach Professional, NLP Master und Coach, EMDR Traumatherapeutin und Gymnasiallehrerin

Ich helfe Familien, wenn es Schulstress gibt und daheim die Fetzen fliegen. Außerdem unterstützte ich Mütter und Väter dabei, sich den Herausforderungen des Familienlebens selbstbewusst zu stellen.

Als Trainerin für Reflexintegration helfe ich deinem Kind, damit ihm die Schule bei Konzentrations­schwächen, Lern- und motorischen Problemen leichter fällt.

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Noten: Leid oder Freud? Zeugnis-Zeit

Noten: Leid oder Freud? Zeugnis-Zeit

Kirsten Götzinger

06-2022

Vor einigen Tagen habe ich einen Bericht im Radio gehört, in dem es um das Thema Grundschule ohne Noten ging. In Baden-Württemberg soll es 39 Modellschulen geben, die ab dem nächsten Schuljahr (SJ 22/23) ohne Noten arbeiten werden. Der Versuch soll wissenschaftlich begleitet werden. Experten und Politiker wägten bedacht ab, diskutierten hin und her und beleuchteten alle möglichen Seiten des Themas. Als die Sendung vorbei war, hatte ich gemischte Gefühle:

 

Auf der einen Seite fielen mir all die vielen Kinder aus meiner Coaching Praxis inklusive deren Mütter ein, die so sehr unter dem Notendruck litten: Kinder mit Schulangst, endlosem Familienstress und Diskussionen wegen Stunden vereinnahmenden Hausaufgaben, Kummer um schlechte Noten, das Gefühl, nicht gut genug zu sein, schlechter als die Freundin zu sein …. die Liste ist lang. Und da dachte ich mir: Warum nur 39 Schulen? Schade, dass es nicht mehr sind und wie cool wäre es, wenn mein Sohn nächstes Jahr auf genau so eine Schule gehen könnte.

Andererseits kamen mir zwei Einwände: Erstens, wie soll man die Kinder denn dann zum Lernen bringen, wenn sie keine Noten bekommen - obwohl sie theoretisch nicht für die Schule und die Noten, sondern fürs Leben lernen sollten (*räusper*)? Zweitens, wie bekommen Eltern die Gewissheit, dass ihre Kinder auf dem notwendigen Lernstand sind?

In meiner Praxis begegne ich genau diesen beiden Sorgen häufig. Überwiegend Mütter haben sie, da sie sich in der Verantwortung sehen, dem Kind einen guten Schulabschluss angedeihen zu lassen.

2 Mädchen beugen sich über ein Buch und lernen.

Bild von svklimkin  

Wenn auch euch in deiner Familie das Thema Noten oft in die Quere kommt, dann habe ich im Folgenden einige Gedanken für dich zusammengetragen, die ich aus meiner persönlichen Erfahrung als Mutter und meinen beruflichen Erfahrungen als Coach und als Gymnasiallehrerin gesammelt habe.

Noten: ein unvermeidbarer Bestandteil des Groß-Werdens

Das Fieseste an Noten ist wohl ihre Unvermeidbarkeit: Jedes Jahr aufs Neue muss ein Kind sich in der Schule vor Erwachsenen und Mitschülern beweisen. Ab dem Schuleintritt beginnt das große Vergleichen. Das führt unweigerlich dazu, sehr viel „im Außen“ zu sein. Schon sechs oder siebenjährigen Kindern wird von unserer Gesellschaft abverlangt, die Leistung zu erbringen, die für alle GLEICH vorgesehen ist - und das, obwohl in diesem Alter gar NICHT alle GLEICH sind. Das ist schon ordentlich.

Und gleichzeitig bietet sich für uns als Eltern eine große Chance, unseren Kindern wirklich etwas beizubringen. Schließlich wird man sein ganzes Leben lang von anderen bewertet oder beurteilt. Klar, im Job mag das nicht mehr so direkt sein wie mit Noten in der Schule und in sozialen Situationen hat man hoffentlich meistens eher ein Verhältnis auf Augenhöhe (das zwischen Lehrern und Schülern leider selten der Fall ist). Doch hier können unsere Kinder gleich lernen: eine externe Bewertung, in diesem Fall Noten, sind kein objektives Messinstrument dafür, wie viel ich kann oder gar wie viel ich wert bin! Um das lernen zu können, braucht es eine feinfühlige und liebevolle Begleitung durch Lehrer und Eltern. Weil die meisten Lehrer Teil des Systems sind, tragen die Eltern den Löwenanteil.

Allerdings kann die Erwartungshaltung der eigenen Eltern im Weg stehen, die es Eltern erschwert, mit dem Thema Noten unbeschwert umzugehen.

Die Probleme mit der Bewertung nach Noten

Für uns als Eltern war es bis zum Schuleintritt völlig klar, dass sich jedes Kind in seinem individuellen Tempo entwickelt.

Ab diesem Zeitpunkt scheinen es viele Eltern leider schlagartig zu vergessen. Sie wünschen sich (verständlicherweise) nichts sehnlicher, als dass ihr Kind mithalten kann und „nicht unter geht“. Dadurch ist es dann plötzlich nicht mehr OK, wenn es langsam - langsamer - zu langsam ist -  und es wird erwartet, dass alle das Gleiche können und sich gleich schnell entwickeln. Zusätzlich wird das gleiche Ausgangsniveau vorausgesetzt. Noten suggerieren, alle Kinder hätten die gleichen Chancen (z.B. ein ruhiges Lernumfeld zuhause). Leider ist das nicht der Fall und dadurch werden Noten zu einem ungerechten Spiegel dessen, anstelle einer echten Leistungsbewertung des Kindes.

Sie sind eine Momentaufnahme der Prüfungssituation. Derjenige, der es am besten schafft, in diesem Moment das zu zeigen, was der Lehrer hören will, bekommt eine gute Note. Hat das Kind die Partizipialkonstruktion hingegen erst zwei Wochen nach der Klassenarbeit verstanden und ist jetzt ein echter Meister, kann es das nicht mehr zeigen und der vorherige Misserfolg fließt in die Endjahresnote ein - nicht jedoch seine Lernentwicklung und sein Fortschritt.
Außerdem wird die Persönlichkeit des Kindes in diesem System kaum bis gar nicht einbezogen: Ist es schüchtern und kann sich deshalb mündlich nicht so gut einbringen?

All diese Erfolge und Hürden werden in diesem System nicht erkannt und deshalb auch nur selten belohnt. Kein Wunder, dass Kinder dann frustriert und lustlos lernen.

 

Darüber hinaus brauchen unterschiedliche Berufe andere Fähigkeiten. So haben ja zum Beispiel Rechts-, Wirtschafts-, Gesellschafts- und Sozialwissenschaften alle einen Numerus Clausus. Doch die Anforderungen, die im Berufsalltag gestellt werden, sind völlig unterschiedlich. Ein Arzt sollte auf jeden Fall empathisch sein, für einen Rechtswissenschaftler ist das jedoch nicht unbedingt in besonderem Maße erforderlich. Den unterschiedlichen Anforderungen wird alleine durch eine gute Abitursnote nicht Rechnung getragen.

Ich weiß: für jeden gibt es in dieser Welt einen richtigen Platz an dem man sich wohl fühlt, gute Noten hin oder her.

Was tun als Eltern?

Wie so oft bei gesellschaftlich bedingten Ungerechtigkeiten bleibt uns als Eltern also nur eines übrig: Die innere Arbeit machen!

Für mich heißt das konkret, dass ich mir immer wieder deutlich mache, welchen Stellenwert Noten haben.

Ich weiß: Was mein Kind später im Leben erreichen kann, wie schlau oder zielstrebig es ist, das zeigt sich nicht in den Noten. Das zeigt sich in der Persönlichkeit: Darin, wie neugierig mein Sohn neue Dinge über das Computer Programmieren lernen möchte, wie groß seine Anstrengungsbereitschaft ist, dass er gelernt hat, Verantwortung für sich und sein Handeln zu übernehmen oder wie lieb sein Bruder mit ihm Spielsachen teilt.

 

Der Schulweg ist lange und wenn ein Kind bereits in der Grundschule so frustriert ist, dass es nur noch Negatives mit der Schule verbindet, wird es ein harter Weg werden. Das wünscht man keinem Kind.

Statt dem Kind zusätzlichen Druck zu Hause zu machen, ist es unerlässlich, dem Kind schrittweise mehr zuzutrauen und ihm Verantwortung zu übergeben. Dass wir als Eltern trotzdem da sind, wenn es nach Hilfe fragt, ist ja klar!

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Bild von Juraj Varga

Konkrete Tipps für euren Alltag

Ich gebe mir sehr Mühe, im Alltag nicht zu viel Fokus auf die Noten zu legen. Obwohl ich natürlich neugierig bin, frage ich nicht immer wieder „und, habt ihr die Arbeit schon zurück?“. Und genauso wie schlechte Noten nicht bestraft werden, werden gute Noten nicht übermäßig belohnt, um dem ganzen Thema an Bedeutung zu nehmen. Klar, wir freuen uns gemeinsam darüber – schließlich ist eine gute Leistung ja was Tolles. Ich möchte es auch unterstützen, dass mein Ältester zum Beispiel super im Unterricht aufpasst und deshalb ohne viel Lernen gute Noten schreibt. Doch ist es mir wichtig, dass er das aus eigener Motivation tut, da er sich an mehr Freizeit mit schönen Dingen erfreut und nicht, weil er muss und von außen Druck verspürt. Sein Selbstwert und seine Zuversicht im Leben sollen darauf aufgebaut sein, wer er als Mensch ist und weil er Dinge tut, die seinem Herzen Freude bereiten.

 

Wenn du also das Gefühl hast, dass dein Kind sich von diesem Druck beeindruckt ist und vielleicht sogar schlechte Noten als Versagen sieht, dann sprich gerne offen mit ihm darüber, was so ein Zeugnis wirklich bedeutet. Schreibt gemeinsam die Stärken eures Kindes auf (auch wenn das zuerst kitschig oder übertrieben vorkommt) und richtet bewusst den Blick auf all das, was du an deinem Kind toll findest. Mache deinem Kind bewusst, dass auch der Einser Schüler nicht immer glücklich ist und auch seinen eigenen Rucksack an Problemen mit sich trägt.

 

Ob Motivation durch gute Noten, Geld oder beispielsweise mehr Zeit mit dem neuesten Computerspiel als Belohnungsprinzip funktioniert, hängt stark vom Persönlichkeitstyp des Kindes ab. Die einen finden es super, die anderen verspüren hierdurch nur noch mehr Druck. Als Extrembeispiel kannte ich eine Familie, in der die Oma bestimmte Geld-Beträge für beste Noten verteilt hat. Ich muss sicher nicht sagen, was für eine Rivalität und Leistungsdruck die Enkel hierdurch verspürt haben.

 

Und auch im Vergleich mit Mitschülern sollten Kinder lernen, in der Schule die Stärken der anderen zu sehen, statt sich in Konkurrenz zu sehen. Schließlich möchten wir als Eltern ja auch lieber mehr soziales Miteinander statt Ellenbogen Einsatz. Der Misserfolg einer schlechten Note ist im Netzwerk eines ausgeglichenen, glücklichen Kinder-Lebens einfacher zu verkraften, als eine schlechte Note, die für das Kind komplettes Versagen bedeutet. So darf ein gemeinsames Eis essen am Zeugnistag eine Feier eines wichtigen Schrittes sein, viel mehr als eine Belohnung für bestimmte gute Noten!

Wie unterstütze ich mein Kind in seinem Wachstum?

Obwohl Schulen die Noten wohl kaum in der nächsten Zeit komplett abschaffen werden, um sie durch faire Berichte zu ersetzen, können wir unsere Kinder in ihrer persönlichen Entwicklung unterstützen. Macht keine große Sache aus dem Zeugnis. Reflektiere viel eher mit deinem Kind, was es alles gelernt hat und konzentriert euch so auf das sogenannten ‚growth mindset‘, also die ‚Wachstums-Einstellung‘. Das wird in vielen Ländern und von vielen sehr erfolgreichen Leuten so praktiziert. Wie habe ich gelernt, was hat mir geholfen, was kann ich wiederholen? Was hat gut funktioniert, was will ich lieber lassen, was waren meine Highlights in diesem Jahr? All diese Sachen können wir natürlich auch im gemeinsamen Coaching durcharbeiten und herausfinden, wie ihr diese positive und erfolgsorientierte Herangehensweise in euren Alltag integrieren könnt!

 

Denn letztendlich ist mir als Mutter vor allem eines wichtig: dass die Kindheit meines Kindes schön und frei ist, ohne Nachmittage mit stundenlangem Sitzen und Aufgaben machen (es sei denn, das ist der Herzenswunsch eines kleinen Bücherwurms 😉 ). Für die gesunde Entwicklung von Kindern ist es essentiell, dass sie sich viel bewegen, ihrer Kreativität und ihrem Entdeckergeist freien Lauf lassen und sie nicht immer nur in die Anpassung gezwungen werden. Ein ausgeglichenes Leben spiegelt sich nicht zwangsläufig in einem ausgeglichenen Zeugnis wider und das möchte ich meinen Kindern vorleben!

Hier noch einmal meine Tipps

  • Gib Noten keine zu große Bedeutung - weder durch überschwängliches Lob, noch durch Bestrafung.
  • Erkläre deinem Kind das Prinzip des „growth-mindset“.
  • Sprich mit deinem Kind über Werte und worauf es noch im Leben ankommt.
  • Reflektiert gemeinsam die Note: Was hat gut geklappt, was hat mir geholfen, was kann ich beim nächsten Mal anders machen?
  • Hinterfrage dein Belohnungsprinzip.
  • Lass deinem Kind seine Individualität und hilf ihm dabei, in dem vorgegebenen System zurecht zu kommen.
  • Verbringe mit deinem Kind nicht nur Zeit beim Lernen, sondern macht schöne Sachen zusammen.
  • Wenn du Wert auf entspannte und harmonische gemeinsame Familienmahlzeiten legst, dann frag dein Kind dort nicht über anstehende Arbeiten und noch ausstehende Pflichterfüllung aus, wenn es nicht von sich aus von der Schule erzählen mag.
  • Motiviere dein Kind, sich mit Freunden zu treffen und möglichst viel Zeit Draußen zu verbringen.

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Ich helfe Familien, wenn es Schulstress gibt und daheim die Fetzen fliegen. Außerdem unterstützte ich Mütter und Väter dabei, sich den Herausforderungen des Familienlebens selbstbewusst zu stellen.

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Reflexintegration Kritik – Welcher Weg ist der Richtige für mein Kind?

Reflexintegration Kritik – Welcher Weg ist der Richtige für mein Kind?

Kirsten Götzinger

04-2022

Vielleicht hast du dich bereits mit vielen verschiedenen Wegen und Methoden auseinandergesetzt, deinem Kind zu helfen und es bestmöglich in seiner Entwicklung unterstützen. Du hast dich möglicherweise mit Ratgeberliteratur und den unerschöpflichen Informationen im Internet beschäftigt oder sogar schon Expertenrat eingeholt. Wahrscheinlich hast du auch bemerkt, dass es nicht DEN goldenen Weg gibt, der frei von jeder Kritik ist. Das muss auch nicht sein - denn Kritik kann uns dabei helfen die Dinge richtig einzuordnen, jedoch kann sie uns auch verunsichern. Wer hat den nun recht?

Nun aber zum Thema: Heute möchte ich über meine Erfahrung mit Kritik an der Reflexintegration schreiben. Als Pädagogin und Coach mit einer Spezialisierung in genau diesem Bereich glaube ich natürlich, dass dieses Training unglaublich hilfreich sein kann. Denn ich habe zahlreiche Fälle erleben und begleiten dürfen, bei denen die Reflexintegration Kindern mit Lern- und Verhaltensschwierigkeiten (und damit auch ihren Eltern) geholfen hat. Gleichzeitig sehe ich die konstruktive Kritik an dieser Methode als Chance, von dieser Kritik zu lernen.

Aller Anfang ist schwer: Vielfalt an Wegen und Kritik

Vorweg eines: keine behandelnde Maßnahme, sei sie noch so wissenschaftlich erprobt und geprüft, kann 100%ige Heilung garantieren. So ist es auch mit dem Training der Reflexintegration. Jedes Kind hat einen anderen Weg hinter sich und vor sich und oftmals sind es tatsächlich mehrere Lösungen, die gemeinsam Hilfe bringen. An all die Eltern, die dies auf der Suche nach Erleichterung lesen: Gebt nicht auf!

Im Chaos von tausenden Ratschlägen und Wegen ist auch eurer bzw. der eures Kindes dabei. Ob es sich bei euren speziellen Fragen um ein Problem mit den frühkindlichen Reflexen handeln könnte, kannst du in diesem kostenlosen Onlinecheck herausfinden. Und eines kann ich mit Sicherheit aus Erfahrung sagen: allein schon, dass ihr hier seid und euch mit den Problemen eures Kindes auseinandersetzt, ist unglaublich viel wert!

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Reflexintegration Kritik: Die wichtigsten Punkte

Bei all den Angeboten, die es von Psychologen, Coaches, Therapeuten, Ärzten und allen anderen gibt, ist es schwer den Überblick zu behalten. Gerade, wenn die Symptome eines Kindes körperliche und psychische Beschwerden vereinen, scheint es unmöglich, einen roten Faden zu finden, der auch Hinweis auf eine Lösung geben kann.

Um in dieser Verwirrung etwas Klarheit zu schaffen, möchte ich im Folgenden einige Kritikpunkte der Reflexintegration ansprechen, die mir im Alltag häufig begegnen:

  1. Kritikpunkt: Warum ist der Bereich der Reflexintegration so breit ausgelegt? Warum kann man die Symptome nicht genau definieren?

Schon oft habe ich von verblüfften Kritikern die Frage gehört, weshalb denn die Symptome, die auf verbleibende frühkindliche Reflexe hinweisen, so breit ausgelegt seien. Das ist tatsächlich so: alles, von Bauchschmerzen, bis hin zu Konzentrationsschwierigkeiten oder unruhigem Verhalten, könnte mit den Reflexen zusammenhängen.

Dass es hier keinen Zusammenhang gibt, der einer direkten Kausalität unterliegt, ist einfach zu erklären: schließlich wissen wir alle, dass gerade langfristige gesundheitliche »Störungen« oft mit tieferen Ursachen zusammenhängen und nicht so einfach zu erklären sind wie ein blauer Fleck bei angehauenem Ellenbogen.

Die gute Nachricht: hängen die Symptome deines Kindes mit verbleibenden frühkindlichen Reflexen zusammen, so kann die Methode bei allen Problemen gleichzeitig helfen.

  1. Kritikpunkt: Woher weiß ich, dass Reflexintegration für mich und mein Kind geeignet ist, obwohl es so wenige wissenschaftliche Studien dazu gibt? Werfe ich mein Geld hier nicht zum Fenster raus, weil die Methode nicht nachweislich erprobt ist?

Diese Skepsis kann ich sehr gut verstehen. Doch stimmt bei aller Kritik auch dieses: Wie jeder mit seltenen Allergien oder Beschwerden weiß, sind Studien, Berichte und Medikamente vor allem dort zu finden, wo die Pharmaindustrie und Medizin viel Geld verdienen können.

Ein Mangel an Studien bedeutet also nicht, dass Methoden, wie die Reflexintegration, nichts wert sind, sondern in erster Linie tatsächlich erst einmal, dass es wenig industrielles bzw. wirtschaftliches Interesse an Forschung in diesem Bereich gibt.

Neben einer pädiatrischen Früherkennungsuntersuchung, bei der nur einige Reflexe überprüft werden, die auf neuronale Schäden hinweisen, sind frühkindliche Reflexe in der Allgemeinmedizin weitgehend nicht bekannt. Zudem ist das Verschwinden der Symptome auch bei den wissenschaftlich erprobtesten Methoden nie zu 100% garantiert: Meiner Erfahrung nach ist eine ausführliche Beratung und das eigene Vertrauen auf den gesunden Menschenverstand bei jeder Anwendung anzuraten – und dies wird dir auch zeigen, ob Reflexintegration für euch der richtige Weg ist.

  1. Kritikpunkt: Woher weiß ich, dass Reflexintegration meinem Kind nicht schadet, wenn es (noch) so wenige wissenschaftliche Evidenz für Verbesserungen und Erfolg gibt?

Auch hier kann ich beruhigend sagen: Höre auf dein Bauchgefühl. Wenn Methode XYZ von einem bestimmten Wissenschaftler, Arzt oder einer öffentlichen Stimme, der du folgst, verteufelt wird, setze dich nach einem tiefen Atemzug damit auseinander. Bietet diese negative Stimmen außer Kritik auch eine alternative Lösung an? Oder schürt sie eher Panik? Und Panik ist offensichtlich im Falle von Eltern und Kindern auf der Suche nach Hilfe nicht hilfreich.

Ein erster Hinweis ist für mich, ob es sich bei dem in Frage gestellten Ansatz um einen sanften und kinderfreundlichen handelt – und das ist bei der Reflexintegration der Fall! Und darüber hinaus verbessert es gleichzeitig die Bindung zwischen dir und deinem Kind, wenn ihr es richtig ausführt. Wenn ihr euch bei der Person, die euch bei dem Training unterstützt wohl fühlt, ist das schonmal ein guter Schritt in die richtige Richtung.

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Trotz Kritik: Ende gut, alles gut - der Weg zur Besserung

Zwischendurch ganz flapsig formuliert: Wenn es eurem Kind hilft, dass ihr morgens drei Mal auf einem Bein hüpft und ein Liedchen singt, macht es dann einen Unterschied ob dies wissenschaftlich erprobt ist oder nicht?

Aber Spaß beiseite: In meinen vielen Jahren Arbeit sind mir zahlreiche Kinder und Eltern begegnet, denen ich mit Reflexintegration helfen durfte und konnte. Unser westliches Medizinsystem konzentriert sich oft stark auf schwarz-weiße Lösungen und Durchschnittswerte, die in vielen Fällen nicht das komplexe Zusammenspiel von Psyche, Geist und Körper erfassen können.

Kann ich hier aufschreiben, wie viel positive Veränderung meiner Patienten durch die Reflexintegration kam und wie viel durch eine liebevolle, angstfreie Zuwendung zu den Problemen des Kindes und seinem Umfeld? Nein. Aber Besserung gab es definitiv und das ist das Wichtigste für alle Beteiligten!

Im Vordergrund jeder Kritik sollte also die Frage stehen, ob sie hilfreich ist.

Wir können, als Helfende und als Eltern, immer nur aus dem besten Gewissen heraus handeln und darauf vertrauen, dass aufmerksame und angstfreie Zuwendung den nächsten Schritt auf dem Weg zur Verbesserung bringt.

Das sehe ich persönlich als Schlüssel meiner Arbeit … und ob dieser Schritt zur positiven Veränderung durch Reflexintegration erfolgt, diese Antwort ist so individuell wie du und dein Kind. Gerne begleite ich euch mit meinem Wissen und meiner Erfahrung!

Es ist gut, dass du dich kritisch mit der Reflexintegration auseinandersetzt. Denn es muss doch einen Weg geben, wie du dein Kind bestmöglich unterstützen kannst.

Vielleicht möchtest du dich noch intensiver mit dem Thema frühkindliche Reflexe und Reflexintegration beschäftigen? Hier habe ich eine Liste mit Büchern und anderen Publikationen für dich zusammengestellt. Antworten auf die häufigsten Fragen findest du auch in meinem Blogartikel 22 Fragen zur Reflexintegration und frühkindlichen Reflexen.

Solltest du im Netz oder in einer Bibliothek auf weitere interessante Veröffentlichungen stoßen, würde ich mich freuen, wenn du sie mit mir teilst. Gerne per E-Mail oder Kommentar zu diesem Artikel!

Meine Tipps zum Weiterlesen

Buchempfehlungen

Greifen und BeGreifen
von Sally Goddard Blythe | 2004
Leseprobe (Link zur Verlagsseite)

Neuromotorische Unreife bei Kindern
von Sally Goddard Blythe | 2016
Leseprobe (Link zur Verlagsseite)

Bewegungen, die heilen
von Dr. Harald Blomberg | 2015
Leseprobe (Link zur Verlagsseite)

Entdeckungsgeschichte frühkindlicher Reflexe
Unter Betrachtung der historischen Entwicklung der Reflexlehre
von Claudia Kotter | 2015
Link zur Verlagsseite

Wieder im Gleichgewicht
von Christine Sieber, Dr. Carsten Queißer | 2019

Flügel und Wurzeln
von Dorothea Beigel | 2003

Watch Me Grow: A Unique, 3-Dimensional Week-by-Week Look at Your Baby's Behavior and Development in the Womb
von Stuart Campbell | 2004

Beiträge, Interviews und Videos im Netz

Fallbeispiele zu den Auswirkungen frühkindlicher Reflexe in der Kinder- und Jugendpsychatrie
von Dr. med. Ralph Meyers | Link

Frühkindliche Reaktionen: Wie Tonische Labyrinth Reaktion, MORO Reaktion, Fechterstellung, Symmetrisch Tonische Nacken Reaktion die Entwicklung Ihres Kindes beeinflussen.
Von der Deutschen Gesellschaft für neurophysiologische Entwicklung e.V. | Link

Reflexintegration Kritik

Walker, B.: „Reflexintegration“ als Behandlungsansatz für Lern- und Verhaltensschwierigkeiten von Kindern? | Link

Wissenschaftliche Publikationen

Vojta V, Schulz P.: Die Wirkung der Aktivierungssysteme der Reflexfortbewegung auf die gestörte posturale Ontogenese. Sozialpädiatrie. 1989; 11:752–757 4.

Vojta V.: - Die Posturale Ontogenese als Basis der Entwicklungsstörungen. Monatsschrift Kinderheilk. o.J.; 141:639–642 5.

Bobath K.: Spastizität – Ein Problem bei der Behandlung von Patienten mit Läsionen des oberen motorischen Neurons. Vorlesung am Kongress für physikalische Therapie in Amsterdam. In: Pfeiffer H, Drescher M, Hirte M. Homöopathie in der Kinder- und Jugendmedizin. München: Urban und Fischer; 2007

Akhmatova N.K., Goncharova S.M., Masgutova S.K.: Integration of Dynamic and Postural Reflexes into the whole Body Movement System. Moskau, 2000

Sacher R, Michaelis R.: Dynamik und Funktionen angeborener Fremdreflexe., 1. Moro- und Startle-Reflex. München: Hans Marseille Verlag; 2011

Alice Chinello, Valentina Di Gangi, Eloisa Valenza:
„Persistent primary reflexes affect motor acts: Potential implications for autism spectrum disorder“, 2016


Kostenloser Onlinecheck Reflex­integration

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Ob frühkindliche Reflexe der Ursprung deiner Sorgen sein könnten, kannst du hier herausfinden.

Du erhältst unmittelbar eine individuelle Auswertung für dein Kind. Der Fragebogen prüft eine Vielzahl von erforschten Symptomen ab, die auf die Aktivität von frühkindlichen Reflexen hindeuten können. Der Check umfasst 105 Fragen in elf Bereichen rund um die Entwicklung deines Kindes.

Du erfährst, wie viele Indikatoren auf aktive Reflexe bei deinem Kind hindeuten und welche frühkindlichen Reflexe möglicherweise noch aktiv sind. Auf Wunsch sende ich dir die Auswertung sofort per E-Mail zu.

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Ich bin Silke Krämer.

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(Zeugnis-)Noten: So gehst du entspannt mit ihnen um

(Zeugnis-)Noten: So gehst du entspannt mit ihnen um

Kirsten Götzinger

02-2022

Alle Halbjahre wieder kommt… das Zeugnis. Und damit leider oft auch ein mulmiges Gefühl, wenn man als Schüler die Noten der Lehrer ausgeteilt bekommt.

Hat die mündliche Arbeit ausgereicht, um diesen blöden Test von vor ein paar Wochen auszugleichen? Findet die Frau Müller, dass ich mich genug angestrengt habe, um doch noch eine 3 zu kriegen? Warum steht hier in Deutsch eine 2? Ich habe mich doch immer gemeldet, obwohl ich nicht gern vor anderen rede. Hoffentlich fragt mich jemand nach meiner guten Mathe-Note. Und hoffentlich fragt mich niemand, was ich in Biologie habe…

zeugnis-noten-entspannter-umgang

Ein jeder von uns kann sich sicher an diese vielen, vielen Gedanken zurückerinnern, die über einen hereinbrechen, wenn man in der Schule bewertet wird. Doch der heutige Blogpost richtet sich nicht an diejenigen, die schon gar nicht mehr in der Schule sind. Heute möchte ich direkt an die Schülerinnen und Schüler schreiben, die noch mitten in diesem Noten-Wald stecken. Und ich möchte euch, als jemand der auf der anderen Seite des Dschungels angekommen ist, Mut machen!

Denn was sind Noten eigentlich?

Sie sind ein Bewertungssystem, das von der Schule (und darüber hinaus, der Regierung) festgelegt wurde. Irgendwann saß also mal irgendwo ein wichtiger, erwachsener Mensch in seinem Gebäude und hat mithilfe von Büchern und anderen erwachsenen Menschen festgelegt und dann aufgeschrieben, was ein Kind in der Schule alles so können sollte. Dazu gehört neben Stillsitzen, aufpassen, Hausaufgaben machen, nur-reden-wenn-man-gefragt-wird und der Lehrplan, mit dem eure Lehrer ins Klassenzimmer spazieren. Bitte versteht mich nicht falsch – ich bin mir sicher, dass sich all diese Menschen viel Mühe gegeben haben, ihre Arbeit gut und richtig zu machen!

Aber bei all den Plänen wird eines oft vergessen:

Menschen, egal in welchem Alter, sind keine Roboter. Jeder lernt unterschiedlich viel und schnell.

Wie gut du einen bestimmten Lerninhalt zu einem bestimmten Zeitpunkt (zum Beispiel auswendig gelernt in einer Klassenarbeit) wiedergeben kannst, sagt nichts darüber aus, wie schlau du bist. Wenn dir das leicht fällt und Spaß macht, liegt dir diese Art des Lernens und das ist toll! Aber wenn du damit Schwierigkeiten hast, bist du deshalb nicht weniger intelligent. So wie manche Leute gerne Äpfel essen und manche Leute eben einfach nicht, gibt es unterschiedliche Lerntypen.

Falls du einmal eine schlechte Note schreibst und traurig darüber bist, denke daran, dass das nur eine Momentaufnahme war und nicht automatisch etwas darüber aussagt, ob du dich angestrengt hast oder wie gut du bist.

Vielleicht hattest du vor der Klassenarbeit Ärger mit deinen Mitschülern? Mit negativen Gefühlen im Bauch kannst du dich nämlich ganz schlecht konzentrieren, egal, wieviel du vorher gelernt hast. Oder du hast etwas anderes gelernt, als die Lehrerin in der Klassenarbeit abgefragt hat? Oder du warst vom lauten Schnaufen der Schnupfen-Nase deines Sitznachbarn abgelenkt? Oder du konntest am Vorabend ganz schlecht einschlafen und bist müde? Oder …. .

Du siehst, es kann viele verschiedene Gründe dafür geben, warum du eine schlechte Note in einer Klassenarbeit bekommen hast. Bitte danke dabei daran, dass es vor allem darauf ankommt, wie du dich mit deiner Vorbereitung fühlst. Wenn du dich gut auf eine Arbeit vorbereitet hast, regelmäßig und konzentriert gelernt hast, dann hast du dein Ziel erreicht. Denn das ist es, worauf du stolz sein solltest.

Wenn du das geschafft hast, dann kannst du sehr zufrieden mit dir sein - auch, wenn die Note nicht so ausfällt, wie du es dir gewünscht hast, weil „das Leben“ dazwischen kam.

Wenn du an dieser Stelle denkst: Hm, eigentlich weiß ich gar nicht so genau, wie ich effektiv und konzentriert lernen kann, dann suche dir jemanden, der dir das zeigt. Das sollte immer der erste Schritt sein, bevor du fachliche Nachhilfe in Anspruch nimmst, denn vielleicht liegt es nur an der Art, wie du lernst, dass es mit den Wunschnoten nicht klappt.

 

Schule ist nur ein ganz kleiner Teil von deinem Leben

Und wenn du dich in der Schule oft nicht verstanden und frustriert fühlst, denk daran, dass Schule nur ein ganz kleiner Teil von deinem Leben ist – auch wenn es dir momentan vielleicht nicht so vorkommt. Bist du sonst stolz darauf, wer du bist? Vielleicht hast du ein schönes Bild gemalt, einen tollen Film geschaut, deine Schwester zum Lachen gebracht oder deine Katze schnurren hören, weil du sie so gut hinter den Ohren kraulen kannst? Vielleicht hast du deine Freundin oder deinen Freund getröstet, als er traurig war und ihn dann wieder zum Lachen gebracht? Oder du hast jemandem geholfen, vielleicht sogar deinen Eltern?
Außerhalb der Schule sind all diese Dinge wirklich wichtig, damit du dein Leben genießen kannst.

Wirf also nicht nur die Schule in die Waagschale, die darüber entscheidet, ob dein Leben ausgeglichen und glücklich ist, sondern wirf in die andere Schale die vielen anderen wunderbaren Dinge, die dich als etwas Besonderes und Einzigartiges ausmachen.

(Zeugnis-)Noten: So gehst du entspannt mit ihnen um 2

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Helfende Tipps

Die folgende Liste soll dir dabei helfen, dich auf das Große, Ganze zu konzentrieren, wenn du das Gefühl hast, dass dir in der Schule und mit den Noten alles zu viel wird:

  • Du kannst gut lernen und hast ein tolles Gehirn: überlege dir mal, was du als Baby konntest. Nicht besonders viel, richtig? In deiner kurzen Zeit hier auf diesem Planeten hat sich dein Körper alles Mögliche beigebracht, vom Sprechen und Laufen bis hin zu komplizierten Dingen ,wie alleine Bus fahren oder einkaufen gehen. Das ist schon eine Menge und auch wenn es dir selbstverständlich vorkommt, kannst du darauf stolz sein!
  • Noten sind nicht nur deine Leistung: wie gut man in der Schule sein kann, hängt auch ganz stark davon ab, wie viel man unterstützt wird. Vielleicht hat der Alex, der immer in allem so gut ist, ein großes Zimmer in dem er ganz in Ruhe lernen kann. Oder die Lisa, die immer eine 1 in Mathe hat, einen großen Bruder, der am Wochenende zu Besuch kommt und mit ihr lernt. Wo du herkommst und wo du lernst, hat auch damit zu tun, wie stark du dich auf die Schule konzentrieren kannst.
  • Gute Noten zeigen nicht, ob du toll lernen kannst: stell dir vor, du ziehst nach Frankreich, ohne ein Wort Französisch zu sprechen. Wenn du nach ein paar Monaten schon alleine in der Bäckerei einkaufen kannst, ist das toll, oder? Du hast schließlich einen riesigen Fortschritt gemacht! Vergleiche ich jetzt aber deine Französischkenntnisse mit jemandem, der dort geboren wurde, sieht es auf einmal so aus, als wärst du richtig schlecht. Und so ist das in der Schule auch. Deine Leistung wird nicht daran festgemacht, wie sehr du dich anstrengst und verbesserst, sondern du wirst mit einem allgemein festgelegten Maßstab verglichen.

Ich hoffe, mit diesem Artikel konnte ich dir helfen, etwas Abstand vom Noten-Chaos zu gewinnen. Auch wenn sich das vielleicht etwas kitschig anhört und du dich erst Mal komisch bei dem Gedanken fühlst oder dir keine bestimmte Leistung einfällt, mit der du besonders zufrieden bist: sei stolz darauf und dankbar darüber, wer du bist – gute Noten hin oder her.

Auch die Einser-Schüler, die du vielleicht gerade bewunderst und beneidest, werden früher oder später in irgendetwas nicht gut sein. In der Schule, während der Uni oder Ausbildung und bei der Arbeit wird es immer wieder Momente geben, in denen du an deiner Arbeit zweifelst, das ist ganz normal.

Es ist viel wichtiger, dass du mit dir selbst zufrieden bist, weil du weißt, was dir Freude bereitet und dass du zum Beispiel für deine Familie und Freunde da bist, wenn sie dich brauchen.

Und denke daran, es gibt eine lange Liste von berühmten und erfolgreichen Leuten (zum Beispiel Steve Jobs oder Walt Disney), die nicht gut in der Schule waren. Ob die glücklich waren, weiß ich natürlich nicht, aber sie zeigen auf jeden Fall, dass Noten nichts über Intelligenz aussagen. Falls du dich also nach dem Halbjahreszeugnis gerade etwas niedergeschlagen fühlst: Kopf hoch!

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Ich bin Silke Krämer.

Kinder- und Jugendcoach Professional, NLP Master und Coach, EMDR Traumatherapeutin und Gymnasiallehrerin

Ich helfe Familien, wenn es Schulstress gibt und daheim die Fetzen fliegen. Außerdem unterstützte ich Mütter und Väter dabei, sich den Herausforderungen des Familienlebens selbstbewusst zu stellen.

Als Trainerin für Reflexintegration helfe ich deinem Kind, damit ihm die Schule bei Konzentrations­schwächen, Lern- und motorischen Problemen leichter fällt.

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